Neuigkeiten und Berichte von Outback Africa Erlebnisreisen
Drei Menschen kamen ums Leben, als der Luxuszug Rovos Rail am Mittwoch bei Pretoria in Südafrika entgleiste. Weitere 32 Menschen wurden verletzt. Das berichten südafrikanische Medien. Demnach geschah das Unglück an der Bosman Street Railway Station in Pretoria, wo die Lokomotiven getauscht wurden. In der Nähe des Heimatbahnhofs Capital Park ersetzt Rovos Rail die modernen Loks traditionell mit eigenen Dampflokomotiven. Bei den beiden Todesopfern soll es sich um zwei Frauen handeln, die zum Zugpersonal gehörten. Insgesamt waren 55 Menschen an Bord des Zuges, der zwischen Kapstadt und Pretoria verkehrt.

Rovos Rail trägt den stolzen Slogan „Pride of Africa“. Die Fahrten in den historischen Wagons auf Strecken wie Kapstadt-Pretoria oder Pretoria-Victoria Falls sowie auf der legendären Reise bis nach Dar es Salaam zählen zu den luxuriösesten Zugreisen weltweit.
7. Tag, 08.03.2010: Die Wüste ruft – Namib Rand Naturreservat
Da wir um 6:30 Uhr starten wollen, werden unsere Wecker bereits um 5:15 Uhr klingeln. Erholungsurlaub sieht anders aus. Aber immerhin müssen wir eine Wegstrecke von circa 550 Kilometern zurücklegen. Nach geplanten 7 ½ Stunden wollen wir unsere Campsite am Sesriem Canyon erreichen. Dieser Zeitplan kommt allerdings kurze Zeit später gehörig ins Wanken. Unser Weg führt uns zunächst auf der C12 vorbei an Seeheim, früher einer der wichtigsten Eisenbahnknotenpunkte mit Anschluss nach Lüderitzbucht, Keetmanshoop und Karasburg. Dort biegen wir links ab auf die B4 in Richtung Lüderitz, die wir aber in Goageb verlassen und auf die C14 Richtung Norden verlassen.

Reifenplatzer auf der C14 bei Bethanie © Foto: Jens Döring
Gegen 9 Uhr werden wir aus unserem geschüttelten Vormittagsschläfchen unsanft geweckt, als uns kurz vor Bethanie ein Reifen lautstark platzt. Es hat den inneren Zwillingsreifen hinten links erwischt, dessen Lauffläche sich einfach so abgewickelt hat. Die Guides scheinen aber daran gewöhnt zu sein. Völlig routiniert gehen sie den Reifenwechsel an. Jeder Handgriff sitzt, und die Aufgaben sind klar verteilt. Das gibt uns Reiseteilnehmern die Gelegenheit, die Natur auf uns wirken zu lassen und natürlich die Guides mit unseren neugierigen Blicken und Besserwissereien nach bestem Können zu unterstützen. Nach einer knappen halben Stunde gehört der Reifenplatzer bereits der Vergangenheit an. Nach einem kurzen Stopp in Bethanie führt die Fahrt entlang der C14 vorbei nach Helmeringhausen. Kurze Zeit später legen wir eine Mittagsrast unter einem Baum am Wegesrand der C27 ein.
Wir können bei dieser Gelegenheit auch ein Gemeinschaftsnest der Webervögel begutachten. Die Männchen bauen gemeinsam an einem großen Nest aus trockenem Gras, das in Bäumen oder auf Telefonmasten angelegt wird. Höhen von etwa drei Metern und Breiten von bis zu 4,5 Metern sind keine Seltenheit. Es wird von mehreren hundert Vögeln bewohnt, die durch die Einflugslöcher unterhalb des Nestes ins Innere gelangen. An einem Gemeinschaftsnest wird ständig weitergebaut. Deshalb kann es vorkommen, dass Bäume unter dem Gewicht schließlich zusammenbrechen. Besonders problematisch ist es bei den Strom- oder Telefonmasten. Um einem Einknicken des Mastes entgegenzuwirken, müssen die Nester oft von den Menschen zerstört werden.

