Unguja Lodge, The Residence Zanzibar (9/12)

von Svenja Penzel

Unguja Lodge

Wir erreichen den Süden der Insel. Kurz vor dem Dorf Kizimkazi liegt die Unguja Lodge auf einer Korallenklippe. Elies, die holländische Managerin und Eigentümerin, begrüßt mich herzlich. Seit sieben Jahren betreibt die drahtige etwa 50jährige Frau mit dem Lockenkopf gemeinsam mit ihrem Mann Ralph diese schöne, kleine und gehobene Lodge. Beide sprechen auch deutsch. Typisch für Unguja sind die eigenwilligen palmstrohgedeckten Villen, in denen die Gäste viel Komfort und noch mehr Platz finden. Neun der zwölf Villen stehen direkt am Meer und bieten einen herrlichen Blick über die Bucht von Menai. Türkis leuchtet das Wasser im Sonnenschein. Weit hinten im Dunst ist das Festland zu erkennen. Ich muss mich in meinem Domizil erst einmal zurechtfinden. Mein Haus ist auf zwei, eigentlich fast drei Etagen gebaut. Neben dem runden Hauptschlafzimmer gibt es zwei weitere Schlafgelegenheiten unter dem Dach, die über eine Treppe zu erreichen sind. Schön für Familien mit Kindern. Ein paar Treppenstufen abwärts vom Schlafzimmer zum Meer hin ist eine private geschützte Terrasse mit Sofa.

 

 

 

 

 

 

 

 

Hier kann man den Blick weit über das Meer schweifen lassen. Daneben, ebenfalls zum Meer hin offen, ist das schön gestaltete große Bad mit Dusche. Die Toilette ist separat und draußen! Gut geschützt durch das ausladende Strohdach und blickdicht abgeschirmt hat man hier seine Ruhe und dazu ein sanftes Lüftchen. Es gibt einen Gepäckraum mit Safe, einen großen Kleiderschrank, einen extra Kleiderständer, einen Tisch mit zwei Stühlen, einen Kühlschrank, Kaffee- und Teezubereitungsmöglichkeiten, und eine windgeschützte halboffene Lounge mit einer gemütlichen Sitzbank und bunten Kissen. Die Wände sind mit einfachen, farbenfrohen Kunstwerken der Frauen aus Kizimkazi geschmückt.

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Restaurantbereich ist ebenfalls sehr ansprechend gestaltet, kleine Nischen und halbhohe weiße Wände lockern ihn angenehm auf. Hier und in der offenen Lounge gleich nebenan gibt es W-LAN. Während des Essens und der Konversation soll das Handy aber weggesteckt werden! Das Dinner ist vorzüglich. Elies setzt sich zu mir an den Tisch, leistet mir Gesellschaft und erzählt mir interessante Erlebnisse aus ihrer Zeit in der Unguja Lodge. Sie empfiehlt die „Cigale de Mer“, eine Art Riesengarnele mit leckerem weißem Fleisch. Tatsächlich ein Genuss. Drei Gänge gibt es jeden Abend, und bei jedem Gang hat man die Auswahl aus zwei bis drei Speisen. Als ich in mein Zimmer zurückkehre, ist das Moskitonetz um das Bett herum geschlossen, und ein Gruß des Hauses in Form eines informativen kleinen Briefes mit den besten Wünschen zur guten Nacht wartet auf mich. Ich stelle mich noch eine Weile auf die Terrasse und schaue über das ruhige Meer, sehe weit entfernt die Lichter von Dar es Salaam. Noch immer ist es warm. Was für ein schöner Ort. Da ist es gar nicht so schlimm, dass man vom Zimmer aus keinen direkten Zugang zum Strand hat, da hier ja Korallenklippen sind.

 

 

 

 

 

Ein Badestrand ist ein paar Gehminuten entfernt südlich der Lodge, ich erkunde ihn am nächsten Morgen. Hier kann man auch den Fischern des Dorfes Kizimkazi zusehen, wie sie ihre Netze richten. Badeschuhe sind sehr empfehlenswert, da Muschelschalen und kleine Korallen pieksen können. Bei Ebbe weicht das Meer hier nicht ganz so weit zurück wie an der Ostküste Sansibars, doch empfiehlt es sich, für echten Badegenuss auf die Flut zu warten, die zweimal am Tag kommt. Dazwischen bietet der große Pool Abkühlung. Bei meinem Abschied erhalte ich noch ein Stück wohlriechender Seife, die mir schon an den Waschbecken positiv aufgefallen war und die hier in Handarbeit hergestellt wird. Gern hätte ich auch ein Gläschen der herrlichen Passionsfruchtmarmelade vom Frühstückstisch mitgenommen, aber die gibt es so abgepackt nicht. Noch nicht... ich habe das bei Elies mal angeregt.

The Residence

Die 2010 eröffnete Anlage The Residence im Südwesten Sansibars ist wahrscheinlich das luxuriöseste Hotel der Insel. Es gehört zu den "Leading Hotels of the World". Auf 32 Hektar Land stehen 66 Suiten, teils mit Meerblick, jede mit eigenem Pool auf der gesamten Länge der Terrasse. Sie sind sehr groß und mit allem erdenklichen Luxus ausgestattet, darunter Flachbildschirm, Wifi, Aircon, Minibar, Doppelwaschtisch, freistehende Badewanne, Innen- und Außendusche, Sofa auf der Terrasse und Butler-Service. Aufgrund der weiten Wege innerhalb der Anlage gehören zu jeder Suite zwei Fahrräder. Wer nicht fahrradfahren kann oder will, wird mit einem Golf Cart, einem kleinen Elektroauto, herumgefahren. Im Zentrum der Anlage befinden sich die große Rezeption, das Restaurant und ein riesiger Pool. Es gibt einen Tennisplatz, ein Wassersport- und Tauchzentrum und einen Kids Club. Kinder in jedem Alter sind hier willkommen. Die Empfangsdame, die mich herumführt, erklärt mir, dass ich sehr viel Glück habe, hier ohne Anmeldung überhaupt eingelassen worden zu sein. Sie erzählt, dass viele Gäste sich fast nur in ihrer Suite aufhalten, weil sie dort alles haben und sich auch die Mahlzeiten dorthin bestellen können. Noch nicht ein einziger Gast habe sich seit Eröffnung der Lodge über irgendetwas beschwert - "only happy guests", sagt sie und strahlt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mir ist das Ganze ein bisschen "over the top". Gut, wer es mag und sich gönnen möchte, dem würde ich dieses Hotel natürlich buchen. Doch sieht The Residence ein bisschen wie eine Retortenstadt aus, auf dem Reißbrett gezeichnet und hingesetzt. Alles ist sehr offen, von den Wegen aus sieht man die Gäste auf ihren Terrassen sitzen, da fehlt ein natürlicher Sichtschutz, auch stehen die Häuser relativ eng beieinander. Vielleicht ist in zwei, drei Jahren ja alles schön eingewachsen, dann müsste man sich das noch mal ansehen. Aber für den Preis würde ich doch lieber eine kleinere, authentischere Anlage wählen, die nicht ganz so geleckt ist, sondern ein bisschen sansibarischen Charme ausstrahlt. Ich musste unwillkürlich an Bilila in der Serengeti denken. Wem das gefällt, der wird auch The Residence mögen. Diese beiden passen zueinander.

noch keine Kommentare