Neuigkeiten und Berichte von Outback Africa Erlebnisreisen

Malawi

Bucht von Kaya Mawa, Likoma Island, Malawi © Foto: Marco Penzel | Outback Africa Erlebnisreisen

02.05.2009
Es geht früh los. Auf unserem Voucher steht Abfahrt Mvuu 7.30 Uhr, Ankunft Lilongwe 11.30 Uhr. An der Rezeption sagten sie uns am Abend zuvor aber, daß wir schon um 7 Uhr startklar sein sollten. Also frühstücken wir zeitig und werden danach über den Fluß gebracht. Am anderen Ufer erwartet uns ein neuer Fahrer von Wilderness, Willy. Mit uns sind noch die zwei Franzosen unterwegs, die wir schon von Mumbo kennen. Sie wollen den Ethiopian Airlines Flug um 13 Uhr erreichen, ihr Urlaub ist zu Ende. Wir haben ja erst die Hälfte rum. Unser Flug geht um 12.30 Uhr nach Likoma. Willy warnt uns, er müsse zügig fahren, Pausen seien nicht drin. Auf unser Bitten hält er dann aber doch an einem Souvenirmarkt am Straßenrand, bei dem ich fünf kleine Hippos aus Ebenholz nach hartem Verhandeln für 1 Dollar das Stück kaufe. Elise sorgt für zwei oder drei weitere Stops, da sie mal pullern muß. Willy kommt ins Schwitzen. Wir erreichen den Flughafen erst kurz vor halb eins, nach fünfeinhalb Stunden Fahrt.

Willy hatte schon unterwegs mit dem Wilderness-Mitarbeiter am Flughafen telefoniert und unsere Verspätung angekündigt. Zum Glück ist am Ende alles ganz relaxt. Die Franzosen erreichen ihre Maschine, und wir werden persönlich von unserem Nyassa Air Piloten abgeholt. Nach Wiegen und fünf Dollar Flughafensteuer bezahlen führt uns Salmon, so heißt der junge Pilot, zu Fuß übers Rollfeld an der noch wartenden Ethiopian Airlines Maschine vorbei zu einer Gruppe kleiner Flugzeuge. Das kleinste von ihnen wird unseres. Es hat genau vier Sitzplätze. Einen für den Piloten und die anderen für uns drei. Ich sitze vorn neben Salmon und schaue ehrfürchtig auf die vielen Instrumente und Hebel. Das Flugzeug ist wirklich winzig. Nicht nur, daß wir über die Tragfläche einsteigen mußten, nun soll ich auch noch die Tür einen Spalt aufhalten, bis wir unsere Startposition erreicht haben, da es sonst unerträglich heiß im Innenraum wird. Also rollen wir mit offener Tür ein paar Hundert Meter bis zur Startbahn. Dann schließt und verriegelt Salmon die Tür, setzt seinen Kopfhörer auf, gibt Gas und hebt ab. Wir erleben einen ruhigen einstündigen Flug, zur Hälfte über Land und zur Hälfte über Wasser. Aus etwa 2000 Metern Höhe können wir viel erkennen. Am Horizont taucht Likoma Island auf, dahinter die mosambikanische Küste. Der Pilot dreht eine Runde über die Chalets von Kaya Mawa, unserer Unterkunft am Südende der Insel, dann schwenkt er ab in Richtung Flughafen. Genau unter uns sehe ich die hellen Steinmauern der großen St. Peter’s Kathedrale. Dann kommt der Flughafen in Sicht, der uns alle erstaunt. Die Landebahn ist asphaltiert und riesig, die Ankunftshalle aus Stein und brandneu. Wir erfahren, daß die Arbeiten erst vor wenigen Wochen fertiggestellt wurden. Davor gab es nur eine Sandpiste. Es gehörte zu den Wahlversprechen des amtierenden Präsidenten, einen vernünftigen (eigentlich viel zu großen) Flughafen zu bauen, um wiedergewählt zu werden.

Anflug auf Likoma Island, Lake Malawi © Fotos: Marco Penzel | Outback Africa Erlebnisreisen
Kaya Mawa aus der Luft. Elise verschläft den Flug.

Als wir aussteigen, erwartet uns schon Craig, einer der Manager der Kaya Mawa Lodge, der uns in seinem blauen Landrover direkt auf dem Rollfeld abholt. In einem Reiseführer hatte ich gelesen, daß es auf der kleinen, nur sieben Kilometer langen und von etwa 6000 Menschen bewohnten Insel nur ein einziges Auto gibt. Craig lacht und sagt, daß es mittlerweile etwa sieben gibt, aber nicht alle seien fahrtüchtig. Er fährt uns auf tief ausgewaschenen Erdpisten im Schrittempo zur Kaya Mawa Lodge. Die Unterkunft liegt herrlich zwischen Felsen und entlang eines breiten Sandstrands. Hoch in den Felsen liegen die Bar, die Küche und einige schattige Sitzgelegenheiten sowie ein Pool mit genialer Aussicht. Wir lassen uns ein spätes, exzellentes Mittagessen schmecken und genießen den Blick auf die ins Meer hineinragenden Felsen und die darauf gebauten Häuschen. Einige davon kann man nur über Stege erreichen, und das Honeymoon Chalet sogar nur per Boot. Wir sind in einem der Strandhäuser untergebracht. Ich bin erst fast ein wenig enttäuscht darüber, nicht in einem der Häuser auf den Felsen zu wohnen, doch dann sehr froh. Unser Steinhäuschen ist toll eingerichtet, hat ein separates Kinderzimmer, ein originelles Bad komplett unter freiem Himmel, eine große Holzterrasse unter schattigen hohen Bäumen, auf der zwei mit weichen Matratzen ausgelegte Fischerboote als Sofas dienen, und das Beste: direkten Zugang zum Strand und zum See. Das ist gerade für Elise toll. Sie kann vom Haus aus gefahrlos überall hinlaufen. Wir machen es uns auf den Strandliegen gemütlich und schwimmen dann eine Runde. Marco schnorchelt an den Felsen am anderen Ende der Bucht und sieht noch mehr und buntere Fische als auf Mumbo Island. Elise und ich suchen schöne Steine und spielen damit am Ufer.

