Jens Döring gehört seit 2007 zum Outback Africa Team. Er reiste durch Südafrika, Namibia, Botswana und Tansania und berät kompetent zu diesen Safari-Zielen. Sein Lieblingsland Südafrika besucht er fast jedes Jahr und kennt neben den klassischen Höhepunkten auch viele Geheimtipps. Er ist unser Spezialist für individuelle Reisen und Selbstfahrerprogramme in Südafrika.
Von der Panorama-Route in den Krüger Nationalpark31.03.2011: Auf in den Krüger – Safari purHeute soll es nun in den Krüger Nationalpark gehen. Bevor wir am Morgen starten, lassen wir uns noch ein wenig auf dem Gelände der Hannah Game Lodge herum führen. Wir schauen uns die unterschiedlichen Zimmerkategorien an (Standard-Chalets und Suiten) und lassen uns von dem gemütlichen Veranstaltungs-Bereich beeindrucken, wo man ganz ungestört seine Geschäfts- oder Familienfeiern ausrichten kann.Bevor wir starten, telefoniere ich mit dem Büro zu Hause. Angelika, unsere Buchhalterin, ist die einzige, die um diese Uhrzeit die Stellung hält. Ich gebe nur kurz durch, dass wir gut gelandet sind und dass die Fahrerei bisher auch ganz gut klappt. Leider habe ich in diesem Moment nicht auf Holz geklopft, sonst wäre das darauffolgende Missgeschick vielleicht nicht passiert.Es liegen heute rund 200 Kilometer vor uns. Normalerweise sollte das in circa drei bis vier Stunden zu schaffen sein. Dennoch möchte ich keine Zeit verlieren, denn wir möchten uns noch die Crystal Springs Mountain Lodge auf dem Robber’s Pass anschauen. Also versuche ich, kurz nachdem wir von dem Farmgelände der Hannah Game Lodge auf die R555 abgebogen sind, einen LKW zu überholen. Da ich keinen Ferrari als Mietwagen habe, versuche ich zunächst, im Windschatten des Brummis Geschwindigkeit aufzunehmen, um auf der kurvenreichen Straße im richtigen Moment schnell vorbeiziehen zu können. Es kommt, wie es kommen musste: Ein Stein aus dem Hinterreifen des Trucks kommt bei meiner Windschutzscheibe auf einen Sprung vorbei – RUMMS. Das hat ganz schön gescheppert, genau in meinem Sichtfeld. Und augenblicklich reißt die Scheibe dann von der Mitte aus nach links bis zur A-Säule. Mir ist sofort klar, das sich damit nicht mehr bis nach Durban komme. Also halte ich an der nächsten Tansktelle an, um zunächst einmal mit Europcar zu telefonieren. Die Dame am anderen Ende kann oder will mich nicht so recht verstehen und verspricht mir, das der Teamleiter mich in wenigen Minuten zurück ruft. Das klappt auch, auch wenn eine endgültige Klärung ausbleibt. Ich solle erstmal weiter fahren und auf seien Rückruf warten. Er will das Auto unterwegs zum Krüger irgendwo austauschen. Meine Laune ist am Boden, schließlich haben wir jetzt schon eine volle Stunde Verzug. Die Sight Inspection der Crystal Springs Mountain Lodge habe ich innerlich bereits gestrichen, schließlich müssen wir spätestens gegen 13:00 Uhr am Paul Krüger Gate sein, damit wir rechtzeitig zur nachmittäglichen Pirschfahrt in der Rhino Post Safari Lodge sind. Und mit der Geschwindigkeit muss ich mich nun auch zurück nehmen, damit die Windschutzscheibe nicht noch weiter reißt und uns womöglich noch auf dem Schoß liegt.