Kilimanjaro hoch und runter - ein Interview mit Debbie Bachmann

von Susanne Schlesinger

Deborah (Debbie) Bachmann und ihr deutscher Mann Horst betreiben in Tansania ein Reiseunternehmen und mehrere Lodges. Unter anderem bieten sie Bergtouren zum Kilimanjaro, Mount Meru und Mount Kenya an. Beide sind aktive Bergführer und kennen sich bestens auf allen Routen aus. Debbie, die aus Simbabwe stammt, hat den Kilimanjaro im vergangenen Jahr bereits zum 35. Mal bestiegen.

In den letzten Jahren ist sie nicht mehr so oft auf Tour wie früher, denn das Paar hat zwei Töchter, die ihre Mutter auch gern einmal zu Hause haben möchten. Trotzdem ist die Leidenschaft für das Bergsteigen geblieben und ab und zu ruft der Berg sie zu neuen Herausforderungen. Wir haben die sportliche Bezwingerin der Berge interviewt:

Debbie, herzlichen Glückwunsch zur 35. Besteigung des Mt. Kibo!

Vielen Dank!

Für viele ist die Besteigung des Kilimanjaro ein aufregender Lebenstraum. Bist du vor den Touren auch immer noch aufgeregt oder ist es Routine?

Der Kilimanjaro ist DAS Wahrzeichen Afrikas. Natürlich kenne ich mittlerweile alle Routen und die Tücken des Berges. Dennoch ist jede Tour ganz anders. Jede Gruppe hat ihre Besonderheiten, und das Wetter am Kili ist natürlich auch unberechenbar. Eine gewisse Anspannung vor jeder neuen Tour ist immer da, denn ich habe immer Angst, etwas Wichtiges vergessen zu haben - Sauerstoffmessgerät, Batterien usw. Wenn es dann erst einmal losgegangen ist, geht es mir gut. Etwas nervös bin ich auch immer vor dem Gipfelsturm, ich sorge mich immer, ob alle Kunden mit der Höhe, Kälte und Erschöpfung klarkommen.

Was fasziniert dich am Bergsteigen/Bergwandern generell und am Kilimanjaro im Besonderen?

Ich liebe Camping, besonders im Busch oder in den Bergen. Am besten schlafe ich in einem Zelt - wie ein Baby! Es sind die ruhigen, einfachen Momente, die mich am meisten faszinieren. Wenn man zum Beispiel zum Sonnenuntergang mit einer Tasse Tee auf einem Felsen sitzt. Das Erreichen eines Gipfels ist immer ein I-Tüpfelchen, aber nicht der Hauptgrund, warum ich mich an Bergen so wohl fühle. Wenn man auf Berge steigt, kann man für eine gewisse Zeit der Welt entfliehen. Ich kann dort sehr gut zur Ruhe kommen. Wenn man die Verantwortung für eine Gruppe trägt, sind diese einsamen Momente natürlich abgezählt, aber sie existieren. Ich mag aber auch die Herausforderung, mit verschiedenen Leuten zu wandern, die mir Neues erzählen. Ich habe schon so viel gelernt - jeder ist anders, hat einen anderen Hintergrund und verschiedene Erfahrungen gemacht. Es ist auch aus psychologischer Sicht interessant zu sehen, wie Menschen sich verhalten, wenn sie ihre Komfortzone verlassen. Ein großer Berg ist aber auch immer ein Stück weit Herausforderung, die mir gefällt

Welche ist deine Lieblingsroute und warum?

Die Lemosho- und Machame-Routen sind landschaftlich sehr beeindruckend. Die tiefen Taleinschnitte auf der Südflanke des Kibo und die Etappen unterhalb der großen Gletscher sindeinfach wunderbar. Die Südseite ist auch von der Vegetation ansprechender. Wer ein klein wenig mehr Komfort möchte, ist auf der Marangu Route gut aufgehoben, da man dort in Hütten übernachten kann. Persönlich mag ich die Rongai Route über die Mawenzi Tarn Hut sehr gern. Diese Route wird selten begangen, und so kann ich fast immer garantieren, dass meine Kunden auf dem Campingplatz die einzigen Gäste sind. Ich versuche immer, diese Route als 7-Tage-Tour zu begehen, damit die Möglichkeit zur Akklimatisierung besser gegeben ist. Die Hütte am Mawenzi-See ist für mich eins der schönsten Camps, aber mit 4300 Metern ist es nicht ideal für die Akklimatisierung (vor allem bei einer 6-Tage-Tour).Ich versuche unsere Kunden immer wieder davon zu überzeugen, nicht nur im Juli/August und Januar/Februar die Besteigung des Kilimanjaro ins Auge zu fassen. Viele Reiseführer beschreiben diese Monate als die besten.

Tatsache ist, daß man den Kili (außer zur großen Regenzeit von Mitte März bis Mitte Juni) ganzjährig besteigen kann. Es gibt natürlich immer das Risiko, dass mal ein verregneter oder stürmischer Tag dabei ist, aber so ist das eben. Sich ganz bewusst den Elementen auszusetzen ist auch ein Teil des Bergsteigens.

