Auf Pirschfahrt - Flamingos

von Susanne Schlesinger

Flamingos gehören zu den bekanntesten Vogelarten Afrikas. Jedes Kind kennt die rosa gefiederten großen Vögel mit dem krummen Schnabel und den dünnen Beinen, die wie ein Teppich die Ufer der afrikanischen Seen bevölkern.Flamingos sind aber nicht nur schön gefärbt, sondern hochspezialisierte und enorm anpassungsfähige Vögel. Sie können in Gewässern Nahrung finden, in denen es nicht einmal Fische gibt, und sogar stark alkalisches, natronhaltiges Wasser trinken, das für andere Tiere den Tod bedeuten würde. Deshalb findet man sie auch in lebensfeindlichen, vulkanischen Gebieten mit alkalischen Seen. Sie finden in den Seen Plankton, Algen und Larven, die sie mit Hilfe ihres speziell konstruierten Schnabels aus dem Wasser filtern können (Seihschnabel). Außerdem haben sie eine Technik entwickelt, auch aus schlammigem, weichem Untergrund Nahrung zu filtern. Dazu stecken sie den Schnabel in den Untergrund und tänzeln im Kreis. Dadurch werden die Kleinstlebewesen nach oben gewirbelt und landen im Schnabel. Auf dem Speiseplan der Flamingos stehen außerdem kleine Krebse und Muscheln. Eine spezielle rote Krebsart ist für die Rosafärbung des Gefieders verantwortlich – je mehr die Flamingos davon fressen, desto pinkfarbener werden sie, denn der Farbstoff lagert sich in den Federn ab. Wegen ihrer Federn wurden Flamingos jedoch nie gejagt, da diese die Farbe nach dem Ausrupfen wieder verlieren.

 

 

 

 

 

 

Man findet Flamingos in Afrika (und hier besonders in den Gebieten des Großen Afrikanischen Grabenbruchs), auf der Arabischen Halbinsel sowie in Nord- und Südamerika. Das typische Bild, auf dem Flamingos in tropischer Umgebung zu sehen sind, stimmt nicht ganz. Es gibt auch Flamingos in den Anden, die in Temperaturzonen bis minus 30 Grad Celsius überleben. Auch in Deutschland trifft man auf Exemplare, die allerdings wegen der fehlenden Rotkrebse eher hellrosa bis weiß sind. Es handelt sich um „Gefangenschaftsflüchtlinge“, also Zootiere, die irgendwann einmal in die Freiheit entkommen sind. Sie haben sich einen passenden Lebensraum gesucht und sich vermehrt. So leben heute 12 Flamingopaare in einem Feuchtgebiet zwischen Deutschland und den Niederlanden und kommen auch in Frankreich, Spanien, Portugal und Griechenland vor.Teilweise werden deshalb Flamingos in den Zoos die Flügelfedern gestutzt. In kleinen Gehegen ist es jedoch ohnehin schwer für Flamingos, überhaupt zu einem Flug zu starten. Sie benötigen wegen ihrer Größe einen weiten Anlauf oder günstig stehenden, starken Wind. Sind sie jedoch einmal in der Luft, können sie weit fliegen.

 

 

 

Flamingos mögen es gesellig, Kolonien können bis zu 10.000 Tiere umfassen. Ob gebrütet wird, hängt von den äußeren Faktoren ab. Stimmen Temperatur und Feuchtigkeit und sind die Vögel ungestört, beginnen die Flamingos mit dem Nestbau und legen meist nur ein Ei. Während der Aufzuchtperiode sind die Vögel monogam, danach wird sich wieder nach einem neuen Partner umgeschaut. Junge Flamingos werden in den ersten Lebenstagen von ihren Eltern im Nest versorgt. Ist das Jungtier groß genug, um das Nest zu verlassen, ist es zunächst in einer „Créche“, also einer Art Kindergarten von Jungvögeln gut aufgehoben und wird durch die Altvögel der Kolonie beschützt. In diesen „Kindergärten“ leben Tausende Flamingokinder. Die Eltern können dann wieder auf Nahrungssuche gehen. Erstaunlich ist dabei, dass sie unter den vielen Jungtieren ihren eigenen Nachwuchs wiederfinden und füttern. Mit rund 12 Wochen ist bei dem Jungtier dann der Seihschnabel soweit ausgebildet, dass es selbstständig Nahrung aus dem Wasser filtern kann. Trotz der Fürsorge durch die Altvögel erreichen viele Jungvögel das Erwachsenenalter nicht. Neben Raubvögeln gefährden schwankende Wasserstände die Gelege.Das Verhalten von Flamingos ist sehr intensiv erforscht. Es gibt eine ganze Liste von Imponierverhalten, die durch den Zoologen Phil Kahl katalogisiert wurden. Besonders eindrucksvoll ist das „Marching“, bei dem Gruppen sehr eng zusammen stehen und in die gleiche Richtung laufen. Abrupt wird die Richtung gewechselt und auch der Kopf gleichzeitig gedreht – wie bei einer gut trainierten Marschkapelle.Ein weiteres typisches Verhalten, das jeder sofort mit Flamingos in Verbindung bringt, ist das Stehen auf einem Bein. Dies hat einen ganz praktischen Grund. Die dünnen, langen Beine der Flamingos unterkühlen sehr schnell und es geht eine Menge Körperwärme verloren. Durch das Anziehen eines Beines wird dieses im Gefieder gewärmt und weniger Energie verschwendet.Wer die beeindruckenden Flamingoschwärme einmal hautnah erleben will, sollte eine Reise nach Kenia zum Lake Nakuru und Lake Bogoria oder zum Lake Manyara und Ngorongorokrater in Tansania planen. In unserer Reise „Kenia-Tansania: Die große Tierwanderung“ sind diese Ziele alle enthalten und es bieten sich viele Gelegenheiten, einen rosa Teppich aus Flamingos zu sehen.Hier noch eine interessante BBC-Dokumentation über Flamingos am Lake Bogoria.Weitere Artikel unserer beliebten Serie:Auf Pirschfahrt-ZebrasAuf Pirschfahrt-GiraffenAuf Pirschfahrt-ElefantenAuf Pirschfahrt-NashörnerAuf Pirschfahrt-FlusspferdeAuf Pirschfahrt-KuhantilopenAuf Pirschfahrt - Kleinere AntilopenartenAuf Pirschfahrt - LöwenAuf Pirschfahrt-Leoparden und GepardenAuf Pirschfahrt - Gerenuk, Netzgiraffe und GrevyzebraAur Pirschfahrt - Afrikanische WildhundeAuf Pirschfahrt - Krokodile

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