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Begegnungen in der Wüste - Reisebericht Südafrika und Namibia Teil 3
7. Tag, 08.03.2010: Die Wüste ruft – Namib Rand NaturreservatDa wir um 6:30 Uhr starten wollen, werden unsere Wecker bereits um 5:15 Uhr klingeln. Erholungsurlaub sieht anders aus. Aber immerhin müssen wir eine Wegstrecke von circa 550 Kilometern zurücklegen. Nach geplanten 7 ½ Stunden wollen wir unsere Campsite am Sesriem Canyon erreichen. Dieser Zeitplan kommt allerdings kurze Zeit später gehörig ins Wanken. Unser Weg führt uns zunächst auf der C12 vorbei an Seeheim, früher einer der wichtigsten Eisenbahnknotenpunkte mit Anschluss nach Lüderitzbucht, Keetmanshoop und Karasburg. Dort biegen wir links ab auf die B4 in Richtung Lüderitz, die wir aber in Goageb verlassen und auf die C14 Richtung Norden verlassen.
Reifenplatzer auf der C14 bei Bethanie © Foto: Jens DöringGegen 9 Uhr werden wir aus unserem geschüttelten Vormittagsschläfchen unsanft geweckt, als uns kurz vor Bethanie ein Reifen lautstark platzt. Es hat den inneren Zwillingsreifen hinten links erwischt, dessen Lauffläche sich einfach so abgewickelt hat. Die Guides scheinen aber daran gewöhnt zu sein. Völlig routiniert gehen sie den Reifenwechsel an. Jeder Handgriff sitzt, und die Aufgaben sind klar verteilt. Das gibt uns Reiseteilnehmern die Gelegenheit, die Natur auf uns wirken zu lassen und natürlich die Guides mit unseren neugierigen Blicken und Besserwissereien nach bestem Können zu unterstützen. Nach einer knappen halben Stunde gehört der Reifenplatzer bereits der Vergangenheit an. Nach einem kurzen Stopp in Bethanie führt die Fahrt entlang der C14 vorbei nach Helmeringhausen. Kurze Zeit später legen wir eine Mittagsrast unter einem Baum am Wegesrand der C27 ein. Wir können bei dieser Gelegenheit auch ein Gemeinschaftsnest der Webervögel begutachten. Die Männchen bauen gemeinsam an einem großen Nest aus trockenem Gras, das in Bäumen oder auf Telefonmasten angelegt wird. Höhen von etwa drei Metern und Breiten von bis zu 4,5 Metern sind keine Seltenheit. Es wird von mehreren hundert Vögeln bewohnt, die durch die Einflugslöcher unterhalb des Nestes ins Innere gelangen. An einem Gemeinschaftsnest wird ständig weitergebaut. Deshalb kann es vorkommen, dass Bäume unter dem Gewicht schließlich zusammenbrechen. Besonders problematisch ist es bei den Strom- oder Telefonmasten. Um einem Einknicken des Mastes entgegenzuwirken, müssen die Nester oft von den Menschen zerstört werden.
Gemeinschaftsnest der Webervögel © Foto: Jens DöringDas Mittagessen ist noch gar nicht richtig hinunter geschluckt, da heißt es schon wieder aufsitzen und weiter Kilometer fressen. Auf der C27, kurz vor dem bekannten Wolwedans Dune Camp, stoppt Pieter plötzlich den Truck mit folgenden Worten: „Alright guys, this is a once in a lifetime experience: I’ve never seen Namibia so green. You’ve got to get out and to take some pictures! You’ll never see this country like that again!” Wir alle folgen natürlich dieser Aufforderung. Tatsächlich hatte ich mich seit geraumer Zeit gefragt, wann denn nun endlich mal die Wüstenlandschaften auftauchen, für die Namibia doch so berühmt ist. Laut meiner sonst zuverlässigen Reisekarte sollte die Landschaft schon seit einigen 100 Kilometern immer trockener und sandiger werden. Aber die besonders ausgeprägte Regenzeit in diesem Jahr sorgt wohl für eine außergewöhnlich grüne und üppige Flora.