Gemeinschaftsnest der Webervögel © Foto: Jens Döring
Das Mittagessen ist noch gar nicht richtig hinunter geschluckt, da heißt es schon wieder aufsitzen und weiter Kilometer fressen. Auf der C27, kurz vor dem bekannten Wolwedans Dune Camp, stoppt Pieter plötzlich den Truck mit folgenden Worten: „Alright guys, this is a once in a lifetime experience: I’ve never seen Namibia so green. You’ve got to get out and to take some pictures! You’ll never see this country like that again!” Wir alle folgen natürlich dieser Aufforderung. Tatsächlich hatte ich mich seit geraumer Zeit gefragt, wann denn nun endlich mal die Wüstenlandschaften auftauchen, für die Namibia doch so berühmt ist. Laut meiner sonst zuverlässigen Reisekarte sollte die Landschaft schon seit einigen 100 Kilometern immer trockener und sandiger werden. Aber die besonders ausgeprägte Regenzeit in diesem Jahr sorgt wohl für eine außergewöhnlich grüne und üppige Flora.

Grüne Wüstenlandschaft in Namibia © Foto: Jens Döring
Circa zwei Stunden nach diesem Fotostopp erreichen wir schließlich nach 9 Stunden unser Ziel: Das Zeltcamp am Sesriem Canyon direkt am Eingang zum Namib Naukluft Nationalpark. Ein Pool steht auch schon wieder zur Abkühlung bereit. Zum Sonnenuntergang unternehmen wir nochmal eine kleine Wanderung in den Sesriem Canyon, der nur wenige Fahrminuten vom Camp entfernt ist. Ins Deutsche übersetzt heißt diese Schlucht „Sechs Ochsenriemen“ (ses riem). Dieser Name drückt zugleich die Tiefe dieses Canyons aus: sechs Ochsenriemen braucht es, um aus dem ständig Wasser führenden Fluss das kühle Nass vom Rand aus zu schöpfen. Somit ist die Schlucht 30 Meter tief und 3 Kilometer lang. An den Wänden kann man den Wechsel von Feucht- und Trockenphasen leicht ablesen. Da es im unteren Bereich des Canyons ständig Wasser gibt, ist dies auch Anziehungspunkt für zahlreiche Wüstentiere und Vögel.

Wanderung im Sesriem Canyon © Foto: Jens Döring
Gegen 19 Uhr erreichen wir wieder unser Camp und freuen uns auf das Abendessen. Auch heute wird ein früher Schlaf wärmstens empfohlen, da wir morgen bei Sonnenaufgang bereits auf der Dune 45 sitzen wollen…
8. Tag, 09.03.2010: Pechvögel sterben nie aus – ereignisreicher Tag am Sossusvlei
Um sage und schreibe 5 Uhr werden wir aus unseren Träumen gerissen. Eine Viertelstunde später schlürfen wir den ersten (aber bestimmt nicht letzten) Kaffee des Tages. So richtig hungrig ist keiner von uns. Aber es gibt ja später noch einen ausgiebigen Brunch. Um viertel vor sechs starten wir zur Düne. Das Eingangstor zum Namib Naukluft Park befindet sich direkt vor unserer Campsite und öffnet eigentlich erst um 6 Uhr. Doch bereits weit vor dieser Zeit stauen sich die ersten Autos. Jeder will wohl den Sonnenaufgang in den Dünen genießen.
Also stellen wir uns auch brav an. Doch kurz nach dem Eingang drückt Pieter dann plötzlich auf die Tube. Die Geschwindigkeitsbeschränkung von 60 km/h wird eiskalt ignoriert, und so werden die ursprünglich vor uns wartenden Autos später wieder überholt. Und tatsächlich: Pieter schafft es, vor allen anderen um 6:30 Uhr an der Düne Nr. 45 (bei Kilometer 45) zu sein.

