Feuer und Flamme

von Svenja Penzel

Ich sitze in der Generalprobe für das Weihnachtsoratorium von Bach. Natürlich in der Kirche. Es ist kalt. Kirchenkonzerte sind immer kalt. Ich weiß das und habe mich warm angezogen. Bringt aber nichts. Meine Finger sind trotz Pulswärmern eisig, das ist nicht so gut fürs Geigen. Immer, wenn ich nicht spiele, setze ich mich auf meine Hände oder wärme mir die Finger am Hals. In der Pause vor dem Konzert geht es rüber ins Gemeindehaus. Ich hatte auf heißen Tee gehofft. Gibt es aber nicht. Also fröstelnd zurück in die Kirche, die nun schon gut gefüllt ist. Durch die vielen Menschen kommt ein wenig Wärme an. Durch die schöne Musik und den tollen Chorklang kommt dann noch etwas Wärme ins Herz. Aber erst im dritten Teil des Werkes sind meine Finger einigermaßen warm. Das ändert sich schlagartig, als ich nach verklungenem Applaus meine Geige einpacke, zum Auto gehe und den Heimweg antrete. Durchgefroren komme ich zu Hause an.Und dann kommt endlich das, worauf ich mich schon den ganzen Tag gefreut habe. Der warme Ofen! Marco hat angeschürt, das Feuer prasselt, das Wohnzimmer ist warm. Geschlagene zehn Minuten stehe ich mit dem Rücken am Ofen und spüre mit Wonne, wie sich meine Gliedmaßen allmählich aufwärmen. Wie gut das tut! Eine warme Suppe esse ich im Stehen, wobei mir dann auch noch von innen richtig warm wird. Erst seit wenigen Wochen haben wir diesen Ofen, und er ist Gold wert. Wenn ich auch hin und wieder noch fluche, weil ich beim Anschüren zu kämpfen habe und es so sehr qualmt, dass unser Rauchmelder anspringt. Aber wenn das Feuer erst einmal richtig in Gang ist, kann es schon fast mit einem Lagerfeuer in Afrika konkurrieren. Naja – fast. Apropos Afrika. Nach unserem Weihnachtskonzert kommt traditionell im Januar das Neujahrskonzert. Da stehen diesmal Filmmusiken auf dem Programm. Und da wir Orchestermusiker ausnahmsweise mal Wünsche äußern durften, wird es auch das Titelthema aus „Jenseits von Afrika“ geben. Und nun raten Sie mal, wer dazu die passenden Bilder hat und eine kleine Diaschau auf der Leinwand ablaufen lässt! Das wird herzerwärmend.

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