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Zu Besuch bei den Buschleuten
Circa 150 km östlich von Grootfontain befindet sich das Living Museum of the Ju/Hoansi-San, eine Art Kulturzentrum für den Erhalt der Kultur der Buschleute. Die Anlage besteht aus zwei Bereichen. Im Museumsdorf tragen die San ihre traditionelle Bekleidung, eigentlich nur ein Lendenschurz aus Leder. Die kleinen Kinder sind vollständig nackt und werden von den Müttern auf dem Rücken getragen. Ein Leder schützt sie vor der Sonne. Die Frauen tragen ihren selbstgemachten Schmuck und die Männer eine kleine Ledertasche mit Pfeil und Bogen, sowie ein Art Köcher, in der die Pfeile und anderes Werkzeug transportiert werden.Hier werden die Vorführungen zum Leben der San gezeigt. Es ist eine fremde Welt und zugegebermaßen bin ich erst einmal zurückhaltend, aber ich gewöhne mich schnell an den Anblick und die ungewohnte Umgebung und kann die interessanten Vorführungen richtig genießen.
In der Nähe dieses Museumsdorfes leben die San, die hier arbeiten, in einfachen kleinen Häusern und tragen Jeans und T-Shirts. Sicher haben sie auch ein Handy. Marco hatte bei einer Tansaniareise ebenfalls Buschleute vom Stamm der Hadzabe besucht und an einer Jagd teilgenommen. Einerseits ist es natürlich touristisch, aber andererseits wahrscheinlich die einzige Möglichkeit, die alten Kulturen am Leben zu erhalten und vor dem Vergessen zu bewahren. Was wir heute "Outdoor" und "Survival" nennen, zum Spaß einmal ein Lagerfeuer mit Stockbrot machen oder im Wald Beeren sammeln, war für die San lange Zeit keine lustige Freizeitbeschäftigung, sondern sicherte das Überleben. Durch die modernen Errungenschaften ist das Leben natürlich viel leichter, die speziellen Fähigkeiten gehen aber nach und nach verloren. Kaum jemand von uns "zivilisierten" Leuten könnte ein Kaninchen mit Pfeil und Bogen erlegen oder Wasser in der Wüste finden.
Wir laufen durch den Busch und bekommen allerhand Dinge gezeigt. Theoretisch glauben wir, dass auch wir jetzt in der Wildnis überleben könnten. Praktisch wahrscheinlich eher nicht. Zurück bei den Frauen der Sans, die unter einem großen Baum im Schatten sitzen, können wir uns an der Schmuckherstellung beteiligen. Für fünfzig Namibische Dollar kann man die Kette kaufen und bekommt ein passendes Armband als Geschenk dazu. Ich kaufe für umgerechnet fünf Euro pro Kette vier der selbstgefädelten Naturketten und erhalte vier Armbänder dazu. Ein guter Preis und schöne Geschenke für die Daheimgebliebenen. Die Sanfrauen freuen sich über das Geld.
Die Männer bauen einen Bogen aus Holz, die Pfeile können für dreißig Namibische Dollar dazu gekauft werden. Ich beobachte das Geschehen und lausche fasziniert den Gesprächen der San in der Klicksprache.Es bieten sich so viele schöne Fotomotive, dass ich gar nicht aufhören kann zu fotografieren. Zum Abschied werden noch Tänze vorgeführt und wir lauschen dem Gesang der Frauen.Alex, unser Reiseleiter, hat in der Zwischenzeit am Bus ein Picknick aufgebaut, dass vom Seidarap-Gästehaus vorbereitet wurde. Dann geht es zurück zum Gästehaus. Den Nachmittag verbringen viele am Pool. Alternativ besteht die Möglichkeit, den weltgrößten Meteoriten, der in unmittelbarer Nähe von Grootfontein zu finden ist, zu besuchen. Der Hoba-Meteorit ist mit 60 Tonnen der schwerste und der größte Meteorit der Erde und wird auf ein Alter von achtzigtausend Jahren geschätzt. Ich springe kurz in den Pool und ziehe mich aufs Zimmer zurück, um meine Eindrücke vom Besuch der San gleich festzuhalten
Heute ist unser letzter Abend mit Alex und wir nutzen die Gelegenheit, um unsere Schulden bei ihm zu begleichen. Er hat während der gesamten Reise für das kühle Wasser an Bord des Busses und für die Trinkgelder der eingeschlossenen Aktivitäten gesorgt und ist in Vorkasse gegangen. Das Gästebuch ist sein ganzer Stolz und gern schreiben wir ein paar nette Worte für ihn hinein. Für sein Trinkgeld haben wir eine besondere Idee. Unsere Schweizer aus der Gruppe haben Luftballons dabei. Jeder beschriftet seinen mit lieben Grüßen und steckt einen großzügigen Betrag hinein, denn wir sind uns alle einig, dass unser Reiseleiter Alexander von Alten jeden Cent verdient hat.
Er hat uns "sein" Namibia von der besten Seite gezeigt und uns immer etwas mehr geboten, als im offiziellen Programm stand. Auch seine persönlichen Geschichten waren sehr informativ und natürlich hatten wir auch jede Menge Spaß mit ihm. Morgen werden wir wieder in Windhoek ankommen und uns verabschieden müssen. Aber bis es soweit ist, genießen wir noch einmal den spektakulären Sonnenuntergang mit einem Sundowner und das gemeinsame Abendessen auf der Terrasse der Lodge.
Reisebericht Namibia kompakt
- Namibia kompakt 2012
- Ankunft in Windhoek
- Londiningi Guesthouse und Besuch des Penduka-Projektes in Katutura
- Über den Spreetshoogte Pass zu Namib Desert Lodge
- Sossusvlei, Düne 45 und Dead Vlei
- Durch den Namib-Naukluft Park nach Swakopmund
- Bootsausflug und Rundflug in Swakopmund
- Zur Spitzkoppe und dem Grande Arche
- Das Etosha Safari Camp
- Ein Ausflug in den Etosha Nationalpark
- Von Etosha ins Paradies
- Zu Besuch bei den Buschleuten
- Zurück nach Windhoek in die Onjala Lodge
- Reitausflug in die Wildnis












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