Grüne Wüstenlandschaft in Namibia © Foto: Jens DöringCirca zwei Stunden nach diesem Fotostopp erreichen wir schließlich nach 9 Stunden unser Ziel: Das Zeltcamp am Sesriem Canyon direkt am Eingang zum Namib Naukluft Nationalpark. Ein Pool steht auch schon wieder zur Abkühlung bereit. Zum Sonnenuntergang unternehmen wir nochmal eine kleine Wanderung in den Sesriem Canyon, der nur wenige Fahrminuten vom Camp entfernt ist. Ins Deutsche übersetzt heißt diese Schlucht „Sechs Ochsenriemen“ (ses riem). Dieser Name drückt zugleich die Tiefe dieses Canyons aus: sechs Ochsenriemen braucht es, um aus dem ständig Wasser führenden Fluss das kühle Nass vom Rand aus zu schöpfen. Somit ist die Schlucht 30 Meter tief und 3 Kilometer lang. An den Wänden kann man den Wechsel von Feucht- und Trockenphasen leicht ablesen. Da es im unteren Bereich des Canyons ständig Wasser gibt, ist dies auch Anziehungspunkt für zahlreiche Wüstentiere und Vögel.
Wanderung im Sesriem Canyon © Foto: Jens DöringGegen 19 Uhr erreichen wir wieder unser Camp und freuen uns auf das Abendessen. Auch heute wird ein früher Schlaf wärmstens empfohlen, da wir morgen bei Sonnenaufgang bereits auf der Dune 45 sitzen wollen…8. Tag, 09.03.2010: Pechvögel sterben nie aus – ereignisreicher Tag am SossusvleiUm sage und schreibe 5 Uhr werden wir aus unseren Träumen gerissen. Eine Viertelstunde später schlürfen wir den ersten (aber bestimmt nicht letzten) Kaffee des Tages. So richtig hungrig ist keiner von uns. Aber es gibt ja später noch einen ausgiebigen Brunch. Um viertel vor sechs starten wir zur Düne. Das Eingangstor zum Namib Naukluft Park befindet sich direkt vor unserer Campsite und öffnet eigentlich erst um 6 Uhr. Doch bereits weit vor dieser Zeit stauen sich die ersten Autos. Jeder will wohl den Sonnenaufgang in den Dünen genießen.Also stellen wir uns auch brav an. Doch kurz nach dem Eingang drückt Pieter dann plötzlich auf die Tube. Die Geschwindigkeitsbeschränkung von 60 km/h wird eiskalt ignoriert, und so werden die ursprünglich vor uns wartenden Autos später wieder überholt. Und tatsächlich: Pieter schafft es, vor allen anderen um 6:30 Uhr an der Düne Nr. 45 (bei Kilometer 45) zu sein.
