Von Kasane in den Susuwe Nationalpark (8/22)

von Doreen Krausche

Sonntag, 20.05.2012Kurz vor sechs Uhr höre ich es vor dem Zelt rascheln. Lawrence, unser Koch, bereitet das Frühstück vor. Nach einer recht lauten und kurzen Nacht quäle ich mich etwas erschlagen aus meinem Schlafsack und ziehe mir gleich eine Fleecejacke über. Campingsafaris bedeuten nicht nur eine einfachere Unterkunft, sondern auch zeitigeres Aufstehen und wärmeres Anziehen, denn in den frühen Morgenstunden ist es recht kühl um diese Jahreszeit.Das Frühstück steht schon für uns bereit. Tee, Kaffee, Toast mit Butter, Marmelade und Honig, zwei verschiedene Müslisorten und Milch. Reicht völlig aus. Alle packen ihr Zelt ein, nachdem Evans uns gezeigt hat, wie wir es abbauen und verpacken müssen. Es funktioniert prima und ist ganz leicht zu bewerkstelligen. Wer fertig ist, hilft den anderen. Nachdem alles im Anhänger verstaut ist, fahren wir schließlich mit einer dreiviertel Stunde Verspätung los. Na ja, wir müssen eben noch die Routine beim Packen bekommen, dann fahren wir auch pünktlich ab.

Zebras im Chobe Nationalpark © Foto: Doreen Schütze | Outback Africa Erlebnisreisen

Baobab nahe der botswanisch-namibischen Grenze © Foto: Doreen Schütze | Outback Africa Erlebnisreisen

Eine schnurgerade Straße © Foto: Outback Africa Erlebnisreisen

Buschbrand © Foto: Doreen Schütze | Outback Africa Erlebnisreisen

Das Schild ist durchaus ernst zu nehmen. © Foto: Doreen Schütze | Outback Africa Erlebnisreisen

Evans mit den Dollarnoten © Foto: Doreen Schütze | Outback Africa Erlebnisreisen

Unsere heutige Fahrt geht durch zwei Länder, Botswana und Namibia. Wir müssen an den Grenzen aussteigen, unsere Pässe vorzeigen und ein Einreiseformular ausfüllen. Die Daten sind immer wieder die gleichen. Irgendwann kennt man seine Passnummer und die Ausstellungsdaten auswendig.Zu Beginn unserer heutigen Tour sind wir in den Chobe Nationalpark hinein gefahren, den wir gestern nur bei der Bootstour vom Ufer aus gesehen haben. Die eigentliche Schönheit dieses Nationalparks werden wir aber erst zum Ende unserer Safari kennenlernen. Für unseren ersten Stopp halten wir schon im Caprivistreifen. Das ist ein schmaler Landkorridor, der zu Namibia gehört und wie ein langer Pfannenstiel zwischen Angola, Sambia und Botswana hinein ragt. Manche sagen deshalb auch "Caprivi Panhandle" zu dem Gebiet. Bei einem Straßenhändler kaufen wir Feuerholz und Evans präsentiert uns stolz zwei neue Namibia-Dollarscheine, die wohl noch recht selten sind.Auf unserer Fahrt sehen wir immer wieder kleine Buschbrände und auch ein größeres Feuer, das aussieht, als wäre es außer Kontrolle. Der Geruch ist eigen und kommt mir bekannt vor. In Tansania hat es auch immer wieder nach Holz und Feuer gerochen. Für unsere Mittagspause halten wir an einem großen Baum, der uns Schatten spendet. Es gibt Salat, Kichererbsen, Sandwiches mit Butter, Käse und zwei verschiedenen Rindfleischsorten. Lecker!Dann geht es weiter auf einer schier endlosen geraden Straße durch eine weite Ebene ohne besondere Highlights in Richtung unseres Camps für heute Nacht. Kurz nach vierzehn Uhr biegen wir auf eine Sandpiste ab und wir lassen die geteerte Hauptstraße hinter uns. Auf unserer holperigen Sandpiste bekommen wir endlich einige Tiere zu Gesicht. Susanne scherzt noch: „Was machen wir eigentlich, wenn ein Elefant auf der Straße steht?“ und im selben Augenblick steht keine zwei Meter vor uns ein riesiger Elefant am Wegesrand. Evans ist der Einzige, der cool bleibt und souverän an ihm vorbei fährt . Wir anderen erschrecken, staunen und ehe wir es realisieren und unsere Kameras schussbereit haben, sind wir auch schon mit sicherem Abstand am Elefanten vorbeigefahren.Nach 280 Kilometern erreichen wir das Nambwa Camp im Susuwe Nationalpark, das eine Rezeption und Personal hat. Ich bin erstaunt, denn im Nirgendwo hätte ich eher eine freie Fläche zum Zelten und bestimmt nicht eine Rezeption, sechs verschiedene Parzellen für Camper und drei Waschhäuser erwartet. Bevor wir unser Zelt aufbauen, inspizieren wir Mädels erst einmal die Waschgelegenheiten. Diese sind sauber und im afrikanischen Stil mit Bastwänden gestaltet. Es sind eine kleine Solaranlage und ein Ofen vorhanden, um das Wasser aufzuheizen. Schönes warmes Wasser, darauf freuen wir uns alle und nutzen das Zeitfenster zwischen Campaufbau und Abendpirsch zum Duschen.

