Unser neues Leben in Südafrika - ein Auswanderer-Bericht

von Svenja Penzel

Martina und Cliff, zwei Outback Africa Stammkunden, berichten aus ihrer neuen Heimat Phalaborwa am Krüger-NationalparkEs war soweit! Unser jahrelanger Wunsch und Traum, in Afrika zu leben und zu arbeiten, sollte nun also Wirklichkeit werden. Wir hatten im Januar 2010 in Kapstadt ein Arbeitsangebot für uns beide erhalten, das wir als große Afrikafans nicht ausschlagen konnten. Wir würden beide in einem 4-Sterne Hotel & SPA mit dazugehörigem Golf Estate arbeiten, dem Hans Merensky Hotel & Spa. Es liegt nur fünf Minuten vom Krüger Nationalpark entfernt in Phalaborwa, dem Ort der zwei Sommer. Cliff würde dort als Stock Controller tätig sein und für den gesamten Warenbestand und das Lager der angeschlossenen Baufirma verantwortlich sein und ich als Assistentin der Hoteleigentümerin, einer Südafrikanerin, die mit einem Deutschen verheiratet ist. Dazu käme die Verantwortung für die Souvenir Shops sowie den Aufbau neuer Läden. Während ich in Berlin die Wohnung und unser dortiges Leben auflöste, war Cliff bereits Ende Januar alleine nach Südafrika geflogen, um seine Tätigkeit am 1. Februar anzutreten. Im Mai war es dann auch bei mir so weit. Endlich! Der Container mit all unserem Hab und Gut war gepackt und die Abschiedsparty in Berlin lag hinter uns, als ich mich auf dem Weg nach Südafrika zu einem neuen Lebensabschnitt befand. Aufregend und zugleich auch ein bisschen wehmütig, all das Gewohnte, Familie und Freunde hinter sich zu lassen, um in Südafrika neu durchzustarten. Jetzt gab es kein Zurück mehr! Martina und Cliff in ihrer neuen Heimat, am Eingang der Amarula-LapaPhalaborwa - ein Sotho Name, der „besser als der Süden“ bedeutet - ist eine Kleinstadt mit allen wichtigen Geschäften des täglichen Bedarfs inmitten des Lowvelds, umgeben von zahlreichen privaten Naturreservaten. Sie liegt in der Provinz Limpopo, die bis vor einigen Jahren noch Northern Province hieß. Dominiert wird die Stadt von zwei großen offenen Minen, die Mineralkonzentrate sowie den gesamten südafrikanischen Bedarf an Kupfer produzieren. Eine der beiden Minen wurde vom Geologen Hans Merensky gegründet, der im Jahr 1871 in der Berliner Missionsstation Botshabelo im Transvaal geboren wurde und der unserem Hotel seinen Namen gab. Die riesigen Löcher kann man auch bei Google Earth bestaunen, sie sehen wirklich gewaltig aus und sind es auch. Phalaborwa ist auch die Heimat der Marula-Bäume, deren Früchte zur Herstellung des Amarulalikörs verwendet werden. Nur 10 Kilometer von uns entfernt liegt die Amarula Lapa, in der man sich eine interessante Videovorführung über die Herstellung des Likörs anschauen kann. Dort gibt es neben Souvenirs auch Speisen und Getränke mit Amarula zum Probieren und Kaufen. Cliff hat uns im April bereits ein gemütliches Haus mit einem schönen Swimmingpool gefunden. Es ist umgeben von zahlreichen tropischen Bäumen (auch einem Bananenbaum) und einem kleinen Garten mit einem eingebauten Braai, der südafrikanischen Variante des Grillens. Bewohner unseres Gartens sind neben kleinen Schlangen, Geckos und zahlreichen Fröschen auch viele Vögel - einige Webervögel bauen sogar ihre Nester in unseren Bäumen. Unser Haus hat mehrere Schlafzimmer, Bäder, eine große Küche im Siebziger Jahre Stil mit angrenzender Waschküche (sehr praktisch), ein kleines Wohnzimmer sowie einen abgegrenzten Essbereich. Zum Glück hatte unser Mobiliar den Umzug auch gut überstanden und alles passte hinein. Das Haus war vorerst eine Umstellung für mich, denn bisher habe ich in Berlin immer in Wohnungen gelebt, aber die gibt es hier so gut wie gar nicht. Es ist schon sehr vorteilhaft, nur die vielen Hunde in der Umgebung, überwiegend aus Sicherheitsgründen gehalten, rauben uns nachts so manches Mal den wohlverdienten Schlaf. Die Arbeit im Hotel ist sehr vielseitig und abwechslungsreich, aber völlig anders strukturiert und organisiert als in Deutschland. Seit über zwei Jahren ist die Eigentümerin dabei, das Hotel aus- und umzubauen, und obwohl die Baustellen im Verzug sind, nimmt alles so langsam Gestalt an. Und es ist beeindruckend, was da entsteht. Bis zum nächsten Sommer soll alles fertig sein. In Kürze wird der neue SPA Bereich eröffnet, der dann viele Gäste anziehen wird. Die tägliche Arbeit im Hotel ist für uns beide eine Herausforderung, nicht nur aufgrund der neuen Arbeitsumgebung und Aufgaben, aber auch aufgrund der anderen Herangehensweise an die täglichen Aufgaben. Man