Morgendämmerung auf der Düne 45 © Foto: Jens DöringDie ersten aus unserer Gruppe nehmen den übergroßen Sandhaufen nun in Angriff. Ich befinde mich (noch) im Mittelfeld und nutze die Fußabdrücke im Sand, die meine Vorläufer bereits hinterlassen haben. Das macht es etwas leichter, seine Kraft tatsächlich in Vorwärts- statt Seitwärtsbewegung umzusetzen. Und dennoch: So eine Sanddüne hinauf zu kraxeln, ist viel anstrengender, als ich dachte. Nach einer halben Stunde und einigen Überholmanövern anderer mir folgender Sonnenaufgangsanbeter erreiche ich schniefend und schnaufend den Dünenkamm. Gerade noch rechtzeitig, um den Sonnenaufgang zu beobachten. Naja, wenn ich ehrlich bin, hätte er schöner sein können. Aber man macht das ja des Erlebnisses wegen und auch ein klein wenig auch aus Gruppenzwang heraus. Als ich auf dem Dünenkamm meine Kamera auspacke, fällt mir ein, dass der Akku gestern Abend leer war und ich den eigentlich noch wechseln wollte. Dummerweise habe ich nun meinen Rucksack mit den vollen Akkus aus Ballastgründen im Truck am Fuß der Düne gelassen. Shit happens! Es sollte nicht das letzte schicksalhafte Ereignis für diesen Tag bleiben…Nachdem die Sonne nun hinter den Wolken fast unmerklich aufgegangen ist und ich dann ein paar Fotos mit meiner Handykamera geschossen habe, rennen wir im Wechsel die Düne wieder hinunter. Erstaunlich, wie schnell man 200 Höhenmeter in einer Abwärtsbewegung überwinden kann.Unten angekommen möchte ich mich für die Strapazen am frühen Morgen selbst belohnen und mir eine kalte Cola aus der Kühlbox im Truck holen. Als ich mich am Türholm mit meiner rechten Hand festhalte, um mich über die Kühlbox zu lehnen, merke ich nicht, wie ein Windstoß die Trucktür zuschmeißt. Erst in letzter Sekunde gelingt es mir, 4 von fünf Finger aus der Tür zu ziehen. Leider hat es der rechte Zeigerfinger nicht mehr geschafft… Ich weiß nicht was schlimmer ist: die plötzlich um meinen Kopf kreisenden Sternchen, der pochende Schmerz in meinem Finger oder die Gewissheit, dass dieser Tag für mich so gut wie gelaufen ist. Alles ist auf seine Art und Weise schlimm. Weil ich aber noch nichts gegessen hatte, wollte mir Pieter keine Schmerztablette geben. Also musste ich zuerst meine (für mich völlig untypische) Appetitlosigkeit überwinden, um letztlich den Schmerz lindern zu können. Alle nach mir eintreffenden Dünenkraxler haben von meiner fehlenden Gesichtsfarbe abgeleitet, dass etwas passiert sein musste. Wie ein kleiner Schuljunge saß ich nun am Fuß der Düne 45, einen Teller mit Pancakes auf dem Schoß und die rechte Hand gen Himmel gestreckt, um zumindest das Pochen des Herzschlages aus dem Finger zu kriegen. Die schwarze Fingernagellackierung werde ich wohl noch eine ganze Weile mit mir herum tragen… Es ist aber immer wieder schön, wenn der Schmerz nachlässt!
Auf dem Weg per Allradfahrzeug zum Sossusvlei © Foto: Jens DöringUm viertel vor neun brechen wir dann auf zum Parkplatz bei Kilometer 60. Hier erwarten uns bereits die Shuttle-Jeeps, die uns zunächst zum Dead Vlei bringen. So langsam kehren auch meine Lebensgeister wieder zurück, und ich kann die atemberaubende Dünenlandschaft zumindest ein klein bisschen in mich aufnehmen und genießen. Mit seinen uralten verdorrten Kameldornbäumen präsentiert sich der Dead Vlei malerisch und fast schon mystisch – ein Paradies für Fotografen! Leider hat sich herausgestellt, dass meine vollen Akkus doch nicht im Truck, sondern am frühen Morgen gänzlich im Zelt geblieben sind. Also mache ich fleißig weiter Fotos mit meinem Handy in der Hoffnung, die Qualität reicht zumindest für den Hausgebrauch aus. Was ich an diesem Morgen auch im Zelt vergesse, ist meine Sonnenmilch. Bereits jetzt, gegen 9:30 Uhr, merke ich, dass da irgendwas auf meinem Rücken zu brennen beginnt. Aber egal, ich kann es jetzt ohnehin nicht mehr ändern. Augen zu und durch.
