Namibias Straßen

von Susanne Schlesinger

Schnurgerade Pisten, auf denen jedes Fahrzeug eine kilometerweit sichtbare Staubfahne hinter sich her zieht – das ist das Bild, das jeder Namibiareisende sofort beim Stichwort Straßen in Namibia vor Augen hat. Rund 65.000 Kilometer Straßennetz durchzieht das riesige Land, davon sind nur 7.000 Kilometer asphaltiert. Der Rest sind Sand- oder Schotterpisten, meist ohne Kurven, dafür aber mit gewaltigen Bodenwellen. Jede Kurve wird mit einem Schild angekündigt, so selten sind sie. In einem Land, in dem pro Quadratkilometer nur zwei bis drei Menschen leben (zum Vergleich: in Deutschland sind es rund 228), sind Straßen mehr als nur befestigte Wege – sie sind die Lebensadern Namibias, die auch entlegene Gebiete erreichen und helfen, die Menschen dort zu versorgen und zu verbinden. Viele Menschen leben auch von den Straßen, sei es als Straßenbauer, der sein Zelt direkt am Bauabschnitt aufstellt, als Zäunebauer, um die Latifundien der Farmer von den Straßen abzugrenzen oder als Straßenhändler mit einer kleinen, aus Ästen gezimmerten Bude an den Touristenrouten. Eine Karosse im Wüstensand von Solitaire  © Doreen Schütze | Outback Africa Erlebnisreisen Eine Karosse im Wüstensand von Solitaire © Doreen Schütze | Outback Africa ErlebnisreisenDie Straßen verbinden aber nicht nur Ortschaften, sondern auch Namibias vielfältige Landschaften. Hinter jedem Hügel, hinter jeder der seltenen Biegungen eröffnen sich neue, faszinierende Ausblicke auf wechselnde Wüstenfarben, weite Ebenen und Bergmassive, gelbes Savannengras, grüne Bäume am Fluss und rote Sanddünen. Unvermittelt stehen Giraffen am Straßenrand, biegt sich ein Baum mit einem riesigen Webervogelnest unter der Last oder rennt eine Herde Strauße mit dem Auto um die Wette. Verlassene Fahrzeugkarossen, die sich überall an Namibias Straßen finden, rosten malerisch vor sich hin. Sie bewahren das Geheimnis, wie sie an diesem Ort gestrandet und wie ihre Besitzer den Weg nach Hause angetreten haben. Die karge Natur erobert sich die Wracks als Lebensraum und gibt den leeren Hüllen eine neue Seele. Außerhalb der größeren Ortschaften in den weiten Landschaften der Namib oder des Kaokovelds ist die Fahrt auf einer der Pisten fast meditativ – man ist allein, nur begleitet vom knirschenden Geräusch der Steine unter den Reifen und vom Wind, der beharrlich über die Ebenen streift und die Landschaft immer wieder faszinierend neu gestaltet. Wolkenschatten wandern über die Ebenen, dann und wann taucht ein Springbock oder ein Warzenschwein auf. Der Weg wird zum Ziel.Für uns gehetzte Mitteleuropäer ist eine namibische Straße eine Herausforderung. Hier regiert die Langsamkeit, 100 Kilometer sind nicht mehr eine Stunde, sondern vielleicht zwei oder drei oder ein ganzer Tag. Die Zeit hat eine andere Form angenommen, nur durch den Sonnenaufgang und –untergang begrenzt.Reifenpanne © Foto: Susanne Schlesinger | Outback Africa Erlebnisreisen Reifenpanne © Foto: Susanne Schlesinger | Outback Africa Erlebnisreisen Und auch das gehört zu Namibias Straßen - Autos mit Reifenpannen. Selbst das widerstandsfähigste Gummi kann den kleinen, spitzen Steinen nicht entrinnen und so gehört ein Reifenwechsel zum Namibiaurlaub wie ein Stück Apfelkuchen in Solitaire, wo rostige Karossen zu faszinierenden Kunstskulpturen geadelt wurden.Namibia ist schon wegen seiner Straßen eine Reise wert. Wer die meditative Einsamkeit des wenig besuchten Kaokolandes entdecken will, dem sei eine unserer anderen Campingsafaris empfohlen. Wer bequemer reisen möchte, ist auf unseren vielfältigen Lodgesafaris durch Namibia gut aufgehoben.

2 Kommentare

Susanne

29.05.2013 um 09:24

Lieber Herr Holtz,

vielen Dank für das Lob. Sehr gern dürfen Sie den Text für Ihr Fotobuch übernehmen und sich damit an Ihr Namibiaabenteuer erinnern.

Viele Grüße, Susanne Schlesinger

Bert Holtz

28.05.2013 um 16:06

Treffender kann man die Straßenverhältnisse und die Verkehrssituation nicht beschreiben.
Ihr Einverständnis vorausgesetzt würde ich gerne Passagen des Berichts in mein Fotobuch übernehmen.
Vielen Dank