Anreise - Reisebericht Tansania 2011 (1)

von Doreen Krausche

Ja, ich kann!Ob das anstrengend ist?Ja, auf jeden Fall!Wird man dabei nicht wahnsinnig?Dezent!Wann begreift man was passiert?Später!Adrenalin, Vorfreude, Abschied, Tränen, organisatorische Meisterleistungen, und anderes, wie eine Dreifach-Impfung und Malariaprophylaxe lassen den eigenen Gedanken wenig Freiraum.

15.11.2011, KLM-Flug Düsseldorf-Amsterdam-Kilimanjaro

Ich sitze nun mittlerweile am Gate E 03 in Amsterdam und warte aufs Boarding nach Kilimanjaro Airport. Heute mitgerechnet ist es der sechste Tag mit der frohen Botschaft: Ich kann, wenn ich will und es organisiert bekomme, nach Tansania und Sansibar fliegen! So richtig begriffen habe ich das alles noch nicht. Ich steige in die KLM. Etwas größer als die letzte Maschine, in der ich nach Amsterdam geflogen bin, ist sie schon. Ich erinnere mich an meinen Flug nach Virginia vor einigen Jahren, da war es ein ähnliches Flugzeug. Drei Sitze links, drei rechts und drei in der Mitte. Im Gang in der 38. Reihe ist mein Platz auf der rechten Seite, was mir einen wunderschönen Blick zum Sonnenuntergang ermöglichen würde. Den Sonnenaufgang hatte ich schon von Düsseldorf nach Amsterdam, da saß ich durch Zufall auf der linken Seite. Jetzt sitze ich ganz hinten, was den Schub beim Starten besonders intensiv werden lässt. Die KLM hebt ab und zaubert mir ein Lächeln ins Gesicht, als es mich in den Sitz drückt. Ich liebe Fliegen.