Ausgetrocknete Akazie im Dead Vlei © Foto: Jens DöringInsgesamt ca. 90 Minuten halten wir uns am Dead Vlei auf, bevor wir um kurz vor 11 Uhr weiter zum Sossusvlei fahren. Der ist nur fünf Minuten entfernt. Die Strecke führt nun durch immer tiefer werdenden Sand. Die Szenerie ist beeindruckend: Über 200 Meter hohe Sanddünen türmen sich vor uns auf. Der Sossusvlei, eine meist trockene Salztonpfanne, ist von Schilf umgeben und wurde durch austrocknende Seen geschaffen. Die zurückgebliebene Schlammschicht verbuk dann in der sengenden Sonne zu Ton. Die mächtigsten Dünen um den Vlei erreichen eine Höhe von 375 Metern. Von deren Kamm aus hat man einen herrlichen Ausblick auf die Namib-Wüste mit ihren Gold- und Orangetönen sowie der typischen Sternform. Gegen 11:30 Uhr fahren wir vor der großen Mittagshitze und dem größten Besucherandrang wieder zu unserem Zeltplatz am Sesriem Cayon zurück, wo wir eine Stunde später ankommen. Es bleiben uns nun vier Stunden Zeit, um Siesta zu halten und die Mittagshitze im Pool halbwegs erträglich zu machen. Auf dem Weg zum Pool bemerke ich den herumliegenden Dorn einer Akazie nicht. Der bohrt sich direkt durch die Sohle meiner Badeschlappe in meinen Fuß. AUTSCH! Der Stachel sitzt zwar nicht tief, aber der Schmerz ist schon beachtlich. Immerhin lenkt er etwas von den Schmerzen in meinem rechten Zeigefinger ab. Das ist wohl einfach nicht mein Tag. Das erfrischende Poolwasser verschafft aber kühlende Linderung, sowohl in der Hand als auch im Fuß.
Erfrischender Pool auf der Campsite am Sesriem Canyon © Foto: Jens DöringUm 17 Uhr gibt’s kleine Snacks mit Crackern, Käse, Gemüse und etwas Wurst. Genau das Richtige in der Hitze und es liegt auch nicht so schwer im Magen. Wir haben nämlich noch eine kleine Wanderung auf die Elim-Düne vor, die nur wenige Minuten vom Camp entfernt ist. Hier wollen wir ein weiteres Mal den unverwechselbaren Sonneuntergang in der Dünenwelt Namibias genießen.Geübt von der Besteigung der Düne 45 im Morgen, verläuft der Aufstieg nun etwas routinierter. Trotzdem muss mich George das eine oder andere Mal zwischendurch motivieren, bis zum Dünenkamm durchzuhalten. Ich bin ihm später für sein Pushen sehr dankbar, denn der Ausblick ist erneut unbeschreiblich. Auf der einen Seite breitet sich die Dünenwelt der Namib aus, auf der anderen Seite ragen am Horizont die Naukluft Berge in die Höhe. Und dazwischen senkt sich die Sonne herab und taucht die Szenerie in ein rot-goldenes Farbenmeer. Ich lasse mich angesichts der Stimmung zu einer sentimentalen Aktion hinreißen und schreibe den Namen meiner Freundin zusammen mit einem Herzen in den Sand. Wäre sie bloß bei mir, um das mitzuerleben…
Sonnenuntergangs-Stimmung auf der Elim-Düne © Foto: Jens DöringNachdem die Sonne hinter dem Horizont verschwunden ist, nutzen wir das verbleibende Licht, um von der Düne zu steigen. Plötzlich merke ich, wie sich neben mir im Sand etwas bewegt und zu zischen anfängt. Ich realisiere, das ich fast auf einen Sidewinder trete und bleib vor Schreck starr stehen. Tinus leitet alle nach mir folgenden Wanderer hinter mir vorbei. Ich selbst löse mich aus meiner Schockstarre und bewege mich ganz langsam von der Schlange weg. Diese schätzt wohl die Gefahr auch nicht mehr so hoch