Kaya Mawa Family Chalet, Likoma Island, Lake Malawi © Fotos: Marco Penzel | Outback Africa Erlebnisreisen
Offenes Badezimmer und Schlafzimmer unseres schönen Strandhäuschens

Etwa Hundert Meter entfernt sind zwei afrikanische Frauen beim Wäschewaschen. Viele Kinder spielen um sie herum. Es gehört zur Politik von Kaya Mawa, den Einheimischen der nahen Dörfer einen Korridor zum Strand zu lassen, damit sie ans Wasser können wie vor dem Bau der Lodge. Elise ist neugierig, die schwarzen Kinder auch. Langsam verringert sich der Abstand zwischen ihnen. Schließlich ist Elise von ihnen umringt, und als ich dazukomme und „This is Elise“ sage, wiederholen sie laut im Chor „Eliiisäh!“ Restlos begeistert sind sie, als ich Elises Sandspielzeug heraushole. Alle dürfen mitspielen, die Kinder bauen und schaufeln und matschen, Elise mittendrin. Ich setze mich dazu, komme mit den älteren Mädchen ins Gespräch. Eine hat ihren Baby-Bruder auf dem Arm, ich darf ihn mal halten, einen noch zahnlosen dicken Jungen mit sooo weicher Haut, der mir mit seinen kleinen Patschefingern an den Haaren zieht und grinst. Den hätte ich glatt behalten mögen. Erstaunlich, daß die Babys gar keine Windeln tragen. Wie machen die das nur?

Kinder am Strand von Kaya Mawa, Likoma Island, Lake Malawi © Fotos: Marco Penzel | Outback Africa Erlebnisreisen
Die Kinder am Strand von Kaya Mawa dürfen Elises Sandspielzeug benutzen.

Schließlich wird es Zeit für eine Dusche, die Sonne steht schon tief. Elise nimmt ein Bad in der steinernen Badewanne, das Problem ist nur, daß das Wasser recht dünn fließt und es ewig dauert, bis etwas Wasser in der Wanne steht. Da dusche ich sie lieber ab. Kaya Mawa möchte bewußt anders sein als die klassischen Lodges in Botswana oder Sambia, wo am Abend alle Gäste an einem gemeinsamen Tisch sitzen und sich Manager und Guides dazugesellen und wichtige Geschichten erzählen. Jeder Gast kann hier essen, wo er möchte, und sich innerhalb eines gewissen Rahmens auch die Uhrzeit aussuchen. Was es gibt, wird vorher nicht verraten und schon gar nicht auf irgendeiner Tafel angeschrieben. Wir entscheiden uns für ein Abendessen am Strand vor unserem Häuschen und essen im Schein von Gaslampen romantisch unter dem Sternenhimmel, während Elise hinter uns schon schläft und wir gar keinen Babysitter brauchen. James, einer der Manager, der die Lodge vor zwei Jahren gekauft hat, gesellt sich später dazu und erzählt von großen Umbauplänen, die er für die nächste Regenzeit hat, während der die Lodge ausnahmsweise geschlossen bleibt – die Auslastung ist momentan ohnehin schlecht. Er will die Chalets in den Felsen vergrößern, zum Teil ein Deck auf dem Dach dazu bauen. Das Honeymoon Chalet soll zu einem Wellnessbereich umgebaut werden, und das Zentrum der Lodge mitsamt der Küche will er an den Strand verlagern. Das macht für unsere Begriffe auch Sinn, denn die Wege vom Strand zur Bar sind weit – eben auch für die Angestellten, die Tisch und Stühle und natürlich das Essen mehrere Hundert Meter weit anschleppen und über Treppen und durch den Sand tragen müssen.
Beim Einschlafen hören wir in der Ferne die Einheimischen singen, wohl eine Party zum Samstagabend.

Kaya Mawa Lodge, Likoma Island, Lake Malawi © Fotos: Marco Penzel | Outback Africa Erlebnisreisen
Einige Chalets sind nur über Stege zu erreichen. Privates Dinner am Strand.

03.05.2009
Gegen fünf Uhr früh ist meine Nacht zu Ende. Es ist noch dunkel, die Dämmerung beginnt eben erst, da krähen gefühlte 20 Hähne in den Nachbardörfern gleichzeitig. Und das dauert, bis es richtig hell ist. Dann krächzt ein Schildrabe auf dem großen Baobab vor unserem Haus dermaßen laut und häßlich, daß es mich nicht mehr im Bett hält. Elise ist auch schon wach, also machen wir uns fertig. Auf der Terrasse liegt eine frisch vom Baum gefallene Baobab-Frucht. Mit großen Steinen klopfen wir die harte Schale auf und knabbern das weiße Fruchtfleisch von den schwarzen Kernen ab, mit denen wir anschließend Weitspucken üben. Ein verspielter Hund gesellt sich dazu. Um 7 Uhr bekommen wir Kaffee und Kakao auf unserer Terrasse serviert und werden gefragt, wann und wo wir frühstücken möchten. Genau hier, in einer Stunde, und mit Eiern nach Geschmack. In jeder Lodge auf dieser Reise gibt es reichlich Eier, auf Wunsch auch ein „Full English Breakfast“ mit gebratenem Schinkenspeck, Tomaten, Wurst, gebackenen Bohnen, Röstkartoffeln u.s.w., dazu Toast. Die Eier kann man gekocht, als Spiegelei gebraten („sunny side up“), von beiden Seiten gebraten, als Rührei, als Omelett mit diversen Füllungen, als Eierkuchen süß oder pikant oder als „French Toast“ (eine Art Arme Ritter) bestellen. Dieses System scheint sich gleichermaßen durch alle afrikanischen Länder zu ziehen, die einst britische Kolonien waren. Auch das Abendessen ist britisch geprägt, und hier muß ich „leider“ sagen, denn es ist oft zu langweilig und nicht genug gewürzt. In einigen Unterkünften steht daher am Buffet oder am Tisch noch eine ganze Palette diverser Gewürze, Saucen und freurig scharfem Zeug.

