Nashörner und Weiterfahrt in die Massai Mara

von Judith Nasse

Nakuru, 09.09.2015

Beim Frühstück genießen wir nochmals die Aussicht auf den See und können Antilopen beobachten. Eine Pavian-Familie läuft auf Höhe des Wasserlochs vorbei. Zwei der Tiere zanken sich. Heute scheint die Sonne und das Morgenlicht ist geradezu ideal für Tierbeobachtungen. James kommt unserer Bitte nach, noch eine kleine Runde zum Lake Nakuru zu drehen, in der Hoffnung, heute die Rhinos besser sehen zu können.

Tatsächlich: Die Nashörner sind dieses Mal nicht so weit entfernt. Zwei von ihnen können wir richtig gut beobachten und sieben weitere grasen im Hintergrund. Durch unsere Ferngläser können wir außerdem am Seeufer eine Gruppe Pelikane erkennen. Eine Reihe abgestorbener Bäume steht im Hochwasser. James möchte noch weiterfahren. Er meint, dass wir vielleicht noch etwas sehen werden. Nur wenige Minuten später entdecken wir tatsächlich nicht weit von unserem Minibus entfernt noch zwei weitere Nashörner, die von der Morgensonne angestrahlt werden. Wahnsinn! Noch nie habe ich elf Nashörner gesehen. Zufrieden setzen wir unsere Reise in Richtung Massai Mara fort.

Unfreiwillige Pause in Gilgil

Wer regelmäßig auf Safari geht, weiß, dass immer mal wieder etwas Unvorhersehbares geschieht. Als wir durch die Stadt Gilgil fahren, werden wir von einem Polizeibeamten angehalten. Richtig wütend schreit er unseren Guide an. James erklärt uns, dass der Polizist behauptet hat, er sei 89 km/h gefahren, was nicht stimmen kann, da die Minibusse unseres Partners bei 80 km/h eine Sperre haben. Dies muss aber erst einmal bewiesen werden und so schickt uns der Beamte zur Polizeiwache. Nun folgen Diskussionen zwischen James und mehreren Polizisten.

Relativ lange sitzen meine Mitreisenden und ich im Minibus und warten. Wir können nichts weiter machen, als die Lage zu beobachten und zu hoffen, dass dieser Zwischenfall nicht dazu führt, dass unsere Nachmittagspirschfahrt in der Massai Mara ausfällt. Ein paar weitere Männer warten ebenfalls auf dem Gelände der Polizei. Sie sind vermutlich in einer ähnlichen Situation wie wir. Nachdem durch ein Telefonat mit dem Büro in Nairobi geklärt werden konnte, dass James nicht zu schnell gefahren ist (Fahrzeugposition und Geschwindigkeit können über GPS kontrolliert werden), dürfen wir weiterfahren. Zum Glück hat uns dieser Zwischenfall nur etwa eine Stunde Zeit gekostet.

Das Siana Springs Tented Camp

Nach einer langen, anstrengenden Fahrt kommen wir erst am Nachmittag an unserem heutigen Ziel, dem Siana Springs Tented Camp an. Es liegt in einer Privatkonzession nahe der Massai Mara. Die letzten sieben Kilometer ab dem Hinweisschild waren richtig abenteuerlich, aber unser robuster Minibus hat zum Glück jede Hürde gemeistert. Die insgesamt 38 Hauszelte sind in einer großen Parkanlage verteilt. Sie verfügen über bequeme Betten, eine Sitzgelegenheit, Dusche, Waschtisch, Spültoilette und Veranda. Den Gästen steht ein Pool, eine Bar und kostenloses WLAN zur Verfügung. Beim Frühstück kann man Buschböcke und Perlhühner beobachten. Manchmal turnen auch Colobus-Affen in den Bäumen. Das Personal ist sehr freundlich und zuvorkommend.

Spannende Nachmittagspirsch in der Massai Mara

Von unserem Camp fahren wir etwa 45 Minuten bis zum Sekenani Gate. Ich bin gespannt auf die Tiersichtungen in der Massai Mara, nachdem mein letzter Besuch hier schon einige Jahre her ist. Unweit des Parkeingangs werden wir von Zebramangusten und verschiedenen Antilopenarten begrüßt. Es dauert auch gar nicht lange, bis sich andere Guides angeregt über Funk unterhalten, es muss also etwas Besonderes zu sehen geben. Ich höre den Namen „Keekorok“, kann aber nicht einschätzen, wie weit es bis dahin ist. James sagt, man hätte dort einen Leoparden gesichtet. Bis Keekorok sei es nicht so weit, wir könnten es versuchen.

Mit Vollgas fahren wir weiter. Ich bin aufgeregt und frage mich, ob wir das Tier tatsächlich sehen werden oder es vielleicht schon weitergezogen ist. Als wir ankommen, sehen wir einige Fahrzeuge, können aber noch die Pole Position ergattern. Nun haben wir eine ganze Weile Zeit, machen Fotos und beobachten den Leoparden durch unsere Ferngläser. Das hübsche Tier hat es sich auf einer Grasfläche bequem gemacht. Viel zu schnell vergeht die Zeit, und da die Sonne schon niedrig über dem Horizont steht, müssen wir zurück in Richtung Gate fahren.

Der Anblick der wunderschönen Savannen-Landschaft ist nun besonders stimmungsvoll. Hügel und Leberwurstbäume werden vom goldenen Licht der Abendsonne angestrahlt. Wir haben noch das große Glück, eine Eule, die auf einem Baum sitzt, beobachten zu können, bevor sie mit ihren großen Schwingen abhebt und dicht an unserem Minibus vorbeifliegt. Unsere Pirschfahrt endet mit einem traumhaften Sonnenuntergang über der Massai Mara. Es ist bereits dunkel, als wir wieder auf die holprige Piste zu unserem Camp abbiegen. Im Scheinwerferlicht sehen wir noch drei Hyänen, bevor wir unsere Unterkunft erreichen. Bei gutem Essen, einem Tusker und Gitarrenmusik am Lagerfeuer lassen wir diesen besonderen Tag ausklingen.

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