ein und verschindet mit ein paar Bewegungen hinter einem Grasbüschel. Puh, gerade nochmal gut gegangen! Ich frage Tinus, was passiert wäre, wenn ich einen Biss abbekommen hätte. Er lacht und sagt, dass mindestens das Bein hätte dran glauben müssen. Ich beschließe in diesem Moment, nie wieder bei einbrechender Dunkelheit auf eine Düne zu klettern… Aber das ist wohl eine Art Überreaktion.Zurück im Camp gegen 20 Uhr angekommen, hat Pieter bereits das Abendessen vorbereitet. Nach einem kurzen Briefing über den nächsten Tag begeben wir uns in unseren Zelten in die Hände der hereinbrechenden Nacht.Den kompletten Reiseverlauf dieser Reise finden Sie hier:
Reifenplatzer auf der C14 bei Bethanie © Foto: Jens DöringGegen 9 Uhr werden wir aus unserem geschüttelten Vormittagsschläfchen unsanft geweckt, als uns kurz vor Bethanie ein Reifen lautstark platzt. Es hat den inneren Zwillingsreifen hinten links erwischt, dessen Lauffläche sich einfach so abgewickelt hat. Die Guides scheinen aber daran gewöhnt zu sein. Völlig routiniert gehen sie den Reifenwechsel an. Jeder Handgriff sitzt, und die Aufgaben sind klar verteilt. Das gibt uns Reiseteilnehmern die Gelegenheit, die Natur auf uns wirken zu lassen und natürlich die Guides mit unseren neugierigen Blicken und Besserwissereien nach bestem Können zu unterstützen. Nach einer knappen halben Stunde gehört der Reifenplatzer bereits der Vergangenheit an. Nach einem kurzen Stopp in Bethanie führt die Fahrt entlang der C14 vorbei nach Helmeringhausen. Kurze Zeit später legen wir eine Mittagsrast unter einem Baum am Wegesrand der C27 ein. Wir können bei dieser Gelegenheit auch ein Gemeinschaftsnest der Webervögel begutachten. Die Männchen bauen gemeinsam an einem großen Nest aus trockenem Gras, das in Bäumen oder auf Telefonmasten angelegt wird. Höhen von etwa drei Metern und Breiten von bis zu 4,5 Metern sind keine Seltenheit. Es wird von mehreren hundert Vögeln bewohnt, die durch die Einflugslöcher unterhalb des Nestes ins Innere gelangen. An einem Gemeinschaftsnest wird ständig weitergebaut. Deshalb kann es vorkommen, dass Bäume unter dem Gewicht schließlich zusammenbrechen. Besonders problematisch ist es bei den Strom- oder Telefonmasten. Um einem Einknicken des Mastes entgegenzuwirken, müssen die Nester oft von den Menschen zerstört werden.
Gemeinschaftsnest der Webervögel © Foto: Jens DöringDas Mittagessen ist noch gar nicht richtig hinunter geschluckt, da heißt es schon wieder aufsitzen und weiter Kilometer fressen. Auf der C27, kurz vor dem bekannten Wolwedans Dune Camp, stoppt Pieter plötzlich den Truck mit folgenden Worten: „Alright guys, this is a once in a lifetime experience: I’ve never seen Namibia so green. You’ve got to get out and to take some pictures! You’ll never see this country like that again!” Wir alle folgen natürlich dieser Aufforderung. Tatsächlich hatte ich mich seit geraumer Zeit gefragt, wann denn nun endlich mal die Wüstenlandschaften auftauchen, für die Namibia doch so berühmt ist. Laut meiner sonst zuverlässigen Reisekarte sollte die Landschaft schon seit einigen 100 Kilometern immer trockener und sandiger werden. Aber die besonders ausgeprägte Regenzeit in diesem Jahr sorgt wohl für eine außergewöhnlich grüne und üppige Flora.
