Südafrikas Garden Route

von Jens Döring

Kaum eine andere Region ist neben Kapstadt und dem Krüger Nationalpark so bekannt und in aller Munde wie Südafrikas Gartenroute, oder auch Garden Route im Englischen genannt. Der Streckenabschnitt befindet sich in der Provinz Western Cape (Westkap).

Die Gesamtstrecke zwischen Port Elizabeth und Kapstadt gehört zu den beliebtesten Reisezielen in Südafrika. Den Besucher erwarten hier wunderschöne Landschaften mit einzigartiger Vegetation, grandiose Berge und traumhafte weite Sandstrände.

Die Garden Route ist aber nur ein Teil davon und erstreckt sich über gut 200 Kilometer entlang der Nationalstraße N2 von Albertinia im Westen über Wilderness, Knysna und Plettenberg Bay bis zum Tsitsikamma Nationalpark im Osten und gehört zu den schönsten Küstenabschnitten Südafrikas.

Bei der Gartenroute handelt es sich um einen afrikanischen Garten, der mit den säuberlich gepflegten und angeordneten Gartenlandschaften Europas nicht vergleichbar ist. So findet man hier vielmehr raue Küstenregionen und üppige Regenwälder, wunderschöne Strände zwischen felsigen Abschnitten, parallel verlaufende, hoch aufragende Gebirgsketten und kleine Weiler, die zwischen Meer und Land verstreut sind oder sich in die Senken nebelverhangener Berge schmiegen. Das angenehme, gemäßigte Klima ist dem europäischen Mittelmeerklima sehr ähnlich, so dass die Garden Route von Touristen oft mit der portugiesischen Algarve verglichen wird.

Die Fahrstrecke ist gesäumt von Attraktionen und Ausflugszielen. Auf unserer Fahrt von St. Francis nach Plettenberg Bay passieren wir die Paul Sauer Bridge, die nun in Storms River Bridge umbenannt wurde. Sie markiert den offiziellen Beginn der Garden Route. Wenige Kilometer weiter deutet ein Schild auf den Big Tree hin, einen gigantischen Yellow-Wood Baum, der auf ein Alter von etwa 1000 Jahren geschätzt wird. Er ist fast 40 Meter hoch und hat einen Umfang von neun Metern.

Ein paar Kilometer weiter erstreckt sich der Tsitsikamma Nationalpark. Mit seiner fast unberührten, weitgehend intakten Naturlandschaft mit großen Beständen an Gelbholzbäumen, riesigen Farnen, Lianen und seltenen Orchideen erinnert der Park an einen Urwald. Einige der Gelbholzbäume sind schon über 800 Jahre alt. Ein Besucher-Magnet im Tsitsikamma Nationalpark ist die berühmte Hängebrücke über die Mündung des Storms River.

Der kleine Ort Storms River Village wirkt sehr aufgeräumt und sauber, ruhig und idyllisch. Uns kommen ein paar Touristen auf Segways entgegen – elektrisch angetriebene Elektroroller mit zwei Rädern, die sich selbst ausbalancieren. Sie sind gerade auf Erkundungstour und es scheint ihnen viel Spaß zu machen. Generell kann man hier sehr viele Adventure-Aktivitäten buchen. Dazu gehören Canopy Touren (inklusive Zip-Lining durch die Baumkronen des Tsitsikamma-Regenwaldes) und Wandertouren auf den verschiedenen Wanderwegen des Nationalparks. Der bekannteste unter ihnen ist der Otter Trail.

Rund um den Tsitsikamma Nationalpark ist es an diesem Tag sehr trüb. Der auf das Festland ziehende Dunst des Indischen Ozeans staut sich an den hoch aufragenden Tsitsikamma-Bergen zu dicken Regenwolken. Ja, es schauert sogar. Am Morgen sind wir bei strahlendem Sonnenschein in St. Francis losgefahren und Richtung Tsistikamma wurde es dann immer grauer, je höher die Berge wurden.

Nachdem wir den Tsitsikamma passiert haben, ist es nicht weit bis Plettenberg Bay, von den Einheimischen auch liebevoll „Plett“ genannt. Und siehe da: Je näher wir der Stadt kommen, desto freundlicher gestaltet sich auch wieder das Wetter. Wir fahren aber zunächst noch vorbei am Nature’s Valley, wo sich auch The Crags befinden. Diese Region bietet dem Besucher in einem Radius von 30 Kilometern eine Vielzahl an unterschiedlichen Attraktionen. Dazu zählen unter anderem Monkeyland, Birds of Eden und das Jukani Wildlife Sanctuary. Schließlich erreichen wir den Westen von Plettenberg Bay und es eröffnet sich uns eine Landschaft aus Sumpfgebieten, Lagunen, mit Blumen bedeckten Weiden, Waldgebiete und eine Bucht, die groß genug ist, dass Wale sich darin aufhalten. Die perfekt gerundete „Baia Formosa“ (schöne Bucht) mit ihren schönen Sandstränden begeisterte vor Jahrhunderten schon die Portugiesen. Die Strände ziehen sich über viele Kilometer ganz um die Bucht herum. Ein weiterer schöner Strand ist Robberg Beach, der sich im Osten an das gleichnamige Naturreservat anschließt. Das Robberg Nature Reserve auf einer felsigen Halbinsel bietet schöne Wandermöglichkeiten über Sanddünen und direkt an den Klippen entlang.

Am nächsten Tag führt uns unsere Reise durch Knysna mit seiner beeindruckenden Lagune und über den Ort Wilderness wieder landeinwärts. Bevor wir in Richtung Outeniqua-Pass abbiegen und die Gartenroute hinter uns lassen, gönnen wir uns hinter Wilderness einen Stopp am Dolphin’s Point, ein Aussichtspunkt hoch über dem Meer. Von hier aus hat man einen tollen Blick auf Wilderness, den endlos langen Sandstrand, die Brandung des Indischen Ozeans sowie auf die Kaaimans River Rail Bridge, die bis 2010 Teil einer mit Dampflokomotiven befahrenen Strecke war. So erlangte der Outeniqua Choo-Tjoe Museumszug, der auf dieser Strecke regelmäßig verkehrte und Tausende von Besuchern beförderte, weltweite Bekanntheit.

 

Abschließend bleibt mir zum Thema Gartenroute noch zu erwähnen, dass wir auf unserer Reise sehr viel Glück mit dem Wetter haben. Normalerweise raten wir unseren Kunden von einer Reise in dieser Region in den Monaten Juni bis August ab. Anscheinend erwischen wir eine Schönwetterperiode, denn es regnet nur schauerartig an einzelnen wenigen Tagen. Allerdings sollte man dennoch ein dickes Fell oder dicke Klamotten dabei haben, denn wird es ganz schön kalt. Die beste Reisezeit für einen Besuch der Garden sind die Monate November bis März.

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