Wilderer töten Nashorn in der Serengeti

von Marco Penzel

Nashorn George vor seiner Auswilderung in einem Gehege (Boma).© Foto: Zoologische Gesellschaft FrankfurtObwohl George, wie die anderen vier neu angesiedelten Nashörner, unter permanenter Bewachung durch die Nashornschutztruppe des Nationalparks stand und er einen Sender zur besseren Überwachung trug, wurde der Bulle von Wilderen erschossen. Sein Horn wurde abgesägt und entwendet. "Wir hatten bei einer Überwachung mit dem Flugzeug bereits festgestellt, dass die Signale seines Senders nicht mehr zu orten waren – ein beunruhigendes Zeichen", sagt Markus Borner, ZGF-Programmdirektor in Afrika. "Die Ranger der Nashornschutztruppe gingen Anfang der Woche auf die Suche nach George und fanden das tote Tier am Dienstag. Wir nehmen an, dass er am Sonntag erschossen wurde."Tanzania National Parks (Tanapa), die Polizei und Experten der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt sind bereits intensiv mit der Aufklärung des Falles beschäftigt und werden alles in ihrer Macht stehende tun, um die Täter zu fassen. Tansanias Minister für Natürliche Ressourcen und Tourismus, Ezekiel Maige, ist ebenso zutiefst beunruhigt über den Vorgang und bekräftigte gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters gestern die Entschlossenheit der Behörden, alle erforderlichen Mittel bereitzustellen, um den Fall aufzuklären. Ziel des Serengeti Rhino Repatriation Projektes (SRRP) ist es, insgesamt 32 Spitzmaulnashörner aus Südafrika in der Serengeti wieder anzusiedeln, um damit die kleine Serengeti-Mara-Population zu stärken. Allen am Projekt Beteiligten war zu jedem Zeitpunkt bewusst, dass das komplexe Projekt ein solches Risiko bergen würde. "Wir wussten, dass das passieren kann", sagt Markus Borner, "Die Serengeti ist kein Zoo und die Nashörner sind schließlich wilde Tiere. Selbst beim besten Schutz gibt es keine hundertprozentige Garantie, die Ranger können nicht jede Minute neben den Tieren sein. Für uns ist jetzt wichtig, den Vorfall schnellst möglich aufzuklären, auch um zu sehen, welche Konsequenzen wir daraus ziehen müssen. Man wird sicherlich den Schutz der Tiere noch verstärken müssen."Das Horn von Nashörnern ist in der traditionellen asiatischen Medizin, vor allem in China und Vietnam sehr begehrt. Obwohl es nachweislich keinen medizinischen Nutzen hat, treibt der Aberglaube und die Nachfrage den Preis für Nasenhorn weiter in die Höhe. Hintergrund zum Serengeti Rhino Repatriation Project: Am 21. Mai 2010 landeten fünf Spitzmaulnashörner aus Südafrika im Serengeti Nationalpark (Tansania). Mit ihrer Ankunft fiel der Startschuss für eine der größten und aufwändigsten Wiederansiedlungen dieser Tierart. Den fünf Nashörnern werden in den nächsten 2-3 Jahren weitere 26 Artgenossen folgen. Insgesamt werden 32 Ostafrikanische Spitzmaulnashörner aus Südafrika zurück in die Heimat ihrer Ahnen, in das Serengeti-Mara-Ökosystem, gebracht werden. Das Serengeti Rhino Repatriation Project wird gemeinsam durchgeführt vom Tansanischen Ministerium für natürliche Ressourcen und Tourismus, der tansanischen Nationalparkbehörde Tanzania National Parks (Tanapa), dem Tanzania Wildlife Research Institute (Tawiri), der südafrikanischen Nationalparkverwaltung South African National Parks (Sanparks), der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt (ZGF) und dem Singita Grumeti Fund. Finanzielle Unterstützung kommt darüber hinaus von US Fish and Wildlife Service, der amerikanischen National Fish and Wildlife Foundation und der Nduna Foundation.Die Umsetzung des Vorhabens liegt in den Händen der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt, die für die gesamte Logistik des Projektes, die technische Expertise und Sicherheit zuständig ist, sowohl bei der Umsiedlung selbst als auch beim Monitoring nach der Freilassung der Tiere.

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