Matemwe Bungalows auf Sansibar - Reisebericht Tansania (11)

von Marco Penzel

Matemwe Bungalows, Zanzibar © Fotos: Marco Penzel | Outback Africa Erlebnisreisen


Etwa eine Stunde dauert die Fahrt von der Stone Town zur Matemwe Lodge (vormals Matemwe Bungalows) an der Ostküste Sansibars. An den Straßen wurde in den vergangenen Jahren viel gebaut. Inzwischen sind alle Hauptstraßen auf der Insel asphaltiert. Nur die letzten 20 Minuten bis Matemwe geht es noch über eine holprige Piste mitten durch die Dörfer, wie ich es noch von meinem letzten Besuch 2002 kenne. Überall gibt es spannende Dinge zu sehen, Leute bei der Arbeit, Wasserkanister-Transport per Eselkarren und immer wieder winkende Kinder. 2002 hatten wir im Matemwe Beach Village gewohnt. Die Zimmer dort waren ziemlich schlicht und klein, aber wir waren begeistert von der relaxten Atmosphäre, dem guten Essen und vor allem dem schönen, blendendweißen Strand. Nun sind die Matemwe Bungalows mein Ziel, eine ganz andere Lodge in einer anderen Preisklasse ein paar Kilometer weiter nördlich. Mit Jeffrey, einem australischen Kollegen, teile ich mir einen Family Bungalow. Wir losen und Jeffrey bekommt das riesige Bett im Erdgeschoß, ich schlafe oben unterm Dach. Auch das Bett dort oben würde noch für zwei reichen. Der große Raum ist offen. Für ganz kleine Kinder scheint mir das Oberstübchen noch nicht geeignet, ich hätte Angst, daß sie unter dem hohen Geländer hindurch fallen. Aber größere Kinder finden es hier bestimmt toll. Der lange doppelte Waschtisch im Bad ist mit Blumen geschmückt, es gibt eine Wanne und eine große offene Dusche. Das macht alles einen edlen Eindruck. Wir wissen, daß es nebenan noch die exklusiven Matemwe Retreats gibt. Aber die Bungalows hier sehen keinesfalls nach zweiter Wahl aus. Sechs von diesen Family Bungalows stehen auf einer Korallenklippe mit Blick über den Indischen Ozean. Ein Stück weiter die Küste entlang folgen dann sechs Honeymoon Bungalows, die noch etwas mehr Privatsphäre bieten. Allerdings müssen deren Bewohner etwas weiter laufen, um zur Bar, ins Restaurant, den beiden Pools und dem breiten Strand zu gelangen, der nur den Gästen der Matemwe Lodge vorbehalten ist – und den Sansibaris, die hier ihre Fischerboote fest machen oder Seegras anbauen.Matemwe Bungalows Pool und Strand © Fotos: Marco Penzel | Outback Africa Erlebnisreisen


An der Rezeption werden wir von den Lodge-Managern Sabine und Ingo begrüßt. Es sind Deutsche, die mir irgendwie bekannt vorkommen. Aber woher? Es dauert bis zum Abendessen, um herauszufinden, woher ich sie kenne. Aus dem Fernsehen. Einer Doku-Soap mit dem Titel „Unsere Farm in Afrika“, die vor zwei Jahren im ZDF lief. Die Serie war in Namibia gedreht worden. Ingo und Sabine Stritter mit ihren Kindern Luisa und Miron waren damals eine der Familien, die das Fernsehteam in ihrem Alltag begleitete. Der Alltag spielte sich auf GocheGanas ab. Das Paar baute die Gästefarm in der Nähe von Windhoek damals gerade auf. Sabine war damals hochschwanger, die dramatische Fahrt zur Entbindung ins Krankenhaus, bei der noch eine Kudu-Antilope ins Auto lief, brachte Spannung in die Reportage. Die Tochter, die damals geboren wurde, spielt heute an der Rezeption von Matemwe. Gocheganas ist weit weg, wird von anderen Familienmitgliedern nach wie vor erfolgreich geführt. Nur Ingo und Sabine haben eine neue Herausforderung gesucht – und auf Sansibar gefunden. Ingo erzählt begeistert von seinen Ideen für einen möglichst nachhaltig wirtschaftenden Betrieb, von dem auch die Menschen in der Nachbarschaft profitieren sollen. Ressourcen wie Trinkwasser und Strom sind knapp auf der Insel. Matemwe verzichtet zum Beispiel bewußt auf Klimaanlagen in den Zimmern. Eine offene, luftige Bauweise, die die Meeresbrise nutzt, kann auch für angenehme Kühlung sorgen. Und man fühlt sich auf jeden Fall näher an der Natur als in einem hermetisch abgeschlossenen, vollklimatisierten Hotelzimmer. Für Schnorchel-Ausflüge verzichte man auf ein modernes Motorboot und gebe lieber den Besitzern der traditionellen Dhows eine Chance, erklärt Ingo. „Als nächstes möchte ich die Leute bewegen, einen Fahrradverleih aufzubauen. Die Leute aus dem Dorf sollen das komplett selbst machen, wir möchten nichts daran verdienen. Wenn es für unsere Gäste ein weiteres Angebot gibt und die Leute sehen, daß sie direkt vom Tourismus profitieren können, wenn sie sich anstrengen, dann haben wir beide gewonnen.“Dieser Reisebericht entstand auf einer Lodge-Inspektionsreise Ende Oktober 2009. Weitere Kapitel dieses Reiseberichtes:

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