Vergleich zwischen Ruaha und Nyerere Nationalpark

von Justine Retzar

Wieder durfte ich mich auf den Weg nach Tansania machen. Dieses Mal verschlug es mich aber in den Süden des Landes, welcher noch viel unberührter und weniger touristisch ist als der Norden, den ich vorher schon zweimal besucht habe. Von Sansibar aus flog ich mit einer kleinen Cessna Caravan von Safari Airlink nach Ruaha. Der Flug dauerte mit einem Zwischenstopp in Mtemere etwa zwei Stunden. Am Msembe Airstrip in Ruaha angekommen staunte ich schon über die schöne Landschaft, die ich kurz vorher aus der Luft sah: das ausgetrocknete Flussbett des Ruaha River, aber auch kleine Palmenhaine, die die Landschaft einzigartig und grüner machen. Während der Pirschfahrten, die ich zuerst vom Ikuka Safari Camp aus im nördlichen Teil des Nationalparks machte, konnte ich diese Landschaft in vollen Zügen genießen. Ruaha ist vielfältig und bietet von allem etwas: einerseits ein trockenes Savannenbild, andererseits teils hügelige und buschige, grüne Flächen, die von Palmen durchzogen sind. Dadurch ergeben sich sogar in der Trockenzeit, wenn vieles grau und braun erscheint, sehr schöne Bilder, da man dann den Kontrast der Palmen im Hintergrund hat. Zu meinem Glück habe ich sogar mehrmals Büffelherden durch das Flussbett ziehen sehen.

Ansonsten ist der Park auch von der Tierwelt her sehr reizvoll. Es gibt viele Gnus, Büffel, Elefanten, Großkatzen wie Löwen und Leoparden und auch Wildhunde, die man mit etwas Glück entdeckt. Hauptsächlich sieht man aber verschiedene Antilopen wie Kudus oder Impalas und ebenso viele Vogelarten. Ich hatte jedoch das Glück, ein Löwenrudel beim Fressen beobachten zu können, sogar über zwei Tage lang.

Das Klima in Ruaha ist besonders in den Monaten Oktober und November sehr heiß und trocken. Bis die Regenzeit einsetzt, was zumeist zwischen November und Dezember der Fall ist, ist es teilweise auch unerträglich heiß mit Temperaturen von bis zu 40 Grad. Die Regenzeit dauert dann etwa bis April, wobei der meiste Regen zwischen Januar und Februar fällt. In dieser Zeit ist die Tierbeobachtung herausfordernd, da die Bäume komplett grün werden und die Vegetation dichter ist, sodass die Tiere schwieriger zu sehen sind. Es gibt überall im Park genügend Wasser, weswegen die Tiere nicht auf Wasserlöcher angewiesen sind. Dies macht die Beobachtung nochmal schwieriger. Der Ruaha-Fluss führt zur Regenzeit auch viel Wasser. Das erschwert das Fahren für die Pirschfahrzeuge an manchen Stellen. Einige Pisten und Brücken sind zu dieser Zeit auch gar nicht befahrbar.

Die Monate Mai, Juni und Juli sind für gewöhnlich etwas kühler und angenehmer. Die Temperaturen bewegen sich zu dieser Zeit tagsüber um die 20-25 Grad, die Nächte können kalt werden. Zu Beginn der Trockenzeit im Mai ist die Landschaft noch grün, wird aber dann von Monat zu Monat trockener und ist dann bestens geeignet für Safaris. Es gibt ab August/September nur noch wenige Wasserstellen, zu denen die Tiere zum Trinken kommen müssen, und somit kann man sie dort super beobachten. Der Ruaha-Fluss selbst führt dann auch fast kein Wasser mehr und trocknet langsam aus.

Meine nächsten zwei Stationen des Nationalparks waren einmal die Ruaha River Lodge, welche etwa eine Fahrstunde südlich vom Ikuka Safari Camp in der Nähe des Flughafens Msembe liegt, und zuletzt Jongomero. Das Camp liegt viel weiter im Süden des Parks und hat einen eigenen Airstrip. Die Gegend um Jongomero hebt sich landschaftlich etwas ab, denn es gibt hier keine Palmen, dafür aber mehr Büsche, Sträucher und Bäume. Einige davon sind auch hier im November in der heißen Zeit noch grün, da es zum Beispiel den saisonal fließenden Jongomero River gibt, der auch unterirdisch noch Wasser führt, was oft Elefanten anlockt, die danach graben. Zudem gibt es auch wenige Wasserstellen, die ganzjährig Wasser führen. An den Ufern kann man besonders gut Krokodile und Hippos beobachten.

