Auf Pirschfahrt - Flusspferde

von Susanne Schlesinger

Warum jemand irgendwann auf die Idee kam, die Flusspferde Flusspferde (oder lateinisch Hippopotamus hippo = Pferd, potamus = Fluss) zu nennen, kann sich kein Wissenschaftler recht erklären. Vermutlich waren es die alten Griechen, bei denen alles, was vier Beine hat, gleich ein Pferd sein musste. Erwähnt werden die Tiere, die wegen ihres früheren Lebensraums auch Nilpferd genannt werden, schon bei den griechischen Philosophen Herodot, Plinius und Artistoteles. Zu deren Lebenszeiten waren die Tiere noch sehr viel weiter verbreitet als heute. Man traf sie auch im Mittelmeerraum an, ebenso auf Madagaskar und in Asien. Sogar im Rhein und in der Themse lebten vor der letzten Eiszeit Flusspferde, wie Knochenfunde belegen.Heute gibt es nur noch zwei Arten in Afrika, das Großflusspferd im südlichen und östlichen Afrika und das Zwergflusspferd im westlichen Afrika, hauptsächlich in Liberia, wie der lateinische Name Hexaprotodon liberiensis zum Ausdruck bringt.Die biologisch nächsten Verwandten der Flusspferde (oder Hippos, wie sie häufig genannt werden), sind nicht wie lange angenommen die Schweine, sondern die Wale – auch wenn das Aussehen wie so oft dies nicht auf den ersten Blick vermuten läßt. Mit ihren Verwandten haben die Hippos nur die Liebe zum Wasser gemeinsam. Man trifft sie ausschließlich in Gegenden an, wo ganzjährig seichtes, langsam fließendes Wasser zur Verfügung steht. Bis zu 16 Stunden pro Tag verbringen die Tiere im Wasser, um ihre haarlose Haut vor der sengenden Sonne zu schützen und sich zu kühlen – wie Elefanten und Nashörner können sie nicht schwitzen. Die Haut sondert einen rötlichen Schleim ab, der die Oberfläche feucht hält. Wenn in der Trockenzeit die Wasserstellen immer kleiner werden, dann wird es eng – mehrere Tiere drängen sich in kleinen Tümpeln zusammen und warten auf Regen. Oft kommt es zu Kämpfen um die besten Plätze. Generell sind Flusspferde gesellig, Mütter mit Kindern leben in Gruppen zusammen und dulden auch Bullen, da diese das Revier verteidigen. Es gibt kaum Hierarchien, die Tiere sind sehr ortsgebunden und bevorzugen gewohnheitsmäßig ein Revier, das regelmäßig abgegrast wird. Größere Wanderungen nehmen sie nicht auf sich. Sie bevorzugen zudem immer die gleichen Pfade, die „Hippo Trails“.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

In der Dunkelheit verlassen sie ihre Badestelle, um zu grasen. In acht Stunden können sie bis zu 130 Kilogramm Grünfutter fressen. Dabei sind sie auch noch wählerisch und bevorzugen bestimmte Grassorten. Nach der ausgiebigen Mahlzeit kehren sie zügig in ihr kühles Bad zurück. Wie Amphibien sind Flusspferde perfekt für das Leben im Wasser und an Land ausgestattet. Ihre Augen, Ohren und Nasenlöcher liegen oben auf dem wuchtigen Kopf. So kann das Tier abtauchen, und nur Augen und Nüstern ragen aus dem Wasser. Das große Maul, das die Hippos beeindruckend aufreißen können, ist für viel Grünfutter konzipiert. Die großen Eckzähne dienen der Selbstverteidigung. Wie die Stoßzähne der Elefanten waren auch sie früher begehrte Jagdtrophäen.Flusspferde gehören - wie viele andere Großtiere Afrikas - zu den gefährdeten Tierarten. Neben der unkontrollierten Jagd (meist aus Vergnügen) und der immer stärkeren kommerziellen Nutzung des Wassers durch den Menschen machen den Hippos auch die Umwelt-und Wasserverschmutzung sowie die immer kleiner werdenden Weideflächen das Leben schwer. Hinzu kommen die natürlichen Feinde, die es vor allem auf die Jungtiere abgesehen haben – Krokodile, Löwen, Hyänen und Geparden.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Hippos werden durch Comic- und Werbefiguren gern verniedlicht, jedoch sind die Pflanzenfresser sehr aggressiv. Vor allem Müttern mit Kindern sollte man nicht zu nahe kommen. Jedes Jahr werden mehrere Menschen durch Angriffe von Flusspferden getötet, meist durch Leichtsinn und Unachtsamkeit. Ein guter Rat ist, niemals spätabends oder frühmorgens einen Hippo-Pfad als Weg zum Wasser zu nutzen (leicht erkennbar an den auffälligen Fußspuren der Tiere). Ungezählte Flusspferde werden hingegen jedes Jahr gewildert. Im Kongo wurden zum Beispiel laut Angaben der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt während der politischen Unruhen im Jahr 2006 innerhalb von zwei Wochen über 400 Flusspferde getötet, um mit dem Elfenbein Waffenkäufe zu finanzieren. Flusspferde werden gern in Zoos gehalten, weil sie relativ pflegeleicht und nicht anfällig für Krankheiten sind. Sie sind allerdings auch sehr fortpflanzungsfreudig, und ohne natürliche Feinde sehen sich die Tiergärten dem Problem der Überpopulation gegenüber. Als kleine Jungtiere niedlich und Publikumsmagnete, werden sie aufgrund von Platzmangel und wegen des hohen Futterbedarfes als ausgewachsene Tiere zum Problem. Bei guter Pflege kann ein Flusspferd zudem bis zu 60 Jahre alt werden. Eine Auswilderung ist nicht möglich. Wie bei allen anderen Savannentieren ist deshalb die Haltung in Zoos kaum artgerecht zu realisieren.

