Auf Safari zwischen der Nord- und der Zentralserengeti

von Justine Retzar

Tansania, Oktober 2024

Nordserengeti

Ende Oktober 2024 war es mal wieder Zeit für mich, nach Tansania aufzubrechen. Zum ersten Mal durfte ich die Nordserengeti besuchen, worauf ich mich schon sehr gefreut hatte. Der einfachste und schnellste Weg dorthin ist, mit einer 13-Sitzer Cessna von Arusha nach Kogatende zu fliegen. Dieser Flug war schon ein Highlight für sich, denn ich konnte den Ol Donyo Lengai, den einzigen aktiven Vulkan Tansanias, von oben bestaunen. Zum Glück war das Wetter an diesem Tag gut und wir hatten kaum Wolken, sodass es möglich war, direkt in den Krater hineinzuschauen. Diesen Ausblick werde ich nie vergessen.

Nach einer Stunde Flugzeit landeten wir an dem kleinen Airstrip in Kogatende und wurden von unserem Guide George abgeholt. Ich war mit Wild Frontiers Tanzania unterwegs und besuchte zuerst deren eigenes Serengeti Wilderness Camp North. Das ist ein mobiles Tented Camp, das je nach Saison den Ort wechselt. Von Juni bis Oktober steht es in der Nordserengeti und von November bis März in der Südserengeti in der Ndutu-Region. Die Zelte sind sehr geräumig und mit einem Doppelbett, einer Garderobe, einem Tisch mit Stuhl sowie Nachttischen ausgestattet. Das angrenzende Badezimmer besteht aus einer normalen Toilette, einem Waschbecken mit fließend kaltem Wasser und einer Bucket Shower. Wenn man heiß duschen möchte, bringt das Personal 20 Liter warmes Wasser pro Person, was für mich gut ausreichend war. Es gab keinen Tag, an dem ich den Wasservorrat aufgebraucht habe. In Tansania versucht jeder, wo es nur geht, Wasser zu sparen. Das finde ich gut, denn man verschwendet im alltäglichen Leben ziemlich viel davon. Die Zelte sind mit einem Solarpanel ausgestattet. So hat man Licht und kann auch seine elektronischen Geräte aufladen, wenn es den Tag über ausreichend Sonne gab.

Insgesamt hat das Camp nur zehn Zelte und man wird sehr familiär aufgenommen. Es gibt zudem ein Aufenthaltszelt, wo man seine Geräte zusätzlich laden kann, wenn im Zelt mal nicht genügend Strom vorhanden sein sollte. Dort ist auch die Bar, wo verschiedene lokale und internationale Getränke ausgeschenkt werden. W-Lan ist nur in diesem Zelt und im Messezelt nebenan verfügbar. Täglich wird man dort mit einem reichhaltigen Frühstücksbuffet und einem 3-Gänge Abendessen verwöhnt. Mittags ist man meist auf Pirschfahrt und bekommt dann ein abwechslungsreiches Picknick mit. Beispielsweise gibt es Nudelsalate, Currys oder andere leichte Speisen, die man gut unterwegs essen kann.

Bei der ersten Pirschfahrt in dem Gebiet rund um das Camp fiel mir auf, dass die Nordserengeti im Oktober sehr grün war. Das ist nicht das typische Bild, das man vor Augen hat, wenn man an dieses Fleckchen Erde denkt. Aber es hat in diesem Jahr viel geregnet, da es ein El-Nino Jahr war, und daher verwandelt sich das Landschaftsbild eher zu einer grünen Oase. Teilweise sind wir sogar durch Regionen gefahren, die eher einem Regenwald glichen als einer Savanne. Mir persönlich gefällt das viele Grün sogar besser als eine trockene Landschaft.

Die Temperaturen im Oktober waren für mich sehr angenehm. Tagsüber hatten wir ca. 32 Grad und nachts kühlte es auf ca. 15 Grad ab. Dies empfand ich als recht kalt, und so brauchte ich zum Schlafen schon einen langen Schlafanzug und eine dicke Decke. Da die kleine Regenzeit eingesetzt hatte, gab es auch wirklich täglich gegen 15 Uhr für ca. 1,5 Stunden einen heftigen Regenschauer und teilweise auch ein Gewitter. Danach war es aber sofort wieder schönes warmes Wetter. Somit würde ich jedem empfehlen, trotz der kleinen Regenzeit im Oktober/November nach Tansania zu reisen. Die Hauptsaison ist vorbei und im Nationalpark sind weniger Fahrzeuge unterwegs, was mir vor allem in der Nordserengeti auffiel. Manchmal fuhren wir eine Stunde lang, ohne einem anderen Auto zu begegnen. Man konnte die Landschaft und die Tiere in Ruhe genießen. Wir hatten viele verschiedene Tiersichtungen, unter anderem viele Löwen, einen Leoparden, und auch ein Gepard kreuzte unseren Weg. Überall stehen Giraffen und fressen von den Akazien. Als wir entlang des Mara-Flusses fuhren, konnten wir auch einige faule Hippos im Wasser liegen sehen. 
 

