In die Abgeschiedenheit des Kaokolandes (8/16)

von Jens Döring

27.11.2012Heute erwartet uns ein kleines Abenteuer, denn wir wagen uns in einen Teil des Landes vor, den nur wenige Namibia-Reisende jemals zu Gesicht bekommen: Das Kaokoveld oder auch Kaokoland. Auf einer Fläche von rund 49.000 Quadratkilometern leben nur 17.000 Menschen, davon sind 7.000 Himba. Unsere Reise führt uns über Palmwag, Khowarib, Warmquelle und Sesfontein in die kleine Siedlung Purros, etwa 430 Kilometer von Twyfelfontein entfernt. Schnell wechselt die Landschaft: Aus den für das Damaraland typischen großen Granit-Steinhaufen wird rasch eine Steinwüste, die bei Sesfontein ihren Höhepunkt erreicht. Als wir in Sesfontein recht schnell ankommen, haben wir bereits Dreiviertel unserer Strecke hinter uns gebracht. Es liegen noch knapp 100 Kilometer vor uns. Ab hier wird auch die Straße enger, noch kurviger und noch steiniger. Fahrzeuge mit Zweiradantrieb stoßen hier rasch an ihre Grenzen. Bevor wir nach der Mittagspause in Sesfontein den letzten Streckenabschnitt in Angriff nehmen können, müssen wir zunächst einen Reifen wechseln, eine fast schon typische Szene auf einer Namibia-Rundreise. Als wir Sesfontein verlassen haben, staunen wir nicht schlecht, auf welchen Wegen wir nun unterwegs sind: Expeditionsartig quälen wir uns mit unserem VW-Bus mittlerweile mit nur noch maximal 40 km/h durch die Berglandschaft vorwärts. Auch der vorher schon recht dünne Verkehr lässt nun noch einmal merklich nach. Wir sind jetzt im Kaokoveld! Enge Täler, durch die Trockenflüsse führen, wechseln sich ab mit weiten Ebenen, die mehr und mehr zu Wüsten werden. Und immer wieder werden diese Landschaften von grünen Mopane-Bäumen unterbrochen, die perfekt an die sonst eher lebensfeindlichen Bedingungen angepasst sind. Ein faszinierendes Naturschauspiel.

Straße im Damaraland © Foto: Jens Döring | Outback Africa Erlebnisreisen

Felsformationen im Damaraland © Foto: Jens Döring | Outback Africa Erlebnisreisen

Felsformationen im Damaraland © Foto: Jens Döring | Outback Africa Erlebnisreisen

Typische Piste in Namibia © Foto: Jens Döring | Outback Africa Erlebnisreisen

Endlose Bodenwelle, schnurgerade Straße © Foto: Jens Döring | Outback Africa Erlebnisreisen

Typisch für Namibia - Schrottautos am Wegesrand © Foto: Jens Döring | Outback Africa Erlebnisreisen

Aud Geröll wird eine Sandpiste© Foto: Jens Döring | Outback Africa Erlebnisreisen

Weites Kaokoland © Foto: Jens Döring | Outback Africa Erlebnisreisen

Einzelne verstreute Siedlungen im Kaokoland © Foto: Jens Döring | Outback Africa Erlebnisreisen

Schließlich erstrecken sich zwischen den Gebirgszügen weite Wüstenebenen, deren Sand bis an die Berghänge geweht wird. Auch die „Straße“ wird von einer Schotter- zu einer Sandpiste. Kaum vorstellbar, dass es sich hierbei um öffentliche Infrastruktur handelt. Mehrmals hege ich Zweifel, ob wir uns überhaupt noch auf dem richtigen Weg befinden. Immer wieder durchqueren wir Trockenflussbetten und unser Bus wird permanent ordentlich durchgerüttelt – eine sehr anstrengende Angelegenheit für Mensch und Maschine. An ein kurzes Nickerchen ist unter diesen Bedingungen nicht zu denken. Mit jedem gefahrenen Kilometer steigt die Erwartungshaltung auf das, was das Ziel wohl für uns bereit halten mag. Schließlich und endlich erreichen wir nach dreieinhalb Stunden hinter Sesfontein das Örtchen Purros. Wir sind nun knapp sieben Stunden unterwegs! Was für eine Quälerei. Aber: Schon der erste Eindruck verdeutlicht, dass man sich hier an einem ganz besonderen Ort befindet: Das Flussbett des Hoarusib. Die Gegend ist Heimat von etlichem Wild, so schwer man das auch glauben mag: Es gibt vor allem Kudus, Springböcke, Zebras, Löwen, Geparden, Strauße und sogar Spitzmaulnashörner. Die wahren Stars sind aber die Wüstenelefanten, die auf der Suche nach Wasserquellen durch das Trockenflussbett wandern. Es handelt sich dabei um Afrikanische Elefanten, die sich aber über viele Generationen an die Wüstenbedingungen angepasst haben.

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