Jongomero Camp, Ruaha Nationalpark, Südtansania

von Svenja Penzel

17. Juni 2010

Nach dem Einchecken in den Ruaha-Nationalpark folgt eine schöne, aber schnelle Pirschfahrt – Jongomero ist noch eine Stunde entfernt und wir wollen nicht im Dunkeln ankommen. Die Landschaft begeistert mich. Der Ruaha River ist ein blaues Paradies in dieser trockenen Gegend. Endlich erreichen wir unser Tagesziel, das Jongomero Camp. Erschöpft höre ich mir bei einem kühlen Glas Saft die Einführung der netten Managerin Noelle an. Sie erkennt, dass ich nicht mehr sehr aufnahmefähig bin, und bringt mich zu meinem Zelt. Und dort erlebe ich kurz vor Sonnenuntergang ein kleines Wunder. Nämlich ein ganz wunder-wunderschönes riesengroßes superluxuriöses, helles und luftiges, pieksauberes Wohnzelt, MEIN Zelt, ein Traum. Die Dusche ist die wahre Wonne. Das blitzblanke Badezimmer bietet genug Platz zum Tangotanzen und viel Ablagefläche.

Unbezahlbar - der Blick auf das breite Flussbett des Jongomero River, dazu ein kühles Kilimanjaro Lager. Svenja am Ziel.

Alles ist weit weg hier. Das nächste Gästezelt steht außer Sicht- und Hörweite, zwischen uns ist dichte Vegetation. Das nächste Camp ist eine Stunde entfernt. Die nächste Stadt scheint Lichtjahre weg. Das hier ist tiefer afrikanischer Busch vom Feinsten. Jongomero verzaubert mich von der ersten Minute an und bleibt auf dieser ganzen Safari mein unangefochtenes Lieblingscamp. Im Camp sind außer mir nur drei oder vier andere Gäste. Zwei von ihnen haben gerade ein Fly Camping hinter sich, eine Nacht draußen im Busch mitsamt Begleitmannschaft, und erzählen voll Begeisterung davon. Beim Dinner sitzen wir am fein gedeckten Tisch im trockenen Flussbett und genießen ausgezeichnetes Essen. Um uns herum sind Kerzen aufgestellt, ein gusseiserner Topf mit glühenden Kohlen wärmt uns die Beine an diesem kühlen Abend. In meinem Bett liegt schon eine Wärmflasche, als ich zurückkehre. Die Zeltbahnen zum Fluss hin lasse ich offen – das Moskitonetz reicht mir. Ich mag es, vom Bett aus in den Morgen zu sehen.

Auf Pirschfahrt durch Ruaha

18. Juni 2010

Wie vereinbart werde ich früh mit dezentem Klopfen und einem Guten-Morgen-Kaffee geweckt. Ich hole mir das Tablett und genieße den ersten richtig guten Kaffee in Tansania noch im Schlafanzug auf meinem Bett, während draußen der Tag erwacht. Wenig später folgt eine ganz außerordentliche Pirschfahrt. Ich kann wohl behaupten, eine der besten je erlebten Pirschfahrten in meinen 15 Jahren Safari-Erfahrung. Andrew Molinaro, genannt Moli, ist ein echter Superguide.

Aus Zeitgründen (ich will ja noch viel anschauen in Ruaha) sind wir nur zwei Stunden unterwegs, aber die sind vollgepackt mit packenden, lustigen, anschaulichen Geschichten, denen ich gebannt zuhöre, und natürlich Wildbeobachtungen vom Feinsten. Egal was Moli sieht, und sei es ein Impala oder eine Kameldornakazie, er hält an und erzählt. Er begeistert mich mit seinem Witz und seinem enormen Wissen. Die Geschichte vom Buffalo Thorn, dem Wart-ein-bisschen-Strauch, mit dessen Dornen die Einheimischen die Seelen von Verstorbenen einfangen können, werde ich wohl nie vergessen. An diesem kühlen Morgen bin ich froh, dass Decken im Auto liegen. Warm eingemummelt fahren wir durch eine märchenhaft wilde Landschaft am Ruaha River und am Jongomero River entlang. Kein anderes Auto ist hier unterwegs. Giraffen allerorten, weshalb Moli Ruaha auch gern „Giraffic Parc“ nennt. Büffel, Elefanten, Paviane, Schakale, alles nur für mich.

Jongomero hat den großen Vorteil, dass es weit weg von den anderen Ruaha-Lodges liegt und zudem einen eigenen Airstrip hat. Selbst in der Hochsaison fahren hier in der Regel keine „fremden“ Pirschwagen. Nach einem leckeren Frühstück erwartet mich gegen 10 Uhr Philippo, und ich verabschiede ich mich schweren Herzens von Moli und Noelle. Sie werden mich bestimmt in Erinnerung behalten – mittlerweile sind wir auch auf Facebook befreundet. Als Gast, der nicht einfliegt, sondern über Land anreist, bin ich hier wie auch später in Selous die absolute Rarität.

ein Kommentar

Brigitte Schubert

23.11.2010 um 12:02

Ich kann mich den Worten von Svenja Penzel nur anschliessen. Jongomero war auch für uns das Traumcamp, eben wegen der Lage in völliger Wildnis und wegen Molly, dem einmaligen Guide.