Nach dem Frühstück bekommt Marco von James einige andere Chalets gezeigt, um einen Vergleich zu haben und um zu fotografieren. Sein Fazit bei der Rückkehr ist, daß wir eins der schönsten Häuser haben. Um 10 Uhr fährt uns Craig ins Zentrum der Insel. In der St. Peter’s Cathedral ist Sonntagsgottesdienst. Der hat schon um 8 Uhr angefangen und geht bis um 12. Wir wollen nur mal reinschnuppern. Touristen sind willkommen und dürfen sogar fotografieren und filmen. Es ist beeindruckend. Eine riesige, massive Kirche aus Stein, fast voll besetzte Bänke, rechts die Männer und links die Frauen und Kinder, vorn zwei Chöre, Begleitmusik aus Lautsprechern, es herrscht richtig Stimmung. Erst sitzen wir schüchtern weit hinten, dann will Elise mehr sehen. Durch die freundlichen, aufmunternden Blicke der Einheimischen fühlen wir uns ermutigt und trauen uns nach vorn. Schließlich sitzen wir in der ersten Reihe, direkt vor einem der Chöre. Die jungen Frauen und Männer singen und tanzen mit Begeisterung und Hingabe. Sie haben schöne, volle Stimmen, es klingt richtig toll. Zwei kleine Mädchen im Sonntagskleid mit Zöpfchenfrisur gesellen sich zu Elise und mir, bestaunen uns, spielen mit meinen Fingern. Es ist gerade die Zeit der Kollekte. In kleinen Gruppen kommen die Männer und Frauen aus den Bänken abwechselnd nach vorn und werfen Geldscheine in einen riesigen Strohkorb. Der wird von Zeit zu Zeit geleert, und der Inhalt an einem Tisch im Hintergrund von älteren Frauen umgehend gezählt und notiert. Auch wir entrichten unseren Obolus, während die Chöre weitersingen. Irgendwann wird es Elise zu laut und zu viel und sie will raus. Marco stößt zu uns. Er war zuletzt oben auf der Empore, wo noch ein dritter Chor aus etwas älteren Sängern auf seinen Auftritt wartete. Es war wirklich ein beeindruckendes Erlebnis und ich wäre gern noch länger geblieben.

St. Peter’s Cathedral, Likoma Island, Lake Malawi © Fotos: Marco Penzel | Outback Africa Erlebnisreisen
St. Peter’s Cathedral, Sonntagsmesse

Craig hatte vor der Abfahrt in die Stadt darum gebeten, daß wir unsere Reisepässe mitnehmen. Er wollte unsere Ausreiseprozedur aus Malawi verkürzen. Sein Plan war, mit uns zum Immigrationsbüro in der Stadt zu fahren, so daß wir gleich den Ausreisestempel bekommen und uns das Boot aus Mosambik an der Kaya Mawa Lodge abholen und direkt ans mosambikanische Ufer fahren würde. Doch Mr Jack vom Immigrationsbüro, einer der wichtigsten und bekanntesten Männer der Insel, ist trotz vieler Handy-Telefonate nirgendwo aufzutreiben. Also müssen wir unverrichteter Dinge zurück zur Lodge. Dort baden wir erst noch einmal, packen dann unsere Taschen, laufen zur Bar und bestellen noch ein Mittagessen. Die richtige Entscheidung, wie sich später herausstellt.
Um zwei sollte uns das Boot abholen. Um halb zwei sitzen wir startklar im Schatten hinter der Rezeption. Craig telefoniert, läßt sich dann nochmal unsere Pässe geben und fährt damit in die Stadt, während James auch telefoniert und uns informiert, es dauere noch eine Dreiviertelstunde. Eine halbe Stunde später hören wir, es würde sich nochmal verzögern. Dann kommt Craig angebraust, winkt uns alle ins Auto, unsere Taschen werden eilig eingeladen und ab geht es in die Stadt. Mr Jack ist endlich im Einreisebüro (so verstehen wir es zumindest), und das Boot wird uns am Hafen unterhalb der Stadt abholen. Wir sind erstaunt, daß das Büro wie ein normales Wohnhaus aussieht, das im hinteren Teil noch eine Bar hat. Auf einer halbhohen Mauer hinter dem Haus kriegen unsere Pässe die Ausreisestempel – von einem jungen Mann in Shorts und schwarzem T-Shirt mit Werbeaufdruck, während von drinnen in ziemlicher Lautstärke der Mitschnitt eines afrikanischen Live-Konzerts ertönt. Das ist Mr Jack. That’s Africa.

Ein Beispiel für eine Privatsafari in Malawi finden Sie hier. Gern erstellt Outback Africa ein individuelles Safari-Angebot mit Kaya Mawa und anderen Lodges Hier klicken und Reiseanfrage stellen.

Alle Teile des Reiseberichtes Malawi in der Übersicht:

 

Sonnenuntergang am Shire-Fluß, Liwonde NP, Malawi © Foto: Marco Penzel | Outback Africa Erlebnisreisen

