Nordserengeti: Serengeti Bushtops und Olakira Camp - Tansania Reisebericht (14/19)

von Svenja Penzel

26. Oktober 2011Um 7.30 brechen wir vom Dunia Camp auf. Es ist wieder ein schöner sonniger Morgen, und wir wollen zunächst eine Pirschfahrt in den Ebenen östlich vom Camp unternehmen, bevor wir den langen Weg in die nördliche Serengeti starten. Und es lohnt sich! Die letzten Regenfälle haben hier grünes Gras wachsen lassen, was bereits viele Zebras und Gnus angezogen hat. Zu Hunderten stehen sie dicht beieinander, weitere kommen in stetem Strom von Norden hinzu. Dieses Erlebnis der vielen Tiere vor der herrlichen Landschaft ist für mich der Inbegriff der Serengeti. Serengeti Bushtops © Foto: Svenja Penzel | Outback Africa Erlebnisreisen Ich stehe auf meinem Sitz, schaue und staune und schieße ein Foto nach dem anderen. Wenig später entdecken wir unter einem Baum fünf Löwen. Naja, entdecken ist hier nicht das richtige Wort. Wir fahren dorthin, weil da etwa 10 Fahrzeuge stehen, also muss es ja etwas Interessantes zu sehen geben. Der Anblick der Löwen ist schon ein Erlebnis, aber es kommen ständig neue Fahrzeuge hinzu, am Ende sind es über 20. Das nimmt der Sichtung schon etwas von ihrem Reiz.Wir haben genug von den Massen und fahren via Seronera Airstrip (wo es gute Toiletten gibt) zum westlichen Ikoma Gate. Dort verlassen wir die Serengeti für etwa zwei Stunden, um "außenrum" nach Norden vorzustoßen. Unser Guide meint, das geht schneller. Wir kommen durch Dörfer und an Feldern vorbei, Kinder stehen am Straßenrand und rufen immer dieselben Worte. Sie wollen unsere leeren Wasserflaschen. Natürlich geben wir diese gern her. Sie füllen sich darin ihre Milch ab. Unsere Zeitersparnis wird jäh zunichte gemacht, als wir wegen eines Plattens liegenbleiben. Stanford wechselt den Reifen rasch und geübt, dann fährt er ins nächste Dorf hinein, um zu tanken und den Luftdruck im neu aufgezogenen Reifen prüfen zu lassen. Serengeti Bushtops © Foto: Svenja Penzel | Outback Africa Erlebnisreisen Anschließend wird die Piste immer schlechter, wir haben die Nase voll von dem Geschaukel und wollen sehnlichst zurück in die Serengeti. Als wir schon denken, dass Stanford sich völlig verfahren hat, taucht endlich das Tabora Gate auf, an dem wir erneut einreisen. Hier soll eventuell der neue Trans-Serengeti Highway entstehen, doch noch ist davon nichts zu sehen - die einfache Sandpiste ist tief ausgewaschen und man kommt nur langsam vorwärts. Ich kann nur hoffen, dass das Projekt nicht realisiert wird. Es würde viel verändern und sicherlich auch viel zerstören. Nun ist es nur noch eine halbe Stunde Fahrt bis Serengeti Bushtops.

Serengeti Bushtops

Serengeti Bushtops ist ein erst 2010 erbautes wunderschönes Zeltcamp in der Nordserengeti, gut 30 Kilometer südlich vom Mara River. Hier findet man 5-Sterne-Luxus, wobei es den Betreibern gelungen ist, das Busch-Feeling zu bewahren. Nur 13 sehr große, offene, mit viel Holz und einem ausladenden Zeltdach gestaltete Zelte stehen in großem Abstand zueinander an einem Hang mit Blick über die wellige Buschlandschaft. Durch die Ausrichtung nach Westen schaut man in den Sonnenuntergang. Alle Zelte stehen auf Plattformen auf Stelzen, so dass keine Tiere bis auf die Veranda kommen können. Zwei Zelte, die direkt nebeneinander stehen und mit einem Steg verbunden sind, können von Familien oder Gruppen von Freunden gebucht werden, drei weitere haben sehr breite Doppelbetten und sind für Hochzeitsreisende bestens geeignet. Im schön gestalteten Hauptgebäude ebenfalls unter Zeltdach, das den Speiseraum, die Bar und die Lounge beherbergt, sowie in den Zelten wurde an nichts gespart. Edles Mobiliar, gepflegtes Holz, moderne Badezimmer mit Spültoilette, Waschtisch und halb offener Dusche mit großem Duschkopf, Fön, Internet und Telefon, 24 Stunden Strom und Lademöglichkeiten direkt im Zelt lassen keine Wünsche offen. Der Bereich um das Bett kann mit Zeltbahnen geschlossen werden, alles andere ist offen - die schön gestaltete Sitzecke, die große Außenbadewanne und der Duschbereich. Man hat hier sehr viel Privatsphäre. Während der Zeit der Gnu-Wanderung von Juli bis Oktober ist das Camp oft ausgebucht. Aber auch außerhalb der Migration lohnt sich ein Besuch sehr, weil viel Großwild permanent in der Nordserengeti lebt und es etwas Besonderes ist, diese malerische und tierreiche Landschaft fast für sich allein zu haben. Also unbedingt auch ein Tipp für die Zeit von November bis März.

