Gewürztour auf Sansibar

von Angelika Krüger

Wer möchte nicht einmal selbst sehen, wie Vanille, Pfeffer, Nelken und Muskatnüsse wachsen?

Wir haben eine Gewürztour (Spice Tour) auf unserer Sansibar-Reise erlebt, denn die Gewürze haben der Insel im Indischen Ozean den Beinamen „Gewürzinsel“ eingebracht und sie dadurch weltweit berühmt gemacht. Gewürze waren und sind ein kostbares Handelsgut und wurden mit Gold aufgewogen. Nur reiche Leute konnten sich die exotischen Gaumenfreuden leisten. Auf Sansibar gibt auch heute noch zahlreiche Gewürzfarmen, aber nur wenige sind für Touristen zugänglich und bieten geführte Gewürztouren an.Gleich am Parkplatz werden wir von unserem Guide empfangen und schon sind wir mittendrin in einem großen waldähnlichem Gelände.

Wo der Pfeffer wächst...

Wir sehen Maniokpflanzen, Sträucher mit einer Wuchshöhe von 1,5 bis 5 Metern, und erfahren, dass deren Wurzelknollen zu Mehl gemahlen werden. Im rohen Zustand enthalten die Knollen Blausäure und sind giftig, durch das Mahlen und Wässern wird diese entfernt und man kann das Mehl dann wie Kartoffelmehl zu Brei oder Klößen verarbeiten. Maniok stammt ursprünglich aus Mittelamerika und wurde von den Spaniern und Portugiesen importiert. Danach geht es vorbei an einem Nelkenbaum zu einem uns ebenfalls bekannten Gewürz. Es hat hier seinen eigenen Namen: Pili Pili Manga. Wir kennen es als Schwarzen Pfeffer. Eigentlich stammt schwarzer, roter, weißer und grüner Pfeffer vom gleichen Gewächs. Die unterschiedlichen Farben kommen vom Reifegrad und von der Verarbeitung der Pfefferbeeren, die in langen Rispen vom Strauch hängen.

Unser Guide reicht uns bei allen Pflanzen zuerst ein Blatt, an deren Geruch wir die Pflanzen erkennen sollen. Nicht immer gelingt es uns, ehe er uns die dazugehörige Frucht zeigt. Über Kurkuma (auch Gelber Ingwer genannt) geht es weiter zu Sternfrüchten (Karambole), die hier zahlreich am Baum hängen. In der Zwischenzeit faltet der zweite Guide eine kleine Tüte aus Palmenblättern, die er uns übergibt. Hier können wir alle Gewürze und Früchte, die wir gezeigt bekommen, hineinstecken und als Andenken mit nach Hause nehmen.

Schönheit vom Baum

Vom Lemongras, das besonders in der asiatischen Küche beliebt ist, kommen wir zu einem anderen, sehr interessanten Gewächs: der Lippenstiftfrucht. Unser Guide öffnet den kastanienähnlichen Fruchtkörper und zerdrückt die kleinen roten Kugeln, die sich im Inneren befinden. Es entsteht eine rote Paste, die er anschließend Ulrike auf die Lippen aufträgt. Viele sansibarische Frauen nutzen diese als natürlichen Lippenstift.

Exotische Gewürze und unbekannte Früchte

Ein paar Schritte weiter wachsen Chilischoten in rot und grün. Die Vanilleschoten, wie wir sie kennen, sind eigentlich die getrockneten Fruchtschoten einer Orchideenart. Sie stammen wie auch Maniok aus Mittelamerika und waren früher wertvoller als Gold. Sie wurden ebenfalls von den Spaniern eingeführt, allerdings wusste man nicht, dass nur eine bestimmte Bienenart die Blüten natürlich bestäubt. Da es diese Bienen hier auf Sansibar nicht gibt, muss man die Blüten künstlich bestäuben. Auch Kaffeesträucher wachsen hier. Die Rinde der Zimtbäume, die getrocknet das aromatische Weihnachtsgewürz ergibt, wächst immer wieder nach. So kann über Jahre Zimt geerntet werden kann.