Grüne Wüstenlandschaft in Namibia © Foto: Jens DöringCirca zwei Stunden nach diesem Fotostopp erreichen wir schließlich nach 9 Stunden unser Ziel: Das Zeltcamp am Sesriem Canyon direkt am Eingang zum Namib Naukluft Nationalpark. Ein Pool steht auch schon wieder zur Abkühlung bereit. Zum Sonnenuntergang unternehmen wir nochmal eine kleine Wanderung in den Sesriem Canyon, der nur wenige Fahrminuten vom Camp entfernt ist. Ins Deutsche übersetzt heißt diese Schlucht „Sechs Ochsenriemen“ (ses riem). Dieser Name drückt zugleich die Tiefe dieses Canyons aus: sechs Ochsenriemen braucht es, um aus dem ständig Wasser führenden Fluss das kühle Nass vom Rand aus zu schöpfen. Somit ist die Schlucht 30 Meter tief und 3 Kilometer lang. An den Wänden kann man den Wechsel von Feucht- und Trockenphasen leicht ablesen. Da es im unteren Bereich des Canyons ständig Wasser gibt, ist dies auch Anziehungspunkt für zahlreiche Wüstentiere und Vögel.
Wanderung im Sesriem Canyon © Foto: Jens DöringGegen 19 Uhr erreichen wir wieder unser Camp und freuen uns auf das Abendessen. Auch heute wird ein früher Schlaf wärmstens empfohlen, da wir morgen bei Sonnenaufgang bereits auf der Dune 45 sitzen wollen…8. Tag, 09.03.2010: Pechvögel sterben nie aus – ereignisreicher Tag am SossusvleiUm sage und schreibe 5 Uhr werden wir aus unseren Träumen gerissen. Eine Viertelstunde später schlürfen wir den ersten (aber bestimmt nicht letzten) Kaffee des Tages. So richtig hungrig ist keiner von uns. Aber es gibt ja später noch einen ausgiebigen Brunch. Um viertel vor sechs starten wir zur Düne. Das Eingangstor zum Namib Naukluft Park befindet sich direkt vor unserer Campsite und öffnet eigentlich erst um 6 Uhr. Doch bereits weit vor dieser Zeit stauen sich die ersten Autos. Jeder will wohl den Sonnenaufgang in den Dünen genießen.Also stellen wir uns auch brav an. Doch kurz nach dem Eingang drückt Pieter dann plötzlich auf die Tube. Die Geschwindigkeitsbeschränkung von 60 km/h wird eiskalt ignoriert, und so werden die ursprünglich vor uns wartenden Autos später wieder überholt. Und tatsächlich: Pieter schafft es, vor allen anderen um 6:30 Uhr an der Düne Nr. 45 (bei Kilometer 45) zu sein.
Morgendämmerung auf der Düne 45 © Foto: Jens DöringDie ersten aus unserer Gruppe nehmen den übergroßen Sandhaufen nun in Angriff. Ich befinde mich (noch) im Mittelfeld und nutze die Fußabdrücke im Sand, die meine Vorläufer bereits hinterlassen haben. Das macht es etwas leichter, seine Kraft tatsächlich in Vorwärts- statt Seitwärtsbewegung umzusetzen. Und dennoch: So eine Sanddüne hinauf zu kraxeln, ist viel anstrengender, als ich dachte. Nach einer halben Stunde und einigen Überholmanövern anderer mir folgender Sonnenaufgangsanbeter erreiche ich schniefend und schnaufend den Dünenkamm. Gerade noch rechtzeitig, um den Sonnenaufgang zu beobachten. Naja, wenn ich ehrlich bin, hätte er schöner sein können. Aber man macht das ja des Erlebnisses wegen und auch ein klein wenig auch aus Gruppenzwang heraus. Als ich auf dem Dünenkamm meine Kamera auspacke, fällt mir ein, dass der Akku gestern Abend leer war und ich den eigentlich noch wechseln wollte. Dummerweise habe ich nun meinen Rucksack mit den vollen Akkus aus Ballastgründen im Truck am Fuß der Düne gelassen. Shit happens! Es sollte nicht das letzte schicksalhafte Ereignis für diesen Tag bleiben…Nachdem die Sonne nun hinter den Wolken fast unmerklich aufgegangen ist und ich dann ein paar Fotos mit meiner Handykamera geschossen habe, rennen wir im Wechsel die Düne wieder hinunter. Erstaunlich, wie schnell man 200 Höhenmeter in einer Abwärtsbewegung überwinden kann.Unten angekommen möchte ich mich für die Strapazen am frühen Morgen selbst belohnen und mir eine kalte Cola aus der Kühlbox im Truck holen. Als ich mich