Serengeti Bushtops © Foto: Svenja Penzel | Outback Africa Erlebnisreisen

Serengeti Bushtops © Foto: Svenja Penzel | Outback Africa Erlebnisreisen

Serengeti Bushtops © Foto: Svenja Penzel | Outback Africa Erlebnisreisen

Serengeti Bushtops, Dessert © Foto: Svenja Penzel | Outback Africa Erlebnisreisen

Olakira Camp © Foto: Svenja Penzel | Outback Africa Erlebnisreisen

Olakira Camp © Foto: Svenja Penzel | Outback Africa Erlebnisreisen

Der Manager Pantaleo begrüßt uns sehr freundlich. Während wir mit einem Getränk auf einem breiten bequemem Sofa zwischen Kissen fläzen und den weiten Blick hinunter in die Serengeti genießen, erklärt er uns alles zum Camp und beantwortet unsere Fragen. Danach gibt es Mittagessen, was hier ein Drei-Gänge-Menü ist und man für jeden Gang vier bis fünf Auswahlmöglichkeiten hat. Wir sind begeistert. Die Getränke sind hier genauso im Preis enthalten wie die Pirschfahrten mit anschließender Massage. Die Gäste haben die Wahl zwischen einer ganztägigen Pirschfahrt, die erst nach dem Frühstück beginnt, und einer Morgen- und einer Abendpirsch, wobei das Frühstück dann im Busch ist und das Mittagessen im Camp eingenommen wird. Für Gäste, die einfliegen, stehen sechs Pirschfahrzeuge bereit, vier davon sind offene Wagen.Der nächstgelegene Airstrip ist Kogatende, etwa 30 Kilometer entfernt - bei direkter Fahrt ist man ungefähr eine Stunde unterwegs, aber man weiß ja nie, welche Tiere man unterwegs so sieht. Nachtfahrten und Offroad-Fahren sind laut Nationalparkverwaltung nicht erlaubt, aber hier im wenig besuchten "hohen Norden" nimmt man das nicht so genau. Auch Aussteigen aus dem Wagen soll man während der Pirschfahrten eigentlich nicht, aber wenn das Camp ein Picknick im Busch zaubert?! Serengeti Bushtops bietet auch Pirschwanderungen an. Ein bewaffneter TANAPA-Ranger ist vor Ort und geht mit, wenn jemand diese Aktivität bucht - Vorbuchung ratsam. Zwei Wasserlöcher liegen ganz in der Nähe das Camps, die besonders Großkatzen anziehen. Löwen, Leoparden und Hyänen lassen sich regelmäßig blicken. Serengeti Bushtops gehört zur Hotelgruppe Orion, die in der kenianischen Massai Mara das ähnlich gestaltete Mara Bushtops betreibt. Olakira Camp © Foto: Svenja Penzel | Outback Africa Erlebnisreisen Unsere Fahrt geht weiter, eine Stunde brauchen wir noch bis zum Olakira Camp. Hier ist die Landschaft richtig grün, es muss also schon tüchtig geregnet haben. Und prompt fängt es auch wieder an zu tröpfeln, wir schließen die Dachluken - gerade noch rechtzeitig, bevor ein ordentlicher Schauer herunterkommt. Die Pisten werden schlammig, schnell bilden sich größere Pfützen. Auch hier sind noch viele Gnus zu sehen, immer wieder kommen wir an größeren Herden vorbei. Die letzten Regentropfen verziehen sich gerade, als wir in Olakira ankommen.