Morgendämmerung auf der Düne 45 © Foto: Jens Döring
Die ersten aus unserer Gruppe nehmen den übergroßen Sandhaufen nun in Angriff. Ich befinde mich (noch) im Mittelfeld und nutze die Fußabdrücke im Sand, die meine Vorläufer bereits hinterlassen haben. Das macht es etwas leichter, seine Kraft tatsächlich in Vorwärts- statt Seitwärtsbewegung umzusetzen. Und dennoch: So eine Sanddüne hinauf zu kraxeln, ist viel anstrengender, als ich dachte. Nach einer halben Stunde und einigen Überholmanövern anderer mir folgender Sonnenaufgangsanbeter erreiche ich schniefend und schnaufend den Dünenkamm. Gerade noch rechtzeitig, um den Sonnenaufgang zu beobachten. Naja, wenn ich ehrlich bin, hätte er schöner sein können. Aber man macht das ja des Erlebnisses wegen und auch ein klein wenig auch aus Gruppenzwang heraus. Als ich auf dem Dünenkamm meine Kamera auspacke, fällt mir ein, dass der Akku gestern Abend leer war und ich den eigentlich noch wechseln wollte. Dummerweise habe ich nun meinen Rucksack mit den vollen Akkus aus Ballastgründen im Truck am Fuß der Düne gelassen. Shit happens! Es sollte nicht das letzte schicksalhafte Ereignis für diesen Tag bleiben…
Nachdem die Sonne nun hinter den Wolken fast unmerklich aufgegangen ist und ich dann ein paar Fotos mit meiner Handykamera geschossen habe, rennen wir im Wechsel die Düne wieder hinunter. Erstaunlich, wie schnell man 200 Höhenmeter in einer Abwärtsbewegung überwinden kann.
Unten angekommen möchte ich mich für die Strapazen am frühen Morgen selbst belohnen und mir eine kalte Cola aus der Kühlbox im Truck holen. Als ich mich am Türholm mit meiner rechten Hand festhalte, um mich über die Kühlbox zu lehnen, merke ich nicht, wie ein Windstoß die Trucktür zuschmeißt. Erst in letzter Sekunde gelingt es mir, 4 von fünf Finger aus der Tür zu ziehen. Leider hat es der rechte Zeigerfinger nicht mehr geschafft… Ich weiß nicht was schlimmer ist: die plötzlich um meinen Kopf kreisenden Sternchen, der pochende Schmerz in meinem Finger oder die Gewissheit, dass dieser Tag für mich so gut wie gelaufen ist. Alles ist auf seine Art und Weise schlimm. Weil ich aber noch nichts gegessen hatte, wollte mir Pieter keine Schmerztablette geben. Also musste ich zuerst meine (für mich völlig untypische) Appetitlosigkeit überwinden, um letztlich den Schmerz lindern zu können. Alle nach mir eintreffenden Dünenkraxler haben von meiner fehlenden Gesichtsfarbe abgeleitet, dass etwas passiert sein musste. Wie ein kleiner Schuljunge saß ich nun am Fuß der Düne 45, einen Teller mit Pancakes auf dem Schoß und die rechte Hand gen Himmel gestreckt, um zumindest das Pochen des Herzschlages aus dem Finger zu kriegen. Die schwarze Fingernagellackierung werde ich wohl noch eine ganze Weile mit mir herum tragen… Es ist aber immer wieder schön, wenn der Schmerz nachlässt!

Auf dem Weg per Allradfahrzeug zum Sossusvlei © Foto: Jens Döring
Um viertel vor neun brechen wir dann auf zum Parkplatz bei Kilometer 60. Hier erwarten uns bereits die Shuttle-Jeeps, die uns zunächst zum Dead Vlei bringen. So langsam kehren auch meine Lebensgeister wieder zurück, und ich kann die atemberaubende Dünenlandschaft zumindest ein klein bisschen in mich aufnehmen und genießen. Mit seinen uralten verdorrten Kameldornbäumen präsentiert sich der Dead Vlei malerisch und fast schon mystisch – ein Paradies für Fotografen! Leider hat sich herausgestellt, dass meine vollen Akkus doch nicht im Truck, sondern am frühen Morgen gänzlich im Zelt geblieben sind. Also mache ich fleißig weiter Fotos mit meinem Handy in der Hoffnung, die Qualität reicht zumindest für den Hausgebrauch aus. Was ich an diesem Morgen auch im Zelt vergesse, ist meine Sonnenmilch. Bereits jetzt, gegen 9:30 Uhr, merke ich, dass da irgendwas auf meinem Rücken zu brennen beginnt. Aber egal, ich kann es jetzt ohnehin nicht mehr ändern. Augen zu und durch.

