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Madagaskar

Unser vorletzter Inlandsflug ist wahrlich nur ein Hopser. Eine 20-Sitzer-Maschine der Air Madagascar, deren Sitzbänke (!) aus einem alten Bus zu stammen scheinen, bringt uns in 30 Minuten zur Insel Sainte Marie (auch bekannt als Nosy Boraha). Hier wollen wir unsere Reise ausklingen lassen. Ste. Marie ist außer für seine schönen Strände auch für sehr gute Walbeobachtung bekannt. Doch die Saison (August-September) ist schon vorbei. Aus Büchern und Fotos an den Wänden unserer Unterkunft erfahren wir später, wie nahe sie ans Land kommen und welche grandiosen Beobachtungsmöglichkeiten man vom Boot aus hat. Es gibt also allemal einen Grund wiederzukommen.

Strand der Ile aux Nattes (Madagaskar)
Hier am Strand, einige Schritte vom Baboo Village entfernt, legen die Fährboote an, die zur Hauptinsel Sainte Marie hinüberfahren. © Foto: mp

Doch zunächst müssen wir vom Flughafen zu Fuß (unser Gepäck wird in einer Rikscha gefahren) zu einem Boot, das uns zur südlich vorgelagerten Nachbarinsel Ile aux Nattes fährt, über türkisblaues Meer vorbei an schrägen Palmen und hellem Sandstrand. Schon bald tauchen die Strohschirme und Hütten unserer letzten Unterkunft auf, dem Baboo Village. Das Hotel hat einen Steg ins Wasser mit Liegestühlen drauf, der Strand ist gleich um die Ecke. Alles ist recht idyllisch, aber nicht mehr so einsam wie im Buschhaus. In der Nachbarschaft gibt es mehrere andere Hotels, Touristen und Einheimische laufen am Strand herum. Doch verläuft sich das alles, so daß man hier wirklich noch nicht von “touristisch” sprechen kann.
Für den nächsten Tag haben wir einen Tauchausflug gebucht. Max, unser Dive Master, holt uns ab und fährt uns auf die andere Seite der Insel, wo die Riffe sind. Wir erleben zwei faszinierende und wunderschöne Tauchgänge mit Rochen und vielen bunten Fischen und fragen uns dazwischen, warum wir seit unserem Tauchkurs auf Sansibar vier Jahre haben vergehen lassen. Nachmittags sind wir noch durch die nahen Dörfer spaziert und haben vielleicht ein paar nette Kinderportraits erwischt. Am Abend genehmigen wir uns eine landestypische Spezialität: Rum. Der wird hier in erstaunlich großen Gläsern serviert und man kann ihn auch aromatisiert bestellen. Ich probiere Zimt und bin begeistert.
Unseren letzten Tag auf der Insel beginnen wir wieder mit einem ausgedehnten Spaziergang. Auf dem Rückweg zum Hotel führen uns fünf kleine Jungs, die wir an einem idyllischen Strand aufgegabelt hatten. Wir werden sie erst wieder los, als wir jedem von ihnen eine Art Quarkspitze kaufen, wie sie hier an vielen kleinen Verkaufsständen gebacken werden.

Kinder am Strand (Ile aux Nattes, Madagaskar)
Unsere Reiseführer beim Inselspaziergang über die Ile aux Nattes. © Foto: mp

Mittags setzen wir per Boot wieder auf die Hauptinsel über und schauen uns die Princesse Bora Lodge an, das beste Hotel der Insel. Wir waren vorangemeldet, der Manager lädt uns zum Mittagessen ein, es gibt Fisch in Vanillesauce. Die Lodge ist tatsächlich sehr schick, an einem schönen Standabschnitt gelegen, die Bungalows im maritimen Stil, großzügig, in dunklem Holz gehalten. Auf dem ins Meer gebauten Steg stehen sogar richtige Betten mit Sonnenschutz. Die meisten der mehr oder weniger attraktiven Hotelgäste liegen jedoch in den Liegen rund um den Pool und schlürfen Cocktails. Wir beschließen, daß wir uns im einfacheren, aber deutlich herzlicheren und ungezwungeneren Baboo Village wohler fühlen.
Nach einem Besuch der quirligen Inselhauptstadt kehren wir schließlich auf die Ile aux Nattes zurück und gönnen uns noch ein erfrischendes Bad im Meer zum Sonnenuntergang.

Fortsetzung folgt hier.

Aus unserer Erkundungsreise haben wir inzwischen eine für jedermann buchbare Naturrundreise durch Madagaskar geschneidert.

