Zentrale Serengeti - Camps im Seronera-Gebiet - Reisebericht Tansania 2014

von Judith Nasse

Zentrale Serengeti, 5.11.2015

Besichtigungen im Seronera-Gebiet

Am folgenden Tag stehen vormittags zwei „site inspections“ im zentralen Bereich der Serengeti auf dem Programm. Kurze Zeit, bevor wir aufbrechen, sehe ich, dass unsere beiden Guides Martin und Estomih etwas durch ihre Ferngläser beobachten. Sicherlich haben sie nur wenige 100 Meter vom Camp entfernt etwas Interessantes entdeckt. Und tatsächlich: zwei Löwen streifen durch die Savanne. Auch auf unserem Weg in Richtung Seronera dauert es nicht lange, bis wir das erste Löwenrudel sichten. Noch ist das Gras kurz und so sind die Tiere leicht zu entdecken. Von Martin erfahren wir, dass es das gleiche Rudel ist, was wir gestern an den Koppies gesehen haben. Da die Löwen hier ortstreu sind, scheint es recht einfach, sie immer wieder aufzuspüren. Eigentlich hatte ich vor, die Löwen-Sichtungen zu zählen, höre aber irgendwann damit auf. Es sind einfach zu viele – Wahnsinn! Der Name „Namiri“ macht dem Gebiet und dem Camp tatsächlich alle Ehre und ich bin ganz begeistert.

Kati Kati Camp

Im Seronera-Gebiet besichtigen wir zunächst das Kati-Kati Camp, das in landschaftlich reizvoller Lage liegt. Es befindet sich nahe eines Hügels und bietet einen schönen Ausblick über die Ebene, auf der viele Akazien wachsen. Die zehn Zelte stehen leider ziemlich dicht nebeneinander. Sie sind recht einfach ausgestattet, machen aber einen guten und gepflegten Eindruck. Im hinteren Teil des Zeltes befindet sich ein durch Zeltplanen abgetrenntes Bad mit Buschdusche und Toilette. Sicherlich ist dieses Camp eine gute Wahl für Gäste, die günstig übernachten möchten. Auch ich würde mich hier bestimmt wohl fühlen.

Lemala Ewanjan Camp

Wir fahren weiter durch die grüne Landschaft im Herzen der Serengeti. Hier sind schon die ersten Gnu-Herden eingetroffen. Kurze Zeit später erreichen wir das Lemala Ewanjan Tented Camp. Es ist einsam gelegen und bietet seinen Gästen einen wunderschönen Weitblick über die Grassavanne. Bis zur Flugpiste von Seronera fährt man ca. 30 Minuten. Der Loungebereich lädt nach einem erlebnisreichen Tag zum Verweilen ein. Die geräumigen Hauszelte sind mit Holzfußboden ausgestattet und komfortabel eingerichtet. An eine Seite des Zeltes schließt sich das Badezimmer mit schickem Waschtisch und Buschdusche an. Die Möbel in den Zelten sowie im Aufenthaltsbereich weisen allerdings schon recht starke Gebrauchsspuren auf. Meine Mitstreiter und ich hoffen, dass hier bald Renovierungsarbeiten stattfinden werden, so dass wir danach unseren Kunden, die eine hochwertige Unterkunft im Seronera-Bereich wünschen, dieses Camp auch gern empfehlen können.

Mittagessen - für Menschen und Geparden

Auch auf unserer Rückfahrt nach Namiri Plains bekommen wir nochmals einige Löwen zu Gesicht, darunter eine sechsköpfige Gruppe bestehend aus vier Löwinnen und zwei Jungen. Sie verbringen die Mittagszeit auf einem Kopje im Schatten einer Akazie.Angekommen im Camp erwartet uns heute ein ganz besonderes Mittagessen, denn das Team von Namiri Plains hat für uns unter einem Baum einen schönen Tisch gedeckt. Wir genießen das schmackhafte Mahl und den Blick auf die traumhafte Landschaft. Am Nachmittag treffen wir uns wieder, um eine Pirschfahrt im offenen Safarifahrzeug zu unternehmen. Aufgeteilt in zwei Gruppen verlassen wir mit den beiden Guides Blessed und Erasto das Camp. Nach ein paar Minuten Fahrzeit hält Erasto an und fragt uns, welche Tiere wir gerne sehen möchten. Nun, Löwen haben wir schon sehr viele gesehen und so antwortet Mandy, dass es toll wäre, wenn wir einen Gepard zu Gesicht bekämen.

Die Fahrt geht weiter und zunächst ist es recht ruhig in der Savanne. Geier sitzen auf den Baumkronen und ein paar männliche Büffel, die von ihrer Herde verstoßen wurden, grasen in einiger Entfernung. Etwas später kommt uns ein anderes Fahrzeug entgegen. Der Guide berichtet Erasto von einer Geparden-Sichtung, also geben wir Gas und drücken die Daumen, dass auch wir Glück haben und es schaffen, den Gepard aufzuspüren. Angestrengt scannen wir mit Augen und Ferngläsern die Grassavanne. Nach einer Weile bewegt sich in der Ferne etwas. Eine Herde Thomson-Gazellen rennt eine kleine Böschung hinab. Es scheint fast so, als liefen die Tiere um ihr Leben.

 

Tatsächlich entdecken wir einige Minuten später durch unsere Ferngläser den Gepard, der ab und zu seinen Kopf reckt. Hier in Namiri sind die Wege noch nicht ausgebaut und daher fahren wir „offroad“ durch das Gras. Bis auf wenige Meter tasten wir uns vorsichtig an die Gepardin heran. Sie hat eine Gazelle erbeutet. Nun wissen wir also, was die Antilopen aufgescheucht hat. Die Gepardin sieht sich um, steht auf und schleppt ihre Beute ein paar Meter weiter. Dann lässt sie sich im Gras nieder und beginnt mit ihren scharfen Zähnen, die Gazelle zu öffnen. Gespannt sehen wir zu, wie sie sich ihre Mahlzeit schmecken lässt und mit der Zunge immer wieder die blutige Schnauze leckt. Die Bilder, die Dan mithilfe seines starken Teleobjektivs macht, enthüllen sogar einen Doppelmord: Die Gazelle war trächtig. Lange Zeit ist weit und breit kein anderes Fahrzeug zu sehen. Es ist, als hätten wir die Serengeti für uns allein und als hielte Mutter Natur eine ganz besondere Privatvorstellung für uns bereit. Nur das Fahrzeug der anderen Gruppe kommt noch dazu.

So bleibt diese Pirschfahrt ein sehr exklusives Erlebnis. Wir fahren erst weiter, als es schon dämmert. Auf unserem Rückweg sehen wir noch eine Gepardenmutter, die mit ihrem Kind durch das Gras streift. Bei einem Sundowner an einem schönen Platz im Busch neben ein paar Koppies unterhalten wir uns angeregt über das gerade Erlebte. Zurück im Camp lassen wir bei Drinks am Feuer und einem guten Abendessen unseren Aufenthalt in Namiri Plains ausklingen. Es ist wirklich ein ganz besonderes Fleckchen Erde und ich kann nur hoffen, dass hier in Zukunft keine weiteren Unterkünfte entstehen werden.

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