Zugfahrt mit dem Rovos Rail - Reisebericht Südafrika (10/10)

von Susanne Schlesinger

Svenja, 10.05.2011 | Der letzte Teil unserer Reise ist eine Zugfahrt. Eine ganz besondere, und zwar mit dem Rovos Rail, laut Slogan „the most luxurious train in the world“. Dieser Zug erwartet uns also um 9 Uhr am Hauptbahnhof Durban. Wir sind ausgeschlafen, hübsch angezogen und erwartungsfroh. Tatsächlich liegt auf dem Bahnsteig 14 ein roter Teppich, an dessen Ende ein Tisch mit Gläsern und Sekt aufgebaut ist.

Wir reisen mondän im Rovos Rail

Wir werden freundlich begrüßt, und dienstbare Geister bringen unser Gepäck in den Zug. Diesen dürfen wir wenig später auch betreten und finden über weichen Teppichboden den Weg zu unserem Abteil, einer „Pullman Suite“. Eine sehr nette junge Dame namens Caro stellt sich uns als „your personal attendant“ vor und erklärt uns die Einzelheiten unserer Suite, die ganz in dunklem Holz gehalten ist. Die Pullman-Kategorie ist mit 11 Quadratmetern die kleinste Einheit, dennoch fehlt es nicht an Komfort. Es gibt eine Klimaanlage, eine Minibar, ein Badezimmer mit verschließbarer Holztür, darin eine Dusche, ein WC und ein Waschbecken, ein kleiner Kleiderschrank und für jeden eine würfelförmige Kulturtasche aus Stoff mit Seife, Duschgel, Lotion und vielem mehr, die wir behalten dürfen. Es gibt auch einen Föhn und eine zuschaltbare Heizung. Auf der Ablage oberhalb der Minibar steht ein Behälter mit Knabberkram und Süßigkeiten. Mit vielen Lampen kann man sein Abteil individuell erhellen. Lademöglichkeiten für elektrische Geräte sind vorhanden, per Telefon kann man mit den Zugbegleitern sprechen und Wünsche äußern oder Getränke bestellen. Alles ist pieksauber und auf Hochglanz poliert. Die einzelnen Abteile haben Namen, wir residieren im „Vaal“. Eine Namensliste liegt aus, so dass wir sehen können, wie die anderen Gäste heißen und woher sie kommen. Da die Namen auch außen an den Abteilen stehen, sieht man auch, wer sich eine 16 Quadratmeter große „Deluxe Suite“ oder gar die einen halben Wagen umfassende „Royal Suite“ gegönnt hat. Doch zunächst sehen wir gar nichts. Es ist finster in diesem nicht sehr ansehnlichen Durbaner Hauptbahnhof. Gegen halb zehn ruft Rohan Vos, der grauhaarige, hochgewachsene und elegante Gründer von Rovos Rail, seine Gäste im Lounge-Abteil zusammen und hält eine Begrüßungsrede. Wir werden wohl nicht pünktlich um 10 Uhr starten können, da seit Stunden auf eine staatliche Lok gewartet wird, die die Rovos-Waggons bis kurz vor Pretoria ziehen soll. Rovos hat nämlich keine eigenen Dieselloks, sondern nur die Dampfloks, die aber immer nur für einen Teil der Strecke die Waggons ziehen. Etwas deprimiert sitzen wir noch eine Stunde in unserem Abteil und dann im Aussichtswaggon am Ende des Zuges, wo es ähnlich dunkel ist. Die meisten der 22 Gäste haben sich dort bereits zum gepflegten Smalltalk versammelt. Handys und Laptops sind in den öffentlichen Bereichen des Zuges verboten. Rohan Vos hatte das in seiner Ansprache sehr nett formuliert: „You should engage in conversation and serious drinking!“.Also fangen wir mal mit dem drinking an. Wir warten bis kurz vor halb eins. Dann ruckt es endlich, und der Zug fährt an. Ein Jubeln geht durch das Abteil. Schon bald stehen wir ganz hinten im offenen Bereich des Zuges in der Sonne. Nachdem der Zug den Innenstadtbereich und die Industriegebiete der Umgebung verlassen hat, fahren wir durch eine weiche Hügellandschaft, die sehr passend „Valley of a Thousand Hills“ genannt wird. Immer wieder stehen Menschen an den Gleisen und winken uns zu. Schon bald ertönt eine Glocke, die uns zum Mittagessen ruft, und wir laufen den weiten Weg zurück zum vordersten Teil des Zuges, wo das Restaurant liegt. Dort ist alles sehr schön mit Silberbesteck gedeckt und mit Blumen geschmückt. Die Sonne scheint, eine malerische Landschaft zieht an uns vorbei, die Kellner sind aufmerksam und dezent. Sie falten unsere Stoffserviette, legen diese gekonnt auf unseren Schoß und servieren ein feines Vier-Gänge-Menü und dazu passende Weine. Dabei merken sie sich unsere Vorlieben und erfüllen uns jeden Wunsch.Anderthalb Stunden später schwanken wir leicht angesäuselt zurück in unser Abteil und legen uns erstmal aufs Ohr. Ein prasselndes Geräusch weckt uns. Dann blitzt und kracht es. Ein heftiges Gewitter tobt über uns. Der Zug bleibt eine ganze Weile stehen. Dann geht es langsam weiter, es regnet bis zum späten Nachmittag. Unser geplanter Ausflug zu den Battlefields, wo 1881 der Krieg der Buren gegen die Engländer stattgefunden hat, fällt buchstäblich ins Wasser – es wäre aber aufgrund unserer Verspätung wohl ohnehin ausgefallen. Kurz vor Sonnenuntergang öffnet sich die Wolkendecke, und die Sonne kommt wieder heraus – gerade noch rechtzeitig, um sie untergehen zu sehen. Das ist nun wirklich unser letzter Abend in Afrika, morgen Abend sitzen wir schon im Flugzeug nach Frankfurt, das wir hoffentlich auch erwischen, wenn der Zug pünktlich in Pretoria ankommt.Eine Überraschung hat Rohan Vos noch für uns parat: Er kommt diskret auf uns zu, als wir uns nach Einbruch der Dunkelheit zu den anderen im Bar-Waggon gesellen. Eine Deluxe-Suite sei frei, ob wir umziehen möchten? Wir strahlen. In unserer doch sehr kleinen Pullman-Suite ist es mit unseren zwei großen Reisetaschen, Rucksäcken und Beuteln schon ziemlich eng. Voller Freude bedanken wir uns und schreiten auch gleich zur Tat. Nun schlafen wir nicht übereinander, sonder über Eck nebeneinander, und auch unsere Taschen finden bequem Platz, ohne dass wir sie nach oben in die Gepäckablage wuchten müssen.Um 18 Uhr hören wir uns im Lounge-Abteil mit seinen weichen Sofas und Sesseln einen Vortrag über die südafrikanische Geschichte und die diversen Kriege der Buren gegen die Zulus und Engländer gegen die Buren an – vielleicht als Ersatz für die ausgefallen Battlefields-Tour. Sehr interessant und gut erzählt, aber recht lang und ein bisschen zu vollgestopft mit Namen, Zahlen und Orten. Wer viel Zeit hat, sollte das dicke Buch „Verheißene Erde“ von James A. Michener lesen, das die gesamte südafrikanische Geschichte sehr anschaulich verpackt und spannend in Romanform darstellt, absolut empfehlenswert.Das Abendessen beginnt daraufhin erst kurz vor acht. Alle haben sich schick gemacht, die Kellner in schwarzem Anzug und weißem Hemd mit Fliege, die Herren im Anzug mit Krawatte, die Damen in Blusen oder Kleidern.