Olakira Camp

Die Lage des Camps mit Blick zum Mara-Fluss ist herrlich. Genau wie in Dunia gibt es hier nur acht Zelte, dazu ein Messezelt und ein Lounge/Bar-Zelt. Alles ist nass, der Zeltfußboden im Lounge-Zelt, in dem wir begrüßt werden, muss erst einmal gewischt werden. Mit unseren erdigen Schuhen hinterlassen wir gleich wieder neue Fußspuren. Die Camp-Angestellten laufen in Gummistiefeln herum. Bei einem Briefing erfahren wir die wichtigsten Details zum Camp. Vieles erinnert an Dunia, allerdings ist hier der große Unterschied, dass Olakira zweimal pro Jahr umzieht. Von Anfang Juni bis Mitte November steht es am Mara-Fluss in der Nordserengeti, von Mitte Dezember bis Ende März in Ndutu. Damit folgt es der Gnuwanderung. Ein gutes Konzept, aber es bedeutet auch, dass alles gut auf- und abbaubar sein muss, um die Umzüge zu gewährleisten. Also gibt es keine gemauerten Strukturen und nur wenig Holz, auch der Zeltboden ist nur aus gummiertem Zeltstoff, mit einigen Teppichen belegt. Dafür gibt es viel Platz, schöne feste Betten mit warmem Bettzeug, eine vernünftige und gut zu bedienende Buschdusche mit Holzplanken (hier sogar mit Vorhang), ein Regal mit Kleiderstange und Safe sowie ein Vorzelt mit gemütlichen Sitzgelegenheiten. Die Fenster und die Front sind mit Netzgewebe versehen, so dass ein Moskitonetz ums Bett überflüssig ist. Ich bin in Zelt Nummer 7 untergebracht. Gleich als ich mit meinem Kofferträger das Zelt erreiche, bitte ich darum, die Zeltbahnen vor den Netzfenstern hochzurollen, ich mag es hell und luftig. Es hat hier so heftig geregnet, dass sogar auf dem Zeltfußboden zur Wetterseite hin kleine Pfützen stehen. Diese werden aber umgehend weggewischt. Hier hängen außen am Zelt zwei Wassersäcke, einer für die Dusche und einer fürs Waschbecken. Das heißt, hier dreht man den Wasserhahn am Waschbecken auf und braucht keine Kanne zum Schöpfen und Begießen. Gefällt mir :-)

Olakira Camp © Foto: Svenja Penzel | Outback Africa Erlebnisreisen

Olakira Camp © Foto: Svenja Penzel | Outback Africa Erlebnisreisen

Olakira Camp © Foto: Svenja Penzel | Outback Africa Erlebnisreisen

Laden kann man seine Geräte nur im Hauptgebäude, in den Zimmern gibt es keine Steckdosen. Dafür aber 24 Stunden Strom für die Beleuchtung. Internet ist im Büro des Managers vorhanden, W-Lan ist hier noch nicht angekommen. Dafür ist schwacher Handy-Empfang vorhanden. Ich dusche erst einmal, das Wasser ist schön warm und mehr als ausreichend, wenn man es nicht während des Einseifens laufen lässt. Es ist weiterhin bewölkt und wird nun rasch dunkel. Gegen sieben ist es stockfinster. Wir bewegen uns eskortiert zum Busch-TV, d.h. zur offenen Feuerstelle, für Getränke und Gespräche. Das Abendessen wird gemeinsam an einem großen Tisch im Messezelt eingenommen. Unser Guide Stanford sitzt mit dabei. Nach dem leckeren Drei-Gänge-Dinner zeigt er uns einen tollen Trick, bei dem er zunächst eine Reihe von sechs oder sieben Utensilien vor sich aufbaut, also Salzstreuer, Chili-Sauce, Pfeffermühle, Taschenlampe, Trinkglas usw. Dann schaut er mit verbundenen Augen weg, während einer aus der Gruppe einen beliebigen Gegenstand berührt, z.B. die Chili-Sauce. Anschließend nimmt Stanford die Augenbinde ab, lässt seine Hand ein paar Mal von einem zum nächsten Gegenstand wandern und lässt sie über jedem kurz schweben, als ob er eine Strahlung fühlt. Und dann zeigt er zielstrebig auf den richtigen – denjenigen, der berührt worden war. Wir sind baff. Es funktioniert dreimal hintereinander. Wir bitten ihn, seinen Trick zu verraten, aber er behält ihn hartnäckig für sich.Zurück in meinem Zelt finde ich eine Wärmflasche im Bett, über die ich mich sehr freue, denn bei diesem feuchten Wetter wird einem abends doch kalt. In Nullkommanix bin ich eingeschlafen, während draußen im Mara-Fluss die Hippos grunzen und die Frösche quaken. Wieder einmal träume ich lauter verrückte und haarsträubende Sachen.Weitere Informationen zu den Camps:Eine Übersicht aller Beiträge dieses Reiseberichtes finden Sie hier.

noch keine Kommentare