 

Du hältst seit 2011 den Weltrekord bei den Damen für die schnellste Besteigung mit nur 18 Stunden und 15 Minuten. Willst du dich selbst noch einmal unterbieten oder reicht dir der einmalige Triumph?

Der Weltrekord wurde angeblich vor einigen Monaten unterboten, wobei ich noch nichts Offizielles gelesen habe. Ich musste damals zur Anerkennung Bestätigungen der einzelnen Camps vorlegen und war mit einem GPS ausgerüstet, das Puls, Route, Höhe etc. in Originalzeit für jeden einsehbar übermittelte. Auf der Website "Climbmountkilimanjaro.com" ist 2014 die Britin Becky Shuttleworth mit einer 25 Minuten schnelleren Zeit erwähnt, aber es gibt keine offizielle Bestätigung darüber.

Ich bin immer noch stolz auf meinen "Hoch und Runter"-Rekord von 18 Stunden und 15 Minuten (nicht wie auf der Website angegeben 18 Stunden und 31 Minuten, Anm.d.Red.), aber ich trainiere im Moment für den Kilimanjaro-Marathon am 1. März, und die Vorstellung, den Kilimanjaro noch einmal hinaufzurennen, ist sehr verlockend. Ich muss es aber wohl vor meiner Familie geheim halten...

Als Mutter von zwei Kindern bist du natürlich immer besonders auf Sicherheit bedacht. Hattest du schon einmal eine gefährliche Situation bei einer Bergtour zu meistern?

Leider ist die Western Breach Route durch die Abschmelzung des Gletschers mittlerweile sehr steinschlaggefährdet. Bei dieser Route hatten wir schon einige gefährliche Situationen. Es kommt aber nahezu bei jeder Tour vor, dass sich die Höhenkrankheit mit all ihren unterschiedlichen Symptomen bei verschiedenen Teilnehmern zeigt. Hier muss ich immer die Entscheidung treffen: Darf ich den Bergsteiger noch motivieren weiterzugehen oder entscheiden wir uns für das Abbrechen der Tour. Es ist immer eine Gratwanderung. Am Mount Kenya mußten wir einen Teilnehmer mit dem Heli retten. Ein Höhenödem hatte am frühen Morgen schon zur Bewusstlosigkeit geführt. Der Mann hat überlebt und sich zum Glück vollständig erholt. Seitdem bin ich noch vorsichtiger geworden.

 

Was rätst du den Erstbesteigern in puncto Vorbereitung? Kann man besonders trainieren?

Akklimatisierung ist das A und O. Wer “nur” den Kilimanjaro besteigen will, sollte mindestens 7 Tage einplanen. Besser ist es, vorher auf den schönen Gipfel des Mount Meru (4566 m) zu steigen. Eine gewisse Grundfitness muss man natürlich mitbringen. Am besten trainiert man, 4 bis 7 Stunden am Stück mit einem Rucksack von 6 bis 8 Kilogramm zu laufen, ohne dass der Puls durch die Decke geht. Diese Wanderungen sollten bergige Abschnitte beinhalten und am besten auf unebenen Pfaden verlaufen. In Deutschland gibt es eine Menge hügelige, bewaldete Gebiete mit wunderbaren Wanderwegen - perfekt für das Training.

ich hatte einmal einen älteren Teilnehmer (um die 75 Jahre), der seinen Rucksack mit Steinen füllte und dann auf Tageswanderungen im Thüringer Wald ging. Er war wirklich fit und ging den Weg zum Uhuru Peak wie einen Sonntagsspaziergang. Alpinistisch ist der Kilimanjaro relativ einfach. Es ist die extreme Höhe, die den meisten Bergsteigern zu schaffen macht. Daher immer schön pole pole (langsam laufen) und viel trinken.

Gibt es noch weitere Gipfel in Afrika oder weltweit, die du bezwingen möchtest?

Im nächsten Jahr möchten wir eine Sonderreise zu den Mondbergen in Uganda anbieten. Es wird 8 bis 10 Tage durch tropischen Bergregenwald gehen. Die Margarita Spitze (5109 Meter) fehlt mir noch in der Sammlung meiner afrikanischen Gipfel. Diese Tour steht auf der Liste ganz oben. Ich wollte sie schon immer machen, und ich freue mich schon sehr darauf.Ich würde auch gern einmal nach Nepal reisen und dort einige Berge besteigen. Vor zwei Jahren habe ich den 7077 Meter hohen Kun in Ladakh (Indien) bestiegen, meinen ersten 7000er. Die Expedition im indischen Himalaya war eine unvergessliche Erfahrung, die ich gern wiederholen würde.

 

Liebe Debbie, wir wünschen dir "Berg Heil!" für deine nächsten Touren und bedanken uns für das Interview !

Debbie hat ihre Erfahrungen übrigens in die Neuauflage des Reiseführers "Kilimanjaro - Tanzania - Safari - Sansibar. Trekking & Abenteuer" am höchsten Berg Afrikas mit eingebracht und das Buch ins Englische übersetzt. Es ist zur Vorbereitung auf eine Kilimanjaro-Besteigung wärmstens zu empfehlen.

Weitere Informationen zum Kilimanjaro sind in unserem Artikel: Traumziel Kilimanjaro zu finden.

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