Eine frische Meeresbrise - Reisebericht Südafrika und Namibia - Teil 4

von Jens Döring

9. Tag, 10.03.2010

Der lang ersehnte Cooldown – Walvis Bay und Swakopmund

Heute heißt es Abschied nehmen von der heißen Wüste. Uns erwarten kühlere Temperaturen, denn wir fahren an die Atlantikküste nach Swakopmund. Um 7 Uhr 30 brechen wir auf in Richtung Norden. Unterwegs entlang des Namib-Naukluft-Nationalparks haben wir riesiges Glück, als wir auf der C19 Giraffen und sogar Geparden sehen. Es ist sehr selten, dass man derartige Wildtiere außerhalb eines Schutzgebietes sieht, berichtet uns Pieter. Wir erreichen in den späten Vormittagsstunden das einsame Örtchen Solitaire, das aus kaum mehr als einer Tankstelle besteht. Berühmt ist der Ort aber für seinen leckeren Apfelkuchen, von dem wir uns auch alle ein Stück in der Bäckerei gönnen. Frisch aus dem Ofen ist das eine wahre Köstlichkeit!

Nach dieser Stärkung setzen wir unsere Fahrt fort und erreichen wenig später den Tropic of Capricorn (Wendekreis des Steinbocks/südlicher Wendekreis). Hier legen wir einen kurzen Fotostopp ein, bevor wir pünktlich zur Mittagszeit um 12 Uhr 30 im Fischer- und Hafenort Walvis Bay am Atlantischen Ozean ankommen. Vor den Toren der Stadt befinden sich Salzgewinnungsanlagen, die die Salzversorgung von Namibia und seinen Nachbarländern sicherstellen. So werden 400.000 Tonnen jährlich abgebaut, von denen der Großteil an die chemische Industrie zur Weiterverarbeitung verkauft wird.

Wir legen unsere Mittagspause an einer Lagune ein, die berühmt für ihre Vogelwelt ist. Hier am Ostrand der Stadt können in einem Vogelschutzgebiet bis 200.000 Vögel rasten und brüten, zu denen hauptsächlich Flamingos, Kormorane und Pelikane zählen. Und tatsächlich sehen auch wir ein paar Flamingos im Wasser und im Boden nach Nahrung suchen.Nach dem Mittagessen in den frühen Nachmittagsstunden kommen wir im erkennbar deutsch geprägten Swakopmund an. Die Temperaturen sind sehr erträglich, um die 25 Grad Celsius. Auch der für die Atlantikküste typischen Frühnebel hat sich bereits verzogen.

Noch heute leben hier zahlreiche Deutschstämmige. Vor allem wegen des weißen Sandstrandes, der Bauten im wilhelminischen Jugendstil und mediterraner Farben sowie eines hervorragenden Hotel- und Restaurantangebotes zieht die Stadt im Sommer viele Namibier an, die vor der Hitze im Landesinneren flüchten. Die Geschichte der Stadt geht bis Ende des 19. Jahrhunderts zurück, als die Kaiserliche Marine nördlich der Mündung des Swakop Landmarken setzte und so das Gebiet als zukünftigen Landungs- und Siedlungsplatz kennzeichnete. Seitdem entwickelte sich die Stadt in rasantem Tempo. Nach Ende der deutschen Herrschaft setzte der Tourismus ein und hält bis heute an.

Wir sind beeindruckt, dass gleich hinter Stadt ein Dünengürtel beginnt, der auch für die gelegentlichen Sandstürme in und um die Stadt verantwortlich ist. Wir besuchen zunächst eine Agentur, die Abenteuertrips wie Sand-Boarding, Quad-Biking oder Fallschirmsprünge anbietet. Mir ist das alles zu kostspielig und schließlich möchte ich auch etwas von der Stadt sehen. Anschließend checken wir in unserem einfachen Gästehaus „Dunedin Star“ ein. Der Nachmittag steht für uns zur freien Verfügung. Ich nutze die Zeit, um mich schon ein wenig umzuschauen.Am Abend treffen wir uns dann wieder im Gästehaus, um gemeinsam bei einem Italiener essen zu gehen.