am Türholm mit meiner rechten Hand festhalte, um mich über die Kühlbox zu lehnen, merke ich nicht, wie ein Windstoß die Trucktür zuschmeißt. Erst in letzter Sekunde gelingt es mir, 4 von fünf Finger aus der Tür zu ziehen. Leider hat es der rechte Zeigerfinger nicht mehr geschafft… Ich weiß nicht was schlimmer ist: die plötzlich um meinen Kopf kreisenden Sternchen, der pochende Schmerz in meinem Finger oder die Gewissheit, dass dieser Tag für mich so gut wie gelaufen ist. Alles ist auf seine Art und Weise schlimm. Weil ich aber noch nichts gegessen hatte, wollte mir Pieter keine Schmerztablette geben. Also musste ich zuerst meine (für mich völlig untypische) Appetitlosigkeit überwinden, um letztlich den Schmerz lindern zu können. Alle nach mir eintreffenden Dünenkraxler haben von meiner fehlenden Gesichtsfarbe abgeleitet, dass etwas passiert sein musste. Wie ein kleiner Schuljunge saß ich nun am Fuß der Düne 45, einen Teller mit Pancakes auf dem Schoß und die rechte Hand gen Himmel gestreckt, um zumindest das Pochen des Herzschlages aus dem Finger zu kriegen. Die schwarze Fingernagellackierung werde ich wohl noch eine ganze Weile mit mir herum tragen… Es ist aber immer wieder schön, wenn der Schmerz nachlässt!
Auf dem Weg per Allradfahrzeug zum Sossusvlei © Foto: Jens DöringUm viertel vor neun brechen wir dann auf zum Parkplatz bei Kilometer 60. Hier erwarten uns bereits die Shuttle-Jeeps, die uns zunächst zum Dead Vlei bringen. So langsam kehren auch meine Lebensgeister wieder zurück, und ich kann die atemberaubende Dünenlandschaft zumindest ein klein bisschen in mich aufnehmen und genießen. Mit seinen uralten verdorrten Kameldornbäumen präsentiert sich der Dead Vlei malerisch und fast schon mystisch – ein Paradies für Fotografen! Leider hat sich herausgestellt, dass meine vollen Akkus doch nicht im Truck, sondern am frühen Morgen gänzlich im Zelt geblieben sind. Also mache ich fleißig weiter Fotos mit meinem Handy in der Hoffnung, die Qualität reicht zumindest für den Hausgebrauch aus. Was ich an diesem Morgen auch im Zelt vergesse, ist meine Sonnenmilch. Bereits jetzt, gegen 9:30 Uhr, merke ich, dass da irgendwas auf meinem Rücken zu brennen beginnt. Aber egal, ich kann es jetzt ohnehin nicht mehr ändern. Augen zu und durch.
Ausgetrocknete Akazie im Dead Vlei © Foto: Jens DöringInsgesamt ca. 90 Minuten halten wir uns am Dead Vlei auf, bevor wir um kurz vor 11 Uhr weiter zum Sossusvlei fahren. Der ist nur fünf Minuten entfernt. Die Strecke führt nun durch immer tiefer werdenden Sand. Die Szenerie ist beeindruckend: Über 200 Meter hohe Sanddünen türmen sich vor uns auf. Der Sossusvlei, eine meist trockene Salztonpfanne, ist von Schilf umgeben und wurde durch austrocknende Seen geschaffen. Die zurückgebliebene Schlammschicht verbuk dann in der sengenden Sonne zu Ton. Die mächtigsten Dünen um den Vlei erreichen eine Höhe von 375 Metern. Von deren Kamm aus hat man einen herrlichen Ausblick auf die Namib-Wüste mit ihren Gold- und Orangetönen sowie der typischen Sternform. Gegen 11:30 Uhr fahren wir vor der großen Mittagshitze und dem größten Besucherandrang wieder zu unserem Zeltplatz am Sesriem Cayon zurück, wo wir eine Stunde später ankommen. Es bleiben uns nun vier Stunden Zeit, um Siesta zu halten und die Mittagshitze im Pool halbwegs erträglich zu machen. Auf dem Weg zum Pool bemerke ich den herumliegenden Dorn einer Akazie nicht. Der bohrt sich direkt durch die Sohle meiner Badeschlappe in meinen Fuß. AUTSCH! Der Stachel sitzt zwar nicht tief, aber der Schmerz ist schon beachtlich. Immerhin lenkt er etwas von den Schmerzen in meinem rechten Zeigefinger ab. Das ist wohl einfach nicht mein Tag. Das erfrischende Poolwasser verschafft aber kühlende Linderung, sowohl in der Hand als auch im Fuß.