Über den landschaftlich sehr reizvollen Robber’s Pass erreichen wir Pilgrim’s Rest. Hier erhoffe ich mir nun telefonisch eine Klärung, wo wir das Auto hinbringen sollen. Wir nutzen die Wartezeit auf den Anruf und schlendern ein wenig durch das alte Goldgräber-Städtchen, das Ende des 19./Anfang 20. Jahrhunderts einen wahren Boom erlebte. Aus der einstigen Zeltstadt entwickelte sich kürzester Zeit ein befestigtes Camp mit Bars, Geschäften, einer Schule und sogar einer Zeitung. Selbst ein Hotel, das „Royal Hotel“, wurde eröffnet. Der Schürf-Boom legte sich aber Mitte des 20. Jahrhunderts wieder bis schließlich 1971 die letzte Mine geschlossen wurde. Drei Jahre später kaufte die Regierung den gesamten Ort und verwandelte ihn in ein Freilicht-Museum. Aber irgendwie habe ich in diesen Minuten keinen rechten Sinn dafür, schließlich geht mir nur im Kopf herum, wie, wo und wann ich das Auto los werde. Mir dauert das alles zu lange. Nachdem wir ein paar Postkarten und Souvenirs, bei denen ich mich mit dem Preis über den Tisch habe ziehen lassen, besorgt haben, gehen wir zum Auto zurück. Ich staune nicht schlecht, als ein frisch geputzter weißer Kia in der Parkbucht steht. Da hat sich doch tatsächlich so ein Tagelöhner frech das Recht heraus genommen, ungefragt an meinem Mietwagen zu schrubben. Stimmt, diese Typen sind mir mit ihren Schildern schon beim Aussteigen aufgefallen, schenkte ihnen aber keine große Beachtung. Jetzt bin ich richtig sauer und im Nachhinein tut mir der Kerl auch wieder leid. Er bekommt meinen ganzen Frust ab, der sich in den letzten beiden Stunden angesammelt hat. Als er noch dazu die Hand aufhält, um für sine Leistung bezahlt zu werden, platzt mir die Hutschnur. Katja, mein gutes Gewissen, ermahnt mich aber zur Generosität und so drücke ich ihm des lieben Friedens Willen ein paar Rand in die Hand, wobei mir jeder Cent zu viel erscheint für diese Dreistigkeit.Wir setzen uns also wieder uns Auto und fahren weiter Richtung Graskop und Hazyview. In Hazyview wollen wir noch ein paar Kleinigkeiten im Supermarkt besorgen. So bin ich froh, dass unmittelbar nach Ortseingang ein großer Supermarkt in unser Blickfeld rückt. Der entstehende Tunnelblick lässt mich allerdings das Hinweisschild zum Paul Krüger Gate übersehen, was später noch für Verwirrung sorgen wird. Auf dem Parkplatz angekommen hält schon wieder einer die Hand auf: Für seine wild gestikulierenden EInparkanwiesung will der Parklatzwächter Bares sehen. Ich will nur meine Ruhe und gebe ihm einen Rand. Er gibt sich damit zufrieden. Im Einkaufszentrum selbst ist die Hölle los. Alles scheint auf den Beinen zu sein. Beim Abendessen in der Lodge erfahren wir später auch, wieso das so ist. Uns ist das hier jedenfalls alles zu viel. Als ich dann am Eingang auch noch meinen Rucksack in ein Schließfach sperren soll, entscheiden wir uns spontan, wieder umzudrehen und weiterzufahren. Wahrscheinlich hätten wie für ein paar Flaschen Wasser und Knabbereien bei dem Gewusel locker eine halbe Stunde verloren. Also setzen wir uns wieder in unser sauberes, exakt eingeparktes Auto und fahren zurück auf die Hauptstraße. Nach einigen Minuten verlassen wir plötzlich schon wieder Hazyview, obwohl es im Ort hätte links zum Paul Krüger Gate gehen sollen. Ich werde unsicher, ob wir noch richtig sind und fahre rechts ran. Denn die Beschilderung weist auch nicht in die richtige Richtung. Wir kehren also um