Zur Spitzkoppe und dem Grande Arche

von Doreen Krausche

Donnerstag, 29. November 2012

Es ist acht Uhr und wir sitzen im Bus, bereit für die nächste Etappe. Alex, unser Reiseleiter, hat noch einen Extrapunkt geplant, bevor wir Swakopmund verlassen. Wir fahren zu dem kleinen Martin Luther Museum. Hier steht eine Art Dampflok, die wie ein Traktor ohne Schienen fahren kann. Im ersten Weltkrieg wurde sie zum Materialtransport nach Namibia gebracht und erwies sich als völlig ungeeignet. In diesem trockenen Land gibt es kaum Holz, und mit dem großen Gewicht sank sie regelmäßig auf den unbefestigten Straßen in den Sand ein. So hatte es Martin Luther: „jetzt steh ich hier und kann nicht anders“ wohl nicht gemeint. Nun steht der Koloss aus Eisen seit 1905 dort und ist die Hauptattraktion des Museums, in dem man ansonsten noch einige archäologische Exponate sehen kann.

Der nächste Halt ist Ûiba-Ôas, ein Marktplatz der Einheimischen aus der Region, auf dem Kristallsteine angeboten werden. Handeln ist mal wieder möglich.Von weitem sehen wir schon die Spitzkoppe und andere Erhebungen aus Granitgestein. Sie sind vulkanischen Ursprungs. Je näher wir kommen, desto imposanter werden die roten Felsen. Wir fahren an einem Dorf mit einfachen Behausungen vorbei. Die Bewohner winken freundlich und wir grüßen zurück. Ich winke bald schon eher als sie und bekomme stets ein fröhliches Lächeln zurück. Wenn du das in Deutschland machst, glauben sie, du bist verrückt. Die Menschen in Afrika stecken einen mit ihrem Lachen an.

Am Eingangstor zu den Felsen der Spitzkoppe sitzen zwei deutsche Rucksacktouristinnen und warten auf eine Fahrgelegenheit nach Swakopmund. Wir biegen auf die kleine Schotterpiste ab und tauchen in diese wunderschöne Landschaft ein. Gegenüber der Spitzkoppe, die siebenhundert Meter aus dem Boden ragt, halten wir an. Von Swakopmund bis hierher haben wir bereits 900 Höhenmeter überwunden. Der Höhenunterschied macht den kleinen Ausflug zum Grande Arche schwerer, auch wenn ich nicht mehr so stark nach Luft japse wie auf der Düne 45.

Auf dem Granit lässt es sich gut laufen. Wir albern herum und wollen die großen Steinkugeln wegrollen, doch diese bleiben felsenfest, wo sie stehen. Der natürliche Felsbogen ist ein Naturschauspiel. Ein paar wenige aus der Gruppe und ich kriechen bis ins Innere des Bogens, um auf einem Foto den Größenunterschied darzustellen. Die herrliche Felslandschaft ist ein weiterer Höhepunkt dieser Reise.

Auf unserer Rückfahrt nehmen wir die beiden deutschen Anhalterinnen bis zur Hauptstraße mit, dort haben sie eher eine Chance auf eine Mitfahrgelegenheit. Wir winken wieder den Kindern am Straßenrand. Ein kleines Mädchen in einfacher Kleidung fragt uns auf englisch, ob wir etwas zu essen haben. Ich gebe ihr ein Gebäck vom letzten Lunchpaket und Ingrid aus der Gruppe reicht ihr noch einen Apfel. Ich frage Alex, ob es zu wenig zu Essen gibt und die Kinder Hunger leiden müssen. Doch er beruhigt mich, grinst und sagt nur, es ist doch schön, mal was anderes zu essen als immer nur die bekannten Sachen aus der eigenen Küche. Nur Schokolade und andere Süßigkeiten sollen wir den Kindern nicht geben. Die Zähne werden nicht so regelmäßig geputzt, und einen Zahnarzt, wie wir ihn kennen, suchen die Dorfbewohner auch nicht auf. Die Gesundheitsversorgung sei in den Städten Namibias zwar gut, erklärt uns Alex, aber oft wird hier kurzer Prozess gemacht und der Zahn gezogen.

