Ngorongoro-Krater - Reisebericht Tansania (4)

von Svenja Penzel

03.06.2009Nach dem Frühstück schauen wir uns die Serengeti Sopa Lodge auf einer Führung an. Das meiste hatten wir ja schon gesehen, doch wir entdecken noch ein paar Besonderheiten. Die Lodge hat 75 Zimmer (ca. 150 Betten), und wie in allen Sopa-Lodges sind einige Zimmer rollstuhlgerecht. Es gibt drei öffentliche Computer mit Internetzugang gegen Gebühr, einen Souvenirshop, einen schönen Pool und wieder keine Zeit, hineinzuspringen. Gegen 9:30 fahren wir ab. Die Lodge hat mir trotz ihrer Größe gut gefallen, ganz besonders die hellen Zimmer mit den Balkonen und dem wunderbaren Ausblick. Von unten fotografiere ich den „rosa Kasten“ noch mit einem Elefanten im Vordergrund. Dann kommt wieder eine endlose Fahrt via Naabi Gate zum Kraterrand auf übler, holpriger Piste. Wir müssen exakt dieselbe Strecke zurückfahren. Doch diesmal sind in den Ebenen deutlich mehr Tiere als bei der Anfahrt, darunter Tausende von Zebras. Wir besuchen unterwegs noch das Museum von Oldupai. Ein interessanter Abstecher. Es sind viele Bilder und Exponate von den Ausgrabungen ausgestellt, darunter die Fußabdrücke eines 3,4 Millionen Jahre alten Ur-Menschen. Die Ausgrabungsstätten selbst sind weit unter uns im Tal und für die Öffentlichkeit nicht zugänglich.Blick ins Olduvai-Tal. © Foto: Svenja PenzelNach dem Mittagspicknick draußen unter einem Schattendach lauschen wir einem kleinen Vortrag eines Angestellten. Endlich erreichen wir wieder den Kraterrand. Drei Lodges liegen in der Nähe der Hauptpiste, zwei davon besuchen wir kurz. Die erste, von der Serengeti kommend, ist die Ngorongoro Serena Lodge. Groß (75 Zimmer), aber schön afrikanisch gestaltet mit Wänden aus rundgewaschenen Steinen und viel Holz. Das Management legt Wert auf eine gute Öko-Bilanz, daher gibt es zum Beispiel keinen Garten, der bewässert werden müßte, sondern nur ursprüngliche Natur (und die ist in dieser Höhe dicht und grün genug). Die Zimmer und die Badezimmer erscheinen mir relativ klein, dafür haben sie alle tolle Panorama-Fensterscheiben und einen kleinen Balkon mit freiem Blick hinunter in den Krater. Die Felsmalerei-Motive in den Zimmern wirken etwas kitschig. Der Souvenirshop wird von Massai betrieben. Ausblick vom Restaurant der Ngorongoro Serena Lodge. © Foto: Svenja PenzelNur etwa fünf Fahrminuten weiter liegt die Ngorongoro Wildlife Lodge. Die ehemals staatliche Lodge ist zwar frisch renoviert, wirkt aber dennoch alt und wie ein Hotelklotz und erinnert eher an ein sozialistisches Ferienheim. Das Restaurant gleicht einer Bahnhofs-Wartehalle. Von der Decke hängen überdimensionale bunte Perlenketten kreuz und quer durch den Saal. Die bunten Stühle in der Bar finde ich genauso schrecklich wie die Holzstühle im eng gestellten Restaurant. Gut gelungen ist nur die mit Glas überdachte Aussichtsterrasse am Kraterrand. Dort kann man auch bei kühlem Wetter sitzen und essen, es werden dann Heizöfen aufgestellt. Auch der Eingangsbereich und die Fernseh-Ecke sind ganz nett. Aber insgesamt kommt in diesem Hotel trotz der fantastischen Lage einfach keine Atmosphäre auf. Jens formuliert es so: Sie hätten den Kasten lieber ganz abreißen und neu