Erfrischender Pool auf der Campsite am Sesriem Canyon © Foto: Jens DöringUm 17 Uhr gibt’s kleine Snacks mit Crackern, Käse, Gemüse und etwas Wurst. Genau das Richtige in der Hitze und es liegt auch nicht so schwer im Magen. Wir haben nämlich noch eine kleine Wanderung auf die Elim-Düne vor, die nur wenige Minuten vom Camp entfernt ist. Hier wollen wir ein weiteres Mal den unverwechselbaren Sonneuntergang in der Dünenwelt Namibias genießen.Geübt von der Besteigung der Düne 45 im Morgen, verläuft der Aufstieg nun etwas routinierter. Trotzdem muss mich George das eine oder andere Mal zwischendurch motivieren, bis zum Dünenkamm durchzuhalten. Ich bin ihm später für sein Pushen sehr dankbar, denn der Ausblick ist erneut unbeschreiblich. Auf der einen Seite breitet sich die Dünenwelt der Namib aus, auf der anderen Seite ragen am Horizont die Naukluft Berge in die Höhe. Und dazwischen senkt sich die Sonne herab und taucht die Szenerie in ein rot-goldenes Farbenmeer. Ich lasse mich angesichts der Stimmung zu einer sentimentalen Aktion hinreißen und schreibe den Namen meiner Freundin zusammen mit einem Herzen in den Sand. Wäre sie bloß bei mir, um das mitzuerleben…
Sonnenuntergangs-Stimmung auf der Elim-Düne © Foto: Jens DöringNachdem die Sonne hinter dem Horizont verschwunden ist, nutzen wir das verbleibende Licht, um von der Düne zu steigen. Plötzlich merke ich, wie sich neben mir im Sand etwas bewegt und zu zischen anfängt. Ich realisiere, das ich fast auf einen Sidewinder trete und bleib vor Schreck starr stehen. Tinus leitet alle nach mir folgenden Wanderer hinter mir vorbei. Ich selbst löse mich aus meiner Schockstarre und bewege mich ganz langsam von der Schlange weg. Diese schätzt wohl die Gefahr auch nicht mehr so hoch ein und verschindet mit ein paar Bewegungen hinter einem Grasbüschel. Puh, gerade nochmal gut gegangen! Ich frage Tinus, was passiert wäre, wenn ich einen Biss abbekommen hätte. Er lacht und sagt, dass mindestens das Bein hätte dran glauben müssen. Ich beschließe in diesem Moment, nie wieder bei einbrechender Dunkelheit auf eine Düne zu klettern… Aber das ist wohl eine Art Überreaktion.Zurück im Camp gegen 20 Uhr angekommen, hat Pieter bereits das Abendessen vorbereitet. Nach einem kurzen Briefing über den nächsten Tag begeben wir uns in unseren Zelten in die Hände der hereinbrechenden Nacht.Den kompletten Reiseverlauf dieser Reise finden Sie hier:- Kapstadt & Kap der Guten Hoffnung – Reisebericht Südafrika Teil 1
- Berge, Flüsse und die Hitze – Reisebericht Südafrika und Namibia Teil 2
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