muss zum Beispiel viel Geduld aufbringen, um Aufgaben erledigt zu bekommen. Die Leute sind entspannter, sehen vieles anders, die Geduld wird oft auf die Probe gestellt. Wenn man z. B. etwas dringend erledigt haben muss und es heisst: "I come now, now", was eigentlich uebersetzt bedeutet "ich komme sofort", bedeutet das in Wirklichkeit eine Zeitspanne von jetzt bis zu 1 Stunde, bis es erledigt wird. Einmal hatten wir die Aufgabe, ein Bad im Restaurantbereich komplett neu zu streichen - die Farbe ist den Arbeitern fast am Pinsel getrocknet, so langsam ging es voran. Zeit scheint keine Rolle zu spielen. Manchmal liegen die Herausforderungen auch im schnellen Reagieren und im Krisenmanagement. Kürzlich hatten wir fast in der gesamten Stadt für mehr als 24 Stunden Stromausfall, wir hatten ein heftiges Gewitter, einige Büros und Lagerräume im Hotel wurden überflutet, aber alle packten mit an, damit die Gäste nicht zuviel Unannehmlichkeiten hatten. Die Ware in den Kühlschränken der Einkaufsläden vergammelte so langsam bei den Temperaturen, die hier tagsüber herrschen (im Sommer sind Tagestemperaturen von über 40 Grad die Norm). Das ist der Alltag hier, das ist eine Herausforderung: Expect the unexpected! Die meisten Kolleginnen und Kollegen sind Südafrikaner aus dem ganzen Land, es gibt neben mir nur eine weitere Deutsche im Hotel, die den neuen SPA Bereich leitet. So oft es geht, unternehmen wir am Wochenende Ausflüge, um die nähere Umgebung zu erkunden. So waren wir vor einiger Zeit am Blyde River Canyon, haben uns eine ehemalige Goldgräberstadt (Pilgrim´s Rest) angeguckt und haben an einem Abendessen mit dem Häuptling eines Shangaan Dorfes teilgenommen und uns die Volkstänze angeschaut, die seine 36 Kinder (!) vorgeführt haben. Wenn die Zeit nicht ausreicht, um die Gegend zu erkunden, dann versuche ich mich ab und zu mit dem Golfschläger, was nicht einfach ist. Cliff spielt bereits seit Jahren Golf und genießt die 18 Löcher auf unserem Golfplatz, davon bin ich noch weit entfernt. Laufen ist verboten, da der Golfplatz auch mit wilden Tieren geteilt wird. So gesellen sich ab und zu Elefanten, Giraffen, Antilopen und Warzenschweine zu den Golfspielern und verzögern so manchen Abschlag. Vor einigen Jahren haben sogar einige Löwen Wild auf dem Golfplatz erlegt. Elefantenbad im nahen Krüger-NationalparkDie größte Attraktion jedoch und einer der Gründe, weshalb wir uns dazu entschlossen haben, unser bisheriges Leben in Deutschland aufzugeben, ist die Nähe zum Krüger Nationalpark, der nur 5 Minuten von unserem Haus entfernt liegt. So oft es geht, fahren wir am Wochenende in den Park, um Tiere zu beobachten. Dabei übernachten wir dann oft in unserem Zelt in einem der zahlreichen Camps im Park und genießen die Ruhe und die Tiere. Es ist immer wieder spannend, den Stimmen der Nacht zu lauschen, die Hyänen hinter dem Campzaun zu beobachten und tagsüber auf Tierbeobachtung zu gehen. Die Big Five sehen wir sehr oft, manchmal sogar in weniger als 24 Stunden und wir bekommen nie genug davon. Manchmal fahren wir auch einfach nur für ein paar Stunden zu einem Sundowner an ein Wasserloch in den Park. Das ist Afrika für uns und wir hoffen, dass wir es noch lange genießen können! Das Leben und Arbeiten in einer anderen Kultur ist eine Herausforderung, es ist spannend, wenn auch nicht immer einfach. Für uns ist ein Wunsch in Erfüllung gegangen, den wir uns lange erträumt hatten und wir bereuen es nicht. Südafrika ist ein faszinierendes Land mit freundlichen Menschen und wir freuen uns darauf, die Fußballweltmeisterschaft 2010 im Land der Regenbogennation miterleben zu können. Sonnige afrikanische Grüße senden Martina und Cliff

2 Kommentare

Frank u.Anne

02.04.2010 um 11:06

Hallo Martina u.Cliff,
Es war interessant Euren Bericht zu lesen,wir beide Anfang 50 in Niedersachsen Lebend suchen seit längerer Zeit so etwas ähnliches für eine längere Auszeit eventuell erst einmal 1-2 Jahre.Ich habe schon einmal 2Jahre f.ein grosses deutsches Backunternehmen in Kenia gelebt und gearbeitet,jetzt möchte ich mit meiner Lebensgefährtin ein neues Abenteuer beginnen ,beide kommen wir aus der Gastronomie haben aber auch in vielen anderen Bereichen Berufserfahrung.Wenn Ihr einen Tip für uns habt freuen wir uns über eine Mail.
Frohe Ostern wünschen Frank u.Anne.

Jonic

26.03.2010 um 16:10

Hallo Martina,

ich bin in Phalaborwa geboren und lebe jetzt in Deutschland, es hat mir VIEL Freude gemacht deinem Bericht zu lesen!!! Geniesse die Sonne!!!