bauen sollen, anstatt ihn nur zu renovieren, und dann bitte ohne Hilfe der Chinesen. Die Zimmer sind klein, die Badezimmer winzig und häßlich. Nur die Aussicht durch die Panoramascheibe ist gut, aber das Fenster läßt sich nicht öffnen, und es gibt keinen Balkon. Glasperlen-Deko in der Ngorongoro Wildlife Lodge, die man schon vom Kraterboden aus sehen kann. © Fotos: Jens Döring, Svenja PenzelAn der edlen Ngorongoro Crater Lodge fahren wir vorbei, sehen die ungewöhnlich gestaltete Anlage nur von ferne. Tagesbesucher sind dort nicht erwünscht. Schade, ich hätte gern einmal hineingeschaut. Irgend etwas muß ja dran sein, daß die Besucher bereit sind, für eine Übernachtung mehr als 1000 Euro pro Person auszugeben. Von der Hauptpiste geht es dann ab zur Ngorongoro Sopa Lodge. Sie liegt abseits, quasi am gegenüberliegenden Kraterrand, und man braucht für die 22 Kilometer etwa 35 Minuten. Das Hauptgebäude teilt sich in zwei riesige strohgedeckten Rundhütten, eine mit dem Restaurant und die andere mit der Bar. Draußen vor diesen Hütten gibt es Sitzgelegenheiten mit Blick in den Sonnenuntergang. Herrlich. Die Lodge hat etwa 90 Zimmer mit insgesamt 180 Betten. Diese Zimmer befinden sich in eng aneinander gebauten Rundhütten auf zwei Etagen, die vom Hauptgebäude aus in zwei Richtungen entlang des Kraterrandes verlaufen. Ich habe eins der unteren Zimmer. Es ist groß, modern und komfortabel. Das Bad ist ebenfalls groß, wirkt neu und ist schön hell. Das Zimmer selbst ist weniger hell. Es hat einen kleinen, komplett verglasten Balkon mit zwei Schaukelstühlen. Aber der Blick aus meinem Zimmer geht in den Busch und nicht in den Krater, den kann man nur erahnen. Überhaupt hatte ich mir von der Lage am Kraterrand mehr erhofft. Das Hotel ist ein wenig zurückgesetzt, und außerdem an einer Stelle erbaut, an der es keine steile Abbruchkante wie bei den anderen drei Lodges gibt, sondern einen eher weichen Übergang vom Kraterrand in den Krater hinein. Das Abendessen im Restaurant ist sehr gut. Wie immer in den Sopa Lodges hat man drei Hauptgerichte zur Wahl, und bei der Vorspeise und beim Nachtisch kann man zwischen zwei oder drei Varianten wählen. Manchmal gibt es auch Essen vom Buffet. In der Hochsaison ist meistens Buffet angesagt. Bei uns in der Nebensaison ist das Restaurant höchstens zu einem Drittel gefüllt, und dann wird eher am Tisch serviert. Wir sitzen anschließend noch eine ganze Weile in der Bar und probieren die Cocktails. Ngorongoro Sopa Lodge © Foto: Svenja Penzel04.06.2009Heute wollen wir die Tierwelt im Ngorongoro-Krater erleben. Gegen neun Uhr fahren unsere Guides mit uns in Serpentinen vom Kraterrand zum Kraterboden hinunter. Die Sopa Lodge hat eine andere Zufahrtsstraße in den Krater als die anderen drei Lodges am gegenüberliegenden Rand. So dauert es nur ca. 10 bis 15 Minuten, bis man unten ist. Wir haben sechs Stunden Zeit, mehr ist nicht erlaubt und alles wird genau aufgeschrieben. Die Pirschfahrt ist ergiebig und schön. Es sind nicht allzu viele andere Fahrzeuge unterwegs (in der Hochsaison fahren sie hier sicherlich Stoßstange an Stroßstange), und wir sehen viele Löwen, große Gnu-, Zebra- und Büffelherden, Hyänen, Strauße, Hippos, Flamingos