Unsanft geweckt

von Svenja Penzel

Endlich, das Wochenende steht vor der Tür! Am Freitagabend fällt der Stress der zurückliegenen Woche so schön von einem ab. Jetzt mal entspannen. Ab auf die Couch und Oliver Welkes „Heute Show“ reinziehen. Dann noch den Wein in Ruhe austrinken, auf zwei Tage ohne großes Programm freuen, und ab in die Falle. Ist wieder Mitternacht geworden, aber macht ja nix, morgen müssen wir ja nicht gar so früh aufstehen. Denkste. „Maaaamaaaaaa!“ Ich schlage die Augen auf, drehe den Kopf, sehe den Wecker, er zeigt 05:40. Nee, ne? Simons normale Aufweckzeit an Kindergartentagen ist kurz vor sieben, und dann ist er oft noch im Tiefschlaf. Dann höre ich die typischen Trippelschritte, Barfüßchen auf Laminat. Schwinge mich aus dem Bett, fange ihn auf, bevor er an unserer Schlafzimmertür ist. Flüstere „Simon, es ist noch mitten in der Nacht. Du musst weiterschlafen!“ Was er mit Geheul quittiert. Dann lässt er sich aber ins Bett bugsieren. Ich kehre auch in meins zurück. Lausche, es ist ruhig. Drehe mich zur anderen Seite und döse gerade wieder ein, da...„Maaaamaaaa!“. Okay... wir wiederholen die Prozedur von vorhin, diesmal mit dem Zusatz, er müsse im Bett bleiben, bis der erste Zug zu hören sei. Der kommt um 06:50. Um 06:30 behauptet er felsenfest, der Zug sei durchgefahren. Laut Papa, der auch nicht mehr schlafen kann, war es aber nur ein anderes lautes Fahrzeug. Mittlerweile ist von dem Radau natürlich auch die große Schwester aufgewacht, die schlau genug ist, sich schnell was anzuziehen und unten im Wohnzimmer den Fernseher einzuschalten. Für Simon ist nun auch kein Halten mehr, und Marco übernimmt den Fall. Bald darauf sitzen die beiden Kinder vor der am Vorabend aufgezeichneten Folge von „Der kleine Prinz“, und Marco kehrt zu mir zurück. Dumm nur, dass „Der kleine Prinz“ nach 25 Minuten zu Ende ist, was man daran hört, dass die Kinder anfangen zu streiten. Egal, der Morgen ist nun eh im Eimer, da können wir es mit dem Schlafen auch sein lassen. Der Samstagabend kommt. Ich erzähle Simon beim Zubettgehen, morgen sei wieder Kindergarten. Vielleicht hilft das ja. Er schaut mich schräg an. Marco und ich nehmen uns vor, früher ins Bett zu gehen. Tun es natürlich nicht. Ich lege mir Oropax für die Nacht bereit. Doch Simon lässt Milde walten und schläft tatsächlich bis kurz vor sieben. Da ist Elise schon unten, und der Fernseher läuft bereits. Diesmal hat sie eine DVD in Kino-Länge eingelegt. Das sichert Marco und mir noch ein gutes Stündchen Schlaf, womit der Sonntagmorgen leidlich gerettet ist. Es geht mir nicht in den Kopf, warum Kinder, die unter der Woche mühsam geweckt werden müssen, am Wochenende freiwillig noch deutlich früher aufstehen wollen. Ist wohl eins von Murphy‘s Gesetzen. Und ich erkenne, dass ich noch auf Jahre hin am Wochenende nicht werde ausschlafen können. Und auf einmal freue ich mich unbändig auf den Montagmorgen und meinen Wecker, der zwar schon um viertel nach fünf, dafür aber sehr verlässlich die Normalität der neuen Woche einläutet.

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