Krank in Kapstadt: So wurde mir geholfen

von Justine Retzar

Kapstadt, April 2024

Endlich war es mal wieder Zeit für mich, ein neues Land in Afrika auf einer Dienstreise zu entdecken. Von Kapstadt aus zu den Highlights von Namibia. Ich entschied mich, zwei Tage vor Beginn der Safari nach Kapstadt anzureisen, so dass ich noch etwas Zeit hatte, die wunderschöne Metropole auf eigene Faust zu erkunden. Am ersten Tag fuhr ich mit dem Sightseeing-Bus der roten Linie und hatte auch das Glück, auf den Tafelberg fahren zu können. Die Sicht von oben war etwas wolkig, aber trotzdem wunderschön. Den restlichen Tag verbrachte ich mit Spaziergängen in verschiedenen Stadtteilen, unter anderem in Bo-Kaap. Die bunten Häuser dort sind wirklich sehenswert und es waren wenig Touristen vor Ort, so dass ich alles in Ruhe genießen konnte. Weiter ging es nach Camps Bay, einem wunderschönen Strand mit langer Strandpromenade.

Ich kehrte in einem veganen Café ein und gönnte mir einen Latte Macchiato und einen Blaubeermuffin. Am Abend war ich in einem gut bewerteten Restaurant an der Waterfront zum Abendessen. Kapstadt liegt direkt am Atlantik und somit findet man dort ein Fischrestaurant neben dem anderen. Ich entschied mich für das Restaurant „Knysna Oyster Company“ und schaute vorher online nach den Bewertungen und der Speisekarte, so wie ich es auf meinen Reisen immer mache. Bei einer Bewertung von 4,7 von 5 Sternen gehe ich davon aus, dass man dort bedenkenlos essen kann, ohne nachher Magen-Darm Probleme zu bekommen, so wie man es aus manchen Reiseländern kennt. Ich selbst hatte noch nie wirklich Probleme damit, nicht mal in Ländern wie Sri Lanka oder Bali, wo viele Touristen aufgrund des unreinen Wassers und der mangelnden Sauberkeit in Restaurants Reisedurchfall oder Magenprobleme bekommen. Doch das sollte sich heute ändern.

Die Gaststätte selbst war sehr schön eingerichtet und die Kellnerin war sehr freundlich. Ich entschied mich für eine Fischplatte mit Muscheln, frischen Garnelen, Lachs, Reis, Baguette und ein paar Dips. Die Platte sah total lecker aus und schmeckte auch genauso. Der Fisch roch nicht nach Fisch, was normalerweise ein gutes Zeichen ist und für Frische steht. Er war durchgebraten und richtig gut mariniert in einer Art Barbecue-Soße. Es war für mich das perfekte Abendessen im Urlaub, da ich sehr gerne Fisch esse, vor allem, wenn er frisch ist und nicht erst importiert werden muss. 

Nach dem Aufstehen am nächsten Morgen bekam ich plötzlich Durchfall, aber dachte mir nichts dabei. Der Grund könnte die Wetterumstellung oder generell die 12-stündige Anreise sein, dachte ich. Um 8 Uhr startete nun die Safari im Hotel in Kapstadt. Zuerst fuhren wir zum Kap der guten Hoffnung, wo wir einen kurzen Spaziergang zum Leuchtturm oben auf dem Berg machten. Mir ging es gut und ich marschierte den Berg hinauf, um tolle Bilder von oben zu machen. Leider kam es anders und mir wurde plötzlich auf dem Weg nach oben ganz komisch. Ich hatte auf einmal starke Bauchschmerzen und musste so schnell wie möglich die Toilette aufsuchen.

Zudem kam, dass mein Kreislauf völlig verrückt spielte und mir plötzlich schwarz vor Augen wurde. Das war kein gutes Zeichen. Ich hatte Schweißausbrüche, mir war schlecht und schwindlig. Ich versuchte, so schnell wie möglich von diesem Berg wieder herunterzukommen. Zum Glück wird dort ein Transfer angeboten. Unten angekommen sagte ich unserem Guide, was los war. Um den Ausflug an diesem Tag zu überstehen, nahm ich eine Durchfalltablette, die dann erstmal ein paar Stunden die Symptome unterdrückte. Nach einem langen Tag voller Unwohlsein kam ich abends wieder in Kapstadt im Hotel an und das Ganze ging von vorne los. Zudem hatte ich nun Gliederschmerzen, Kopfschmerzen, 38 Grad Fieber, Herzrasen und Schüttelfrost. 

Aber Hilfe war nah. Ich ging zur Rezeption meines Hotels und fragte nach einem Arzt. Dort waren die Mitarbeiter sehr freundlich und schickten innerhalb von 45 Minuten eine nette junge Ärztin direkt in mein Hotelzimmer. Ich konnte kaum glauben, dass die medizinische Versorgung dort so schnell und unkompliziert ist. Davon könnte sich das Gesundheitssystem in Deutschland eine Scheibe abschneiden. Die Ärztin nahm meine Vorerkrankungen und Medikation auf und untersuchte mich gründlich. Sie meinte, es sei höchstwahrscheinlich eine Lebensmittelvergiftung von dem Fisch, den ich am Tag vorher gegessen hatte. Anscheinend war ich nicht die einzige und erste, die diese Erfahrung gemacht hatte.

