Von Windhoek zum Onguma Private Game Reserve (2/16)

von Jens Döring

Samstag, 24.11.2012Gleich am ersten Reisetag steht uns eine lange Etappe von knapp 560 Kilometern bevor. Entsprechend zeitig starten wir. Nach dem leckeren Frühstück brechen wir gegen 8 Uhr auf in Richtung Norden.Nach rund 70 Kilometern passieren wir zunächst das Handelsstädtchen Okahandja, das mit seinen knapp 15.000 Einwohnern schon zu den größeren Städten Namibias zählt. Die Landschaft präsentiert sich eher trocken und karg. Kein Wunder, der Name „Okahandja“ bedeutet nichts anderes als „große, sandige Ebene“. Wir stoßen immer weiter Richtung Norden vor und fahren vorbei an den Omatako-Bergen, zwei markante, nahe beieinander liegende Kegelberge, die sich auf halber Strecke zwischen Okahandja und Otjiwarongo befinden. Sie sind mit etwas weniger als 2300 Metern nahezu gleich hoch und gehören zu den höchsten Bergen in Namibia. „Omatako“ bedeutet in Oshindonga, eine Bantusprachgruppe, so viel wie Gesäß. Schließlich erreichen wir Otjiwarongo. Die nun wieder etwas fruchtbarere Region ist in fester Hand von weißen Bauern. Von hier aus in Richtung Osten erhebt sich das Waterberg Plateau, ein Tafelberg der sich inmitten von Nichts aus dem Boden erhebt und eine Ausdehnung von 50 mal 16 Kilometern aufweist und 200 Meter hoch ist. Traurige Berühmtheit erreichte der Waterberg-Park, als hier vor etwas mehr als 100 Jahren der Herero-Aufstand blutig von den Deutschen niedergeschlagen wurde. Noch heute sollen wohl bei Wanderungen in der Region Patronenhülsen zu finden sein.Über Otavi und die „Gartenstadt“ Tsumeb kommen wir schließlich im Onguma Plains Game Reserve an. Es liegen nun knapp 550 Kilometer und sieben Fahrtstunden hinter uns. Da die gesamte Strecke auf asphaltierten Straßen zurückgelegt wurde, hält sich die Anstrengung in Grenzen. Das private Wildreservat grenzt im Westen an den Etosha-Nationalpark und befindet sich kurz vor dem Lindequist Tor, das den östlichen Eingang von Etosha markiert. Onguma umfasst eine Fläche von 34.000 Hektar und besteht aus unterschiedlichen Landschaftsformen wie Savanne, Busch und Salzpfanne. Es gibt hier über 300 verschiedene Vogelarten und das Wild kann sich innerhalb des privaten Wildreservates frei bewegen. Ein doppelter Zaun trennt das Reservat vom Etosha Nationalpark. Zu groß ist die Angst, dass eventuell auftretende Krankheiten und Seuchen auf den Etosha übergreifen könnten und umgekehrt.Von Onguma aus können Pirschfahrten im Reservat selbst aber auch im benachbarten Etosha-Nationalpark unternommen werden. Darüber hinaus werden im privaten Reservat auch Buschwanderungen und Nachtpirschfahrten angeboten. Im privaten Schutzgebiet gibt es verschiedene Unterkünfte, von rustikal bis luxuriös: Bush Camp, Tented Camp, Tree Top Camp, The Fort und die Etosha Aoba Lodge. Wir übernachten standesgemäß im The Fort.Das Onguma The Fort ist wohl die luxuriöseste Lodge in diesem Reservat. Sie ist im Stil einer marokkanischen Kasbah erbaut. Die Kombination mit dem afrikanischen Busch ist sicherlich nicht jedermanns Geschmack, eine spannende Angelegenheit ist es aber allemal. Insgesamt gibt es 13 Suiten, davon ist eine die „Sultan-Suite“, die ein klein wenig größer ist und gleich neben dem Hauptgebäude im Turm über dem Poolbereich liegt. Sie bietet imposante Ausblicke auf das Wasserloch sowie die Etoschapfanne und verfügt über ein romantisches Bad. Über Ihr liegt ein Aussichtsdeck, das aber auch der Allgemeinheit offen steht. Ansonsten sind alle Suiten ebenfalls absolut privat und etwa 50 Meter von der jeweiligen benachbarten Suite entfernt. Alle sind identisch ausgestattet. Sie verfügen über ein Badezimmer mit Dusche und zwei Waschbecken, das sich in einem eigenen kleinen Türmchen befindet und durch einen großzügigen Flur mit dem Schlafbereich verbunden ist. Zu jeder Suite gehören auch eine eigene Sonnenterrasse und eine Außendusche.Die „Fenster“ in den ansonsten aus Ziegeln gemauerten Wänden bestehen aus Zeltplanen, die sich ganz aufrollen lassen. Man kann aber auch ein Moskitonetz als Schutz vor lästigen Nachtschwärmer-Insekten zwischen den festen Wänden stehen lassen. In kalten Wintertagen wärmt ein Kamin den Schlafbereich. Der großzügige und arabisch anmutende Hauptbereich wird von Wasserbecken durchzogen und verwöhnt seine Gäste mit einem Pool und einem flacheren Wasserbecken, in dem man auf Stühlen sitzend auch einfach nur einmal die Füße ins kalte Wasser halten kann. Ansonsten finden sich hier auch Essbereich, Lounge, diverse Sitzmöglichkeiten und die Rezeption. Man hat einen sehr schönen Blick auf das vor dem Hauptgebäude gelegene Wasserloch, an dem sich immer wieder verschiedene Antilopen und Zebras während unseres Aufenthaltes versammelten. Die Entfernung zu den einzelnen Suiten ist unterschiedlich lang. Da das Camp nicht umzäunt ist, wird man jedes Mal von einem Ranger zu seinem Zimmer begleitet, oftmals auch per Fahrzeug oder Golfcart. Nur die Sultan-Suite kann ohne Begleitung erreicht werden.

