Satao Tented Camp, Tsavo East Nationalpark

von Susanne Schlesinger

Das Satao Tented Camp liegt rund 50 Kilometer von den Parkgrenzen Tsavos entfernt unweit des Voi River. Es ist eins der permanenten Camps mit überdachten Zelten und fest gemauerten Badezimmern. Die Zeltchalets sind in zwei Reihen rechts und links des Haupthauses angeordnet. Die Ausstattung ist komfortabel, es gibt Strom und eine richtige Dusche. Da wir nur eine Nacht bleiben, haben wir leichtes Gepäck und können vor dem Mittagessen noch eine Weile die Atmosphäre auf uns wirken lassen. Die Anlage ist weitläufig, die Wege sind ordentlich geharkt und es gibt keine Umzäunung. Beim Mittagessen leisten uns einige Dreifarben-Glanzstare (Superb Starling) und ein Bartvogel Gesellschaft. Sie haben kaum Scheu vor den Menschen und lassen sich hübsch fotografieren.

Später bei einer Führung durch das Camp sehen wir, dass in rund 100 Metern Entfernung ein großzügiges Wasserloch angelegt wurde, das durch eine unterirdische Quelle gespeist wird. In den trockenen Monaten ist dies natürlich der Treffpunkt für Elefanten und andere Tiere. Auf einem Hochsitz können die Gäste sich mit einem kühlen Getränk die Tiere also quasi frei Haus liefern lassen. Die fehlende Umzäunung erfordert es jedoch, dass bei einbrechender Dunkelheit ein Askari Begleitschutz gibt. Geschichten nach soll es hier auch ab und zu Löwen auf den Zeltterrassen geben. Noch ist es aber hell und wir können ohne Begleitung über das Gelände gehen.

Nachmittagspirschfahrt in Tsavo

Wir treffen uns zu einer Nachmittagspirschfahrt, diesmal mit mehr Erfolg. Endlich kommen einige Elefanten in Sicht und hübsche Zebras werfen sich in Pose für uns. Die Regenwolken haben sich verzogen, der Blick in die Weite und auf die Bergketten am Horizont ist frei. Daphne Sheldrick beschreibt in ihrem Buch „Eine afrikanische Liebesgeschichte“ ihr Leben in Tsavo, und bei dem weiten Ausblick kann ich verstehen, warum sie die Gegend liebt.

 Wir fahren noch eine weitere Stunde kreuz und quer durch den Park. Die Sonne sinkt langsam, das Licht wird golden und verzaubert die Savanne. An einer Wegkreuzung ist unter einem Baum eine Bar und daneben ein Halbkreis aus Klappstühlen und Tischchen rund um ein Lagerfeuer aufgebaut. Die beiden anderen Pirschfahrzeuge sind bereits da und die Angestellten des Satao Camps bereiten eifrig Cocktails für uns zu. Es gibt „Dawa“. Der ursprünglich aus Brasilien stammende Cocktail aus Zucker, Wodka und Limette wird mit einem in Honig getauchten Holzstab umgerührt. „Dawa“ bedeutet „Medizin“ und soll Zipperlein aller Art kurieren. Dazu werden kleine Teigtaschen und Chicken Wings gereicht. Ein älterer Herr im bunten Hemd gesellt sich zu uns und stellt sich jedem persönlich vor – es ist Mike Kirkland, der Besitzer des Satao Camps und der Safarifirma „Southern Cross Safaris“.

Vor uns entfaltet der Abendhimmel seine ganze Pracht. Die Cirrus-Wolken, die den Himmel überziehen, färben sich golden, dann rot und rosa, während die Sonne hinter die Bergkette am Horizont sinkt. Einer dieser Berge ist der Kilimanjaro, dessen Gipfel schemenhaft in der Ferne aufragt. „Ein seltener Anblick um diese Jahreszeit“, sagt Mike. Wir genießen andächtig das Schauspiel. Schnell wird es dunkel und die Flammen des Lagerfeuers werfen lange Schatten.Zeit zum Aufbruch. Die Fahrer der Safarijeeps lenken die Fahrzeuge durch die Dunkelheit und wir gelangen sicher zurück ins Satao Camp.

Dort gehen wir direkt zum Abendessen. Es ist immer wieder erstaunlich, welche kulinarische Vielfalt in den weit abgelegenen Lodges und Camps geboten wird. Alles schmeckt wunderbar. Mike ordert Wein für alle und unterhält uns mit Geschichten aus seiner bewegten Vergangenheit.Mike Kirkland ist in Kenia geboren und seit über 40 Jahren im Tourismusgeschäft. Daneben war er ein sehr erfolgreicher Rennfahrer und Pilot. Ein richtiger Haudegen, wie ihn Hollywood nicht treffender hätte erfinden können. Die Schilderung seiner Abenteuer ist so spannend, dass die Frage nach dem Wahrheitsgehalt der einen oder anderen Anekdote den Zauber des Moments ruinieren würde. Es ist einfach herrlich, ihm zuzuhören. Ich hoffe, er schreibt irgendwann noch ein Buch.

Nach dem Abendessen ziehen wir ans Lagerfeuer um. Im flackernden Schein der Flammen tauchen einige Impalas auf. Die Herde tut sich am Wasserloch gütlich und das Feuer und die Menschen scheinen die hübschen Antilopen nicht zu erschrecken. In der Ferne hören wir weitere Tiere – Elefanten tröten und ein paar Warzenschweine grunzen. Die Flusspferde, die in der Trockenzeit das Wasserloch als ihren Privatpool ansehen, sind leider zurzeit nicht da. Sie kommen erst wieder, wenn die Tümpel der Umgebung fast ausgetrocknet sind.

Gundis, meine Zeltgenossin, und ich verlassen die Runde und ein Askari begleitet uns zu unserem Zeltchalet. Wir setzen uns noch etwas auf die Terrasse und genießen die einzigartige Atmosphäre. Unser Zelt liegt fast am Ende der Reihe und die Stimmen vom Lagerfeuer gelangen nicht bis zu uns. Es ist bis auf den Wind und die Tiergeräusche im Busch ganz ruhig. Wolkenfetzen gleiten am Vollmond vorbei, die Bäume sind nur noch schwarze Silhouetten. In der Dunkelheit sehen wir wandernde Schatten, einige Impalas kreuzen den Schein unserer Taschenlampe. Perfekter kann ein Tag nicht enden!

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