 

 

 

 

 

Wer Flusspferde in freier Wildbahn sehen möchte, hat in verschiedenen Lodges und Camps in Sambia, Tansania, Kenia und Botswana, die an Flussufern liegen, die besten Gelegenheiten. Unsere Kolleginnen Ulrike und Angelika haben im Sayari Camp in der nördlichen Serengeti Hippos im Mara-Fluss beim Sundowner gesehen, Svenja traf viele Flusspferde bei einer Bootstour auf dem Rufiji in Südtansania. Einige Lodges haben sogar Flusspferdfamilien, die direkt vor dem Camp im Fluss leben. Sie betätigen sich nachts als natürliche Rasenmäher. Empfehlenswert sind besonders der South Luangwa Nationalpark in Sambia als Bestandteil aller unserer Sambiareisen und das Okavango-Delta in Botswana. Überall hier gibt es viele seichte Wasserläufe – ideal für Flusspferde. In der nächsten Folge unserer Reihe „Auf Pirschfahrt“ widmen wir uns der zahlenmäßig größten Gruppe der Savannentiere – den Antilopen. Haben Sie die vorherigen Folgen unserer Serie verpasst? Kein Problem, hier können Sie Wissenwertes über andere Savannentiere nachlesen: Auf Pirschfahrt-ZebrasAuf Pirschfahrt-GiraffenAuf Pirschfahrt-Elefanten Auf Pirschfahrt-Nashörner

3 Kommentare

Stefan

17.04.2013 um 20:11

Liebe Susanne,

"Es werden sicher noch viele Teile folgen"

das zu lesen freut mich.

Den Reisebericht habe ich gelesen, es wurde aber dann in einer leicht modifizierten Version die Flugsafari nach Mikumi, Ruaha und Selous, die ich jedem wärmstens empfehlen kann.

Susanne

16.04.2013 um 09:27

Lieber Stefan, danke für das Lob. Es werden sicher noch viele Teile folgen, denn zum Glück gibt es (noch) eine große Artenvielfalt im südlichen Afrika und auch zahlreiche schöne Tierfotos in unserer Bilddatenbank, die darauf warten, gezeigt zu werden :-)

Einige der Bilder in diesem Beitrag sind aus dem Katavi Nationalpark in Tansania, den Marco im Rahmen einer Informationsreise 2011 besucht hat. Hier ist sein Reisebericht. Wir haben auch eine sehr schöne Flugsafari in unserem Programm, die exklusiv zu den wenig besuchten Nationalparks in Katavi und Mahale führt.

Stefan

15.04.2013 um 20:54

Hallo Susanne,

die Tierserie, die Ihr hier gestartet habt ist mehr als gelungen. Tolle Fotos und interessante Informationen zu der jeweiligen Tierart - super gemacht.
Eine weitere sehr große Population der Flusspferde kann man auch im Katavi-Nationalpark, im Westen von Tansania, beobachten.