Vom Bwabwata Nationalpark zu den Tsodilo Hills (10/22)

von Doreen Krausche

Dienstag, 22.05.2012 Gestern Abend haben wir von Evans erläutert bekommen, wo wir hinfahren, was wir sehen und wo wir vorbei kommen werden. Wir sollen ja nicht planlos durch die Wildnis streifen. Heute morgen dürfen wir ausschlafen und werden erst kurz vor sechs Uhr geweckt.Wie jeden Morgen ist es vor Sonnenaufgang um diese Jahreszeit richtig kalt und ich ziehe mich warm an. In Deutschland wird es langsam Sommer. Trotzdem lohnt es sich, im afrikanischen Herbst und Winter hierher zu reisen, denn um diese Jahreszeiten sind die Tierbeobachtungen viel intensiver möglich. Man muss halt die kalten Morgen- und Abendstunden in Kauf nehmen und mit warmer Kleidung gegensteuern.Lawrence packt schon sein Zelt und seine Kochutensilien ein. Irgendwie hatte ich die frühe Abfahrtszeit als Scherz aufgefasst. Nun aber schnell packen und Zelt abbauen, damit wir pünktlich um sieben Uhr abfahren können. Fertig und zwar als Erste! Stolz wie Oskar genieße ich mein Müsli und den heißen Tee. Evans klopft mir auf die Schulter, grinst mich breit an und sagt: „Jetzt bist du eine richtige Camperin!“.Ganz pünktlich kommen wir natürlich nicht los (an mir lag es nicht!) und machen uns auf den Weg zum Bwabwata Nationalpark, der 2007 als Zusammenschluss des Caprivi-Nationalparks und Mahango-Nationalparks gegründet wurde. Generell wird versucht, eine möglichst große, länderübergreifende Fläche als Naturschutzgebiete für die wandernden Tierherden zu schaffen, und es sind schon gute Erfolge erzielt worden.

Elefantenschädel am Eingang des Bwabwata-Nationalparks © Foto: Doreen Schütze | Outback Africa Erlebnisreisen

Impalas im Morgenlicht im Bwabwata-Nationalpark © Foto: Doreen Schütze | Outback Africa Erlebnisreisen

Farbenfrohe Gabelracken im Bwabwata-Nationalpark © Foto: Doreen Schütze | Outback Africa Erlebnisreisen

Ein Büffel, auf Krawall gebürstet © Foto: Doreen Schütze | Outback Africa Erlebnisreisen

Giant Baobab (Affenbrotbaum) im im Bwabwata-Nationalpark © Foto: Doreen Schütze | Outback Africa Erlebnisreisen

Vernarbte Rinde des uralten Baobab © Foto: Doreen Schütze | Outback Africa Erlebnisreisen

Wir halten wieder Ausschau nach Raubkatzen, aber auch heute haben wir kein Glück. Dafür gibt es eine Vielzahl an anderen afrikanischen Tieren und den „Giant Baobab“. Dieser Affenbrotbaum soll einer der größten und ältesten in ganz Afrika sein. Ein Foto von diesem Baum zu bekommen, erweist sich jedoch als echtes Abenteuer. Wir erleben eine spannende Szene mit einem einzelnen Büffel, der eindeutig aus einer Herde verstoßen wurde und ein hitzköpfiger Einzelgänger ist. Er will sich mit unserem Truck anlegen und läuft uns entgegen, verfolgt uns und will uns verjagen. Aus Sicherheitsgründen halten wir einen gesunden Abstand. Evans fährt einige Male hin und her und wirbelt dabei Staub auf. Das mag der Bulle nicht und kurz darauf ist er verschwunden. Aussteigen sollten wir besser trotzdem nicht, der Bulle könnte immer noch in der Nähe sein. Alle lauschen und versuchen still zu sein. Es ist schwierig, denn jede noch so kleine Bewegung macht Geräusche. Eine Windjacke mit Rascheleffekt ist da eher ein Handicap. Der Bulle bleibt verschwunden. Ein paar Fotos des Baobabs bekommen wir doch noch vom Truck aus.

Begegnung im Supermarkt © Foto: Doreen Schütze | Outback Africa Erlebnisreisen

Im offenen Geländefahrzeug kann es kalt sein. © Foto: Doreen Schütze | Outback Africa Erlebnisreisen

Tsodilo Hills © Foto: Doreen Schütze | Outback Africa Erlebnisreisen

Wieder fahren wir über die Grenze, diesmal von Namibia zurück nach Botswana. Unser Ziel sind die Tsodilo Hills, wo wir auch unser Lager aufschlagen werden. In Shakawe halten wir an einem Supermarkt und füllen unsere Vorräte an Getränken und Knabbereien auf. Verblüffend - hier in diesem relativ kleinen Ort gibt es im Supermarkt wirklich alles, was das Herz begehrt. Zum Beweis nehme ich sogar die Supermarktzeitung mit. Als Susanne und ich uns gegenseitig fotografieren, läuft mir eine Hererofrau in ihrer traditionellen, bunten Tracht durchs Bild.Wir erreichen das Tor zu den Tsodilo Hills, die höchste Erhebung Botswanas mit rund 1400 Metern. Botswana liegt auf einer Hochebene mit durchschnittlich über 1000 Metern Höhe, deshalb sind die rund 400 Meter hohen Erhebungen nur Hügel und keine Berge. Je näher wir kommen, desto imposanter werden sie. Es sind Gesteinsformationen mit einem Alter von etwa einer Milliarde Jahren. Mit mehr als 4.500 Malereien gibt es hier die höchste Konzentration von Felsmalereien auf der Welt. Deshalb wird es auch "Louvre der Wüste" genannt und wurde 2001 zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt. Die lokale Bevölkerung verehrt diesen Platz als einen Ort, wo sich die Geister der Ahnen aufhalten.

Waschtag © Foto: Doreen Schütze | Outback Africa Erlebnisreisen

Waschräume des Tsodilo Hills Campingplatzes © Foto: Doreen Schütze | Outback Africa Erlebnisreisen

Puscheliges Erdhörnchen © Foto: Doreen Schütze | Outback Africa Erlebnisreisen

Wir bauen unsere Zelte auf. Der Boden ist staubig grau, trocken und wüstenähnlich. Die heute früh eingerollten Zeltplanen sind noch feucht und vereinen sich mit dem grauen Boden zu einer Schlammpackung, die uns an den Händen klebt. Zum Glück gibt es auf dem Campingplatz passable Waschräume. Einfache steinerne Rundgebäude zwar, aber mit WCs, Waschbecken, Spiegeln, Duschen und vor allem genügend heißem Wasser. Nicht nur zum Duschen ist Zeit, auch zum Wäsche waschen und Relaxen. Die mitgebrachten Klammern und die Leine in meinem Gepäck kommen zum Einsatz. Lawrence, unser Koch, hat in der Zwischenzeit ein Mittagessen gezaubert: Kartoffelsalat mit Mais und Bohnen, selbstgebackenes Brot mit Käse und Rind.Nachdem wir uns alle genug ausgeruht haben, geht es auf eine Wanderung in die Tsodilo Hills, um der "Gemäldegalerie" einen Besuch abzustatten.

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