Doreen Krausche geb. Schütze stieg nach langjähriger Erfahrung als Reiseleiterin und in der Hotelbranche 2011 bei Outback Africa Erlebnisreisen ein. Seither sammelte sie Reiseerfahrung in Tansania, Botswana, Namibia, Mosambik und Südafrika. Sie betreut viele Kleingruppenreisen aus dem Outback Africa Programm und stellt auch individuelle Reiseangebote in Südafrika zusammen.
Mittwoch, 23.05.2012Es ist noch dunkel, aber nicht mehr so kalt wie in den letzten Nächten. Unser Guide Evans braucht schon gar nicht mehr gegen unser Zelt klopfen, wir werden von allein wach. Sieben Uhr fahren wir pünktlich ab und lassen die Tsodilo Hills mit einem herrlichen Sonnenaufgang hinter uns. Es geht hinein ins Okavangodelta.Unser heutiger Zeltplatz ist nur mit dem Mokoro, dem Einbaumboot zu erreichen, mit dem hier im Delta alles transportiert wird. Der Truck bleibt zurück, aber wirklich alles andere wird mitgenommen - die komplette Küche mit Töpfen, Grill, Geschirr, Lebensmitteln und Getränken, sogar die Kühltruhe, in der der Inhalt mit Eiswürfeln gekühlt wird. Zelte, Matratzen und unser kleines Gepäck. Das Umpacken der Tasche war gestern Abend noch eine Herausforderung. Alles, was nicht benötigt wird, bleibt im gut verschlossenen Truck zurück.Der Weg ist das Ziel. Die Mokoroführer, auch Poler genannt, werden uns die nächsten zwei Tage begleiten und durch das Okavangodelta staken. Sie sind fleißige Helfer, die erst alles vom Truck in die Mokoros verladen, dann von den Mokoros in die Motorboote und später wieder in Mokoros, um schließlich das ganze Gepäck auf einer Insel im Delta auszuladen.
Wir sind gespannt und aufgeregt, was uns erwartet. Immer tiefer dringen wir in das Delta ein, schnell verliert man die Orientierung. Wir genießen die Bootsfahrt und den frischen Wind, der uns um die Nase weht - eine Wohltat nach dem gestrigen Staub und der Hitze in den Tsodilo Hills. Je zwei Personen werden in einem Mokoro transportiert. Das Wasser ist nicht sehr tief, der Poler stößt das Boot mit einer langen Stange vorwärts - ein bisschen wie in Venedig. Am Anfang der Fahrt stellt jeder den Polern tausend Fragen, die geduldig und ausführlich antworten. Dann wird es ruhig, jeder hängt seinen Gedanken nach und wir genießen die Stille des Deltas und das rhythmische Plätschern der Bootsstange. Wir hören Vogelrufe - das Delta ist mit über 400 Vogelarten ein Paradies für jeden Ornithologen und Vogelfreund.Eineinhalb Stunden später erreichen wir eine kleine Insel, auf der unser Camp für die nächsten zwei Nächte aufgeschlagen wird. Fester Boden unter den Füßen ist doch schön und wir sind auch trocken geblieben. Nur Evans und Bruce, die sich ein Mokoro geteilt haben, sind etwas nass geworden, als beim Aussteigen das Boot stark schwankt und Wasser ins Innere schwappt. Die beiden nehmen den nassen Hintern mit Humor und schnell ist die Hose in der Mittagssonne wieder getrocknet.Lawrence, unser Koch, ist der Erste auf der Insel und hat schon ein Feuer angezündet und die Küche aufgebaut. Ein umgedrehtes flaches Mokoro dient ihm als Arbeitsfläche. Selbst die Campingstühle haben die Bootsmänner mit auf die Insel gebracht und sie stehen schon einladend um das kleine Feuer herum.
Schnell bauen wir unsere Zelte auf. Wir sind ja nun schon geübt. Evans zeigt uns wie immer die besten Plätze, damit wir nächtlichen Tierbesuchern nicht im Weg stehen. Es wird gescherzt, dass die Zelte auf dem Elefanten-Highway stehen. Anhand der Dunghaufen scheinen hier Elefanten auf der Insel zu sein. Evans zeigt uns am Rand der kleinen Lichtung, in der wir unsere Zelte aufgestellt haben, drei große Elefanten auf der anderen Seite der Inselebene.Nachdem ich meine Jacke ausgezogen habe, ziehe ich plötzlich alle Blicke auf mich - ich habe ein rotes T-Shirt an. Evans findet die Farbe gar nicht gut. Wie konnte ich das nur vergessen. Naturfarbene Kleidung, am besten Erdtöne, steht doch sogar in der Ausrüstungsliste! Ich werde genauso rot, wie mein T-Shirt und laufe schnell zurück zum Zelt, um mich umzuziehen. Zum Glück war gestern Waschtag. Ich finde etwas Passendes anzuziehen, um mich der Umgebung anzupassen.Susanne und ich dekorieren unser Zelt mit Palmenwedel fürs Foto. Entscheiden uns dann doch gegen die Deko, nicht, das ein Tier unser Zelt markieren will. Auch ein lustiges Elefantendungfoto wird geschossen, zum Größenvergleich. Diese Nacht teilen wir uns ein Zelt aus „Sicherheitsgründen“ und weil wir weniger Gepäck dabei haben. Für zwei Personen sind die Zelte schon ausreichend, allerdings sollten die 12 Kilo Gepäck aus Platzgründen nicht überschritten werden. Auch wenn man größer ist, dann kann man gebückt noch im Zelt stehen und auch bequem liegen. An allen vier Seiten sind große Gazefenster, die mit einer Plane von außen auf und zu geklappt werden können. Oben in der Decke ist noch ein kleines halbrundes Fenster mit Gaze und einem Reißverschluss, der sich von innen betätigen lässt und für zusätzliche frische Luft im Zelt sorgt.Die Poler laufen mit einem Spaten und einer Zeltplane bewaffnet an uns vorbei. Wir sind uns sicher - das wird eine Buschtoilette! Abseits von unseren Zelten schaufeln die Männer ein Loch in den Boden und stellen einen Stuhl mit einer Klobrille darüber. Drumherum vier Wände aus Zeltplane mit Reißverschluss. Das Dach ist offen und somit ist der Blick in den freien Himmel und dem Sternenhimmel am Abend frei. Ist der Reißverschluss zu, dann ist besetzt – ganz einfach!Dodo, der Chef der Polergruppe gesellt sich zu uns und erklärt uns, wie die nächsten Tage verlaufen werden und wie wir uns in der Wildnis verhalten müssen. Wichtig ist, sich nicht vom Camp zu entfernen, nachts nur mit Taschenlampen und am besten nicht allein zur Toilette gehen und keinen Müll zurücklassen. Nachdem wir die Elefanten gesehen haben, will sowieso niemand mehr allein los.Danach ruft Lawrence zum Lunch. Frischer grüner Salat, mit Mais, Tomaten, Thunfisch und verschiedene Dressings, die wie immer zum selber würzen dabei stehen. Rote Beete und das leckere helle selbstgebackene Brot mit Butter. Etwas Leichtes für die warme Mittagszeit, erfrischend und sättigend. Wir halten für circa zwei Stunden Siesta im Schatten, dann brechen wir gut eingesprüht mit Mückenspray und in langen Hosen, Shirt und Mütze mit den Mokoros zur Fahrt in den Sonnenuntergang auf.
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