29.04.2009
In der Nacht kommt Wind auf. Im Morgenlicht sehen wir, wie die Zeltwände wackeln. Der See ist aufgewühlt, hat sogar weiße Schaumkronen, geschätzte fünf Windstärken. Baden oder Kajak fahren ist heute nicht angesagt. Aber es ist ja ohnehin unser letzter Morgen in Mumbo, nach dem Frühstück geht unser Motorboot zurück ans Festland. Die Überfahrt ist weniger schlimm als befürchtet, auch wenn sie über eine Stunde dauert. Niemandem wird schlecht, obwohl das Boot ganz schön schaukelt. Am anderen Ufer erwartet uns schon der gute alte Everlasting mit seinem Landcruiser. Er bringt uns und ein französisches Paar, das mit uns auf Mumbo war, in den Liwonde Nationalpark, unserem nächsten Ziel. Die Fahrt dauert etwa zweieinhalb Stunden und ist größtenteils auf guten Teerpisten, bis auf die obligatorische letzte halbe Stunde. Aber immer gibt es Interessantes zu sehen – Dörfer, Läden, Märkte, viele Menschen, Schulkinder, Baobabs, das Ufer des Lake Malombe, Baumwollfelder, Mais, Tabak, getrocknete Fische auf großen Grasmatten. Malawi ist dicht besiedelt. Immer wieder winken uns Kinder zu. Der Wind hat sich gelegt, es ist wieder ein warmer sonniger Tag geworden. Die Landschaft wird zusehends feuchter, tropischer. Die ersten Palmen tauchen auf. Kurz dahinter sehen wir den Shire-Fluß. Dort setzt Everlasting uns ab und verabschiedet sich. Wir geben ihm noch ein Trinkgeld.

Wilderness Safari Fahrzeug, Malawi © Fotos: Marco Penzel | Outback Africa Erlebnisreisen
Der Toyota Landcruiser ist eine gute Wahl für die Transfer-Fahrten.

Ein Motorboot erwartet uns. Es fährt uns und unser Gepäck über den breiten Shire, der die Westgrenze des Nationalparks bildet. Am anderen Ufer setzt der Bootsmann erst die Franzosen, die auf Hochzeitsreise sind, an der Mvuu Lodge ab und anschließend uns drei am Mvuu Camp. Beide Unterkünfte gehören Wilderness. Die Lodge ist mit 16 Betten sehr klein und exklusiv, das Camp mit 40 Betten größer und familiärer. Dort sind Kinder jeden Alters willkommen. Nach der Begrüßung und Einweisung entdeckt Elise gleich eine große Spielzeugkiste in einer Ecke neben der Rezeption. Etwas verwundert schaut sie auf die beiden Schaufeln darin. Doch als sie draußen im Garten einen ganzen Spielplatz mit Klettergerüst, Rutsche, Schaukeln und Sandkasten entdeckt, ist die Freude groß. Wir beziehen unser Familienchalet. Es ist ein riesiges Zelt – etwa hüfthoch gemauert und mit Steinfußboden, darüber aus Holz mit Zeltbahnen und Fenstern aus Moskitonetzen und mit weißen Vorhängen. Die Betten sind aus Holz und Rattan kunstvoll gebaut und mit Moskitonetzen wie ein Himmelbett ausgestattet. Im hinteren Teil des Zeltes gibt es ein weiteres Doppelbett, das ist sozusagen das Kinderzimmer. Elise kann sich ein Bett aussuchen. Dazwischen ist das gemauerte Badezimmer mit Toilette, Waschbecken und Dusche. Mehrere offene Schränke bieten viel Ablagefläche. Ich bin ein Ausräumer, also wird möglichst viel aus den Reisetaschen ausgepackt – für drei Nächte lohnt sich das allemal, finde ich. Das ständige Suchen in den Reisetaschen mit all ihren Seitentaschen nervt mich sowieso. Wir machen noch ein Nickerchen, während unten im Fluß die Hippos schnauben.

Mvuu Camp Family Chalet, Liwonde NP, Malawi © Fotos: Marco Penzel | Outback Africa Erlebnisreisen
Viel Platz und schöne Betten im Familienchalet im Mvuu Camp

Um 16 Uhr beginnt unsere erste Pirschfahrt. Unser Guide hat den schönen Namen Angel und wird uns ab jetzt bei allen Aktivitäten begleiten. Wir haben ihn erst einmal exklusiv für uns, was sich auch bald als ideal herausstellt, denn Elise wird es schnell langweilig. Immer wieder unterbricht sie die Erklärungen des Guides, den sie ja sowieso nicht versteht, und will lieber Geschichten erzählt bekommen. Leider ist die Pirschfahrt auch nicht sonderlich ergiebig. Wir sehen zwar viele Impalas, Wasserböcke, Rappenantilopen, Paviane und verschiedene Vögel, aber dazwischen auch lange mal gar nichts. Doch die Natur ist herrlich abwechslungsreich und sehr grün. Oft fahren wir durch Pfützen und Schlammlöcher. Als die Sonne tiefer steht, fährt uns Angel an den Fluß vor wunderschöner Kulisse aus Borassus-Palmen. Zusammen mit den Hippos im Fluß und einem trägen Krokodil am Ufer sehen wir die Sonne untergehen und genießen beim mittlerweile Standard gewordenen Gin&Tonic den roten Abendhimmel.

Anschließend besteigt der zweite Guide, der bisher still vorne gesessen hatte, den Ranger-Sitz vorn auf der Motorhaube und schaltet einen starken Strahler an. Hier sind also Nachtpirschfahrten gestattet. Schon bald entdeckt er im Lichtkegel ein Genet (Ginsterkatze), die ich aber verpasse, da Elise mich mal wieder ablenkt. Kurz darauf eine kleine Scops-Eule und später noch ein Buschbaby. Angel schaltet den Motor aus und wir stehen ein paar Minuten ganz still im Dunkeln. Das Knistern und Knacken, die Vogelrufe und in der Ferne eine heulende Hyäne sind für mich der schönste Moment dieser Pirschfahrt.
Gegen 18:30 sind wir zurück. Als ich Elise ins Bett bringe, überlege ich noch, ob sie wohl bald einschläft und ob die Entfernung zum Restaurant für das Babyphone überhaupt ausreicht, da sehe ich draußen ein Taschenlampen-Signal und es ertönt eine Stimme: „I am your watchman. I will babysit.“ That’s Africa, so einfach, so genial. Natürlich ist das Babyphone wegen der weiten Wege nicht brauchbar. Elise schläft seelenruhig. Als wir nach einem leckeren Abendessen mit Kuche Kuche Bier zum Chalet zurückkehren, sitzt der Watchman mit ausgeschalteter Taschenlampe auf unserer Terrasse und meldet Null Problemo. Wir bestellen ihn gleich für den nächsten Abend vor.

