Pizza alla Papa

von Svenja Penzel

Es ist Mittwochabend kurz nach sechs, ich komme gerade nach Hause. Mittwoch ist einer meiner beiden späten Tage, an denen ich die Kinder nicht von Kindergarten bzw. Schule abzuholen brauche. Mittwochs ist Marco dran, und ich werde bekocht. Dabei geht es manchmal recht kreativ zu, vor allem, wenn es selbstgemachte Pizza gibt. Heute ist so ein Tag. Als ich die Tür zur Küche öffne, duftet es schon verlockend. Die bunt belegte Pizza im Ofen ist fertig und sieht gut aus. Ein Viertel für jeden, bei Marco und mir reichlich belegt, bei den Kindern eher minimalistisch, ganz nach Geschmack. Marco öffnet die Ofentür, zieht das Blech heraus und ruft die Kinder. Die schnappen sich gleich ihre Teller und kommen angelaufen. Erwartungsvoll stehen sie mit großen Augen da. Sie haben genau so einen Bärenhunger wie ich. Marco schneidet die Pizza auf, will das erste Stück anheben. Er stutzt und hält inne. Das Pizzastück lässt sich nicht einzeln anheben, nur zusammen mit dem Rest der Pizza. Er schneidet fester, zieht - keine Chance. Die Pizza klebt hartnäckig am Backpapier. Simon, der sonst für alles eine Idee hat, ist stumm. Elise sieht ihr Abendessen davonschwinden und kriegt diesen wohlbekannten Ausdruck im Gesicht, wenn gleich die Tränen kommen. Das hatten wir noch nie! „Hast Du ein anderes Backpapier genommen?“ frage ich ihn. „Nö, so eine weiße Rolle, guck mal“, sagt er und langt in den Hängeschrank. Da unser Backpapier erstens braun ist und zweitens in einer blauen Pappverpackung steckt, kommt mir gleich ein Verdacht. Er bestätigt sich, als Marco die Rolle hochhält. Es ist Pergamentpapier, also Butterbrotpapier. Und das ist eine sehr enge Verbindungen mit unserer Pizza eingegangen. Nun fließen bei Elise wirklich die Tränen. Während ich sie zu trösten versuche, macht Marco das einzig Richtige, um die Situation zu retten. Er schreitet zur Tat, schnappt sich eine Schere und schneidet die Pizza samt Papier damit durch. Dann gibt er jedem sein Stück. Seine heldenhafte Tat kommt an. Wider Erwarten lassen die Kinder sich darauf ein. Brav setzt sich die Familie an den Tisch. Beide Kinder beißen herzhaft in ihre Pizza, essen sie mitsamt dem Papier und loben sie sogar. „Mama, du musst das mitessen“, tönt es von rechts und gegenüber, während ich vorsichtig den Belag esse, „das schmeckt gut!“. Während die beiden genüsslich mampfen, wächst an meinem und Marcos Tellerrand ein Berg aus eingebackenem Pergamentpapier. Die Kinder haben längst aufgegessen, da picken wir noch in unserem Essen herum. „Der Belag war aber wirklich gut“, versuche ich es noch schwach. Doch auch mein zweiter Versuch „Wir können ja noch einen Nachtisch essen“ bleibt unkommentiert. Trotzdem hoffe ich, dass Marco irgendwann in ferner Zukunft mal wieder Pizza selber macht. Wahrscheinlich fliegt vorher noch die weiße Rolle in hohem Bogen aus dem Fenster.

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