Svenja gründete 2001 Outback Africa Erlebnisreisen, nachdem sie mehrere Jahre in Südafrika gelebt, ein Safariunternehmen mit aufgebaut und Campingtouren durch die Länder des südlichen Afrika begleitet hatte. Svenja ist Geschäftsführerin und Safari-Beraterin insbesondere für Privatreisen und Flugsafaris. Zu ihren Lieblingszielen gehören Malawi, Kenia und Tansania.
Der Rücken schmerzt, Schweiß tropft mir aus den Haaren, meine rechte Handfläche brennt. Ich richte mich auf und überblicke die kleine Fläche, die ich geschafft habe. Weiter geht’s, es ist noch unendlich viel Unkraut in der Wiese. Links von unserem Bürohaus wachsen besonders viele Disteln, stellenweise dicht an dicht. Ich grabe. Tiefer. Disteln haben lange Pfahlwurzeln. Ich ziehe. Langsam und gefühlvoll. Die Wurzeln geben nach, und ich bekomme den ganzen Haufen zusammenhängend heraus. Was für ein befreiendes Erlebnis! Gleich weiter zum nächsten. Längst habe ich die Zeit vergessen, bin wie in Trance. Schade nur, dass der Eimer immer wieder voll ist und ausgeleert werden muss, das reißt mich jedes Mal aus meiner erfüllenden Beschäftigung. Doch gleich darauf hocke ich wieder am Boden, denn da ist noch eine Klette, eine Distel, ein großer Haufen Quecke direkt neben der Pflanzmatte mit den Bodendeckern… nur noch dieses Geflecht rausziehen, dann noch schnell den Löwenzahn dort ausstechen, ach ja und dann vorn die Rasenkante, hatte ich doch Marco versprochen, Mist, die Zeit vergeht so schnell, ich muss heim und Abendbrot machen, aber ich kann nicht. Muss noch dieses Stück hier machen, finde kein Ende. Was für eine Sucht. Dieser Löwenzahn ist ganz bestimmt der letzte. Meine rechte Handfläche brennt trotz Handschuh vom vielen Ausstechen. Ich richte mich stöhnend auf, der Eimer ist wieder voll, doch der Weg zum Ausleeren ist weit, denn natürlich bücke ich mich noch zehnmal, um zum letzten Mal etwas auszustechen. Bei einem Grundstück von fast 2000 Quadratmetern ist ein kleines Stück Vorgarten natürlich nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Resigniert schaue ich auf die Wiese. Naja, Wiese ist es noch nicht. Rasen schon gar nicht. Eher eine wildwuchernde grüne Fläche mit vielen braunen Lücken. Wild wuchern tut aber leider nur das Unkraut, das den feinen jungen Grashalmen kaum eine Chance lässt. Viele Stunden habe ich schon zwischen diesen Grashalmen verbracht, um sie von Löwenzahn, Disteln, Quecke, Klette, Ampfer, Brennnesseln und vielen anderen Pflanzen zu befreien, deren Namen ich nicht kenne, die aber dort gefälligst nicht wachsen sollen. Wenigstens jetzt noch nicht. In diesem ersten Jahr müssen die Grashalme doch eine Chance haben. Und wieder ziehe ich los mit Eimer, Handschuhen und Gardena-Ausstecher (mein Lieblingswerkzeug). Wie dick und lang eine Löwenzahnwurzel ist und was für ein Sieg, wenn man sie ganz herausbekommt. Wie schön, als Büromensch eine Handarbeit zu tun, bei der man das Ergebnis unmittelbar sieht. Wie schön, an der freien Natur zu sein, die Sonne auf sich zu spüren und die Vögel singen zu hören. Sogar die Frösche vom Teich gegenüber. Ich lasse meine Gedanken schweifen. Die Zeit vergeht, ich gebe mich meiner Sucht hin. Da es nicht regnen will, bewässern wir am Abend die Stauden und Hecken und die Stellen, an denen wir Rasen nachgesät haben. In der Nacht träume ich von langen Pfahlwurzeln. Ein paar Tage darauf muss ich mir eingestehen, dass ich gegen Windmühlen kämpfe. Gewachsen ist wieder nur das Unkraut – das, was ich bisher nicht erwischt hatte, also ungefähr 90% des gesamten Unkrauts… frisch und fröhlich steht es da, das dünne Gras weit überragend, und scheint mich auszulachen.Nein, ich habe noch nicht kapituliert. Ich muss nur erstmal Luft holen und Kraft schöpfen für den nächsten Angriff. Aber dann wehe dir, Löwenzahn!
2 Kommentare
Doris Hempfling
20.06.2015 um 22:14
Liebe Svenja, ich hab die Disteln und Brennesseln u.a. Gäste weggekriegt, indem ich sie immer wieder abgeschnitten habe, wenn sie rauskamen. Beim Löwenzahn (ich habe einige Pflanzen im Gras, doch nicht allzu viele) sammle ich nur die verblühten Blüten weg, bevor sie Pusteblumen werden. Die Quecke und den Sauerampfer kann man aufessen wie Spinat...doch das Wurzelgeflecht muss weg. Freundlicher Gruß Doris
eskild
18.06.2015 um 22:43
Ein guter Gartenbauer hätte wohl raten können, die in der Erde enthaltene Saat vor der endgültigen Bepflanzung einmal keimen zu lassen, um sie dann unterzugraben...... Wir hatten Glück, weil es bei uns zufällig so War, denn die Beete hatten alle ein falsches Gefälle. Und weil es Sommer War, hatten wir viele Keimlinge einfach schon vor der Einsatz platt gemacht einfach durch Harken Weißt Du, Du findest Gartenarbeit nach einem Jahr als Großgrundstückseigentümerin bestimmt genauso entspannend wie ich. Deine Schwester.
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