Landschaftswechsel: Ruahas Trockenheit trifft Nyereres Wasserreichtum

Nach insgesamt drei Nächten in diesem wunderschönen Nationalpark bin ich nach Nyerere zum Mtemere Airstrip geflogen. Weiter im Süden des Landes und nah an der Küste gelegen sollte sich hier ein deutlicher Kontrast bieten. Schon von oben aus dem Flugzeug sieht man den größten Unterschied zum Ruaha Nationalpark, denn alles ist grün und überall findet man Seen und Flüsse, die viel Wasser führen. Hier kann man neben Pirschfahrten mit dem Auto auch Walking Safaris und Bootssafaris machen. Das ist in Ruaha nicht möglich, da es dort keine Flüsse gibt, die ganzjährig Wasser führen. Dies macht den Nyerere Nationalpark auch so speziell und abwechslungsreich. 

Meine erste Nacht verbrachte ich im Siwandu Camp am gleichnamigen See. Hier unternahm ich eine Bootssafari, bei der ich viele Hippos und Krokodile sah, die sich im Wasser abkühlten, was bei der Hitze auch notwendig war. Ebenso zeigten sich einige Büffel am Ufer, ich sah viele verschiedene Vogelarten und auch Elefanten, die am Flussufer gefressen haben. Dies ist immer ein besonders schönes Bild.

Der Lake Siwandu ist durch einige Flussläufe mit dem Rufiji River verbunden. Wenn man eine Bootssafari auf dem Rufiji River macht, was zum Beispiel vom Rufiji River Camp aus möglich ist, bekommt man nochmals einen anderen Eindruck als auf dem See. Die Ufer des breiten Flusses sind sandig, was mit den Palmen im Hintergrund für einen schönen Kontrast aus Gelb und Grün sorgt. Rund um den See hingegen gibt es nur dichtgrüne Vegetation und kaum freie oder sandige Flächen.

An den Flussufern sieht man auch hier eine ähnliche Tierwelt. Ein besonders schönes Schauspiel ist es aber, wenn die Elefanten den Fluss kreuzen, um auf die andere Seite zu gelangen.

Nyerere (vormals Selous), der größte Nationalpark des Landes, beherbergt eigentlich die Big Five. Allerdings wurde schon seit langer Zeit kein Nashorn mehr gesichtet. Aber man kann auf den Pirschfahrten viele andere Tiere sichten. Neben Elefanten zeigen sich verschiedene Antilopenarten, Giraffen, Wasserböcke und sehr viele und bunte Vögel wie Bienenfresser. Auch Löwen oder Leoparden sind häufig dabei. Leider hatte ich kein Glück, Großkatzen zu sehen, aber die wunderbare Abendstimmung am Fluss hat das wieder gutgemacht.

Das Klima im Nyerere Nationalpark ist sehr tropisch und feucht, vor allem vor und in der Regenzeit. Die Temperaturen sind ganzjährig warm und zum Ende des Jahres zwischen Oktober und Dezember auch heiß. Die kühleren Monate sind, wie auch weiter nördlich im Land, Mai bis August. Es herrscht immer eine hohe Luftfeuchtigkeit, was sicherlich nicht jedem körperlich gut bekommt. Man muss viel trinken, um den Kreislauf auf Trab zu halten.

Der Nyerere-Park ist geprägt von zwei Regenzeiten: die kleine von November bis Dezember und die große von März bis Mai. In diesen Zeiten ist es noch schwüler, und die Vegetation wird noch grüner und saftiger, die Flüsse und Seen führen mehr Wasser. In der großen Regenzeit haben die Camps und Lodges normalerweise geschlossen, da die Pirschfahrten zu mühsam wären, und es finden keine Inlandsflüge zu den Airstrips des Parks statt. Also sollte man in der Trockenzeit kommen, um die Schönheit in vollen Zügen genießen zu können. 

Ich glaube, ich brauche nicht zu erklären, warum es sich lohnt, beide Parks miteinander zu kombinieren. Der Unterschied zwischen Ruaha und Nyerere könnte größer nicht sein, und man erlebt nicht nur unterschiedliche Vegetationen und Landschaften, sondern hat sogar unterschiedliche Safarimöglichkeiten. Es gibt nur wenige Länder und Nationalparks in Afrika, in denen man Bootstouren machen kann. Für mich ist eine Kombination aus diesen beiden Nationalparks ideal für Gäste, die Wert legen auf Ruhe und wenig andere Safarifahrzeuge. In beiden Parks fühlt man sich eingebettet in die Natur und kann diese in vollen Zügen genießen, oft sogar einen ganzen Tag lang ganz allein ohne weitere Autos.

Justine Retzar, Nyerere, November 2025

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