Unsere Route geht in Richtung Okahandja. Die asphaltierte Straße ist eine Wohltat nach den Schotterpisten und führt uns durch die nächsten Ortschaften. Usakos zeigt sich mit seinen blühenden Flammenbäumen von seiner schönsten Seite. Karibib ist ein Knotenpunkt für die Eisenbahn und den Marmorabbau in dieser Region. Es gibt hier weißen und schwarzen Marmor und als Besonderheit schwarz-weiß gemaserten Zebramarmor.In Omaruru ist nicht nur der Franketurm zu finden, sondern auch die Kristallkellerei, ein Weingut, an dem wir zum Mittagessen halten. Als erfahrener Reiseleiter kennt Alex natürlich besonders schöne Lokalitäten. Nicht nur in Swakopmund waren es gute Restaurants für das Abendessen, auch die Weinkellerei ist eine ausgezeichnete Wahl. Leila, der kleine Haushund, wirft sich zur Begrüßung auf den Rücken und lässt sich genüsslich kraulen. Wir nehmen im Garten der Anlage Platz und bekommen eine deftige Brotzeit und frisches, klares, gefiltertes Wasser aus dem eigenen Brunnen. Eine kleine Weinprobe darf nicht fehlen.

Etendero Gästefarm

Unsere heutige Unterkunft ist die Etendero Gästefarm circa 35 km von Omaruru entfernt. Für die letzten Meter bis zur Unterkunft müssen wir durch ein Tiergatter fahren, das die Rinder der Farm am Weglaufen hindert. Die Etendero Gästefarm ist ein Schmuckstück im Nirgendwo. Hier ist alles viel weitläufiger und nicht hinter hohen Mauern und Toren versteckt wie in Swakopmund. Wir hören Hühner und Schafe.

Das Anwesen ist eine typische namibische Rinderfarm mit Gästebetrieb. Wir laufen quer über den großen Innenhof zur Terrasse des weißen Haupthauses mit einem beeindruckenden Säulenportal, das an die Plantagenhäuser in den Südstaaten erinnert. Die Pächter, ein deutsches Ehepaar, begrüßen uns mit Kaffee und Kuchen und erzählen uns nicht nur Wissenswertes über die Farm selbst, sondern auch über Land und Leute, bevor wir unsere Zimmer zugeteilt bekommen. Die Sitzgelegenheiten vor jeder Eingangstür sowie die Sessel im großzügigen Schlafzimmer laden zum Verweilen ein. Besonders staunen wir über die Bäder, die mit Granitmarmor aus der Region ausgestattet sind. So viel Luxus habe ich hier in der Steppe nicht erwartet. Einige springen in den Pool, bevor wir uns für die Sonnenuntergangswanderung fertig machen.Der Aufstieg zum Lalasberg tut den Beinen gut. Wir sehen kleine Tiere und genießen den Panoramablick in die Weite. Gin&Tonic für alle – Prost, auf die schöne Zeit!

 

Auf dem Rückweg lassen wir uns im Jeep mitnehmen und genießen den Fahrtwind in der Abenddämmerung. Diejenigen, die zu Fuß gehen, entdecken einen Skorpion. In der Ferne blitzt und donnert es, doch regnen wird es erst in der Nacht. Ich höre es auf die Blechdächer der Unterkünfte tröpfeln, dann einmal heftig regnen und schon ist es wieder vorbei. Der Regen wird nötig gebraucht. Auch hier macht sich der Klimawandel bemerkbar, denn es ist Ende November und es ist für diese Jahreszeit noch immer zu wenig Regen gefallen.

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