Ich bestelle mir eine Maxi-Pizza und habe meine Müh und Not, die auch tatsächlich aufzuessen. Aber ich will mich nicht lumpen lassen und zwänge sie mir rein. Ich ernte viel Applaus und den Respekt meiner Mitreisenden.Vollkommen gesättigt und zufrieden schlafe ich in meinem festen Bett ein, auf das ich mich seit mehreren Tagen gefreut habe. Schließlich ist das die erste Nacht seit Kapstadt, die wir nicht im Zelt, sondern in einer festen Unterkunft verbringen. Lesen Sie weiter, wie ich den nächsten Tag in Swakopmund verbringe...

10. Tag, 11.03.2010: Stadtrundgang in Swakopmund

Der Tag beginnt heute Morgen mit dem typischen Nebel an der Atlantikküste, der durch den kalten Benguela-Strom verursacht wird. Das hält mich aber nicht davon ab, mich ein wenig in der Stadt umzuschauen. Ich starte meinen Rundgang am alten Bahnhof der kaiserlichen Eisenbahnverwaltung, dessen Gebäude heute ein Luxushotel beherbergt. Heute ankommende Züge, wie etwa der Desert Express, halten nun weiter östlich an der New Station. Ich laufe die Theo Ben Gurirab Avenue weiter hinunter und stoße an der Kreuzung zur Tobias Hainyeko Street auf die Kristallgalerie mit ihrem futuristischen Gebäude. Hier erfährt der Besucher alles über Kristalle und Halbedelsteine. Auch der weltgrößte Quarz-Kristall mit mehr al 1,4 Tonnen Gewicht hat hier seine neue Heimat gefunden

Gleich gegenüber ist eins der meistfotografierten Motive in Swakopmund: das Alte Amtsgericht. Das im frühen 20. Jahrhundert erbaute Gebäude war ursprünglich für eine Schule mit Lehrerwohnung geplant worden. Wegen finanzieller Probleme disponierte man jedoch um und brachte hier das Bezirksgericht inklusive Richterwohnung unter. Heute befinden sich hier noch Büros der Stadtverwaltung. Auch ich schieße natürlich ein paar Bilder aus verschiedenen Perspektiven, bevor ich weiter die Tobias Hainyeko Street hinunter laufe.

Schließlich erreiche ich das Marine Denkmal an der Daniel Tjongarero Avenue. Vorbei am deutschen „Café Anton“ gelange ich zum ehemaligen Gebäude des Kaiserlichen Bezirksgerichts (Imperial District Court). Nach zahlreichen Umbauten und Erweiterungen fungiert das Bauwerk heute als Statehouse, eine Residenz für den Präsidenten und seine Gäste. Noch heute prangt der deutsche Reichsadler über den Portalen.Nach einem kurzen Schwenk nach rechts stehe ich auch schon vor dem weiß-roten Leuchtturm. Mehrfach über die Jahre aufgestockt, weist heute das Blinkfeuer 35 Seemeilen weit den Schiffen den richtigen Weg.

Ich setze meine Erkundungstour nun am Strand entlang fort. Am Palm Beach sind noch die Überreste der ersten errichteten Mole der Stadt zu sehen, die kurz nach ihrem Bau bereits immer wieder versandete und Grund für den Neubau der „Jetty“ weiter unten am Strand gab. Der Sand hier ist zwar feinsandig, der kalte Benguela-Strom des Atlantiks erlaubt aber nur Hartgesottenen einen Sprung ins kühle Nass. Die meisten Urlauber begnügen sich also mit einem Sonnenbad.