KLM-Flug © Foto: Doreen Schütze | Outback Africa Erlebnisreisen

KLM-Flughafen Amsterdam © Foto: Doreen Schütze | Outback Africa

KLM-Flug © Foto: Doreen Schütze | Outback Africa Erlebnisreisen

Das Publikum im Flugzeug ist sehr gemischt. Von schwarz, weiß, gelb und grün ist alles dabei. Wobei ich mit letzterer Hautfarbe meine eigene meine.Entweder liegt es am Schlafmangel (1,5 Stunde heute Nacht), am Hunger, es ist ja nun auch schon 10 Uhr und Zeit fürs zweite Frühstück, oder es liegt an den Tabletten für die Malariaprophylaxe. Ich versuche mich an dem Keks vom Zubringerflug Düsseldorf nach Amsterdam, es hilft. Gut, denn die nächste Tablette ist dran.Der Gangplatz bietet mir eine exzellente Beinfreiheit. Die Mitreisenden hinter, vor und neben mir sitzen am Fenster. Das Erste was sie alle gleichzeitig machen ist, das Schiebefenster herunter zu lassen. Ich sehe also rein gar nix. Warum will jemand am Fenster sitzen, wenn er nicht die Aussicht genießen will? Irgendwann wage ich meinen Nachbarn anzusprechen, ob er nicht das Rollo einen kleinen Spalt hochfahren könnte. Er lässt sich kurz darauf ein und ich sehe Wasser. Wir sind nun schon über dem Mittelmeer. Mein Nachbar lächelt und sagt auf Englisch „nur Wasser, sonst nix“ und lässt das Rollo wieder runter. Naja, egal, nicht zu ändern. So bleibt Zeit zu schreiben und zu lesen, wie den Bericht von Svenja und den dicken Know-How Reiseführer. Es sind die ersten Infos zu Tansania, neben den mündlichen Details von Svenja und Marco, meinen neuen Chefs. Ich schüttele immer mal wieder den Kopf und schmunzle. Es ist so ein toller Start in den neuen - alten Beruf. Es erinnert mich an meine Reiseleiterzeit, da gab es auch immer eine ausführliche Einführung in das neue Zielgebiet. Zum einen, um sich einen guten Überblick zu verschaffen und zum anderen, damit ich auch in Zukunft weiß, worüber ich Rede und unsere Reisegäste berate. Ich freue mich so über diese Chance. Nicht nur über diese und folgende Afrikareisen, nein, ich freue mich auch über die Tatsache, in der Heimat zu leben und zu arbeiten, meinen erlernten Beruf auszuüben, eine Verbindung zur Reiseleiterzeit zu haben und daher all mein Können, meine Berufung einzubringen. Das i-Tüpfelchen ist, in einem tollen Team zu arbeiten, welches mich herzlichst aufnimmt und wo ich mich schon vor Arbeitsbeginn super wohl fühle.Es ist mittlerweile nach 17 Uhr und ich sitze am Fenster. Ja, mein Nachbar bat mir nach einer kurzen Unterhaltung seinen Platz an, so dass ich ein Bild vom Sonnenuntergang schießen kann. Ein paar Eindrücke von Afrika aus der Vogelperspektive kann ich noch genießen, denn Schlag 17 Uhr geht die Sonne unter, als würde jemand das Licht ausknipsen. Ich will gar nicht wissen, was ich alles verpasst habe, weil das Rollo unten war. Egal, es warten zehn Tage mit neuen Eindrücken auf mich, die mich bezaubern werden. Nicht mal mehr eine Stunde, dann landen wir. Bin gespannt wer mich abholt und wie mein Bett ist, denn ich bin völlig erledigt. Das Wochenende hatte es einfach in sich und der fehlende Schlaf macht sich bemerkbar.Vor mir ist ein kleiner Bildschirm im Sitz eingebaut. Komfortabel, jeder hat sein eigenes Entertainment. Von Musik über Filme bis zu Fluginformationen ist alles dabei. Anhand dieser Grafik wird mir erneut bewusst, wie weit der Weg ist, auf den ich mich begebe. Jetzt wird mir so langsam klar, dass eine tolle Reise auf mich wartet und mein nächster Halt auf einem anderen Kontinent liegt.

