Gorilla-Tracking in Uganda – sanfte Riesen und stille Helden

von Ulrike Pârvu

Es ist wieder so weit. Afrika ruft, und dieses Mal soll es nach Uganda gehen. Ein Reiseziel, das schon lange auf meiner Agenda steht.

In einer kleinen internationalen Gruppe, die aus erfahrenen Reisebüromitarbeitern besteht, machen wir uns von Entebbe aus auf den Weg. Uganda ist ein dicht besiedeltes Land im Herzen Afrikas. Mir begegnen freundliche Menschen, die scheinbar immer etwas zu tun haben, geschäftig geht es zu in Uganda. 

Mein Höhepunkt der Reise soll allerdings das Gorilla-Tracking sein. Nach einer gerade überstandenen Corona-Infektion bin ich am Zweifeln und am Bangen, ob ich den Weg überhaupt schaffen kann. Natürlich habe ich sichergestellt, dass ich nicht mehr ansteckend bin. Svenja hat mir ein bisschen Angst gemacht, sie musste bei ihrer Suche fünf Stunden bei Regen durch den Urwald stapfen, bevor sich die sanften Riesen gezeigt haben. Gott sei Dank blieb mir das erspart. Trotzdem entschied ich mich bei der Einweisung, die jeder Besucher machen muss, für einen Träger, der sich nicht nur um meinen Tagesrucksack gekümmert hat. Caleb heißt er und er ist mein stiller Held. Er schiebt und zieht mich, wenn es unwegsam ist. Es geht über Stock und Stein, kaum ein Weg ist erkennbar. Er trägt tatsächlich die ganze Zeit mein Gepäck, am Ende auch den Stock, den ich ausgeliehen hatte, der mir aber doch nur im Weg war. Er macht mich aufmerksam, wenn es rutschig ist und er räumt viele Äste aus dem Weg, die unser Fortkommen behindern könnten. Caleb hat drei Kinder, die ein bisschen jünger sind als meine eigenen. Wir erzählen viel, nie zu viel.

Wir sind etwa eine Stunde unterwegs, als es ein bisschen hektischer wird. Die vorausgegangene Crew hat die Gorilla-Familie gefunden, und plötzlich sind sie da, die sanften Riesen. Caleb spürt meine Aufregung, ich soll die Maske aufsetzen, er nimmt mir alles ab, was mich irgendwie behindern könnte. Durch die feuchte Luft beschlägt meine Brille, und ich bin schon sehr angespannt. Ach Caleb, mein Held! Er beruhigt mich und zeigt mir die besten Stellen, um die Tiere zu sehen und aus dem besten Winkel heraus zu fotografieren. Er nimmt mir die Kamera ab, wenn ich gerade mit dem Handy knipsen möchte, und er ist zur Stelle, wenn ich wieder die Kamera brauche. Ich bin fasziniert und aufgeregt. Beim Anblick einer Gorilla-Mama mit vier Tage altem Baby geht mein Mutterherz förmlich auf. Auch ein Silberrücken zeigt sich in seiner beachtlichen Größe und Schönheit.

Nach einer Stunde ist das Spektakel vorbei, denn länger dürfen wir nicht verweilen. Quer durch den Busch geht es zurück zum Startpunkt. Natürlich weicht Caleb auch auf dem Rückweg nicht von meiner Seite. Endlich kommen wir wieder auf einen befestigten Weg. Es gibt noch ein Picknick. Dann ist der Ausflug auch schon vorbei. Ich bedanke mich bei meinem Helfer und schenke ihm die robusten Handschuhe, die ich extra für das Tracking eingepackt hatte. Caleb freut sich darüber und über das Trinkgeld, das recht üppig ausfällt, natürlich noch viel mehr. Er hat es sich redlich verdient.

Ulrike Pârvu, Uganda im Mai 2022

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