1500 Dollar für einen Besuch bei den Berggorillas

von Marco Penzel

Kigali/Kampala, 9. Mai 2017

Das ostafrikanische Land Ruanda verdoppelt die Gebühren für einen Besuch bei den Berggorillas von 750 auf 1500 US-Dollar pro Person. Dagegen sollen die Kosten im benachbarten Uganda stabil bleiben. Dort liegen sie derzeit bei 600 Dollar für ein Gorilla Tracking.

Berggorillas (Gorilla beringei beringei) sind akut vom Aussterben bedroht. Forscher gehen von insgesamt etwa 880 Tieren aus, die heute noch in mehreren kleinen Waldreservaten im Dreiländereck von Ruanda, Uganda und der Demokratischen Republik Kongo leben. Touristen können Gorilla-Familien besuchen, die an Menschen gewöhnt sind. Die wichtigsten Reiseziele sind dabei der Bwindi Nationalpark in Uganda und der Volcanoes Nationalpark in Ruanda.

Die Regierungsbehörde Rwanda Development Board (RDB) hat am 6. Mai 2017 die Erhöhung auf 1500 Dollar mit sofortiger Wirkung verkündet. Permits, die vor dieser Ankündigung verkauft wurden, sollen ihre Gültigkeit zum alten Preis behalten. Gleichzeitig wolle man den Anteil an den Gebühreneinnahmen, der direkt den Dorfgemeinschaften in der Umgebung des Nationalparks zugutekommt, in Ruanda von fünf auf zehn Prozent erhöhen. In den vergangenen zwölf Jahren seien aus diesen Mitteln über 400 Projekte wie der Neubau von Krankenhäusern, Schulen und Trinkwasserleitungen finanziert worden. Dafür stehe künftig noch mehr Geld zur Verfügung, erwartet das RDB. So könne man den Schutz der Gorillas auf ein festeres Fundament stellen.

UGANDA BLEIBT Bei 600 DOLLAR FÜR GORILLA-PERMIT

Das Nachbarland Uganda geht nun bewusst einen anderen Weg. Kurz nach der Entscheidung in Ruanda kündigte die Uganda Wildlife Authority (UWA) an, dass es in Uganda in den nächsten zwölf Monaten keine Preiserhöhung geben wird. Die Gebühren für das Gorilla-Tracking bleiben dort bei 600 Dollar pro Person in der Hauptsaison und 450 Dollar in der Nebensaison April, Mai und November.

„Die Berggorilla-Population in Uganda ist seit den 1980er Jahren kontinuierlich auf derzeit rund 550 Tiere gestiegen. Das zeigt, dass unser Modell für den Gorilla-Tourismus funktioniert und sowohl der Naturschutz als auch die Einheimischen von den Touristen-Besuchen profitieren. Wir haben daher keinen Grund, irgendetwas zu ändern oder die Gebühren zu erhöhen“, erklärt Dr. Andrew Seguya, Direktor der UWA.

„Wer einmal einem Berggorilla in die Augen gesehen hat, der versteht, wie wichtig der Schutz dieser Primaten ist. Uns ist es daher wichtig, dass nicht nur eine kleine Minderheit die Möglichkeit hat, die Tiere in ihrer natürlichen Umgebung zu erleben, sondern jeder, dem die Berggorillas wirklich am Herzen liegen. Zudem fühlen wir uns unseren internationalen Partnern aus der Tourismusindustrie gegenüber verpflichtet, die Preise stabil zu halten“, erklärt Stephen Asiimwe, Chef des Uganda Tourism Board (UTB).

Zum Schutz der bedrohten Tiere ist das Gorilla-Tracking für Touristen stark reglementiert. Sowohl in Ruanda als auch in Uganda sind pro Gorilla-Gruppe täglich maximal acht Besucher zugelassen. Die Touristen begeben sich zusammen mit speziell ausgebildeten Rangern im Regenwald auf die Suche der seltenen Tiere. Dabei gehen die Ranger vom Standort des Vortags aus und versuchen die Tiere anhand von Spuren zu lokalisieren. Ist die Gruppe gefunden, dürfen Besucher sie für eine Stunde beobachten.

Nachhaltiger Gorilla-Tourismus trage maßgeblich zum Schutz der seltenen und akut vom Aussterben bedrohten Tiere bei, argumentiert das UTB. Die Einnahmen aus den Gebühren helfen, den Lebensraum der bedrohten Berggorillas langfristig zu erhalten. Durch den Tourismus gewinne der Schutz der Tiere zudem weltweit an Aufmerksamkeit und Unterstützung. Und schließlich biete der Gorilla-Tourismus den Gemeinden rund um die Nationalparks eine wirtschaftliche Perspektive, denn zwanzig Prozent der Nationalpark-Gebühren gingen in Uganda direkt an die lokale Bevölkerung. Hinzu kommen die Arbeitsplätze in Lodges und Safariunternehmen. Damit sollen langfristig Konflikte zwischen Mensch und Tier sowie Wilderei vermieden werden.

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