Waschhaus im Nambwa-Camp © Foto: Doreen Schütze | Outback Africa Erlebnisreisen

Dusche im Nambwa-Camp © Foto: Doreen Schütze | Outback Africa Erlebnisreisen

Zeltaufbau auf afrikanisch - einer arbeitet, einer schaut zu © Foto: Outback Africa Erlebnisreisen

Für den Nachmittagstee und -kaffee ist auch noch Zeit. Lawrence stellt uns zur Stärkung die bekannten afrikanischen Gebäckstücke, die „Rusks“, dazu.Lawrence ist wirklich ein toller Koch und Assistent für den Guide. Er hat in der Zeit, in der wir geduscht und unser Zelt aufgebaut haben, alle Utensilien aus dem Anhänger geräumt, alles aufgebaut, Feuer gemacht, das Kaffeetrinken arrangiert und schon mit den Vorbereitungen für das Abendessen begonnen. Mittlerweile ist uns allen seine strikte Ordnung in seinem Hänger oder besser gesagt in seiner „Küche“ aufgefallen. Das lieblos am Morgen von mir in die Schachtel geworfene Besteck konnte er so nicht dulden. Zum Lunch hat er die Schachtel komplett ausgekippt und alles sorgfältig wieder hinein sortiert. Seine Gründlichkeit gibt uns ein gutes Gefühl.Nachdem wir uns gestärkt haben, steigen wir wieder in unseren Truck und fahren für zwei Stunden auf eine Pirsch. Wir sehen Impalas, Kudus, Rehböcke und Elefanten. Dann stoßen wir auf einen liegengebliebenen Jeep. Ein weiteres Auto steht schon dabei und das Ehepaar hilft mit Wagenheber und guten Ideen weiter. Wir können natürlich nicht einfach weiter fahren. Hier im Busch hilft jeder jedem und wir bieten unsere Hilfe an. Zu Beginn ist es nur unser Guide, zum Schluss stehen alle Herren unserer Gruppe am Jeep und geben gute Tipps und versuchen den Gestrandeten zu helfen.

Nachmittagspirsch im Caprivistreifen, Elefant © Foto: Doreen Schütze | Outback Africa Erlebnisreisen

Nachmittagspirsch im Caprivistreifen, Impalas © Foto: Doreen Schütze | Outback Africa Erlebnisreisen

Nachmittagspirsch im Caprivistreifen, springender Riedbock © Foto: Doreen Schütze | Outback Africa Erlebnisreisen

Nachmittagspirsch im Caprivistreifen, männlicher Kudu © Foto: Doreen Schütze | Outback Africa Erlebnisreisen

Nachmittagspirsch im Caprivistreifen, weiblicher Kudu © Foto: Doreen Schütze | Outback Africa Erlebnisreisen

Nachmittagspirsch im Caprivistreifen, Giraffen © Foto: Doreen Schütze | Outback Africa Erlebnisreisen

Reifenpanne © Foto: Doreen Schütze | Outback Africa Erlebnisreisen

Sonnenuntergang im Caprivistreifen © Foto: Doreen Schütze | Outback Africa Erlebnisreisen

Petroleumlampen im Camp © Foto: Doreen Schütze | Outback Africa Erlebnisreisen

Wir Mädels bleiben lieber im Truck und beobachten im nahegelegenen Fluss zwei Hippos, zwei Eisvögel und zwei Strandläufer und amüsieren uns über diese Pärchenrunde. Natürlich beobachten wir auch unsere Herren am Jeep. Es gibt dort nichts mehr zu helfen und nachdem die Sonne schon von uns unbeobachtet untergegangen ist, fahren wir weiter. Wir treffen wieder auf den Elefanten ganz nah am Wegesrand, den wir schon bei unserer Anfahrt zum Nambwa Camp entdeckt haben. Erneut erschrecken wieder und wieder hat keiner ein Beweisfoto schießen können. Es wird schon dunkel und wir kehren um. Lawrence erwartet uns sicher schon zum Abendessen. Wir haben Glück und sehen in der Dämmerung noch eine Giraffenfamilie. Ein letztes Foto und dann zurück ins Camp. Der Tisch ist mit Petroleumlampen erleuchtet und auf dem Feuer stehen die schweren gusseisernen Töpfe mit Spaghetti Bolognese.Unser gesamtes Handgepäck nehmen wir mit ins Zelt und lassen nichts zurück im Truck. In den Bäumen wohnen Paviane und Meerkatzen, die uns schon zur Ankunft in Augenschein genommen haben. Nachts würden sie alles, was ihnen brauchbar erscheint, klauen und in die Bäume schleppen, daher bringen wir unsere Sachen lieber in Sicherheit.Beim Essen wird gemeinsam der Tag ausgewertet. Besonderer Höhepunkt für die Männer war natürlich der liegengebliebene Jeep. Zum Glück sieht es jeder mit einem Schmunzeln und keiner ist über den verpassten Sonnenuntergang und die entgangene Pirsch verärgert, naja, ein bisschen enttäuscht vielleicht. Die Gruppe wächst zusammen. Gemeinsam wird im Dunkeln nur mit der Stirnlampe auf dem Kopf abgewaschen. Der nächste Tag wird besprochen. Aus Angst, aus Sicherheitsgründen oder aus reinem Gruppenzwang werden gemeinsam die Waschräume aufgesucht. So ganz allein will hier keiner im Dunkeln von der Gruppe weg und Evans begrüßt das sehr.In dieser Dunkelheit sieht der Sternenhimmel besonders beeindruckend aus. Das Southern Cross ist schnell gefunden und die Milchstraße zeigt sich sehr intensiv. Gegen zweiundzwanzig Uhr löst sich die Gruppe auf und jeder macht es sich in seinem Zelt gemütlich. Die Geräusche der Nacht sind heute schon viel angenehmer. Klick- oder Glockenfrösche, die ein helles Klickgeräusch von sich geben und „Happy Hippos“ sind ganz in unserer Nähe.

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