In die Cedarberge - Reisebericht Vom Kap nach Namibia

von Susanne Schlesinger

4. Oktober 2012

Erster Stopp heute ist die Victoria & Alfred Waterfront – Kapstadts riesiges Einkaufszentrum, wo man wirklich alles bekommt. Mein Brief an Joey in Johannesburg geht auf den Weg, wir besorgen eine Telefonkarte und erledigen unseren Pflichtanruf zu Hause. Mückenmittel und Malariatabletten, Getränke – alles kein Problem. Nach einer Stunde Powershopping geht es los auf die Straße ins Abenteuer.

 

 

 

Unmut macht sich auf den hinteren Bänken breit, weil Max seinen Tourguidepflichten nicht nachkommt und Informationen liefert, ohne ihn ständig fragen zu müssen. Es stellt sich heraus, dass das Headset nicht funktioniert. Ich finde es persönlich nicht schlimm, mal einfach etwas Landschaft anzugucken, ohne dass Max uns ständig bespaßt, gebe den anderen aber recht, dass es schön wäre, gesagt zu bekommen, durch welche Landschaft man gerade fährt - nicht jeder hat den Reiseführer auswendig gelernt.In Citrusdal liefert Max dann ein paar Informationen nach, während Jonathan eine Flasche Gas zum Kochen besorgt. Auf einem Picknickplatz an der Straße gibt es unser erstes Outdoor-Lunch.

Wir beobachten Liz und Dennis, die nach zwei Wochen auf der anderen Tour bereits routinierte Lunch-Vorbereiter sind, und lernen durch Nachahmung. Händewaschen, Paprika, Tomaten und Gurken kleinschneiden, drei Grillhähnchen sezieren, Avocados aufschneiden usw. Der Tisch ist reichlich gedeckt, jeder haut ordentlich rein. Das ist ein Fehler, denn wir verlassen kurz nach dem Lunch die geteerte Straße und fahren eine Schotterpiste in die Cedarberge, wo es alle ordenlich durchschüttelt. Zum Glück bleibt alles an seinem Platz – bis auf die Rucksäcke und Taschen der hinteren Reihe, die sehr zum Leidwesen ihrer Besitzerinnen mehrmals durcheinander fliegen.Der Plan für den Nachmittag erschließt sich uns noch nicht – zuerst fahren wir in Algeria (wer hat sich diesen Namen denn ausgedacht) hin und her. Dann heißt es relativ spontan: Wanderschuhe an und los. Einige müssen diese erst aus den Taschen kramen. Wir lernen eine weitere Lektion: Am besten seine Schuhe irgendwo griffbereit im Truck deponieren.

 

 

 

 

 

 

 

So richtig Lust verspüren die meisten (noch) nicht, als es im Gänsemarsch einen immer steiler werdenden Pfad in die Berge hinaufgeht, aber der Ausblick entschädigt für die Anstrengung. Nach ca. 1 ½ Stunden ist fast der Gipfel erreicht und es wartet ein Wasserfall. Beim Abstieg wird es langsam dunkel, und die Sonne zeichnet ein goldglühendes Band auf die Berghänge. Jonathan hat das Abendessen fertig - Spaghetti Bolognese, dazu Salat. Er hat für eine komplette Rugbymannschaft gekocht und ist sichtlich enttäuscht, dass wir so wenig essen. Ich versuche, ihm zu erklären, dass wir nur drei Männer dabeihaben, von denen einer Vegetarier ist, und dass wir bald breitere Sitze im Truck brauchen, wenn wir so viel essen müssen. Das überzeugt ihn nicht – er glaubt fest daran, dass sich unsere Mägen schon weiten werden. Bolognese schmecke ja auch gut auf Toast zum Frühstück.Nach dem Abendessen geht es an die Zimmerverteilung, die sich als schwierig gestaltet. Das zweite Cottage ist unvorhergesehen von einer Seniorengruppe belegt, deshalb werden wir aufgeteilt. Das „Jungvolk“ bleibt in dem Cottage, da es nur eine Dusche und zwei Toiletten gibt – dafür müssen wir aber erst um 6 Uhr morgen fertig sein. Die anderen bekommen komfortablere Zimmer in einem Cottage ca. 15 Minuten entfernt und müssen schon um fünf nach halb ihr Gepäck und sich selbst bereit haben.

Simona, die in einem weiteren Cottage ganz allein schlafen sollte, zieht bei Sandra und Tanja mit ein, da es ein drittes Bett gibt. Hätte ich an ihrer Stelle genauso gemacht. Da das Licht in diesem Zimmer nicht funktioniert, haben die drei eine Menge Spaß mit den Stirnlampen. Es ist aber auch wirklich tiefdunkelste Nacht draußen und bis auf den fahlen Mond gibt es überhaupt kein Licht.Nach einer Turbodusche und gemeinschaftlichem Zähneputzen fallen alle erschöpft in die Betten, die erstaunlich bequem sind. Morgen stehen uns 550 Kilometer Fahrstrecke bevor – wir haben alle schon eine Lizenz zum Schlafen im Bus beantragt. Gute Nacht.

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