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Reitausflug in die Wildnis
Heute abend heißt es Abschied nehmen von Namibia. Doch bevor die sommerliche gegen die warme Kleidung ausgetauscht wird und die Badesachen in der Reisetasche verschwinden, genießen alle noch die letzten Stunden in der Sonne. Es geht an den Pool, es wird das letzte namibische Geld im Souvenirgeschäft der Onjala Lodge auf den Kopf gehauen und die letzten Ausflüge unternommen. Unsere zwei Schweizer und unsere zwei Münchner der Gruppe gehen auf Mountainbiketour und nutzen die morgendlichen kühleren Stunden, bevor die Sonne zu heiß wird.
Für meinen letzten Tag in Namibia möchte ich auch etwas besonderes unternehmen und habe deshalb einen Reitausflug gebucht. Ich reite seit meiner Kindheit und habe in der letzten Zeit nicht viel Gelegenheit dazu gehabt. Umso mehr freue ich mich auf einen Ritt hier in dieser tollen Landschaft. Die Gäste der Lodge müssen natürlich nicht bei den Vorbereitungen helfen, die gesattelten Pferde werden quasi vor die Tür gestellt, aber ich finde, die Vorbereitungen gehören genauso dazu wie das Absatteln und die Pferdepflege hinterher. Ein Pferd ist ja kein Quadbike oder Jeep, den man irgendwann mal wieder betanken kann.Also stehe ich früh um sechs Uhr zum Sonnenaufgang parat für das echte Cowboy-Erlebnis. Steven, der Guide, ist nicht nur für die Pferdeausflüge zuständig, sondern arbeitet auch als Kellner. Deshalb serviert er erst einmal einen schönen heißen Kaffee, bevor wir auf der Aussichtplattform nach den Pferden Ausschau halten. Die Panoramasicht ist hier natürlich von Vorteil. Mit dem Fernglas suchen wir das Gelände ab und entdecken dabei Kudus, aber keine Pferde. Steven ist davon überzeugt, dass sie sich hinter dem nahegelegenen Berg verstecken. Also nehmen wir uns eines der alten Autos der Lodge, bei dem durch die fehlenden Fenster der Staub hindurch bläst und machen uns auf die Suche. Steven behält recht, wir stoßen erst auf den schwarzen Hengst und finden dann die ganze Herde.
Wie er die Pferde wohl davon überzeugt, zur Lodge zurück zu laufen? Er bleibt einfach im Auto sitzen, klopft laut gegen die Wagentür und ruft ihnen zu, nach Hause zu laufen. Das tun sie erstaunlicherweise auch. Wir fahren querfeldein der Herde hinterher, Steven klopft und ruft und die Pferde laufen. Etwa eine Stunde später sitze ich am Frühstücksbüffet und Steven schenkt mir weiteren Kaffee ein. Ich soll mich für den Ausritt stärken. Die Pferde sind tatsächlich bis zur Lodge gelaufen und warten nun geduldig darauf, ihren Job zu erledigen.
Frisch gestärkt treffen wir uns an den offenen Ställen wieder. Steven gibt mir das älteste und sicherste Pferd der Herde - Fiola, eine Schimmelstute. Er selbst nimmt sich die Tochter von Fiola, eine Rappenstute namens Emi. Wir putzen und satteln unsere beiden Damen, dann kann es endlich zu unserem zweistündigen Ausritt losgehen. Die Pferde kennen den Weg und die Tiere, die hier leben, kennen die Pferde. Steven erklärt mir, dass sie nur vor Giraffen Angst haben und sich erschrecken. Wahrscheinlich erscheinen sie durch ihre Größe besonders imposant. Ich persönlich habe vor Warzenschweinen mehr Respekt, denn Giraffen sind meist recht entspannt.
Unser Weg ist ausgeschildert. Es ist der gleiche zwölf Kilometer lange Walking Trail, den auch die Mountainbiker heute zurücklegen wollen. Ich halte zwar Ausschau, doch wir begegnen uns nicht. Natürlich hat mich Steven nach meinen Reitkünsten gefragt und da ich ihm glaubhaft versichern konnte, den Umgang mit einem Pferd zu beherrschen, reitet er mit mir auch querfeldein. Bei weniger sicheren Reitern bleibt er lieber auf dem vertrauten Pfad.Im Gelände entdecken wir natürlich mehr Tiere und kommen den Weißschwanzgnus sehr nahe. Ich habe ein wenig Sorge, von der kleinen Herde überrannt zu werden, doch Steven kennt sich aus und beruhigt mich, indem er mir erklärt, dass Gnus immer vor einem weglaufen und nie auf einen zu.