Ausgetrocknete Akazie im Dead Vlei © Foto: Jens Döring
Insgesamt ca. 90 Minuten halten wir uns am Dead Vlei auf, bevor wir um kurz vor 11 Uhr weiter zum Sossusvlei fahren. Der ist nur fünf Minuten entfernt. Die Strecke führt nun durch immer tiefer werdenden Sand. Die Szenerie ist beeindruckend: Über 200 Meter hohe Sanddünen türmen sich vor uns auf. Der Sossusvlei, eine meist trockene Salztonpfanne, ist von Schilf umgeben und wurde durch austrocknende Seen geschaffen. Die zurückgebliebene Schlammschicht verbuk dann in der sengenden Sonne zu Ton. Die mächtigsten Dünen um den Vlei erreichen eine Höhe von 375 Metern. Von deren Kamm aus hat man einen herrlichen Ausblick auf die Namib-Wüste mit ihren Gold- und Orangetönen sowie der typischen Sternform.
Gegen 11:30 Uhr fahren wir vor der großen Mittagshitze und dem größten Besucherandrang wieder zu unserem Zeltplatz am Sesriem Cayon zurück, wo wir eine Stunde später ankommen. Es bleiben uns nun vier Stunden Zeit, um Siesta zu halten und die Mittagshitze im Pool halbwegs erträglich zu machen. Auf dem Weg zum Pool bemerke ich den herumliegenden Dorn einer Akazie nicht. Der bohrt sich direkt durch die Sohle meiner Badeschlappe in meinen Fuß. AUTSCH! Der Stachel sitzt zwar nicht tief, aber der Schmerz ist schon beachtlich. Immerhin lenkt er etwas von den Schmerzen in meinem rechten Zeigefinger ab. Das ist wohl einfach nicht mein Tag. Das erfrischende Poolwasser verschafft aber kühlende Linderung, sowohl in der Hand als auch im Fuß.

Erfrischender Pool auf der Campsite am Sesriem Canyon © Foto: Jens Döring
Um 17 Uhr gibt’s kleine Snacks mit Crackern, Käse, Gemüse und etwas Wurst. Genau das Richtige in der Hitze und es liegt auch nicht so schwer im Magen. Wir haben nämlich noch eine kleine Wanderung auf die Elim-Düne vor, die nur wenige Minuten vom Camp entfernt ist. Hier wollen wir ein weiteres Mal den unverwechselbaren Sonneuntergang in der Dünenwelt Namibias genießen.
Geübt von der Besteigung der Düne 45 im Morgen, verläuft der Aufstieg nun etwas routinierter. Trotzdem muss mich George das eine oder andere Mal zwischendurch motivieren, bis zum Dünenkamm durchzuhalten. Ich bin ihm später für sein Pushen sehr dankbar, denn der Ausblick ist erneut unbeschreiblich. Auf der einen Seite breitet sich die Dünenwelt der Namib aus, auf der anderen Seite ragen am Horizont die Naukluft Berge in die Höhe. Und dazwischen senkt sich die Sonne herab und taucht die Szenerie in ein rot-goldenes Farbenmeer. Ich lasse mich angesichts der Stimmung zu einer sentimentalen Aktion hinreißen und schreibe den Namen meiner Freundin zusammen mit einem Herzen in den Sand. Wäre sie bloß bei mir, um das mitzuerleben…

Sonnenuntergangs-Stimmung auf der Elim-Düne © Foto: Jens Döring
Nachdem die Sonne hinter dem Horizont verschwunden ist, nutzen wir das verbleibende Licht, um von der Düne zu steigen. Plötzlich merke ich, wie sich neben mir im Sand etwas bewegt und zu zischen anfängt. Ich realisiere, das ich fast auf einen Sidewinder trete und bleib vor Schreck starr stehen. Tinus leitet alle nach mir folgenden Wanderer hinter mir vorbei. Ich selbst löse mich aus meiner Schockstarre und bewege mich ganz langsam von der Schlange weg. Diese schätzt wohl die Gefahr auch nicht mehr so hoch ein und verschindet mit ein paar Bewegungen hinter einem Grasbüschel. Puh, gerade nochmal gut gegangen! Ich frage Tinus, was passiert wäre, wenn ich einen Biss abbekommen hätte. Er lacht und sagt, dass mindestens das Bein hätte dran glauben müssen. Ich beschließe in diesem Moment, nie wieder bei einbrechender Dunkelheit auf eine Düne zu klettern… Aber das ist wohl eine Art Überreaktion.
Zurück im Camp gegen 20 Uhr angekommen, hat Pieter bereits das Abendessen vorbereitet. Nach einem kurzen Briefing über den nächsten Tag begeben wir uns in unseren Zelten in die Hände der hereinbrechenden Nacht.
Den kompletten Reiseverlauf dieser Reise finden Sie hier:
- Kapstadt & Kap der Guten Hoffnung – Reisebericht Südafrika Teil 1
- Berge, Flüsse und die Hitze – Reisebericht Südafrika und Namibia Teil 2
- Begegnungen in der Wüste – Reisebericht Südafrika und Namibia Teil 3
- Eine frische Meeresbrise – Reisebericht Südafrika und Namibia – Teil 4
- Spitzkoppe und Brandberg – Reisebericht Südafrika und Namibia Teil 5
- Etoscha Nationalpark & Windhoek – Reisebericht Südafrika und Namibia Teil 6
4. Tag, 05.03.2010: Cedarberge
Um 07:30 Uhr wird heute Morgen das Frühstück serviert. Eine Stunde später starten wir. Vorher muß aber noch das Gepäck im roten Safari-Truck verstaut werden. Wir fahren auf der N7 Richtung Norden. Dabei durchqueren wir zunächst das Swartland mit dem Zentrum Malmesbury. Auf Grund der fruchtbaren Böden wurde diese Region zum wichtigsten und größten Weizenanbaugebiet Südafrikas. Das weiter nördlich gelegene Citrusdal liegt wiederum im größten Anbaugebiet von Zitrusfrüchten, bewässert vom Olifants River, der gleichzeitig auch die Grenze zu den Cedarbergen bildet. Etwa 30 Kilometer nördlich von Citrusdal (auf halber Strecke nach Clanwilliam) quert nach Osten eine Straße den Olifants River. Über den Niewoudt Pass mit einer Höhe von 590 Metern erreichen wir unser heutiges Ziel, das Algeria-Camp am Rondegat River in der unter Naturschutz stehenden Cedarberg Wilderness Area. Die Cedarberge erstrecken sich auf einer Länge von 100 Kilometern und haben eine Höhe von bis zu 2.028 Metern.

