Östliche Serengeti - Namiri Plains - Reisebericht Tansania 2014

von Judith Nasse

Serengeti, 04.11.2014

Nachdem wir am Vormittag eine spannende Pirschfahrt im landschaftlich schönen Ngorongoro-Krater unternommen haben, erreichen wir das Ndutu-Gebiet, das im südlichen Teil des Serengeti-Ökosystems liegt. Ich bin überrascht, wie grün es hier schon ist. Die Regenfälle haben in diesem Jahr schon früh eingesetzt. Im Winter werden hier die großen Gnu-Herden auf ihrer alljährlichen großen Wanderung ein paar Monate verbringen und ihre Jungen gebären. Einige Gnus und Thomson-Gazellen sind schon eingetroffen. Wir fahren weiter zum Naabi Hill Gate, wo wir eine Pause machen. Trotz der Hitze und des Staubes mache ich mich auf den Weg zum Aussichtspunkt. Pink und blau schillernde Agamen sonnen sich auf den Felsen. Der kurze Spaziergang wird mit einem herrlichen Ausblick auf die endlosen Weiten belohnt. Hier hat es wohl bisher keinen oder nur wenig Regen gegeben, denn die Ebenen wirken noch sehr ausgetrocknet. Wir fahren weiter in die Serengeti hinein. Nachdem wir im Ngorongoro-Krater insgesamt drei Löwen in einiger Entfernung beobachten konnten, dauert es nicht lange, bis wir nun ein Löwenmännchen sowie zwei Löwenweibchen sehen, die es sich direkt am Wegesrand bequem gemacht haben. Der Löwe ist besonders fotogen. Er döst im Gras und seine Mähne schimmert golden in der Nachmittagssonne. Nach einigen Minuten machen wir Platz für weitere Safarifahrzeuge, deren Insassen die Katzen auch aus nächster Nähe beobachten möchten und setzen unsere Fahrt fort.

Namiri Plains Camp

Unser heutiges Ziel ist Namiri Plains im Osten der Serengeti. Dieses Gebiet war für Besucher mehr als 20 Jahre lang nicht zugänglich, da es dem Schutz und der Aufzucht von Geparden diente. Namiri bedeutet „Großkatze“ auf Suaheli. Dieser Name ist besonders passend, da die Region heute eine außergewöhnlich hohe Population an Großkatzen beherbergt. Unser Partnerunternehmen Asilia hat zu seinem 10-jährigen Bestehen hier nun am 1. Juli 2014 die erste Unterkunft, das Camp Namiri Plains, eröffnet. Das Schutzgebiet wird als eines der bestgehüteten Geheimnisse Tansanias beworben. Ich bin sehr gespannt, ob meine dementsprechend hohen Erwartungen erfüllt werden.

Unser Guide Martin kennt eine Abkürzung nach Namiri Plains. Bald verlassen wir also die Piste, die nach Seronera führt, in Richtung Osten. Hier wird einem klar, warum der riesige Nationalpark den Namen Serengeti – endlose Ebene – trägt. Die reizvolle Landschaft der Grassavanne wird nur ab und zu von Koppies, den für die Gegend charakteristischen Granithügeln, durchbrochen. Auf unserer Fahrt zum Camp sehen wir noch viele weitere Löwen. Manche von ihnen dösen auf den Koppies, andere haben es sich im Gras gemütlich gemacht. Am heutigen Tag zähle ich im Ngorongoro-Krater und in der Serengeti insgesamt 26 Löwen. Einige sind nur durch das Fernglas zu erkennen, andere ganz aus der Nähe zu beobachten. Ich hatte zwar schon viel Safari-Glück, aber so etwas habe ich bisher noch nicht erlebt. Auch einen Serval bekommen wir zu Gesicht. Er ist scheu und verschwindet schnell wieder im hohen Gras, das ihm eine perfekte Tarnung bietet.

Auf unserer Fahrt nach Namiri Plains kommt uns nur ein einziges Auto entgegen. Die nächsten Nachbarn sind mehr als 45 Minuten Fahrt entfernt und daher werden hier selten andere Fahrzeuge gesichtet.Bei unserer Ankunft werden wir von Epimark und seinem Team herzlich begrüßt. Das Camp beeindruckt durch seine einsame Lage inmitten einer herrlichen Umgebung von Grassavanne und Fieber-Akazien. Nach einem kurzen Briefing beziehen wir unsere Zelte. Namiri Plains besteht momentan aus sechs Zelten plus zwei temporären Zelten, die normalerweise zum Ubuntu Camp gehören. Derzeit wird die Nachfrage geprüft, um zu entscheiden, wie viele Zelte hier längerfristig stehen werden. Sie sind in recht großen Abständen zueinander aufgestellt worden, so dass man ausreichend Privatsphäre hat. Die Hauszelte sind geschmackvoll eingerichtet und bieten fernab der Zivilisation gehobenen Komfort. Im hinteren Teil des Zeltes befindet sich ein Badezimmer mit Buschdusche und Spültoilette. Von der Veranda aus und vom Aufenthaltsbereich kann man den Blick über die unendlichen Weiten, die das Camp umgeben, schweifen lassen. Die Angestellten des Camps sind alle sehr freundlich und hilfsbereit. Allerdings merkt man, dass das Camp erst vor kurzer Zeit eröffnet wurde und das Team noch nicht so eingespielt ist wie in den anderen Unterkünften der Asilia-Gruppe. Auch in den Zelten sollten noch ein paar Dinge geändert werden. So fanden meine Zimmerkollegin und ich beispielsweise einen Safe vor, der im Regal stand, aber nirgends verankert war.

Bis zum Abendessen bleibt noch etwas Zeit, um den Staub von der langen Fahrt abzuspülen. So teste ich zum ersten Mal eine Buschdusche. Man muss vorher Bescheid geben, wenn man duschen möchte. Die Angestellten des Camps bringen dann das heiße Wasser zum Zelt und befördern es an der Außenwand hoch. 20 Liter fasst dieser Wassersack. Ich stelle fest, dass ich mich gar nicht hätte beeilen müssen und 20 Liter für eine ausgiebige Dusche vollkommen ausreichen. Plötzlich hören meine Zimmerkollegin und ich eine Art Brüllen, das ganz aus der Nähe zu kommen scheint. Als uns kurze Zeit später einer der Askaris abholt, erfahren wir, dass das laute Geräusch von einem Büffel kam, der nur wenige Meter von unserem Zelt entfernt im Gras liegt. Im Licht der Taschenlampe können wir seinen Kopf erkennen.

Die Tiere kommen hier also tatsächlich bis ins Camp - einfach grandios! Da das Wetter mitspielt, können wir zum ersten Mal unseren Aperitif am knisternden Lagerfeuer genießen. Anschließend nehmen wir an einem großen Tisch Platz und lassen uns das leckere dreigängige Abendessen schmecken. Heute Abend sitzt unsere Gruppe gemeinsam mit einem amerikanischen und einem deutschen Ehepaar am Tisch. Schnell kommt man ins Gespräch und unterhält sich angeregt über die heutigen Tiersichtungen. Auch die anderen Gäste sind begeistert. Ein besonderer Tag mit vielen Highlights geht zu Ende. In der Nacht weht ein kräftiger Wind, der die Zeltwände wackeln lässt.

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