Zentralserengeti

Nach drei Nächten im Norden der Serengeti ging es für mich auf dem Landweg weiter in Richtung Zentralserengeti. Unterwegs kamen wir durch verschiedene Vegetationszonen – von savannenartigen, trockenen Regionen bis hin zu saftig grünen Wäldern. Die Route führte auch ein Stück außerhalb des Nationalparks entlang durch Dörfer, wo ich einen kurzen Einblick in das Leben der Menschen gewinnen konnte. In der zentralen Region der Serengeti rund um Seronera war es deutlich trockener als im Norden. Hier waren nun viel mehr Autos unterwegs. Es kam mir so vor, als würden wir vom Land in eine Großstadt fahren. Wenn es eine besondere Tiersichtung gab, standen auf einmal ca. 25 Autos rund herum. Im Norden waren es maximal zwei gewesen. Unweit unseres nächsten Camps stießen wir auf die große Tierwanderung, bestehend aus tausenden Gnus und Zebras.

In der Zentralserengeti übernachtete ich im Serengeti Wilderness Camp von Wild Frontiers. Das ist ein permanentes Camp, das ganzjährig an diesem Ort steht. Die Zelte sind wirklich hübsch und geräumig. Die Zeltausstattung besteht aus einem Tisch mit Sofa, einem Sessel, einem großen Doppelbett und einem Kleiderschrank. Das Bad ist ähnlich dem im Nordcamp. Hier gibt es ebenfalls ein Messezelt und auch ein Aufenthaltszelt, wo man Geräte laden kann, was aber auch wieder durch Solarenergie im eigenen Zelt möglich ist. Da die vielen Gnus nicht weit vom Camp entfernt grasten, hatte man frühmorgens schon eine interessante Geräuschkulisse durch die Laute der Tiere. So merkt man, dass man mitten in der Wildnis übernachtet.

Auf den Pirschfahrten bestätigte sich dann mein erster Eindruck, dass es in dieser Region bisher nicht so viel geregnet hatte und alles etwas trockener war als im Norden. Wir hatten auch nur an einem Tag Regen und Gewitter, ansonsten war es sehr warm, sowohl tagsüber als auch nachts. Interessanterweise kühlte es abends nur wenig ab, vielleicht auf ca. 23 Grad. Das fand ich sehr angenehm, da man immer noch im T-Shirt beim Abendessen sitzen konnte. Ich war sehr erstaunt, wie unterschiedlich die Temperaturen dort sein können, denn es sind nur wenige hundert Kilometer Entfernung von der Nordserengeti.

Ebenso erstaunt war ich, dass ich in der gesamten Zeit in der Serengeti keine einzige Mücke gesehen habe. Es flogen zwar die bekannten Tsetse-Fliegen herum und auch ein paar Falter, aber keine Mücken. Das war sehr angenehm. Somit hätte ich mir die Malaria-Prophylaxe eigentlich sparen können. 

Zusammenfassend empfehle ich allen, die die nötigen Mittel und Zeit dafür haben, beide Regionen der Serengeti zu besuchen. Der zentrale Bereich und den Norden sind sehr unterschiedlich und ergänzen sich gut. So erlebt man die ganze Vielfalt dieses riesigen Nationalparks. Auch rate ich sehr dazu, außerhalb der Gnu-Saison in die Nordserengeti zu fahren. Bis auf die Gnus sind ja alle Tiere noch da, und man hat die Sichtungen dann wieder fast für sich allein.

Wie kombiniert man nun die beiden Stationen in der Serengeti? Am einfachsten geht es mit dem Kleinflugzeug. Es gibt tägliche Verbindungen von Arusha sowohl in die Zentralserengeti nach Seronera als auch in die Nordserengeti nach Kogatende. Auch zwischen Seronera und Kogatende gibt es tägliche Flüge. So spart man sich viele anstrengende Pistenkilometer. Wer über Land mit seinem privaten Guide anreist, kann vom Ngorongoro-Gebiet aus zunächst die Zentralserengeti anfahren und dann den Norden. Wir empfehlen dann den Flug aus der Nordserengeti zurück nach Kilimanjaro – oder gleich weiter nach Sansibar.

Insgesamt war diese Reise sehr hilfreich für meine tägliche Arbeit und zur Beratung meiner zukünftigen Kunden.

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