Auf dem Weg in die Cedarberge © Foto: Jens Döring
Durch ständige Erosion entstanden bizarre Felsformationen aus leuchtend rotem Sandstein. Besonderen Reiz verleihen dieser Landschaft die zahlreichen Wasserfälle und Höhlen mit Buschmann-Felszeichnungen. Besonders Wanderer, Bergsteiger und Fotografen finden hier ein wahres Mekka. Den Namen erhielt dieser Gebirgszug von der vom Aussterben bedrohten Clanwilliam-Zeder.
Um 14:00 Uhr erreichen wir das Camp. Nachdem der Truck entladen ist, zeigt uns Pieter, wie man am schnellsten und effektivsten die Kuppeldachzelte aufbaut. Ich bin ja immer noch skeptisch, ob 2×2 Meter Grundfläche für zwei Personen wirklich ausreichend sind, zumal ich mir das Zelt auch noch mit George teile. Jedenfalls geht der Aufbau eines solchen Zeltes tatsächlich recht flott von der Hand. Wenn man ein paar Tricks und Kniffe kennt, ist das Zelt innerhalb von fünf Minuten aufgebaut. Als unseres steht und unsere Reisetaschen (George nennt meine ob der Größe fortan „The Monster“) als Bollwerk zwischen mir und meinem Zeltnachbarn reingestellt sind, bin ich von der Geräumigkeit doch ganz überrascht. Also ich muß sagen, das mir meine Freundin zu Hause oftmals weniger Platz im Doppelbett lässt.

Campingplatz Algeria in den Cedarbergen © Foto: Jens Döring
Nachdem nun unsere Pflichten erledigt sind, gönnen wir uns in dem natürlichen Pool, den der Rondegat River formt, eine erfrischende Abwechslung. Mittlerweile ist es nämlich sehr heiß geworden. So warten wir auch bis in die Nachmittagsstunden mit unserer kleinen Wanderung. Aber selbst um 16 Uhr ist es noch richtig heiß, als wir unsere Wanderung beginnen. Es ist nicht nur die Hitze, die durch die Sonne entsteht, sondern vor allem auch die, die von den Felswänden zurückgestrahlt wird, die mir das Leben so schwer macht. Der Schweiß tropft mir aus allen Poren und die mitgenommene Wasserflasche ist innerhalb der ersten halben Stunde leer. Ich komme so langsam an meine Leistungsgrenze, als wir endlich Schatten erreichen. Da kommt ein kleiner Fluß, der unseren Weg kreuzt, gerade recht. Wir gönnen uns alle nun eine kleine Erfrischung und spritzen uns Wasser in Gesicht und Genick. Eine wahre Wohltat! Ich habe nun endlich Zeit und Muße, mein erstes Foto zu schießen. Nach dem Cooldown beginnt der Abstieg. Schnell sind wir wieder in sengender Hitze, die Anstrengung relativiert sich aber, da das Ziel, unser Campingplatz, nun mit jedem Schritt näher kommt.