Der gemütliche Schritt der Pferde im Nirgendwo geht an sandigen Stellen in einen flotten Trab und auch in einen sanften Galopp über. Ich genieße die Ruhe, die Tierbeobachtungen, das Gefühl von Freiheit auf dem Rücken eines Pferdes und die Sonne, die langsam immer heißer wird. Ich komme mir vor wie ein Cowboy, nur ein Westernsattel wäre noch authentischer gewesen, aber das tut dem Erlebnis keinen Abbruch. Ich nehme eine Schluck Pfefferminztee aus der Thermosflasche, die am Sattel baumelt und genieße das Gefühl von Erfrischung. Es ist mittlerweile ganz schön heiß.In Deutschland kostet mich so ein schönes Erlebnis viel Geld und wilde Tiere sehe ich da auch nicht, daher genieße ich diese schöne Zeit in vollen Zügen. Zurück an der Lodge werden wir von den anderen aus der Reisegruppe entdeckt und fotografiert, so habe ich auch noch Erinnerungsfotos von uns zwei Cowboys.Natürlich helfe ich auch beim Absatteln und Putzen, sowie beim Tränken und Füttern. Steven geht wirklich toll mit Pferden um und ich freue mich darüber, dass die Pferde hier ein gutes Leben haben. Sicher machen auch andere Pferdefreunde in der Onjala Lodge einen tollen Ausritt, nur kompletten Anfängern würde ich es nicht empfehlen.
Freitag, 07.Dezember 2012
Gestern Mittag nach dem Reitausflug und der Mountainbiketour trafen wir uns alle noch einmal zum Lunch im Restaurant. Danach hieß es Koffer packen und Abschied nehmen von Namibia. Sogar die Sonne und die heißen Temperaturen verabschiedeten sich, denn während unserer Abreise fing es an zu nieseln. Am Nachmittag ging es über die Schotterpiste zum Flughafen von Windhoek. Nach dem Check-In mussten wir natürlich unsere allerletzten Namibidollar noch in den zwei Souvenirläden des kleinen Flughafens loswerden, dann nahmen wir wieder in der Air Namibia-Maschine Platz. Als uns das erste Getränk gereicht wurde, bestellten wir alle noch einmal Gin&Tonic und prosteten uns über die Köpfe der anderen Passagiere quer durchs Flugzeug zu.
Mit einem Lächeln auf dem Gesicht, vielen Erinnerungen und Tausenden von Fotos auf der Speicherkarte erreichen wir Frankfurt in den frühen Morgenstunden. Nun muss es für einige schnell gehen und so bleibt keine Zeit für einen langen Abschied. Dann zerstreut sich die Gruppe in alle Himmelsrichtungen und ein jeder tritt die Heimreise an.An diese tolle Reise werden sich alle gern erinnern und jeder wird einen anderen Moment als seinen persönlichen Höhepunkt sehen. Doch in einem sind wir uns alle einig - Namibia ist ein tolles Land und gemeinsam mit einer furchtbar lustigen Truppe war es doppelt so schön.
Möchten Sie auch nach Namibia reisen? Wir haben passende Angebote für Sie!
Reisebericht Namibia kompakt
- Namibia kompakt 2012
- Ankunft in Windhoek
- Londiningi Guesthouse und Besuch des Penduka-Projektes in Katutura
- Über den Spreetshoogte Pass zu Namib Desert Lodge
- Sossusvlei, Düne 45 und Dead Vlei
- Durch den Namib-Naukluft Park nach Swakopmund
- Bootsausflug und Rundflug in Swakopmund
- Zur Spitzkoppe und dem Grande Arche
- Das Etosha Safari Camp
- Ein Ausflug in den Etosha Nationalpark
- Von Etosha ins Paradies
- Zu Besuch bei den Buschleuten
- Zurück nach Windhoek in die Onjala Lodge
- Reitausflug in die Wildnis












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