im Magadi-See…Mittags halten wir für ein Picknick in einem kleinen Wald. Es ist schön schattig, doch zum Essen bleiben wir wegen der Paviane und Meerkatzen doch lieber im Auto und essen aus unseren Lunchboxen auf den Knien. Anschließend vertreten wir uns ein wenig die Beine. Im Krater ist Offroad-Fahren nicht erlaubt. Als wir im Gras Löwen sehen, sammeln sich rasch fünf oder sechs Fahrzeuge am Rand der Piste. Ein großes Löwen-Weibchen kommt immer näher, legt sich schließlich in den Schatten eines der Fahrzeuge, direkt unterhalb der Ersatzräder am Heck. Das gibt ein Rangieren der anderen Fahrzeuge, jeder will den besten Beobachtungsplatz haben. Eins der Autos stellt sich quer, sehr zum Verdruß der Insassen eines anderen Wagens. Die Löwin stört das alles nicht. Sie bleibt faul liegen, während ihre Kinder munter im hohen Gras spielen. Das ist das Gute an diesen Pirschfahrten: man kommt sehr nah an die Tiere heran, weil sie seit Jahren an Autos gewöhnt sind und kaum noch einen Fluchtreflex zeigen. Das ermöglicht gute Fotos. Am Magadi-See ist es sehr windig, Staub wird zu hohen Säulen aufgewirbelt, dringt überall ins Auto ein. Auf der Rückfahrt bin ich müde von dem vielen Geschüttel, schlafe fast ein. Löwen und Gnus im Ngorongoro-Krater. © Fotos: Svenja PenzelAlso die Safari – von der Dauer her – reicht mir absolut. Wir sind gerade mal sechs Tage unterwegs, aber es ist irgendwie auch genug. Die Safaris sind anstrengend, denn die Straßen sind schlecht, das permanente Ausschauen nach Tieren ist irgendwann ermüdend, das stundenlange Sitzen oder Stehen im Auto ist je nach Sitzplatz auf Dauer unbequem, das Funkgerät rauscht und piept, die anderen Fahrzeuge wirbeln Staub auf – man hat ja doch dauernd die Fenster auf und den Wind in den Haaren, sieht nach einer Pirschfahrt immer verstaubt und verwuschelt aus. Hinzu kommt auch, daß man nach dem Erkunden von drei Nationalparks oder Wildreservaten eigentlich alles gesehen hat, was die tansanische Tierwelt zu dieser Jahreszeit eben so hergibt. Irgendwann gibt es eben nichts großartig Neues zu entdecken, und man stumpft ein wenig ab. Wer überlegt, eine längere Safari zu machen, sollte unbedingt einen oder mehrere Ruhetage einbauen, um sich von den Strapazen zu erholen und wieder frisch zu werden für neue Tierbeobachtungen. Ngorongoro Sopa Lodge in der AbendsonneIm Nachmittagssonnenschein sitzen wir an der Sopa Lodge auf den Liegestühlen, die im Halbrund vor den großen Glasfenstern der Bar aufgereiht stehen. Es ist richtig heiß, doch als die Sonne sinkt und die Schatten länger werden, muß schnell die Fleece-Jacke her. Die Temperaturen sinken hier auf 2400 Metern rasch ab. Selbst die Angestellten laufen abends alle in Fleece-Jacken herum, und unsere beiden Guides hüllen sich in leuchtend rote Massai-Decken. An beiden Tagen hier oben warten wir vergeblich auf einen eindrucksvollen Sonnenuntergang über dem Kraterrand. Einige Kunden wollen ja speziell in diese Lodge, da man von hier den Sonnenuntergang hinter dem jenseitigen Kraterrand sehen kann. Doch bei uns wird aufgrund von Wolken leider nichts daraus. Übersicht aller Teile des Reiseberichtes Tansania:

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