Onguma The Fort

Onguma The Fort, Außenansicht © Foto: Jens Döring | Outback Africa Erlebnisreisen

Onguma The Fort, Wasserbecken am Hauptgebäude © Foto: Jens Döring | Outback Africa Erlebnisreisen

Onguma The Fort, erfrischende Bartische © Foto: Jens Döring | Outback Africa Erlebnisreisen

Onguma The Fort, Suite Innenansicht © Foto: Jens Döring | Outback Africa Erlebnisreisen

Onguma The Fort, Badezimmer © Foto: Jens Döring | Outback Africa Erlebnisreisen

Onguma The Fort, Blick von Innen auf die Terrasse © Foto: Jens Döring | Outback Africa Erlebnisreisen

Onguma The Fort, Liegen auf der Terrasse/Außendusche © Foto: Jens Döring | Outback Africa Erlebnisreisen

Onguma The Fort, Terrasse © Foto: Jens Döring | Outback Africa Erlebnisreisen

Onguma The Fort, Pool © Foto: Jens Döring | Outback Africa Erlebnisreisen

Onguma The Fort, Frühstückbüffet © Foto: Jens Döring | Outback Africa Erlebnisreisen

Onguma The Fort, Dessert © Foto: Jens Döring | Outback Africa Erlebnisreisen

Onguma The Fort, Safarifahrzeug © Foto: Jens Döring | Outback Africa Erlebnisreisen

Ein besonderes Highlight ist der Weinkeller, mit dem sich der jetzige Manager und Somelier, ein Südafrikaner, einen Traum erfüllt hat. Er führt hier regelmäßig Weinverkostungen durch, die er mit einer besonderen Speise garniert, um den Geschmack zu neutralisieren: Statt Käse werden zu den verschiedenen Weinsorten speziell angefertigte Schokoladen-Stückchen serviert, die im südafrikanischen Knysna produziert werden. Klingt für den ersten Moment sicherlich befremdlich, verursacht aber eine wahre Geschmacksexplosion im Mund! Schon allein deswegen würde sich der Weg nach Onguma lohnen.

Onguma The Fort, Weinkeller © Foto: Jens Döring | Outback Africa Erlebnisreisen

Onguma The Fort, Weinprobe © Foto: Jens Döring | Outback Africa Erlebnisreisen

Onguma The Fort,Weinprobe © Foto: Jens Döring | Outback Africa Erlebnisreisen

Fazit: Eine Lodge, die sicherlich ihresgleichen sucht, besonders im bzw. am Etosha-Nationalpark. Neu, schick, toller Service, hervorragendes „Meal-Design“. Nur die Architektur des Ganzen wird nicht jedem gefallen und nicht jeden überzeugen. Ob es in die Umgebung passt, kann diskutiert werden. Ein Highlight ist sicherlich die mit köstlicher Schokolade in Szene gesetzte Weinverkostung im klimatisierten Keller. Ich habe meinen Aufenthalt jedenfalls sehr genossen und kann diese Unterkunft nur wärmstens weiterempfehlen.

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