Mvuu Camp, Liwonde NP, Malawi © Fotos: Marco Penzel | Outback Africa Erlebnisreisen
Unser Chalet von außen. Abendessen im Restaurant.

30.04.2009
Heute wollen wir die nahe Nanthomba-Schule und ein Dorf besuchen. Wir fahren mit dem Boot ans andere Ufer des Shire und mit einem Allradwagen über sehr holperige Pisten, vorbei an bestellten Feldern, zur Nanthomba School. Ein amerikanischer junger Mann, der hier das Projekt H.E.L.P. Malawi leitet, erklärt uns das Konzept dieser Schule. Durch amerikanische Sponsoren konnten mehrere Schulgebäude aus Stein, Toilettenhäuschen und Lehrerunterkünfte gebaut werden, und es wurden kleinere Felder angelegt, die die Lehrer und Schüler selbst bestellen. Im Unterricht lernen sie nicht nur trockenes Wissen, sondern auch viel über die einheimische Landwirtschaft. Mittlerweile gehen etwa 700 Schüler zwischen sechs und 16 Jahren in diese Schule.
Eine fröhliche Lehrerin winkt uns in einen Klassenraum. Es ist die unterste Stufe, Grade One. Da sitzen und stehen locker 50 bis 60 Kinder, die gleich neugierig angelaufen kommen. Die Lehrerin pfeift sie zur Ordnung. Elise darf sich in eine der Bänke setzen. Dann singen die Kinder drei Lieder für uns. Singen kann man das eigentlich nicht nennen, eher schreien Elise ist total überwältigt und fast ängstlich. Aber als später Pause ist und die Kinder raus auf den Hof laufen, Elise umringen und ihr geröstete Maiskörner anbieten, taut sie auf. Sie versucht sich sogar im Seilspringen. Sie hüpft auch weiter draußen herum, als wir in eine der oberen Klassen kommen. Die Schüler hier sind zwischen 14 und 16 Jahre alt und werden in einigen Monaten die Schule mit einer Prüfung beenden. Viele sind Waisen oder kommen aus sehr schlechten Verhältnissen, viele sind auch Quereinsteiger von anderen Schulen und haben hier erst vor kurzem Lesen und Schreiben gelernt. Der Lehrer, ein junger motivierter Mann mit Schlips, hält uns ein Lehrbuch hin – wir sollen ein Kapitel auswählen. Es wird ein Dialog zwischen Patienten und Krankenschwester in einem Krankenhaus. Langsam und holprig lesen zwei Schüler im Wechsel den englischen Text vor. Danach kommt noch eine englische Grammatik-Übung. Die Schüler sind eifrig dabei uns melden sich, stehen beim Antworten auf. Wir wünschen ihnen viel Glück für die Prüfungen. Nach einem kurzen Rundgang, bei dem wir auch das sehr organisiert wirkende Lehrerzimmer von innen und eins der Lehrerhäuser von außen sehen, verabschieden wir uns.

Nanthomba School und Njobvu Village, Malawi © Fotos: Marco Penzel | Outback Africa Erlebnisreisen
Kinder in Njobvu Village und in der Nanthomba School

Wieder geht es langsam über unebene Feldwege in eins der Dörfer in der Umgebung. Dort gibt es seit 2001 das Projekt Njobvu – Leben im Dorf für Touristen. Wer mag, kann hier für ein paar Nächte das ganz normale Leben der Menschen miterleben und daran teilhaben. In schlichten Lehmhütten liegen auf dem Fußboden Matratzen mit Moskitonetz darüber, der einzige „Komfort“. Ein Plumpsklo mit Wassereimer daneben sowie eine originelle Dusche unter freiem Himmel stehen bereit. Die Besucher helfen bei der normalen Tagesarbeit mit, sei es Korn stampfen oder Essen zubereiten. Überall sind Kinder, die hier noch abgewetzter, schmutziger und schlechter ernährt aussehen. Man möchte jedem einzelnen helfen und kann es doch nur über eine allgemeine Geldspende an den Dorfvorsteher. Oder indem man für das Übernachtungsprojekt wirbt. Die Pauschale ist mit 40 US-Dollar pro Person und Nacht im Vergleich zum „Komfort“ recht hoch, dafür gehen 90% dieser Einnahmen direkt an die Menschen im Dorf.
Elise sitzt im Staub und malt mit einem Stöckchen Bilder in den Sand. Mittlerweile ist sie barfuß so wie die anderen auch. Ganz versunken merkt sie kaum, daß sie von der ganzen Kinderschar beobachtet und verfolgt wird. Marco macht indessen Fotos mit seiner Digitalkamera. Im großen Display sieht man die Bilder gut, und er zeigt sie auch gleich herum. Sofort bildet sich eine Traube Kinder um ihn herum, es erinnert mich an ein Rugby-Spiel, wenn sich alle auf den Ball stürzen. Immer wieder ertönt der gleiche begeisterte Ruf. Unser Führer übersetzt: „Das bin ich, das bin ich!“. Überhaupt kommen alle Kinder gern vor die Kamera, drängen sich geradezu auf. Mit viel Winken und guten Wünschen verabschieden wir uns und kehren über den Fluß zum Mvuu Camp zurück.