Entlang der mit Palmen gesäumten Arnold Schad Promenade stoße ich auf den historischen Landungssteg „Jetty“. Seit dem Bau des Stegs hat es zahlreiche Restaurierungen gegeben. Bei der letzten im Jahr 2006 hatte man sich dazu entschlossen, den Steg zu verkürzen und den Rest, der ins Meer hinausragte, sich selbst zu überlassen. Heute, im Jahr 2010, wird wieder an der Jetty gebaut. Am äußersten Ende zum Meer hin wird ein neues Lokal errichtet, das der Jetty wieder etwas mehr Leben einhauchen soll.In unmittelbarer Nähe befindet sich das Aquarium, dem ich ebenfalls einen Besuch abstatte. Zahlreiche Meeresbewohner können hier bestaunt werden.

Was mich jedoch am meisten erstaunt, sind die Wasserhähne in den Toiletten: Es gibt hier zwar getrennte Wasserhähne für kaltes und warmes Wasser; sich mit lauwarmem Wasser die Hände zu waschen bleibt trotzdem schwierig. Aber sehen Sie selbst:

Nach dem Verlassen des Aquariums schlendere ich die Anton Lubowski Avenue hinauf vorbei an dem Prinzessin-Rupprecht-Heim, das ehemalige deutsche Lazarett und heute ein Hotel, und weiter zur alten Kaserne (Old Barracks), die heute die Dunes Backpackers Lodge beheimatet. Eine Straßenkreuzung weiter und dann links abgebogen auf die Tobias Hainyeko Street erreiche ich das Hohenzollern Haus, eines der imposantesten und verspieltesten Bauten aus der deutschen Vergangenheit. Verschiedene Baustile des Barock und der Renaissance mit Erkern und Balkonen prägen die Fassade. Über dem Eckvorbau thront schließlich die Weltkugel, die wiederum von zwei Löwen flankiert wird. Mein Chef hat mir aufgetragen, herauszufinden, wie die neuen Straßennamen nun heißen, die sich hier kreuzen: Tobias Hainyeko Street/Libertina Amathila Avenue

Nachdem das geklärt ist, schaue ich mich noch ein wenig in der Ankerplatz Arcade mit ihren pittoresken Höfen und Passagen um. Hier finden sich zahlreiche Shops rund um Antiquitäten, Souvenirs und sonstigen Reisebedarf. Meinen Stadtrundgang beschließe ich mit dem Besuch des Woermann Hauses (bzw. Damara-Hauses), besser gesagt mit der Besteigung des Damara-Turmes. Früher repräsentativer Sitz der Damara- und Namaqua-Handelsgesellschaft, beherbergt das Haus heute mit seinem Arkaden-Innenhof ein Büro der Namibia Wildlife Resorts, die Städtische Bibliothek sowie die Kunstgalerie. Der dazugehörige 25 Meter hohe Turm diente früher als Wasserspeicher, Flaggenmast, Landmarke für die Schiffe sowie zur Kommunikation per Spiegeltelegraf. Von hier oben hat man einen wirklich imposanten 360-Grad-Blick auf die Stadt, den Atlantik und den Dünengürtel ein Stück landeinwärts.

Den Rest des Nachmittages verbringe ich noch mit dem Schreiben von eMails und Ansichtskarten.Am Abend besucht unsere gesamte Gruppe das Lighthouse Pub, das sich direkt unterhalb des Leuchtturms befindet. Zwar ist unsere Reservierung für 13 Personen untergegangen, aber nach etwa einer halben Stunde werden für uns schnell drei Tische zusammen geschoben und so können wir doch noch unser Abendmahl mit Blick auf und in Hörweite vom Atlantik genießen. Eine letzte Nacht im bequemen Bett wartet auf uns. Ab morgen müssen wir wieder mit dem Zelt vorlieb nehmen. Aber so langsam gewöhne ich mich daran, draußen in freier Natur zu schlafen. Ist gar nicht so schlimm, wie ich das erwartet hatte.

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