Reisebericht Madagaskar (3): Fort Dauphin und Evatra

von Svenja Penzel

Lange hatten wir überlegt, ob wir der klassischen Route durch das Hochland in den Süden folgen sollten. Schließlich entschieden wir uns aber dagegen, denn es scheint die Haupt-Rennstrecke (wenn man überhaupt davon sprechen kann) der Touristen auf Madagaskar zu sein. Fast alle Reiserouten anderer Veranstalter, die ich mir im Internet angeschaut hatte, verlaufen so. Reizvoll klangen für mich nur die Beschreibungen des Ranomafana-Nationalparks und des Isalo-Massivs. Auf diese haben wir verzichtet, dafür aber auch auf viele viele Stunden Rüttelei auf schlechten Straßen. Und wie wir später erfuhren, muß man Ranomafana nicht gesehen haben, wenn man Périnet besucht.Wir flogen also von Morondava nach Fort Dauphin (auch Tolanaro oder Tolagnaro genannt, das hat sich jedoch noch nicht so durchgesetzt) und bezogen einen großen Holzbungalow im gemütlichen Motel Gina. Gleich am Nachmittag ging es nach Nahampoana. Ein privates Reservat, eigentlich eher ein angelegter Park mit seltenen Pflanzen und vielen Lemuren. Zum ersten Mal kommen wir den niedlichen Katta-Lemuren mit den langen Ringelschwänzen so richtig nah. Manch einer mag sich daran stören, daß die Tiere mit Bananen angelockt werden und nicht wirklich wild lebend. Ich fand es jedoch toll, auf Tuchfühlung mit diesen possierlichen und sehr fotogenen Tieren zu gehen - ich hätte nie gedacht, daß das überhaupt möglich ist! Ich glaube, einige Male habe ich vor Schreck oder Freude gequietscht, wenn mir ein Tierchen von hinten auf die Schulter sprang. Die Sonne stand schon tiefer, als wir zu einer ruhigen Bootsfahrt aufbrachen. Die Sonnenstrahlen schienen durch die riesigen Blätter der Elefantenohren, die am Ufer wuchsen, so daß die feinen Blattadern wunderbar durchschimmerten.Katta-Lemuren in Nahampoana (Madagaskar)Svenja auf Tuchfühlung mit den Katta-Lemuren in Nahampoana. © Foto: mpWas wir im Reiseführer über die Bucht von Evatra gelesen hatten, klang so genial, daß wir dieses paradiesische Fleckchen unbedingt auch sehen wollten. Und wir wurden nicht enttäuscht. Eigentlich wird Neuseeland ja das Ende der Welt genannt. Aber ich hatte das Gefühl, es in Evatra erreicht zu haben. Man fährt knapp zwei Stunden mit einem motorisierten Holzkahn durch gewundene Kanäle und kleine Seen, die von Hunderten von Elefantenohren und vielen Bäumen der Reisenden gesäumt sind, und erreicht schließlich eine malerische Bucht mit touristenfreiem Sandstrand, an die irgend jemand im Schatten hoher Bäume schon einen Picknicktisch gezaubert hat. In der Nähe ist noch ein kleines Dorf, aber auf der anschließenden Wanderung begegnet uns bald kaum noch ein Mensch. Über Felsen, weite Grasebenen, bergauf und bergab schlängelt sich ein kaum erkennbarer Weg immer weiter in die Einsamkeit. Immer wieder geht es steilere Strecken hinauf, und von diesen Hügeln schaut man auf die traumhafte Küste und das fast unwirklich türkise Meer und muß sich kneifen, um sicherzugehen, daß man nicht träumt. Wie gerufen kommt auf halber Strecke eine wiederum touristenfreie herrliche Sandbucht für eine willkommene Badepause. Ein wunderschöner Tag und Balsam für die Seele für alle, die mal ganz weit weg müssen.In der Bucht von Evatra (Madagaskar)Einer der einsamen Strände in der Bucht von Evatra. © Foto: mpFortsetzung folgt hier.

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