KLM - Inflight Entertainment © Foto: Doreen Schütze | Outback Africa

KLM - Inflight Entertainment © Foto: Doreen Schütze | Outback Africa

KLM - Inflight Entertainment © Foto: Doreen Schütze | Outback Africa

Ankunft am Kilimanjaro Airport 20:25 Uhr. Das Flugzeug landet, dreht, fährt zurück und hält genau vor der kleinen Ankunftshalle. Der Vorteil ganz hinten zu sitzen ist, dass der hintere Ausgang nicht weit ist und ich somit nicht lange warten muss, bis ich aussteigen kann. Die erste warme afrikanische Luft weht mir ins Gesicht, ich freue mich da zu sein. Es sind noch 24°C. Die Ankunftshalle sieht sozialistisch aus. Der Parkettfußboden in der Halle fällt mir auf, wenn der richtig auf Hochglanz gebracht werden würde, wäre er ein Augenschmaus. Es müssen noch recht viele Besucher das Visum erstehen und somit stelle ich mich gleich linker Hand in die Reihe an. Zwei Mann bearbeiten alle ankommenden Gäste. Sie verlangen von jedem den Pass, das Einreiseformular, welches im Flugzeug ausgehändigt wird und die 50,- $. Dafür erhält man einen dicken Stempel im Pass, mit der Notiz, dass gezahlt wurde. Die nächste Station ist die Passkontrolle. Hier werden elektronisch die Fingerabdrücke genommen. Gleich dahinter ist das Gepäckband, es gibt nur das eine. Meine Tasche fährt nun nicht mehr die x-te Runde, sie wurde vom Flughafenpersonal herunter gehoben und bewacht.Mit dem Gefühl der Erleichterung alles geschafft zu haben, begebe ich mich auf die Suche nach meinem Guide, der mich abholen soll. Gar nicht so einfach. Eine ganze Traube Männer steht bereit und alle halten ihren Zettel mit Lodge- oder Veranstalternamen hoch und rufen. Völlig überfordert winke ich erst einmal ab und lese in meinen Unterlagen noch einmal den Namen Meru View Lodge, um auch sicher zu gehen. Ein ganz junger, dünner, sympathischer Typ sagt meinen Namen und wir lächeln uns an und freuen uns, dass wir uns gefunden haben. Begrüßung per Handschlag und die Info, dass wir noch auf eine Familie warten und danach sofort in die Lodge aufbrechen. Benjamin, sein Name.Die Fahrt zur Meru View Lodge dauert ca. 40 min. Es ist stockdunkel, was es mir ermöglicht, den Sternenhimmel zu sehen. Ich entdecke sogar das „Southern Cross“ und freue mich, nach vielen Jahren wieder einmal auf der anderen Seite des Äquators zu sein. Entlang der Straße stehen kleine Häuser und in einigen wenigen brennt auch Licht, so kann ich meinen Blick in das Innere der Wohnungen werfen. Die meisten Einheimischen sitzen aber vor ihrer Tür und erzählen mit den Nachbarn. Hier und da brennt ein Lagerfeuer, aber viel spannender finde ich die Tatsache, dass jeder dritte sein eigenes Motorrad vor der Tür stehen hat. Die Straße wird schlechter, dann noch schlechter und kurz vor dem Ziel holpern wir über eine Art Baustelle. Die Straße zur Lodge wird zur Allee und an einem großen schmiedeeisernen Tor hält Benjamin und hupt. Ein junger Afrikaner in Security-Uniform öffnet uns die Tür und lächelt verschlafen. Wir fahren zum Haupthaus und parken. Benjamin kümmert sich um unser Gepäck und Jan Albrecht aus dem Rheinland begrüßt uns. Er vertritt Debbie und Horst Bachmann, die Chefs der Lodge. Er bittet uns ins Haus, gibt uns unsere Schlüssel und diverse Infos. Die ganze Crew der Lodge steht parat und begrüßt uns. Sie sagen ihre Namen, die ich auch gleich wieder vergesse – schade, aber es ist zu spät und ich bin zu müde. Wir bekommen trotz später Stunde noch ein Abendessen. Ich nehme nur eine Suppe und das selbstgebackene Brot - lecker!Jan geht mit mir mein Programm für die nächsten Tage durch. Wir schwatzen noch kurz privat und dann verabschiede ich mich, ich will ins Bett. Im Mondlicht kann ich ein wenig von dem schönen Garten erkennen. Ich freue mich auf morgen, ich möchte die Anlage bei Tageslicht erkunden. Jetzt schnell unter die Dusche und ab ins Bett. Oh nein, der Koffer!Ich hatte kein kleines Schloss, also half ich mir mit einem Kabelbinder zum Verschließen des Koffers. Doch ohne Messer, Schere oder Feuerzeug komme ich nicht an meine Sachen. Also zurück zum Haupthaus, alles ist dunkel, keiner da. Ich laufe drum herum, auch nichts. Zum Glück kommt jemand und fragt nach - allerdings ist es der „Security man“. Er lacht, denn er hat mich verfolgt und konnte im Dunkeln nicht sehen, wer ich bin. Jan kommt heraus und hilft mir mit einem Messer aus. Jetzt steht der Dusche nichts mehr im Weg. Als ich dann das Wasser genieße, muss ich lachen - gleich zwei Mal ging schon am Flughafen das Licht aus und just in diesem Moment stehe ich wieder im Dunkeln. Ich stapfe also durchs Zimmer und suche meine Stirnlampe und dusche mit Licht auf dem Kopf zu Ende, dann schnell unters Moskitonetz in das wirklich sehr bequeme Bett. Ich lausche noch dem Wind in den Bäumen und den Grillen, stelle mir den Wecker und dann fallen mir endlich die Augen zu. Was für ein Tag!Der komplette Reisebericht in der Übersicht:  

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