Spielplatz und Pool Mvuu Camp, Liwonde NP, Malawi © Fotos: Marco Penzel | Outback Africa Erlebnisreisen
Spielplatz und Pool des Mvuu Camps

Ein Sprung in den Pool bietet willkommene Erfrischung, und bald gibt es Mittagessen. Anschließend wollen wir Siesta in unserem Wohnzelt halten. Elise liegt noch lange wach, vielleicht denkt sie über die afrikanischen Kinder nach? Aber die Geräuschkulisse hat es auch in sich. Afrikanische Stimmen überall, Hausmädchen und Gärtner, es hämmert und klopft, die Hippos im Fluß melden sich lautstark, und immer wieder so scharrende und zupfende Geräusche, ganz nah. Schließlich will ich wissen, was das ist, und schiebe den Vorhang vor dem Fliegengitter beiseite. Da frißt direkt an unserer Hauswand ein Warzenschwein Gras! Die Lodge ist nicht umzäunt, so daß tierischer Besuch ganz normal ist. Darauf weisen auch die Hippo-Warnschilder hin. Schließlich schlafen wir doch noch eine Runde, bevor es um 16 Uhr mit unserem Guide Angel aufs Boot geht zur Flußsafari. Als wir auf dem Weg zu Boot an der Rezeption vorbeikommen, werden wir sogleich herangewunken und bekommen ein Päckchen überreicht. „Please hand to Elise Penzel“ steht da drauf. Es ist ihr weißer Stoffhase, den sie in Lilongwe vergessen hatte. Große Freude.

Bootssafari Liwonde NP, Malawi © Fotos: Marco Penzel | Outback Africa Erlebnisreisen
Auf Bootssafari im Liwonde-Nationalpark. Malachit-Eisfischer und Hippos

Bis zum Sonnenuntergang gegen 17:20 fahren wir am Ufer auf uns ab, sehen Hippos und große Krokodile, farbenfrohe Eisvögel, Klaffschnabel-Störche, Nilgänse, Sporengänse, Hunderte von Kormoranen, die in den Palmen am Ufer nisten, Schreiseeadler und sogar Jacanas (Blaustirn-Blatthühnchen). Elise interessiert das alles herzlich wenig, und so halte ich sie mit allerlei erfundenen Geschichten bei Laune. Als die Sonne schon sehr tief steht, stellt Angel den Motor ab, serviert einen leider zu warmen Gin&Tonic, und wir lassen die ruhige Szenerie auf uns wirken. Bei der Rückkehr ist Elises Abendessen schon fast fertig. Immerhin ißt sie heute außer den Kartoffeln mit Ketchup auch zwei kleine panierte Fischfilets vom „Chambo“ aus dem Malawisee. Der Watchman ist zur Stelle, als Elise im Bett liegt. Wieder läuft alles wie geschmiert, und um neun ist auch bei uns das Licht aus.

01.05.2009
Ein entspannter Morgen. Wieder wecken uns diverse laut rufende Vögel und die schnaubenden Hippos. Nach dem Frühstück erwartet uns Angel zu einer weiteren Bootssafari, bei der wir diesmal Elefanten finden wollen. Wir fahren weit nach Norden und ans andere Ufer. Und wir haben Glück: Im Schilf etwa 100 Meter entfernt steht eine Herde von 16 Tieren. Wir können sie lange beobachten und ihnen beim Fressen zuschauen.

Liwonde NP, Malawi © Fotos: Marco Penzel | Outback Africa Erlebnisreisen
Elefantenherde und Kormorane am Ufer des Shire

Wieder zurück am Camp wollen Marco und ich uns die Mvuu Lodge ansehen. Elise zieht es vor, im Camp zu bleiben und zu spielen. Zum Glück hat George von der Rezeption Zeit und Lust, auf sie aufzupassen, was ihr auch recht ist. Wir gehen zu Fuß zur etwa 200 Meter entfernten Loge, die ebenfalls von Wilderness betrieben wird. Der Manager Chris zeigt uns ein Chalet im „alten Stil“, das Honeymoon Chalet und eins der erst vor einem Jahr gebauten neuen Chalets. Die Lage der acht Häuser ist genial. Direkt an einer ruhigen Lagune, die der Shire hier bildet, auf Stelzen direkt ans Wasser gebaut, so daß man vom Balkon aus die herrliche grüne Wasserlandschaft genießen kann. Die Chalets sind hier ebenfalls aus Holz und Zeltstoff und im Bereich der Badezimmer aus Stein. Sie haben ein rustikales Himmelbett und einen Schreibtisch mit den berühmten drei Flaschen (rote Hupe, blaues Peaceful Sleep und grünes Doom), auf dem Balkon eine Hängematte und zwei bequeme Korbstühle, dazu ein Deck für ein privates Dinner. Wer gemeinsam mit den anderen Gästen essen möchte, trifft sich in einem zentral gelegenen offenen Speiseraum in edlem Holz mit Bar und Lounge.

Mvuu Lodge, Liwonde NP, Malawi © Fotos: Marco Penzel | Outback Africa Erlebnisreisen
Die kleine, exklusive Mvuu Lodge mit ihren schönen Chalets

Also, in der Mvuu Lodge hätte es mir auch sehr gut gefallen, aber sie nehmen keine Kinder unter 12. Und das ist eigentlich auch gut so. Die Lodge ist für Leute, die es gern romantisch haben und ihre Ruhe möchten.