Dinieren im Rovos Rail

Nachdem alle sitzen, bekommen die Herren eine rote und die Damen eine gelbe Rose ans Revers gesteckt. Das Essen ist wieder sehr fein, obwohl es Ulrike nicht richtig schmeckt – die Kombination von Zutaten ist tatsächlich ungewöhnlich, und sie mag halt nicht alles. Ich fand die zarten Rinderstreifen sehr lecker, und auch die nachfolgenden Ziegenkäse-Häppchen (eine Sonderkreation für Rovos) haben mir geschmeckt. Da es zum Nachtisch dann Vanilleeis mit gebackenen Bananen und Baiser gibt, ist am Ende auch für Ulrike alles wieder gut. Erst kurz vor zehn sind wir fertig, und das im wahrsten Sinne. Wir sind zu müde für einen Absacker an der Bar oder gepflegte Konversation mit unseren Mitreisenden, und so verabschieden wir uns ins Bett. Dort erwartet uns noch eine Flasche Sekt, die liebevoll von Rosenblättern umgeben auf unserem Bett liegt, sowie eine kleine Nascherei. Ich muss schon sagen, hier bei Rovos haben sie ein Händchen fürs Besondere.Die Abendwäsche wird eine Katzenwäsche, da das Waschbecken klein ist, das Wasser aus den beiden Drück-Hähnen gewaltig spritzt und sich heiß und kalt nicht wirklich mischen lassen.