und fahren zurück in den Ort. Wieder nichts zu sehen. Bis wir schließlich wieder an die Kreuzung mit dem Supermarkt kommen. Da steht nun plötzlich ein großes Schild mit den magischen Worten „Paul Kruger Gate“. Ich bin heute immer noch der Überzeugung, dass die dass erst in den zurückliegenden zwanzig Minuten aufgestellt hatten… Jedenfalls erreichen wir dann das Paul Krüger Gate rechtzeitig, um die Nachmittagspirschfahrt noch mitnehmen zu können. Unser Auto wird am Parkeingang kurz kontrolliert, ob wir auch ja keine Waffen mitführen. Wilderei ist nämlich im Krüger ein großes Problem. Nach etwa 45 Minuten gemächlicher Fahrt erreichen wir nordöstliche von Skukuza die Rhino Post Safari Lodge. Etwas versteckt im Wald liegt sie ruhig am Flussbett des Mutlumuvi, der nur saisonal Wasser führt und derzeit trocken ist. Aber es gibt immerhin ein kleines Wasserloch, das direkt vor der Bar und der Feuerstelle liegt. Schon beim Verlassen des Autos steht der Manager on duty samt Gepäckträgerinnen zum Empfang bereit. Nachdem wir mit den Gepflogenheiten und Abläufen des Camps vertraut gemacht wurden, begeben wir uns zu unserem Zimmer. Jedes der acht auf Stelzen gebauten Zimmer (zwei Doppel- und sechs Zweibett-Konfigurationen) verfügt über uneingeschränkten Blick auf das Flussbett, sei es vom Bett, vom Bad oder von der großen Veranda aus. Die mit Schilf bedeckten und mit Zeltstoff an den Wänden versehenen Zimmer lassen trotz der visuellen Abgeschirmtheit nach außen immer noch den Eindruck entstehen, man schlafe in der Natur, da die Geräusche des Buschs unerwartet deutlich ins Innere gelangen. Zur Ausstattung der Zimmer zählen eine freistehende Badewanne, eine Außendusche, ein separates WC, Minibar, Safe, Haartrockner, Deckenventilatoren, Strom (Generator, nachts nur Batterie) und Telefon. Im allgemeinen Bereich befindet sich die Lounge mit kleiner Bibliothek, eine Bar, ein Souvenirshop und natürlich der Essbereich. Die gesamte Lodge wurde unter ökologischen Gesichtspunkten konstruiert und gebaut, sodass man sie einfach wieder abbauen könnte, wenn man müsste, ohne auch nur eine Spur zu hinterlassen. Eine Pflanzenkläranlage recycelt das Abwasser und auch ansonsten wir der Müll hier strikt sortiert und recycelt. Sowohl die Rhino Post Safari Lodge als auch das Plains Camp, das wir später noch besuchen werden, befinden sich auf einer rund 12000 Hektar großen Privatkonzession innerhalb des Krüger Nationalparks. Das hat schon etwas Einzigartiges. Neben Nachtpirschfahrten sind in einer privaten Konzession auch Pirschwanderungen erlaubt. Auch dies ist wieder eine Besonderheit im Krüger. Aber dazu später mehr. Wir haben ein paar Minuten für uns, um uns kurz auf unserem Zimmer frisch zu machen. Ich lasse es mir nicht nehmen, rasch unter die Außendusche zu springen. Was für ein Fun! So lange alles blickdicht ist und meine Schwimmringe nicht Jedermann sehen kann, ist das ein großer Spaß.Gegen 15:00 Uhr wird zum High Tea gerufen. Das geschieht über die Telefonanlage der Lodge. Es gibt allerlei süße und herzhafte Köstlichkeiten, bei denen ich mich wieder einmal nicht zurück halten kann. Gut gestärkt und wohl riechend geht es auf zu unserer ersten Pirschfahrt im Krüger. Die Erwartungen sind hoch… Leider sehen wir an diesem Nachmittag