Reisebericht Madagaskar (6): Canal des Pangalanes

von Marco Penzel

Das kleine Schnellboot bringt uns in 35 Minuten Fahrt durch Seen, die etwas landeinwärts entlang der Ostküste liegen und durch natürliche und künstliche Wasserwege miteinander verbunden sind, zum Buschhaus. Diese romantische Lodge liegt an einem Hang am Seeufer. Von deutschen Einwanderern aufgebaut, wird sie derzeit vom Franzosen Clément betrieben, der hier mit madagassischer Frau und Tochter wohnt. Er erwartet uns am Ende des langen Bootsstegs und heißt uns herzlich willkommen. Genauso herzlich wird dann auch unser ganzer Aufenthalt. Wir lassen uns die ausgezeichnete, kreative Küche schmecken (hier hat sogar das Mittagessen drei Gänge) und ansonsten alle Fünfe gerade sein. Der See ist flach, das klare warme Wasser wunderbar zum Schwimmen, ich lasse mich treiben und schaue in den weiten Himmel. Doch den Pflichtausflug müssen wir natürlich mitmachen, das Palmarium hat schließlich in allen Reiseführern seinen Platz. Es ist ein kleiner Privatpark mit Übernachtungsmöglichkeit, eine halbe Stunde Fußmarsch entfernt, in dem der deutsche Begründer des Buschhauses Reptilien, Amphibien und Lemuren hält und eine erstaunliche Pflanzenvielfalt aus ganz Madagaskar zusammengetragen hat, darunter Orchideen, Pachypodien und besondere Palmenarten. Die Lemuren sind hier handzahm und zutraulich, noch nie sahen wir so viele Arten in so kurzer Zeit. Dazwischen fliegt ein aufdringlicher Graupapagei herum, der sich auch auf die Köpfe und Schultern der Besucher setzt und immer wieder "Maki, Maki" ruft - das madagassische Wort für Lemur. Hier gibt es endlose Fotomotive. Später dann auf der Wanderung durch das Reservat suchen wir eigentlich die Indris, die hier erst vor kurzem eingeführt wurden, aber wir finden sie leider nicht. Dummerweise sind wir in eine 18-köpfige holländische Reisegruppe geraten, was eindeutig zu viel ist, zum Beispiel wenn alle gleichzeitig einen stecknadelkopfgroßen Frosch fotografieren wollen.Ein Kragenlemur als Fotomotiv im Palmarium (Madagaskar)Ein Kragenlemur gefällt sich als Besucherattraktion im Palmarium. © Foto: mpNach zwei Übernachtungen und einem letzten herrlichen Frühstück unter dem Palmblattdach des Restaurants mit Blick auf den See und frischen Hibiscusblüten an jedem Platz wartet das Boot am Ende des Steges wieder auf uns. Die Fahrt geht etwa anderthalb Stunden entlang des Canal des Pangalanes. Eine wildromantische Wasserlandschaft aus verschlungenen, oft sehr engen und halb mit Seerosen zugewachsenen Kanälen und größeren Seen. Viele Holzboote kommen uns entgegen oder wir überholen sie langsam, damit unsere Wellen sie nicht behindern. Wir sehen die Einheimischen mit voll beladenen Flößen oder beim Fischfang, Kinder kommen ans Ufer gelaufen und winken. Schließlich ist kein Durchkommen mehr, die Schwimmpflanzen sind zu dicht geworden.Canal des Pangalanes (Madagaskar) Der Canal des Pangalanes, auch ein wichtiger Handelsweg. © Foto: mpWir steigen am Ufer aus und werden dort auch schon von einem Fahrzeug erwartet, das uns die letzten Kilometer bis zur Hafenstadt Tamatave (Toamasina) fährt. Eine große, recht aufgeräumt wirkende Stadt. Unser Fahrer macht sich auch als Reiseleiter gut und erzählt mir auf französisch eine Menge interessanter Details.Fortsetzung folgt hier.

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