Remote Africa Safaris - Reisebericht Sambia (7)

von Marco Penzel

Tafika, 09.07.2013  Nur mit einem Beckengurt befestigt und nach beiden Seiten frei sitze ich hinter dem Piloten. Wir fahren über eine steinige Piste und sind mit einem kurzen Schwung plötzlich in der Luft. Das Microlight-Flugzeug ist so etwas wie ein Motorrad mit abgewinkeltem Flügel. Der Propeller befindet sich direkt hinter den beiden Passagieren. Unter uns glitzern die Biegungen des Luangwa-Flusses in der Morgensonne. Wir entdecken bald eine kleine Büffelherde, ein Stück weiter geht ein einsamer Elefantenbulle langsam seiner Wege.


Microlight-Flüge bietet in South Luangwa nur einer an: John Coppinger. Ihm gehört Remote Africa Safaris, eines von nur noch drei verbliebenen Safariunternehmen im Luangwatal, die von den ursprünglichen Eigentümern geführt werden. Der Name Remote Africa, also abgelegenes Afrika, hat seine Berechtigung. Insgesamt vier Safari-Camps gehören zu Remote Africa. Eins davon ist das Mwaleshi Camp, das im weiter nördlich gelegenen North Luangwa Nationalpark liegt. Dorthin stoßen jedes Jahr nur wenige Besucher vor.

Tafika, das Basis-Camp der Familie Coppinger, besteht aus sechs aus Holz und Grasmatten gebaute Chalets vor den Toren des Nsefu Sektors, der zum South Luangwa Nationalpark gehört. Hier bietet John Coppinger seinen Gästen die Gelegenheit, ihn auf seinen fast täglichen Microlight-Flügen zu begleiten. Sie starten meist früh am Morgen, dann sind die thermischen Bedingungen am besten. Mehr als drei Flüge von je etwa 15 Minuten Dauer pro Tag gibt es nicht. „Es soll auch mir weiterhin Spaß machen und nicht zum Hauptberuf werden. Außerdem wollen wir die Ruhe hier nicht zu sehr stören“, erklärt John. Man übernachtet also am besten in Tafika, wenn man an einem solchen Flug interessiert ist. John ist der einzige Microlight-Pilot. Wenn er einmal nicht im Camp ist, finden keine Flüge statt. Deshalb können sie auch nicht im Voraus reserviert werden. Aber in der Saison - Tafika hat vom 1. Mai bis zum 15. November geöffnet - sind die Coppingers fast immer zu Hause.Ich habe nicht in Tafika übernachtet, sondern in Chikoko, einem der beiden Bush Camps von Remote Africa im South Luangwa Nationalpark. Dorthin sind wir von Tafika aus zunächst etwa eine halbe Stunde mit dem Auto gefahren und kamen durch Mkasanga, ein ausgedehntes Dorf mit traditionellen sambischen Rundhütten und einer Schule, die vom Tafika Fund unterstützt wird. Die Fahrt endete am Luangwa-Fluss, über den wir mit dem Kanu übersetzten. Dann sind es noch etwa zehn Minuten zu Fuß bis nach Chikoko. Die beiden Bush-Camps liegen im Herzen einer Wildnis, in der keine Straßen erlaubt sind – „remote Africa“ eben.

Chikoko Tree Camp, das sind drei auf hölzernen Pfählen gebaute Baumhäuser. Im Untergeschoss befinden sich Dusche und WC. Eine steile Holztreppe führt nach oben ins offene Schlafgemach. Die Wände bestehen aus Grasmatten. Zwischen schattenspendenden Bäumen steht ein großer runder Tisch, an dem Lunch und Dinner serviert werden. Um das Wohl der Gäste kümmern sich ein Guide, ein bewaffneter Nationalpark-Ranger, das Küchen-Team und die Träger. Es gibt hier weder ein Auto noch Wege, auf denen es fahren könnte. Wir sind in einem Walking Camp, also gehen wir am Nachmittag auf eine Pirschwanderung. Dabei kommen wir recht nahe an eine Gruppe von Büffeln heran. Bald geht die Sonne unter und wir müssen zurück. Am Lagerfeuer erklärt mir Alex, unser Guide, das Geräusch, das ein Leopard von sich gibt, wenn er sein Territorium markiert. Vielleicht kann man es am ehesten beschreiben mit einer Mischung aus dumpfer Buschtrommel und dem Ritsch-Ratsch einer alten Holzsäge. Nachts, es ist gerade 2 Uhr, wache ich auf. Genau dieses Geräusch hat mich geweckt. Der Leopard scheint mitten im Camp zu sein. Er macht sich immer lauter bemerkbar, begleitet von den Alarm-Rufen der Paviane. Ein Moskitonetz, eine Grasmatte und ein paar Meter sind zwischen mir und dem nächtlichen Besucher. Gar nicht so einfach, nach einem solchen Erlebnis wieder in den Schlaf zu finden.

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