Straße bedroht Tierwanderung in der Serengeti

von Marco Penzel

In Tansania haben Pläne für eine neue Fernstraße durch den Norden des Serengeti Nationalparks für Aufsehen gesorgt. Naturschützer sind besorgt, dass das ökologisch sensible Gebiet, durch das zweimal im Jahr die riesigen Gnuherden auf ihrer großen Wanderung ziehen, Schaden nehmen könnte. Der Norden der Serengeti ist bislang noch wenig erschlossen. Hier sind auch viel weniger Touristen unterwegs als im zentralen und südlichen Teil des Nationalparks. Eine Fernstraße für den Schwerlastverkehr, die von Arusha aus nördlich am Ngorongoro-Krater vorbei, durch die Loliondo-Region und die Nordserengeti zum Victoria-See führen soll, könnte das empfindliche ökologische Gleichgewicht stören. Gnu-Herden zu Beginn der kleinen Regenzeit Ende Oktober in der Nordserengeti. © Foto: Marco Penzel | Outback Africa Erlebnisreisen
Experten der Frankfurter Zoologischen Gesellschaf (ZGF), die sich seit den Tagen von Bernhard Grzimek ganz besonders für den Schutz der Serengeti engagiert, verweisen darauf, dass vor allem in der Trockenzeit die nördliche Serengeti sowie die angrenzende Masai Mara lebenswichtige Gebiete für die Tiere auf ihrer großen Wanderung seien, denn nur hier fänden sie das ganze Jahr hindurch Wasser. Wörtlich heißt es in einer Stellungnahme der ZGF: „Neuste Forschungen zeigen, dass die Population der Gnus voraussichtlich von 1,3 Millionen auf bis zu 200.000 Tiere zurückgehen würde, wenn man sie von den Gebieten, die in der Trockenzeit noch wichtige Wasserreserven haben, abschneiden würde. Das wäre ein Rückgang auf weniger als ein Viertel des jetzigen Bestandes und womöglich auch das Ende der großen Tierwanderung in der Serengeti.“ Auf der anderen Seite erkennen die Naturschützer an, dass die Menschen in Tansania eine bessere Infrastruktur brauchen. Sie verweisen auf eine alternative Trassenführung, die südlich um die Serengeti herum verläuft.Die vollständige Pressemitteilung der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt ist hier nachzulesen.Bei „Save the Serengeti“ kann man eine Petition gegen das Straßenbauprojekt unterstützen.

4 Kommentare

Uwe Gleichauf

07.02.2011 um 07:53

Wie weit soll der Wahnsinn noch gehen? Anhand dieses Beispieles muss es gelingen, solch irrwitzige Vorhaben endgültig zu unterbinden und im Keim zu ersticken. Deswegen unterstütze ich den Kampf gegen die geplante Straße.
Bitte macht alle mit!

Marco

05.02.2011 um 21:16

Das kann ich gut nachvollziehen, ich glaube auch meine Afrika-Faszination begann mit Grzimeks Filmen.
Mit den Spenden ist das so eine Sache, eine Sicherheit für die Verwendung des Geldes ist schwer zu bekommen. Organisationen wie Serengeti Watch www.savetheserengeti.org scheinen einen guten Job zu machen. Gut kann man die Entwicklung auch auf deren Facebook-Seite "STOP THE SERENGETI HIGHWAY" verfolgen.
Rund um den Globus wurden so schon viele Menschen, Medien und Naturschützer aufgerüttelt. Ich frage mich nun, ob auch ausreichend Tansanier begreifen, was hier auf dem Spiel steht.
Bis vor kurzem hatte ich noch gedacht, die tansanische Regierung hält nur so lange an der Nord-Route fest, bis das Ausland aus Angst um das Weltnaturerbe Serengeti die Südroute finanziert. Ohne den ganzen Rummel wären die Chancen auf Fördergelder für die Straße wohl geringer. Doch seit nun die Weltbank die Finanzierung der Südroute angeboten hat, und der Präsident trotzdem weiter "njet" sagt, bin ich nicht mehr so optimistisch.

Andreas Berger

02.02.2011 um 14:48

"Serengeti darf nicht sterben" war der erste Film, den ich als 6-Jähriger im Kino gesehen habe. Und der Beginn einer Sehnsucht nach SAfrike - die ich nun- vor 1,5 Jahren erstmals mit einer Reise stillen konnte. (DDR, Geldmangel und anderes hatten das so lang verhindert)- Nicht nach Serengeti, aber die bleibt als Ziel noch offen für demnächst....
Nein, da gehört keine Straße hindurch. Die Serengeti ist Weltnaturerbe. We man irgendwo für die südliche Umgehung spenden kann, besteht dann die Sicherheit,daß das Geld auch so verwendet wird?
Wie weit sind Tansanias Politiike rvon Mugabe/Mubarrak entzfernt?

Svenja

29.06.2010 um 20:25

Die tansanischen Politiker scheinen nichts zu begreifen. Dass eine Hauptstraße mit Schwerverkehr sich nicht mit einem Wildreservat verträgt, kann man doch schon im Mikumi Nationalpark sehen. Ich war gerade erst dort. Busse und Trucks rasen auf ihrem Weg von Dar es Salaam nach Iringa und weiter nach Sambia mit 100 km/h (50 sind innerhalb des Parks erlaubt) über die Piste, und die abgenutzten Bodenwellen, die eigentlich als Geschwindigkeitsbremsen gedacht sind, haben kaum eine Wirkung. Es kommt oft zu Unfällen, Tiere werden getötet oder verletzt. Der Park ist für mich aufgrund dieser viel befahrenen Straße nicht sehr attraktiv.
Ich frage mich immer noch, ob diese Baupläne ernst gemeint sind oder bewusst als Provokation für die ganze Welt gedacht sind, die dann aufschreit und Gelder für den Bau einer südlichen Umgehungsstraße gibt? Wie auch immer, ich habe die Petition unterschrieben, denn nur in der Masse hat unsere Stimme ein Gewicht. Ein Highway durch die nördliche Serengeti ist für mich eine absolute Horrorvorstellung.