Das kleine Schnellboot bringt uns in 35 Minuten Fahrt durch Seen, die etwas landeinwärts entlang der Ostküste liegen und durch natürliche und künstliche Wasserwege miteinander verbunden sind, zum Buschhaus. Diese romantische Lodge liegt an einem Hang am Seeufer. Von deutschen Einwanderern aufgebaut, wird sie derzeit vom Franzosen Clément betrieben, der hier mit madagassischer Frau und Tochter wohnt. Er erwartet uns am Ende des langen Bootsstegs und heißt uns herzlich willkommen. Genauso herzlich wird dann auch unser ganzer Aufenthalt. Wir lassen uns die ausgezeichnete, kreative Küche schmecken (hier hat sogar das Mittagessen drei Gänge) und ansonsten alle Fünfe gerade sein. Der See ist flach, das klare warme Wasser wunderbar zum Schwimmen, ich lasse mich treiben und schaue in den weiten Himmel. Doch den Pflichtausflug müssen wir natürlich mitmachen, das Palmarium hat schließlich in allen Reiseführern seinen Platz. Es ist ein kleiner Privatpark mit Übernachtungsmöglichkeit, eine halbe Stunde Fußmarsch entfernt, in dem der deutsche Begründer des Buschhauses Reptilien, Amphibien und Lemuren hält und eine erstaunliche Pflanzenvielfalt aus ganz Madagaskar zusammengetragen hat, darunter Orchideen, Pachypodien und besondere Palmenarten. Die Lemuren sind hier handzahm und zutraulich, noch nie sahen wir so viele Arten in so kurzer Zeit. Dazwischen fliegt ein aufdringlicher Graupapagei herum, der sich auch auf die Köpfe und Schultern der Besucher setzt und immer wieder “Maki, Maki” ruft – das madagassische Wort für Lemur. Hier gibt es endlose Fotomotive. Später dann auf der Wanderung durch das Reservat suchen wir eigentlich die Indris, die hier erst vor kurzem eingeführt wurden, aber wir finden sie leider nicht. Dummerweise sind wir in eine 18-köpfige holländische Reisegruppe geraten, was eindeutig zu viel ist, zum Beispiel wenn alle gleichzeitig einen stecknadelkopfgroßen Frosch fotografieren wollen.

Ein Kragenlemur als Fotomotiv im Palmarium (Madagaskar)
Ein Kragenlemur gefällt sich als Besucherattraktion im Palmarium. © Foto: mp

Nach zwei Übernachtungen und einem letzten herrlichen Frühstück unter dem Palmblattdach des Restaurants mit Blick auf den See und frischen Hibiscusblüten an jedem Platz wartet das Boot am Ende des Steges wieder auf uns. Die Fahrt geht etwa anderthalb Stunden entlang des Canal des Pangalanes. Eine wildromantische Wasserlandschaft aus verschlungenen, oft sehr engen und halb mit Seerosen zugewachsenen Kanälen und größeren Seen. Viele Holzboote kommen uns entgegen oder wir überholen sie langsam, damit unsere Wellen sie nicht behindern. Wir sehen die Einheimischen mit voll beladenen Flößen oder beim Fischfang, Kinder kommen ans Ufer gelaufen und winken. Schließlich ist kein Durchkommen mehr, die Schwimmpflanzen sind zu dicht geworden.

Canal des Pangalanes (Madagaskar)
Der Canal des Pangalanes, auch ein wichtiger Handelsweg. © Foto: mp

Wir steigen am Ufer aus und werden dort auch schon von einem Fahrzeug erwartet, das uns die letzten Kilometer bis zur Hafenstadt Tamatave (Toamasina) fährt. Eine große, recht aufgeräumt wirkende Stadt. Unser Fahrer macht sich auch als Reiseleiter gut und erzählt mir auf französisch eine Menge interessanter Details.

Fortsetzung folgt hier.

Aus unserer Erkundungsreise haben wir inzwischen eine für jedermann buchbare Naturrundreise durch Madagaskar geschneidert.

