Im Microlightflugzeug über die Victoriafälle (19/22)

von Doreen Krausche

Samstag, 02.06.2012Mein Handy summt mich aus dem Schlaf. Ich hatte mir vorsichtshalber meinen Wecker gestellt. Diesmal kratzt keiner an die Zeltwand wie an den Tagen auf Safari. An das frühe Aufstehen bin ich nach der Tour "Strasse der Elefanten" nun gewöhnt und sofort hellwach. Heute erlebe ich einen Microlightflug über die Victoriafälle und bin schon ganz aufgeregt. Bei einem schnellen Frühstück mit Tee und Müsli treffe ich Bruce, unseren kanadischen Reiseteilnehmer von der Tour. Er hat die frühe Morgenstunde auf der Terrasse genutzt und gemütlich bei einer Tasse Kaffee die Flusspferde beobachtet.Während ich noch meinen Tee austrinke, höre ich in der Nähe das brummende Geräusch eines kleinen Flugzeugmotors. Kurz danach erscheint am Himmel ein Paraglider mit Propeller und zwei Passagieren. Mir rutscht mein Herz in die Hose. Bruce erkennt die Angst in meinem Gesicht, lacht und klopft mir aufmunternd auf die Schulter: „You will make it.“, meint er.Meine Klamotten sind beim gestrigen Ausflug zu den Victoriafällen durchnässt worden und bei den kalten Nachttemperaturen auch nicht wirklich durchgetrocknet. Alles ist klamm und kalt. Ein Paar dicke Socken in den Schuhen verschaffen mir zumindest warme Füße und draußen wird es auch schon wärmer, als die Sonne aufgeht. Pünktlich werde ich abgeholt. Bis zu dem kleinen Flugplatz sind es zehn Minuten. Mir kommen ein paar überglücklich lächelnde Passagiere entgegen und erzählen begeistert, wie traumhaft schön es ist, über die Victoriafälle zu fliegen. Eine kurze Einweisung und ein blauer Overall, der über die Kleidung gezogen wird, dazu ein Helm und Kopfhörer. Nun sehe ich aus wie das Teletubby Tinky Winky. Grant, der Pilot, vermittelt einen ruhigen und professionellen Eindruck und gibt mir ein gutes Gefühl. Trotzdem ist wirklich wenig Flugzeug um mich herum - eigentlich gar keins. Zwei Sitze hintereinander, ein paar Gestänge, darüber die Flügel wie ein riesiger Bumerang und hinten der Motor, das ist alles.

Auf der Startbahn © Foto: Batoka Sky

Flug über den Sambesi © Foto: Batoka Sky

Flug über die Wasserlandschaften des Sambesi © Foto: Batoka Sky

Flug über die Wasserlandschaften des Sambesi © Foto: Batoka Sky

Flug über die Victoriafälle © Foto: Batoka Sky

Flug über die Victoriafälle mit Eisenbahnbrücke © Foto: Batoka Sky

Ich nehme auf dem kleinen Sitz hinten im Flugzeug Platz, schnalle mich an, stelle meine Füße auf die Stangen am Sitz vor mir und halte mich an den Stangen an meinem Sitz gut fest. Dann startet Grant den Motor. Wir rollen auf die Startbahn, das laute Geräusch der Propeller im Rücken. Ich halte ich meinen Atem an, als das Flugzeug beschleunigt und plötzlich heben wir ab. Uuuuuuaaaaaaahhhhhhhh... Ein kurzes Jauchzen, ein Wechselbad der Gefühle und dann bleibt mir der Mund vor Erstaunen offen stehen. Direkt unter meinen Füßen wird die Landschaft immer kleiner. Wir steigen einhundertfünfzig Meter in die Höhe und spüren den Wind am ganzen Körper. Grant fragt mich über den Kopfhörer, wie es mir geht. Ich hebe meinen Daumen, alles ok - besser als nur ok, das Adrenalin rauscht durch meinen Körper und ich bin richtig euphorisch. Fast schwerelos fliegen wir über die Uferlandschaft und den Sambesi bis hin zu den Wasserfällen. Erst aus der Vogelperspektive erkenne ich die gesamte Pracht dieses Naturschauspiels. Die Wassermassen stürzen auf einer Länge über 1700 Metern fast 110 Meter in die Tiefe. Ich kann die Victoria Falls-Bridge, die Sambia und Simbabwe über die Wasserfälle hinweg verbindet, sehen und auch die kleinere Brücke auf der sambischen Seite, auf der ich gestern noch in der Gischt stand, ist deutlich zu sehen.

Wir haben die Sonne im Rücken, als Grant eine kleine Kurve fliegt. Er zeigt mit dem Finger nach unten. Ein doppelter Regenbogen, der unter unseren Füßen sichtbar wird, scheint mit uns mit zu fliegen. Wir umkreisen die Wasserfälle einige Male, dann fliegen den Sambesi wieder stromaufwärts. Unter uns grasen drei Elefanten am Flussufer und die dunklen, massigen Flusspferde liegen im Wasser wie glänzende Felsen. Ich atme tief durch, versuche die Leichtigkeit des Fliegens und diesen wunderschönen Ausflug für immer festzuhalten. Nach fünfzehn Minuten landen wir sanft und sicher wieder auf der kleinen Landebahn. Ich würde am liebsten gleich noch einmal starten. Was für ein Erlebnis! Da man selbst nicht fotografieren kann, ist eine Kamera am linken Flügel montiert, die alle 30 Sekunden ein Bild macht. So hat man sich selbst und die Landschaft im Bild für die Nachwelt festgehalten, allerdings natürlich immer aus der gleichen Perspektive. Wenn man die CD mit den Bildern kauft, bekommt man von der Firma noch eine ganze Serie Bilder der Victoriafälle zu den unterschiedlichen Jahreszeiten und Wasserständen dazu. In der Trockenzeit kann der Sambesi sogar komplett versiegen - wie enttäuschend muss es sein, wenn man extra hingereist ist und dann ist da kein Wasserfall zu sehen. Ich kaufe die Fotos für fünfzehn Euro, das ist mir diese Erinnerung wert, denn ich möchte sie zu Hause zeigen und mich selbst ein Leben lang an diesem tollen Erlebnis erfreuen können.

Victoriafälle in der Trockenzeit © Foto: Batoka Sky

Inseln im Sambesi © Foto: Batoka Sky

Die Victoriafälle bei Niedrigwasser © Foto: Batoka Sky

Die Victoriafälle bei Hochwasser © Foto: Batoka Sky

Gischt mit Regenbogen an den Victoriafällen © Foto: Batoka Sky

Victoriafälle bei Hochwasser © Foto: Batoka Sky

Zurück in der Maramba Lodge packe ich meine Sachen und mache mich auf, um zwei weitere Lodges in der Umgebung zu besuchen.

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