Svenja gründete 2001 Outback Africa Erlebnisreisen, nachdem sie mehrere Jahre in Südafrika gelebt, ein Safariunternehmen mit aufgebaut und Campingtouren durch die Länder des südlichen Afrika begleitet hatte. Svenja ist Geschäftsführerin und Safari-Beraterin insbesondere für Privatreisen und Flugsafaris. Zu ihren Lieblingszielen gehören Malawi, Kenia und Tansania.
Ich fahre durch die Dunkelheit auf der A93. Irgendwo bei Regensburg muss ich rechts raus, die Augen fallen mir zu. Es ist Mitternacht oder so, ich weiß nicht mehr richtig. Schlafe ein paar Minuten, dann geht es weiter. Zwei Stunden sind es sicherlich noch bis ins heimatliche Vogtland. Leises Schnaufen auf der Rückbank. Was sich gerade am Flughafen München abgespielt hat, war ein kleiner Alptraum.Noch vor wenigen Stunden stand meine ganze Familie fröhlich in der Schlange am Check-In der Oman Air. Wir schicken noch ein Foto von uns vieren mit dem Gepäck-Trolley per MMS an die Oma. Simon scherzt mit einem kleinen dunkel gelockten Mädchen vor uns. Wir sind auf dem Start in unsere Sommerferien, wollen via Oman nach Sansibar fliegen. Endlich sind wir dran. Die Dame am Check-In nimmt unsere Pässe entgegen, blättert sie durch. Gibt drei der vier Pässe zurück, behält Simons. Blättert ihn nochmal durch. Stoppt bei der Seite mit der Aktualisierung (wir hatten vor anderthalb Jahren den Kinderreisepass, der bis dahin nur sein Babyfoto hatte, um eine neue Seite mit aktuellem Foto ergänzen lassen). Schaut mich an und fragt mich, ob es eine neuere Seite gibt. Wieso, sage ich, das ist doch die neue Seite. Da zeigt sie wortlos auf das Ablaufdatum, unterhalb des Fotos. 21. Mai 2014 steht da. Wir haben August.Dieses Gefühl, wenn einem gleichzeitig heiß und kalt wird, tausend Gedanken auf einmal durch den Kopf wirbeln, man schreien und weinen möchte und doch nur stumm dasteht und glaubt, das sei nur ein böser Traum. Es dauert, bis es richtig einsinkt: Die Aktualisierung war nur für das Foto, die Gültigkeit des Passes hat sich dadurch nicht verlängert. Ich habe nicht aufgepasst. Und zu dieser späten Stunde und in der kurzen Zeit, die uns bis zum Abflug noch bleibt, kann auch kein Ersatzpass am Flughafen ausgestellt werden. Wir können nicht reisen.Eine Mitarbeiterin der Oman Air nimmt uns zur Seite, wir blockieren die anderen Passagiere. Gegenüber ist das Reservierungs-Desk der Fluggesellschaft, dort gibt es keine Schlangen und eine freundliche Frau nimmt sich unserer an. Sie prüft die nächsten Flugverbindungen. In zwei Tagen gibt es wieder eine via Muscat nach Sansibar, allerdings mit sehr ungünstiger Umsteigezeit. Eine Verbindung wie unsere jetzige gibt es erst in vier Tagen wieder. Als sie uns die Umbuchungsgebühren nennt, ist uns plötzlich klar, was wir machen. „Ihr zwei fliegt!“, sage ich zu Marco und Elise. Simon und ich kommen schon irgendwie nach. Hektisches Umpacken der Taschen, wer hat die Malariatabletten und wer die Badesachen? Die Zeit drängt, die Maschine wird bald starten, die beiden haben noch keine Bordkarten. Eine kurze Umarmung, dann winken Simon und ich den beiden traurig hinterher.Eine Stunde später haben wir unsere neuen Tickets für den übernächsten Tag mit ungünstiger Umsteigeverbindung, die uns eine unfreiwillige Nacht in Muscat beschert. Drei Stunden später sind wir daheim und Simon wieder im eigenen Bett. Eine weitere Stunde später bin ich nach diversen Erklärungsmails an die Partner vor Ort auch im Bett. Nach einer kurzen Nacht habe ich am nächsten Vormittag im Rathaus binnen 20 Minuten einen neuen Kinderreisepass in der Hand. Als ich im Büro aufschlage, um nach einem Hotel für Muscat zu suchen, glauben die Kollegen an Gespenster. Ich unternehme eine Radtour mit Simon.Einen Tag später geht es dann wirklich los. Ich prüfe fünfmal, ob ich die richtigen Pässe und Dokumente habe. Gehe nochmal durch mein ganzes Gepäck. Alles klar, Kind ins Auto, auf geht’s, die Strecke kenne ich nun ganz gut. Nach einer Stunde der Stau, Vollsperrung der A93, Umleitung über die Dörfer, die Zeit verrinnt. In einem der Dörfer stockt es ganz, die Bahnschranken sind eine geschlagene Viertelstunde unten. Es ist uns wohl auch diesmal nicht vergönnt? Ich sehe uns schon einen Ersatz-Kurzurlaub in einem Kinderhotel in Deutschland verbringen. Doch wir erreichen München noch rechtzeitig. Am Schalter der Oman Air sind wir nun bekannt wie ein bunter Hund. „Frau Penzel!“ Vor mir steht die Dame von vorgestern. Winkt uns an der Schlange vorbei an einen anderen Schalter, wo wir sofort dran sind. Das ist wohl der VIP-Mitleids-Bonus. Ich krame die extra gekaufte Tafel Merci aus meiner Tasche. „Danke, dass Sie uns vorgestern so geholfen haben.“ Ein prüfender Blick in Simons Pass, sie strahlt, Simon strahlt zurück. Kurz darauf haben wir tatsächlich unsere Bordkarten.Am Nachmittag des folgenden Tages, nach einer heißen Nacht in Muscat und einer weiteren langen Flugstrecke, fallen wir uns am Flughafen Sansibar verschwitzt und glücklich wieder in die Arme. Der Rest der Reise war dann schön. Naja fast. Bis auf den Unfall beim Angeln in Mufindi. Aber das ist eine andere Geschichte.
2 Kommentare
Svenja
07.10.2014 um 14:48
Liebe Carina, danke für Deinen netten Kommentar! Ja, es wurde dann noch eine sehr schöne Zeit. Wir haben viel gesehen und sind mit einigen neuen Ideen nach Hause gekommen. Liebe Grüße an die ganze Familie von Svenja
Carina
07.10.2014 um 13:53
Liebe Svenja, mit Spannung habe ich Deine Geschichte gelesen. Das hätte echt jedem von uns passieren können. Gut, dass am Ende alles gut ging. Sicher hattet ihr noch einen traumhaften Urlaub ;-) Liebe Grüsse Carina
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