nicht allzu viel. Ein paar Antilopen und Giraffen kreuzen unseren Weg. Katja verliebt sich auf der Stelle in die Langhälse und will von nun an nur Giraffen sehen. Nicht zu vergessen aber auch die Schildkröte, die mitten auf dem Weg unser Vorankommen stoppte. Als unser Guide Eben anhält, sie aufhebt und aus der Gefahrenzone bringen will, möchte Katja unbedingt das kleine Tier aus der Nähe sehen. Die Schildkröte ist unsicher und vielleicht auch ein bisschen verängstigt, denn sie zieht den Kopf zurück in Ihren Panzer. Eben meint nur, wir sollten aufpassen, dass sie uns aus Furcht nicht anpinkelt. Wir alle bleiben aber trocken und setzen unsere Pirschfahrt schließlich fort. Pünktlich zum Sonnenuntergang sucht uns Eben ein schönes Plätzchen für den obligatorischen Sundowner. Ich genieße mein Glas trockenen Rotwein mit etwas Biltong und Erdnüssen. Herrlich! Da wir uns hier auf einer Privatkonzession innerhalb des Krügerparks befinden, dürfen wir auch bis in die Nacht hinein mit unserem Pirschfahrzeug unterwegs sein. Wenn andere also schon längst in Ihren Unterkünften sein müssen, erleben wir mit, wie das Nachtleben im Park erwacht. Zahlreiche Bushbabies sitzen in den Büschen und Bäumen, sehr gut zu erkennen an ihren leuchtend roten Augen im Licht des Strahlers, mit dessen Hilfe Eben die Umgebung scannt. Auch die Eulen sind hervorragend an ihren glitzernden Augen zu erkennen. Einen Leoparden, den ich mir so wünsche, bekommen wir leider nicht zu Gesicht. So kehren wir etwas angefroren, es ist ja immerhin schon Herbst in Südafrika, zurück zur Lodge. Eine halbe Stunde bleibt uns, bis das Abendessen serviert wird. In der Nacht muss uns allerdings immer ein Ranger zu unserem Zimmer begleiten. Da das Camp nach allen Seiten offen und nicht eingezäunt ist, kann es durchaus passieren, dass die Tiere auf Ihrer Nahrungssuche bis an die Zimmer heran kommen. Vorsicht ist auch hier die Mutter der Porzellankiste. Als wir ausgehbereit sind, rufen wir wieder an der Rezeption an, damit uns jemand abholen kommt. So funktioniert das eben hier, mitten im Busch. Beim Abendessen komme ich ins Gespräch mit der Managerin Nicky, die auch schon eine Lodge in Südtansania geleitet hat. Sie erklärt mir auch, weshalb wir heute in Hazyview keine Chance hatten, in Ruhe einzukaufen. Es ist der letzte Tag des Monats und in Südafrika ist das traditionell der Zahltag. Ein Äquivalent in Deutschland wäre wohl der Rentenzahltag, bei dem so mancher malader Senior eine Wunderheilung erfährt und plötzlich wie ein junges Reh zum nächsten Geldautomaten spurtet.Das Camp ist diese Nacht gut gebucht. Eine Gruppe junger, aber wohl erzogener, Russen sitzt mit uns an der langen Tafel. Auch die Guides und Manager speisen alle mit an unserem Tisch. Diese Gepflogenheit ist mir noch bestens aus Botswana bekannt.Morgen früh soll ja das Mietauto ausgetauscht werden. All die spannenden Erlebnisse auf unserer Pirschfahrt ließen mich diesen Umstand doch glatt vergessen.Müde und erschöpft lassen wir uns in die weichen Betten fallen. Da der Laptop ja ohnehin dabei ist, schauen wir uns noch eine DVD von Bastian Pastewka an, die uns schnell in den Schlaf wiegt. Etwas deutsche „Kultur“ in Afrika ist doch wohl erlaubt, oder?
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