Wir sehen Ingwer und grünen Kardamom. Beide gehören zur gleichen Pflanzenfamilie, jedoch wird beim Ingwer die Wurzelknolle als Gewürz verwendet, beim Kardamom die Samen und die Fruchtstände. Die großen Bananenstauden, deren breite Blätter den Boden beschatten, tragen schwere Fruchtstände mit Büscheln von Bananen, die auch "Hände" genannt werden. Nach der Ernte des Fruchtstandes stirbt die Bananenstaude ab und es wächst direkt neben dem alten ein neuer Stamm. Es gibt auch Früchte zu sehen, die man daheim im Supermarkt vergeblich sucht. Zum Beispiel Brotfrüchte. Diese Pflanzen stammen aus der Südsee und waren der Grund für die "Meuterei auf der Bounty", die diese Nutzpflanzen in die Kolonien bringen sollte. Brotfrüchte werden ähnlich wie Kartoffeln verwendet. Weitestgehend unbekannt bei uns sind auch Granviolas (Stachelannonen) - sie werden auch "Sauersack" genannt. Ihr saures Fruchtfleisch wird in Limonaden, Eis oder Marmeladen verwendet. Man kann die druckempfindlichen Früchte nicht gut transportieren, weil sie sehr schnell verderben. Deshalb werden sie nur vor Ort direkt verarbeitet.

Nun bekommen wir eine besondere Aufführung zu sehen. Ein Angestellter klettert eine Palme hinauf, erntet für uns eine Kokosnuss und singt dabei. Wir bekommen die frische Kokosmilch zu trinken und können das leckere Fleisch verzehren.

Es geht weiter durch das waldähnliche Gelände, wo uns die großen Bäume genügend Schatten bieten. Ein Baum trägt aprikosenähnliche Früchte. Es ist ein Muskatnussbaum. Im Inneren der Frucht befindet sich die glänzend-braune Muskatnuss, die von einem roten Netz umgeben ist. Zuviel Muskatnuss sollte man nicht auf einmal essen, denn sie hat eine berauschende Wirkung. Auch Ananas wachsen hier auf der Spice Farm, allerdings ist gerade keine Saison, aber eine Babyananas bekommen wir zu sehen.

Am Schluss der Tour werden uns verschiedene Früchte zum Naschen zubereitet und wir werden als Gewürzköniginnen gekrönt. Wir können auch Gewürze kaufen, es gibt zahlreiche verschiedene Abpackungen, Mischungen und Tees.Es ist sehr interessant und lehrreich zu sehen, wie die einzelnen Gewürze und Früchte hier wachsen, von denen viele heute in unserer Küche ganz selbstverständlich verwendet werden und im Supermarkt erhältlich sind. Eine Spice Tour gehört deshalb zu den absoluten Must-Do’s auf Sansibar und ist wärmstens zu empfehlen.

Nachtrag:

Auch wir (Marco und Svenja Penzel von Outback Africa) können von einer Gewürztour auf Sansibar nur schwärmen. Wir erlebten sie gemeinsam mit unseren beiden Kindern, damals 8 und 6 Jahre alt. Sie war nicht nur für uns, sondern auch für unsere Kinder sehr interessant und abwechslungsreich. Der Guide verstand es, die Kinder mit einzubeziehen und bei Laune zu halten. Zwischendurch gab es immer mal wieder kleine Basteleien aus Palmblättern, z.B. einen Ring oder eine Kette, und auch die Sonnenbrillen fanden die Kinder "cool". Unvergesslich, wie der Guide singend und nur mit einem Fußseil als Hilfsmittel den Stamm einer Palme hinaufkletterte und uns aus luftiger Höhe die frischen Kokosnüsse holte.

4 Kommentare

Sarah S.

25.02.2018 um 16:09

Hallo Anke B.,
meine Reise nach Kenia und Tansania startet morgen. Gerade bin ich zufällig auf deinen Kommentar hier gestoßen. Kannst du mir sagen, wo ihr die Tour gebucht habt und wie es war? Es soll da wohl sehr große Unterschiede geben an der "Qualität" der Touren. Vielen Dank!

Birte N.

27.01.2018 um 09:57

An Anke B.
Ich war letztes Jahr das erste mal in Afrika und war sehr beeindruckt .
Denke auch über eine Reise nach Zansibar nach .
Wäre toll wenn du hier was schreiben würdest wie es dir/euch gefallen hat .
Wünsche euch einen schönen Urlaub ist ja nicht mehr lange hin.

Anke B.

09.01.2018 um 12:44

Am 8.Februar 2018 geht es für uns in Richtung Tansania und Sansibar. Ich verfolge die Reiseberichte schön seit einiger Zeit und weiß, dass auf Sansibar die "Gewürz-Tour" auf jeden Fall auf unserem Wunschzettel steht. Wir freuen uns schon heute sehr aus die Erlebnisse und Eindrücke, denn wir sind bereits das 3. Mal im südlichen Afrika unterwegs: 1: Südafrika; 2. Namibia, Botswana, Zimbabwe und jetzt Tansania/Sansibar.

István Cser

22.08.2017 um 08:17

Verlockend! Danke! ;)