Auf Wanderung in den Cedarbergen © Foto: Jens Döring
Unten gegen 18 Uhr angekommen, springen wir ein weiteres Mal in die Fluten, bevor das wohlverdiente Abendessen serviert wird. Pieter hat uns Lammkoteletts gegrillt. Da dieses Fleisch nicht gerade zu meinen Favoriten zählt, wünsche ich mir, ich hätte mich als Vegetarier ausgegeben. Denn der Fleischersatz sieht ziemlich lecker aus. Aber egal, das gehört zur Kultur-Erfahrung eben auch dazu, also runter damit. Der Hunger will ja gestillt werden. Später am Abend merke ich, wie mein Knöchel plötzlich anfängt, höllisch zu schmerzen. Da fällt mir auch wieder ein, dass ich beim Abstieg zweimal kurz hintereinander umgeknickt bin. Das tat zwar für den Moment nicht weh, aber jetzt kommen die Schmerzen umso heftiger. Ich kühle meinen linken Fuß gleich im fließenden Bach direkt vorm Zelt. Die Kälte schafft Linderung und die Schmerztablette tut dann ihr Übriges. Ziemlich zeitig legen wir uns alle schlafen, schließlich steht uns morgen wieder ein ereignisreicher und vor allem heißer Tag bevor.
5. Tag, 06.03.2010: Heiße Nächte und schnelle Flüsse – Orange River
Schon um 6:15 Uhr klingelt der Wecker. Nach dem zügigen Zeltabbau bleibt noch etwas Zeit für eine kurze Dusche, bevor es nach dem Frühstück auf in Richtung Namibia geht. Über den Nieuwoudt Pass erreichen wir wieder die N7 und folgen dieser in Richtung Norden. Wir fahren nun durch die Provinz Nord-Kap (Northern Cape). Diese Verwaltungseinheit ist zwar allein so groß wie Deutschland, ist aber die am dünnsten besiedelte. Sie beheimatet auch das Namaqualand, das wiederum zum Distrikt Namakwa gehört. Es ist das Land der Nama und der San, dessen zentraler Ort Springbok ist. Das wellige und halbwüstenhafte Namaqualand war ursprünglich Siedlungsgebiet von wenigen Buschmännern und Hottentotten, die aber schon das Vorkommen von Kupfererz zu nutzen wussten. Diese Region zieht vor allem in den Monaten August und September viele Touristen an. Dann fallen ausreichend Niederschläge, um den steinigen und ausgetrockneten Boden in ein farbenprächtiges Blumenmeer zu verwandeln. Es blühen vor allem die Namaqua-Daisies und die Mittagsblumen sowie viele weitere Arten.

Zwischenstopp in Springbok: keinerlei Verständigungsprobleme
© Foto: Jens Döring
Nach circa 3 ½ Stunden gelangen wir gegen 12:30 Uhr nach Springbok. Der Ort mit 15.000 Einwohnern ist eng mit dem Kupferbergbau verbunden, der hier im 19. Jahrhundert seinen Anfang nahm. Der damit verbundene Reichtum sorgt für gut ausgebaute Straßen, ansehnliche Siedlungen und Erholungsgebiete in dieser ansonsten unwirtlichen Umgebung. Da unser Kühlschrank seit Beginn der Tour nicht funktioniert, erhoffen sich Pieter und Tinus hier Hilfe. Allerdings werden sie enttäuscht, da ihnen die ortsansässige Werkstatt auch nicht weiterhelfen kann. Also werden die Speisen weiterhin mit Kühlakkus und Eis gekühlt.
Nach einem Einkaufsstopp und einer Mittagspause unter einem Schatten spendenden Bäumchen geht die Fahrt auf der N7 weiter in Richtung Grenze, wo wir gegen 14:00 Uhr in sengender Mittagshitze ankommen. Gefühlt sind es etwa 50 Grad Celsius, tatsächlich dürften wir aber locker an 40 Grad Celsius kratzen. Nach dem Aussteigen aus dem Truck drückt die Hitze des Asphalts sofort durch die Sohle hindurch, so dass wir einen Eindruck davon bekommen, wie schnell man sich die Fußsohlen verbrannt hätte. Die Südafrikaner am Grenzposten Vioolsdrif sind noch recht freundlich und versuchen zumindest, uns schnell aus dieser Sauna-Baracke wieder zu entlassen. Auf den Toiletten wird das fließende „Kaltwasser“ zum Händewaschen nun zur heißen Gefahrenquelle, da sich das Wasser in den Rohren fast bis zum Siedepunkt erhitzt.
Wir überqueren nun den Fluß Oranje und gelangen an den namibischen Grenzposten Noordoewer. Hier ist man schon weniger freundlich und nimmt sich etwas mehr Zeit. Trotz auf Hochtouren laufender Klimaanlage rinnt uns der Schweiß in Strömen den Körper hinunter. Mein helles Shirt färbt sich binnen weniger Minuten braun, als sich Staub und Sand auf meiner Haut verflüssigen. Nach einer Viertelstunde sind wir endlich befreit. Wir freuen uns auf unseren nächsten Campingplatz (der erste in Namibia), der nur wenige Kilometer von der Grenze entfernt ist. Tatsächlich fahren wir nur 10 Minuten, bis wir „Felix Unite River Adventures“ am Orange River erreichen.