Dann liegen wir auch schon bald in den Federn und sind glücklich, dass wir unser schönes Deluxe-Abteil haben. Der fahrende Zug ruckelt uns in den Schlaf.Svenja, 11.05.2011 | Gegen sieben werde ich wach. Es ist noch finster in unserem Abteil, was an den dicht schließenden Holzjalousien liegt. Ulrike schläft noch, und so schleiche ich mich ins Bad und öffne dort das Fenster. Die Sonne scheint auf eine weite gelbe Graslandschaft, im Hintergrund Pinien – wir sind im Highveld angekommen. Ich schlüpfe unter die warme Dusche. In einem fahrenden Zug zu duschen ist gewöhnungsbedürftig, aber es hat was! Als ich frisch duftend, geföhnt und gut gelaunt wieder herauskomme, ist Ulrike auch wach. Heute müssen wir uns wärmer anziehen, es hat sich doch merklich abgekühlt. Das Frühstück ist die einzige „gleitende“ Mahlzeit an Bord des Zuges, jeder kommt, wann er mag. Wir setzen uns ans Fenster in die wärmende Morgensonne und genießen unser Obst, Toast und Omelett, dazu noch ein Croissant oder einen Muffin. Das Obstbuffet ist derart kunstvoll gestaltet, dass ich es fotografieren muss. Anschließend ist Freizeit bis zum Mittagessen. Ich schnappe mir ein Reisemagazin, das ich von der Indaba mitgenommen habe, setze mich in den Bar-Wagen, bestelle mir eine heiße Schokolade mit Amarula und lese es von vorn bis hinten durch. Das ist Luxus! Vor mir liegen noch drei Stunden bis zum Mittagessen, in denen ich tun und lassen kann, was ich will. Herrlich!Die Verspätung von gestern haben wir sicherlich aufgeholt, nun können wir auch bis Pretoria durchfahren, wo wir den schönen Rovos-eigenen Bahnhof „Capital Park“ noch sehen möchten. Die Alternative wäre gewesen, eher auszusteigen. Unser Rückflug nach Frankfurt geht nämlich noch am frühen Abend von Johannesburg. Der Zug fährt am Nachmittag aber zügig an Johannesburg vorbei nach Norden, wir liegen gut in der Zeit. Doch das dicke Ende kommt. Wie so oft, stehen wir schon wieder für lange Zeit still. Allmählich werden wir unruhig. Hätten wir doch schon an einem der Bahnhöfe nahe Johannesburg aussteigen sollen? Nun gibt es kein Zurück. Die Minuten verrinnen. Im Stop-and-Go geht es langsam vorwärts. Dann wieder eine Unterbrechung. Es ruckt. Wir schauen durchs Fenster. Vorn wird die staatliche Lok abgekoppelt, und eine schöne alte Dampflok übernimmt den Zug. Rauch steigt auf. Nun ist der Capital Park-Bahnhof nicht mehr weit. Kurz nach vier erreicht der Zug seine Endstation. Den Bahnhof können wir nun natürlich nicht mehr in Ruhe anschauen, die Dampflok auch nicht, also schnell ins bereitstehende Taxi und ab durch den Feierabendverkehr zum Flughafen, den wir mit viel Herzklopfen noch rechtzeitig erreichen. Schade um dieses turbulente Ende, wir hätten uns noch eine Nacht in Pretoria gönnen sollen. Aber es ist, wie es ist. Kurz vor dem Einstieg in den A380 zieht Ulrike zwei Flaschen Savanna heraus, die sie im Duty Free erstanden hat, und öffnet sie. Prost.Auf eine gelungene, vielfältige, interessante und lehrreiche Inforeise und viele schöne gemeinsame Erinnerungen. Gern wieder!Alle Teile des Reiseberichtes in der Übersicht:

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