Wir kehren zurück zu Elise, die ganz versunken mit George auf dem Spielplatz spielt. Sie begrüßt uns mit den Worten „Wenn Ihr wieder weggeht, sollt Ihr aber länger wegbleiben!“
Im Camp ist mittlerweile viel mehr Trubel. Heute am 1. Mai, einem Freitag, kommen viele weitere Gäste aus Lilongwe und Blantyre, die hier ein langes Wochenende verbringen und mit Kindern und Omas und Opas anreisen. Am Abend ist das Camp ausgebucht.
Um 16 Uhr wollen wir unsere letzte Pirschfahrt starten, während Elise im Camp bleibt. Leider hat George von der Rezeption keine Zeit, aber er organisiert etwas. Kurz darauf kommt eine fröhliche, in Elefanten-Design gekleidete Frau und stellt sich als Elizabeth vor. Nach kurzen „Beschnuppern“ faßt Elise Vertrauen. Als wir im offenen Wagen – diesmal fast voll besetzt – das Camp verlassen, spielen die beiden bereits auf dem Spielplatz; Elise ist so beschäftigt, daß sie uns gar nicht hinterher schaut.
Die Pirschfahrt ist leider wieder nicht sehr ergiebig. Außer vielen Antilopen, Warzenschweinen und Vögeln gibt es kaum Tiere zu sehen. Nicht einmal die schönen Rappenantilopen zeigen sich heute. Schließlich doch noch ein Elefant in der Ferne. Gegen 17:15 geht die Sonne unter. Kurz darauf erreichen wir das Ufer des Shire und halten zum Sundowner. Nun beginnt für mich die schönste Zeit. Bei einem wieder mal zu warmen Gin&Tonic lausche ich den Grillen, den klickenden Fröschen, den Rufen der Hadeda-Ibisse und dem Schnauben der Hippos. Über uns scheint ein halber Mond, und das Kreuz des Südens und der Orion tauchen am Nachthimmel auf. Während sich die anderen über Reisen in Malawi und anderswo unterhalten, stelle ich mich ein paar Schritte abseits und träume davon, hier und jetzt ein Zelt aufzustellen und die Nacht allein am Flußufer zu verbringen. Tief im Herzen bin ich ein Camper geblieben. Aber das abenteuerliche Reisen muß erstmal noch warten – bis die Kinder größer sind.
Auf der Rückfahrt durch die Nacht mit Spotlicht sehen wir noch so manches Hippo, darunter auch eins mit Baby, und viele viele liegende Impalas und Wasserböcke. Sie können in Ruhe schlafen, da sie hier fast keine natürlichen Feinde haben.
An der Rezeption erwartet uns Elizabeth mit einer sehr müden Elise auf dem Arm. Am Ende hatte sie uns doch vermißt, war ihr die Zeit lang geworden. Aber Elizabeth erzählt begeistert, wie schön der Nachmittag war. Elise hat sogar eine ordentliche Portion zum Abendbrot gegessen.

Ein Beispiel für eine Privatsafari in Malawi finden Sie hier. Gern erstellt Outback Africa ein individuelles Safari-Angebot mit Mvuu Camp oder Lodge und anderen Zielen Hier klicken und Reiseanfrage stellen.

Alle Teile des Reiseberichtes Malawi in der Übersicht:

 

Mumbo Island, Lake Malawi © Fotos: Marco Penzel | Outback Africa Erlebnisreisen

27.04.2009
Heute heißt es früh aufstehen. Sehr früh. 4.50 Uhr klingelt der Wecker. Um 6 Uhr soll die Abfahrt sein, es geht endlich an den Malawi-See. Nach einem schnellen Frühstück kommt auch bald Everlasting und lädt unsere Taschen in den Toyota Landcruiser, den wir schon von gestern kennen und der so schöne hohe Sitze hat, daß auch Elise eine gute Sicht hat. Fast vier Stunden dauert die Fahrt von Lilongwe nach Cape Maclear am Südende des Malawi-Sees. Nach einer knappen Stunde Fahrt ruft Elise entsetzt “Mein Hasi!” Der liegt noch auf dem Frühstückstisch der Heuglin’s Lodge und nun ist es zu spät zum Umkehren. Da fließen ein paar Tränen. Ich nehme mir vor, Wilderness Bescheid zu sagen. Vielleicht können sie uns den Hasen beim Rückflug an den Flughafen bringen.

Straße bei Dedza, Malawi © Fotos: Marco Penzel | Outback Africa Erlebnisreisen
Malawi ist dicht besiedelt. Am Straßenrand – hier bei Dedza – ist immer etwas los.

Bis Dedza steigt der Weg an, es geht in die Berge im Westen Malawis und über viele Kilometer entlang der Grenze zu Mosambik. Danach windet sich die Straße in spektakulären Serpentinen wieder hinunter in das Tal des großen afrikanischen Grabenbruchs. Schon von oben haben wir immer wieder Ausblicke auf den See, der in der Ferne glitzert. Bis auf die letzte halbe Stunde fahren wir überwiegend auf guter Teerpiste, die nur hier und dort ein Schlagloch hat. Das letzte Stück hat es dann aber in sich. Eine üble Erdpiste mit tiefen Auswaschungen und Sandbrett-Abschnitten. Endlich erreichen wir das Seeufer und steigen an der Rezeption von Kayak Africa aus. Eine englische junge Mitarbeiterin begrüßt uns und serviert kalte Getränke. Am Steg liegt schon unser Boot bereit, die Crew verlädt noch Waren, die mit auf die Insel sollen. Schon bald geht es los. Elise muß eine Schwimmweste anziehen. Die Fahrt nach Mumbo Island dauert etwa eine Stunde. Der See ist ruhig, es geht kaum Wind und wir sind froh, daß das Boot ein Schattendach hat. Es ist hier doch bedeutend wärmer als in Lilongwe.

Mumbo Island, Malawi © Fotos: Marco Penzel | Outback Africa Erlebnisreisen
Das Motorboot bringt uns zur Insel. Schon bald sehen wir die Chalets in den Felsen.

Mumbo Island taucht auf, und wir können die Anlegestelle und die Hütten erkennen. Es sieht klasse aus und die Vorfreude wird immer größer. Wir klettern aus dem Boot und werden herzlich von einer lebhaften schwarzen Angestellten begrüßt, die uns durch die ganze Anlage führt und alles erklärt. Unser Zelt (No. 1) ist wie die meisten anderen zwischen die Felsen und die großen Bäume auf einer Halbinsel von Mumbo gebaut, die durch einen langen Holzsteg mit der Hauptinsel und dem dortigen Restaurant, Lounge-Bereich, Souvenirshop, Strand und Kanuverleih verbunden ist. Alles auf der Insel ist absolut „eco“. Die Toiletten haben keine Wasserspülung, sondern sind Plumpsklos. Daneben steht ein Strohkorb voller Holzspäne. Diese wirft man seinem Papier hinterher. Die Duschen sind „bucket showers“. Jederzeit zwischen Frühstück und Abendbrot braucht man nur Bescheid zu sagen und bekommt warmes Duschwasser gebracht. Seife und Shampoo sind biologisch abbaubar. Strom gibt es nicht. Abends wird eine Petroleumlampe ins Badezimmer gestellt, und wer in seinem Zelt noch Licht braucht, dreht an seiner Dymano-Taschenlampe. Im Restaurant leuchten Kerzen, entlang des Steges zu den Zelten stehen Solarlampen. Handy oder Kamera aufladen ist nicht!
Unser Hauszelt hat zwei schöne große Betten, eine Matratze für Elise, einen Nachttisch, einen Hänge-Kleiderschrank aus Stoff, einen Beistelltisch mit Gratis-Trinkwasser (das gibt es jederzeit und unbegrenzt), und das Schönste: eine Terrasse mit Hängematte, zwei gemütlichen Korbsesseln und ganz wunderbarem Ausblick. Nur etwa fünf Meter unter uns liegt der Malawi-See. Ich kann aus dem Sessel die Fische zwischen den Felsen herumschwimmen sehen. Vögel zwitschern, und immer wieder ertönt der markante Ruf des Schreiseeadlers. Weit in der Ferne erkennt man im Dunst das Festland. Ich könnte ewig einfach so dasitzen.