Sie gab mir also verschiedene Medikamente wie Paracetamol, Durchfallmittel, Probiotika und Elektrolyte. Ich war schon ziemlich dehydriert, sagte sie, weshalb ich auch das Herzrasen hatte. Die weitere Behandlung sollte mit den gleichen Medikamenten alle sechs Stunden erfolgen für die nächsten drei Tage. Ich erhielt per Mail ein Rezept von ihr, mit dem ich am nächsten Tag in die Apotheke gehen sollte. Wenn die Symptome nicht innerhalb von drei Tagen verschwunden sind, sollte ich Antibiotika nehmen, die sie mir gleich mitgegeben hat. Es sei aber besser, erstmal symptomatisch zu behandeln, statt gleich mit den Antibiotika zu starten, denn die Bakterien müssten eigentlich nach ein paar Tagen von selbst aus dem Darm verschwinden. Ich hoffte nun, dass die Medikamente wirken und es mir bald besser gehen würde. 

Die Kosten für den Arztbesuch musste ich gleich vor Ort bezahlen. Sie beliefen sich auf ca. 160 Euro, was ich ziemlich angemessen fand. Die Rechnung bekam ich ebenfalls per Mail gesendet, zusammen mit dem Medikamentenplan. Ich fand das alles super und unkompliziert geregelt. Die Rechnung für den Arztbesuch habe ich im Nachhinein bei meiner Auslandskrankenversicherung eingereicht und alles erstattet bekommen.

Am gleichen Abend schaute ich online nochmal bei den Bewertungen des Restaurants nach, ob dort auch andere Menschen diese Symptome hatten, nachdem Sie die Fischplatte aßen. Und tatsächlich waren ziemlich viele Kommentare unter den negativen Bewertungen zu lesen, die genau mein Problem beschrieben. Ich hätte wohl nicht nur die positiven Feedbacks lesen sollen…

Am nächsten Morgen ging es mir immer noch nicht gut, die Probleme waren geblieben. Da ich meine verordneten Tabletten noch nicht hatte, nahm ich wieder meine Durchfalltabletten aus Deutschland, auch wenn die Ärztin meinte, diese sind nicht optimal für meine Beschwerden. Aber wir verließen Kapstadt an diesem Tag und ich hätte sonst nicht mitfahren können. Zum Glück half die Tablette für die nächsten Stunden.

Wir starteten früh aus Kapstadt, als die Apotheken noch geschlossen hatten. Also suchten wir uns unterwegs eine. Das war für die Guides kein Problem. Sie fuhren gerne diesen kleinen Umweg für mich, was ich sehr schön fand. In Südafrika und Namibia gibt es in den größeren und mittleren Städten gut bestückte Apotheken und auch Beratung. So habe ich meine Medikamente bekommen und dann für die nächsten drei Tage auch wie verordnet eingenommen. In dieser Zeit fühlte ich mich einigermaßen gut und konnte fast alle Aktivitäten mitmachen. Morgens und abends kamen meine Beschwerden dennoch täglich wieder. Nachdem die Tabletten aufgebraucht waren, hatte ich keine andere Möglichkeit als die Antibiotika zu nehmen. Diese hatte mir die Ärztin in einer hohen Dosis von 1000 mg verordnet. Leider bekam ich davon starke Bauchkrämpfe, kein Wunder bei dieser Medikamentenbombe. In meiner Reisegruppe war zum Glück eine Apothekerin dabei, die eine gut ausgestattete Reiseapotheke dabei hatte. Sie gab mir ein wirksames Mittel gegen Bauchkrämpfe und somit konnte ich die Tour dann auch fortsetzen.

Als ich das nächste Mal in einer Unterkunft Internet hatte, freute ich mich über eine WhatsApp-Nachricht der Ärztin, die in Kapstadt bei mir war. Sie erkundigte sich, wie es mir geht. Ich habe noch ein paar Fragen gestellt und bekam stets in wenigen Minuten eine Antwort. Diesen Service fand ich großartig und ich fühlte mich medizinisch gut aufgehoben.
Am nächsten Tag waren meine Symptome endlich komplett verschwunden und es ging mir für den Rest der Reise wieder gut.

Schlussendlich empfehle ich, eine gute Reiseapotheke mitzuführen, vor allem mit Elektrolyten, guten Durchfallmedikamenten, Schmerztabletten und fiebersenkenden Mitteln. Sie könnten auch Ihren Hausarzt fragen, ob er Ihnen prophylaktisch Antibiotika verschreibt, die Sie im Falle eines Falles unterwegs einnehmen können. Sehr wichtig ist natürlich auch eine Auslandskrankenversicherung.

Insgesamt ist die medizinische Versorgung in den bekannteren touristischen Gegenden gut. In jedem größeren Ort gibt es ein Krankenhaus oder zumindest eine Arztpraxis. Bei Bedarf suchen die Guides so schnell wie möglich eine Apotheke auf. Sie haben sich auch die ganze Zeit gut um mich gekümmert und sich um mein Wohlergehen bemüht. Gut zu wissen ist auch, dass man immer am Truck bleiben kann, wenn es einem gesundheitlich nicht möglich ist, eine Aktivität mitzumachen. Man muss keine Angst haben, dass man eine Wanderung oder ähnliches nicht schafft.

Zusammenfassend war es für mich trotz des schwierigen Starts am Kap der guten Hoffnung eine schöne, erlebnisreise Reise.

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