Restaurant und Pool von Felix Unite mit Blick auf den Oranje © Foto: Jens Döring
Der stets Wasser führende Orange River (Oranje-Fluss, auch Gariep River genannt) sorgt im sonst ariden Südnamibia für bemerkenswerte Fruchtbarkeit. Selbst Weine werden an dessen Ufern angebaut. Sehr beliebt ist der eher ruhige Fluß auch bei Kanufahrern. Auf diese Art von Fortbewegung hat sich auch unser Campingplatz spezialisiert, der verschiedene Tages- und auch Mehrtagestouren per Kanu anbietet. Der Platz verfügt über zahlreiche Annehmlichkeiten wie Bar mit Billardtisch und TV, Restaurant, Pool (Flusswasser), Internetcafé, Waschmaschinen und natürlich Duschen und Toiletten, die sehr sauber sind. Zu dem Areal gehören aber auch feste Unterkünfte, die oberhalb des Flusses in einem Halbkreis errichtet sind. In der Dämmerung gelingen mir ein paar schöne Schnappschüsse von der Anlage. Zum Abendessen gibt es wieder einmal Lamm, diesmal als Eintopf. Heute schaffe ich es, mich bei den Vegetariern zu bedienen, für die es heute Tofu gibt. Ich werde satt, was das Wichtigste ist. Geschmacklich übrigens auch nicht sooo schlecht.
Nach dem Essen gönnen wir uns noch den einen oder anderen Schluck an der Bar oberhalb des Pools. Dieser hat uns im Übrigen nach unserer Ankunft hier eine sehr willkommene Abkühlung beschert. Ehrlich gesagt, hatte ich gar keine Pools irgendwelcher Art auf den südafrikanischen und namibischen Campingplätzen erwartet, scheint aber Standard zu sein. Die Nacht ist sehr sehr schwül. Einige schlafen draußen auf dem Rasen. Trotz geöffneter Zelte (nur die Moskitonetze trennen uns von der Außenwelt) schlafen wir ohne jegliche Bedeckung. Selbst ein dünnes Laken wird einem bei einer solchen Hitze zu viel. Von richtig erholsamem Schlaf kann ohnehin nicht die Rede sein…

Zeltplatz am Oranje-Fluss in Namibia © Foto: Jens Döring
6. Tag, 07.03.2010: Studentenmittag und tiefe Schluchten – Fish River Canyon
Nach einer fast schon tropischen Nacht lassen wir es am heutigen Sonntagmorgen sehr ruhig angehen. Um 8 Uhr gibt es Frühstück. Anschließend brechen ein paar Abenteuerlustige von uns zu einer Kanutour auf. Pieter erzählt mir, dass die Tour normalerweise drei Stunden dauert. Da der Oranje aber im Moment viel Wasser führt und die Fließgeschwindigkeit dadurch höher ist, werden die nach Abkühlung Suchenden wohl schon nach 1 ½ bis 2 Stunden wieder zurück sein. Und tatsächlich kraxeln sie bereits um viertel vor elf wieder aus ihren Kanus. Es bleibt anschließend noch Zeit zum Relaxen, bevor Tinus das Mittagessen vorbereitet hat. Vorher müssen aber wieder die Zelte abgebaut und sämtliches Gepäck verstaut sein.