Mumbo Island, Malawi-See © Fotos: Marco Penzel | Outback Africa Erlebnisreisen
Das originelle Badezimmer. Die Terrasse ist mein Lieblingsort.

Es wird früh dunkel. Gegen 18 Uhr ist es stockfinster. Am Himmel erscheint, erst noch blaß, das Kreuz des Südens. Bald ist es umgeben von Tausenden von Sternen. So hell, so nah, wie ich es sonst nur aus Namibia kenne. Dann quakt der Frosch, ein großes Exemplar aus Holz mit Zacken auf dem Rücken, über die mit einem Stock gestrichen wird, was tatsächlich wie ein rauhes Quaken klingt. Es ist der Ruf zum Abendessen, der in dieser stillen Umgebung sehr weit schallt. Die Gäste des Mumbo Camps finden sich im Restaurant ein. Vom Buffet gibt es Fisch, Reis, Tomatensauce, weiße Bohnen und Salat. Das Kerzenlicht zieht Myriaden winziger Insekten an, die sich durch unser Insektenschutzmittel nicht stören lassen. Auch später im Zelt im Schein der Dynamo-Taschenlampe sehen wir sie. Doch sobald das Licht aus ist, merken wir nichts mehr von ihnen. Wir schlafen gut in dieser Nacht. Das Wasser schwappt sanft an die Felsen unter uns, eine leichte Brise weht ins Zelt. Die Vögel sind nun still. Im der lauen Nacht brauchen wir keine Bettdecke.

Mumbo Island, Malawi © Fotos: Marco Penzel | Outback Africa Erlebnisreisen
Strand und See laden zur Erholung ein.

28.04.2009
Als ich aufwache, ist es schon hell. Die Natur ist erwacht, es plätschert auf dem See. Verwundert stelle ich beim Blick auf meine Uhr fest, daß es erst halb sechs ist. Elise kann auch nicht mehr schlafen und krabbelt zu uns ins Bett. Gegen halb sieben bringt ein Camp-Angestellter ein Tablett mit Tee, Kaffee, Milch und Keksen auf unsere Terrasse. Marco und ich setzen uns noch im Schlafanzug in die Morgensonne und genießen die erste Tasse, während Elise die Plätzchen knabbert. Hier sieht uns ja keiner. Oder doch? Auf dem See unter uns zieht ein Kajak vorbei. Zwei sportlich ambitionierte Südafrikaner sind tatsächlich schon vor dem Frühstück aufgebrochen.
Nach dem Frühstück tun wir es ihnen nach. Elise darf vorn in Marcos Boot, ich kriege ein eigenes. Nach kurzer Einweisung sind wir auch schon unterwegs, es ist ja gar nicht so schwer. Wir wollen einmal um die Insel herumpaddeln, was schneller geht als gedacht. Mumbo ist abgesehen vom Camp unbewohnt, die dichte tropische Vegetation ist von der Regenzeit noch sehr grün. An den Felsen sehen wir auch ohne Taucherbrille viele Fische. Marco bildet sich ein, am Ufer einen Fischotter gesehen zu haben. Es dauert nur eine gute halbe Stunde, und unsere genialen Zelt-Chalets tauchen wieder auf.

Wir verbringen den Rest des Vormittags am Strand mit Burgenbauen und tiefe Löcher graben und hüpfen dazwischen ins Wasser, das sicherlich 26 Grad oder mehr hat. Elise ist glücklich. Ohne den Frosch, der uns zum Mittagessen ruft, würde man glatt die Zeit vergessen. Am Nachmittag dösen wir in unserem Zelt, bis die heißeste Zeit vorbei ist. Gegen halb fünf besteigen wir ein kleines Motorboot zu einem Sunset Cruise. Unser Guide fährt uns auf die andere Seite der Insel, erklärt uns unterwegs viele Vögel und Pflanzen und macht dann den Motor aus. Wir beobachten bei einem Gin&Tonic den Sonnenuntergang. Im Nu ist die Sonne verschwunden, doch der Himmel ist noch lange rot, und wir bleiben still sitzen, bis sich die zerfaserten Wolken schwarz färben. Als wir wieder anlegen, ist es schon finster. Schon vom Boot aus haben wir per Funk eine warme Eimerdusche bestellt, die wir dann im originellen Badezimmer genießen. So erfrischt erscheinen wir um 19 Uhr zum Abendessen. Diesmal gibt es gut gewürztes Rindfleisch, geröstete Kartoffeln und Salat. Wie gut, daß es auch Ketchup gibt, so ißt Elise wenigstens die Kartoffeln. Nachdem uns die kleinen Fliegen im Restaurant wieder ziemlich genervt haben, lassen wir im Bett die Leserunde ausfallen und schlafen früh ein.

Ein Beispiel für eine Privatsafari in Malawi finden Sie hier. Gern erstellt Outback Africa ein individuelles Safari-Angebot mit Mumbo Island und anderen Zielen Hier klicken und Reiseanfrage stellen.

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