Mit Air Madagascar brauchen wir ein Stunde von Fort Dauphine nach Tana. Dort werden wir bereits von unserem nächsten Fahrer erwartet, der uns in vier Stunden auf relativ guter Teerpiste nach Andasibe bringt. Es ist der nächstgelegene Ort zum bekanntesten Reservat des Landes. Dummerweise hat es den schwierigsten Namen: Analamazaotra. Früher bekannt als Périnet, hat man sich heute, wohl um es den Besuchern etwas einfacher zu machen, zum Doppelnamen Périnet-Analamazaotra durchgerungen. Hier endlich treffen wir auf richtigen tropischen Regenwald. Unsere Unterkunft, die Vakona Forest Lodge, ist wohl die beste unserer Reise. Sie liegt idyllisch an einem See, in den das große runde Restaurant hineingebaut ist, und hat richtig schöne Bungalows mit tollem Badezimmer. Am ersten Abend sind wir zwar etwas kaputt, dennoch gehen wir noch auf die Nachtwanderung mit. In unserer international bunt gemischten Gruppe von ca. 12 Personen ist auch eine Familie mit kleinen Kindern. Das kleinste, ein vielleicht 2½jähriges Mädchen, schläft bald ein und muß von ihrem Papa getragen werden. Verpaßt hat sie nicht viel – auch wir wachen Teilnehmer sahen nur einen Tenrek, der aussieht wie ein kleiner bunt gestreifter Igel, und ein paar winzige Chamäleons. Die sieht man übrigens nachts viel besser, weil sie sich zum Schlafen an die äußersten Spitzen von Blättern und Ästen hängen.

Chamäleon in Périnet (Madagaskar)
Eines der unzähligen Chamäleons, die man in den Wäldern von Périnet entdecken kann. © Foto: mp

Am nächsten Morgen erkunden wir ausgiebig das Périnet-Analamazaotra-Reservat zu Fuß. Es ist auch landschaftlich sehr schön, hügelig, sattgrün und von vielen Wasserläufen durchzogen. Viele farbenfrohe und interessante Motive kommen Marco vor die Kamera. Vom Mini-Frosch über eine Boa bis hin zum Indri, dem größten aller Lemuren, der auch noch ganz markant schreit. Man hört die sirenenartigen Rufe auf mehrere Kilometer, und wenn man nah dran ist, fährt es einem durch Mark und Bein. Ein Indri turnt über uns durch die Bäume, wir pirschen uns immer näher heran und sehen ihm dann direkt in die Augen. Er sitzt ruhig, läßt sich fotografieren. Mit seinen extrem langen Beinen und dem Stummelschwanz, dem dicken schwarzweißen Fell und den puscheligen Ohren sieht er irgendwie zusammengebastelt aus. Eine Journalistin schrieb einmal: “Ein Lemur sieht nicht aus wie ein Tier, sondern wie die Mischung aus mindestens zweien”. Da hat sie wohl recht.

Blume in Périnet (Madagaskar)
Blüten setzen prächtige Farbtupfen in den lichten Urwald. © Foto: mp

Für madagassische Verhältnisse ist es hier jedoch relativ touristisch. Man stößt immer wieder auf die gleichen Reisegruppen, die in englisch, holländisch oder spanisch ihre Beobachtungen austauschen und sich an den besten Indri-Beobachtungsplätzen zusammendrängen. Dennoch: Périnet muß sein, und wir werden unseren Reisegästen auch eine zweite Nacht in dieser schönen Gegend gönnen. Wir selbst reisen wie immer im Zeitraffer und müssen weiter. Schon gegen Mittag brechen wir nach Osten auf, wollen noch bis an die Küste. Etwa drei Stunden brauchen wir bis Manambato. Der überwiegende Teil dieser Strecke hat die Qualität einer deutschen Kreisstraße, aber die letzten 30 Minuten haben es in sich. Nur mit Schrittgeschwindigkeit kämpft sich unser Fahrer über eine Lehmpiste, in die andere Fahrzeuge beim letzten Regen tiefe Spuren gegraben haben. An einer feuchten Stelle fahren wir uns auch noch fest. Aber schließlich stehen wir am Ufer eines großen Sees, der zum Canal des Pangalanes gehört. Unser Fahrer meint, das Boot käme gleich. Was für ein Boot? Das Abholfahrzeug unserer nächsten Unterkunft! Wir konnten es kaum glauben. Hier, mitten in der Pampa, ohne Handy-Absprache, wurden wir tatsächlich pünktlich und zuverlässig abgeholt. Schon so oft auf dieser Reise, und auch in ihrem weiteren Verlauf, waren wir begeistert über die gute Organisation, auf die wir uns jederzeit verlassen konnten. Nicht einmal hat uns jemand vergessen oder sich auch nur verspätet. Und wir hatten so viele verschiedene Fahrer.

Fortsetzung folgt hier.

Aus unserer Erkundungsreise haben wir inzwischen eine für jedermann buchbare Naturrundreise durch Madagaskar geschneidert.

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