Schnelles und einfaches Mittagessen © Foto: Jens Döring
Das Mittagessen gestaltet sich heute etwas ungewöhnlich: in einem Zipp-Beutel bzw. Gefrierbeutel werden zwei Eier und diverse Zutaten nach Wahl (Paprika, Käse, Wurst, Gurken etc.) kräftig durcheinander gemischt und der fest verschlossene Beutel für ca. 10 Minuten in kochendes Wasser geschmissen. Das Resultat ist ein sehr wohlschmeckendes „Studenten-Omelett“ – einfach und schnell mit wenig Aufwand zubereitet.
Nach der Stärkung brechen wir auf in Richtung Fish River Canyon. Keine weite Strecke, die wir heute zurücklegen müssen. Es sind etwa 200 Kilometer entlang der B1 und dann bei Grünau auf der C12 Richtung Seeheim, die wir nach etwas weniger als vier Stunden bewältigt haben. Wir erreichen kurz vor 16 Uhr den Campingplatz Hobas in der Nähe des Canyons und unweit vom Canyon Road House. Das Thermometer am Verwaltungsgebäude zeigt wieder etwas mehr als 40 Grad Celsius an. So langsam wünscht man sich in den strengen deutschen Winter zurück. Oder zumindest in einen angenehmen Temperaturbereich von rund 25 Grad. Aber wir sind ja schließlich in Afrika, und das soll man ja auch merken. Nach dem üblichen Prozedere des Zeltaufbaus hüpfen wir fast alle wieder in den Pool. Der hat zwar auch nur wieder Badewannentemperatur, aber für eine Erfrischung reicht das allemal.

Posieren vor dem Fish River Canyon in Namibia © Foto: Jens Döring
Um 17:30 Uhr steht der nächste Programmpunkt an: Wir fahren zum 10 Kilometer entfernten Fish River Canyon, wo wir den Sonnenuntergang bei einem Sundowner an einem spektakulären Aussichtspunkt genießen wollen. Mit insgesamt 168 Kilometern Länge und einer Tiefe von bis zu 550 Metern sowie einer Breite von maximal 27 Kilometern zählt dieser Canyon zu den größten Schluchten dieses Planeten. Gleichzeitig ist er aber auch eine der Hauptattraktionen Namibias. Der Fish River führt zwar nicht das ganze Jahr über Wasser, ist aber kräftig genug, um die Tiere und Pflanzen zu versorgen. Wir laufen ein Stück am Rand entlang und gewinnen einen Eindruck, wie mächtig diese Schlucht ist und welche Energie einst notwendig war, um diese atemberaubende Landschaft zu formen.

Sonnenuntergang am Fish River Canyon © Foto: Jens Döring
Wir posieren vor dieser imposanten Kulisse. Und doch können unsere Kameras nicht erfassen, welch Naturschauspiel sich hier vor unseren Augen eröffnet. Ganz in der Nähe des Hauptaussichtspunktes beginnt auch der Abstieg in den Canyon, den nur Wanderer unternehmen dürfen, die eine Erlaubnis zum Begehen des Fish River Trails haben. Wir tun uns aber diese Strapazen nicht an, sondern genießen unseren kühlen Drink bei untergehender Sonne. Fantastisch! In der Dämmerung erreichen wir schließlich gegen 19:30 Uhr unser Zeltlager. Das Abendessen verspätet sich heute etwas, dafür ist es aber umso leckerer. Heute gibt es mal kein Lamm, sondern leckere Köstlichkeiten vom Grill. Pieter und Tinus haben uns nämlich ein traditionelles Braai zubereitet, eine Variante des Grillens, die in Namibia und Südafrika gepflegt wird. Braai ist Afrikaans und bedeutet „braten“. Es genießt in der afrikanischen Gesellschaft einen hohen Stellenwert, weshalb man auch immer wieder in vielen öffentlichen Bereichen Braaiplätze findet.
Nach dem Abendessen verkündet uns Pieter, zu welcher unchristlichen Zeit er gedenkt, uns am nächsten Morgen aufstehen zu lassen.
Den kompletten Reiseverlauf dieser Reise finden Sie hier:
- Kapstadt & Kap der Guten Hoffnung – Reisebericht Südafrika Teil 1
- Berge, Flüsse und die Hitze – Reisebericht Südafrika und Namibia Teil 2
- Begegnungen in der Wüste – Reisebericht Südafrika und Namibia Teil 3
- Eine frische Meeresbrise – Reisebericht Südafrika und Namibia – Teil 4
- Spitzkoppe und Brandberg – Reisebericht Südafrika und Namibia Teil 5
- Etoscha Nationalpark & Windhoek – Reisebericht Südafrika und Namibia Teil 6
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