Reisen ins Innere

von Svenja Penzel

Mrs Penzel, I presume? Nein, die berühmte Frage wird mir niemand stellen. Ich ziehe zwar in Kürze wieder ins Innere Afrikas, aber mehr als 140 Jahre später als der berühmte Dr. David Livingstone, und dank moderner Kommunikation werde ich leicht aufzufinden sein - wenn ich denn überhaupt gesucht werden muss. Mein Weg führt per bequemem Kleinflugzeug von Dar es Salaam ins Selous Wildreservat und später ebenso komfortabel zu den Inseln Pemba und Sansibar. Beim Packen für diese Reise fand ich meinen alten Sansibar-Reiseführer, der mit seinen gelb markierten Stellen und eingelegten Zetteln gleich so viele Erinnerungen weckte. Damals, im Jahre 2002, war es meine erste Reise nach Tansania, und ich hatte noch keine Ahnung, dass viele weitere folgen würden. Ich hatte mich von maroden Charme der Stone Town einfangen lassen, durch die ich einige Tage lang fasziniert gestreift bin, und war am weißen Strand der Ostküste auf ein Problem gestoßen, das ich bis dato nicht kannte: Zuviel Zeit, und nichts zu tun. Ich weiß noch, es hat ein paar Tage gedauert, bis ich angefangen habe, das Nichtstun zu genießen. Viele Jahre sind seitdem ins Land gegangen, viele Kunden und mehrere Kollegen waren seitdem dort, und viele Meinungen habe ich gehört. Ich bin selbst schon ganz gespannt, wie meine diesmal ausfällt.Die Erschließung des dunklen Erdteils wie auch anderer Teile der Welt hat mich schon immer gereizt. Schon als Kind habe ich gern die Berichte großer Entdecker wie Amundsen und Scott gelesen, und so las ich vor einiger Zeit Livingstones „Reisetagebücher aus Zentralafrika“. Nun ja, ich versuchte es. Ehrlich, dieser großartige Mann hätte das Schreiben lieber delegieren sollen, denn er selbst schreibt furchtbar langweilig. Ich bin nicht mal bis zur Hälfte des Buches gekommen. Wie erfrischend anders schreibt da Henry Morton Stanley, der Mann, der Livingstone nach einjähriger Suche am Ufer des Tanganyika-Sees fand. Er liebt zwar lange Sätze, die sich gern mal über ein Drittel einer Buchseite hinziehen, aber dafür kommt er auch zu solch treffenden Erkenntnissen: „Je schmiegsamer man von Natur aus ist, um so gedeihlicher werden die Reisen ausfallen.“ Dieser Satz verdient es, in unsere sämtlichen Reiseinformationen aufgenommen zu werden. Schmiegsame Kunden! Gedeihliche Reisen! Ja, das wünschen wir uns alle.

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